Beiträge von Bohnenbub

    Mir ist schon mal ein RV im gar nicht so heftigen Wind unterwegs kaputt gegangen, es war einer 5er YKK, also nicht unterdimensioniert. Es gab auch Zugentlastung.

    Schmalere Spiralreißverschlüsse haben eine geringere Haltekraft, es sei denn wir sprechen von der Größe 10. :)
    Ich würde bei höheren Zugkräften und Vereisungsgefahr eher Zahnreißverschlüsse wählen. Ich erinnere mich, dass an meinem alten Keron aus den 80ern ein dicker YKK Fischerei-Reißverschluss eingenäht ist. Der Reißverschluss-Schlitten sprengte jeden Anflug von Vereisung.

    Ähnlich an meinem Barents Arctic Polar: Ich weiß nicht, was das für eine Größe ist, aber bei Vereisung kann ich da mit voller Körperkraft dran rumreißen und "enteisen" ohne das Geringste Gefühl von Sorge. Gewisse Anwendungsbereiche sind einfach nicht für flimmsige Dinge gemacht.

    Die "Poperze" hatte ich mal beim Slingfin Windsaber der 1. Generation. Klar, ist etwas fummelig aber dafür auch wartungsfrei und quasi unzerstörbar. Da du die Poperze ja von innen mit einem Kordelzug zusammen ziehst, wird das bei richtiger Bemessung schon stramm. Bzw. hängt da zumindest kein extra Material flatternd rum.

    Ich habe solche Eingänge schon an den Antarktis Pyramiden Zelten gesehen.

    Sehe ich ähnlich. Eine gut abgespannte kleine Pyramide kann schon echt viel ab. Hatte mir das von einer KI mal durchrechnen lassen: Die Differenz der Last auf die Heringe bei größer werdenden Panels von 1P zu 2P zu 4P ist schon enorm.

    Das Solomid XL hat für mich mit 190+ damals ok funktioniert. Gewiss eng. Aber wenn man wirklich Gewicht sparen möchte, hat man immer irgendwo einen Kompromiss zu machen.
    Das war wohlgemerkt mit Bivy, was den real nutzbaren Platz etwas erhöht. Je nach Jahreszeit weiß ich nicht, ob ein Bivy im Vergleich zu einem Innenzelt in Skandinavien so die Hellste aller Ideen wäre.

    Je älter ich werde, desto mehr wertschätze ich etwas Platz. Zumindest bei längeren Touren und in Gegenden, wo der Platzbedarf eines größeren Zeltes kein Hinderniss darstellt (wie eben das Fjell). Eine 2P Pyramide, egal ob Duomid oder Ultamid 2 oder irgendwas von Locus wiegt am Ende vielleicht 400g mehr (inklusive Innenzelt). Dafür berührt man bei Einzelnutzung dann gar keine Zeltbahn mehr, kann problemlos drinnen kochen, nasse Regenklamotten in eine Ecke packen etc.

    Ich schlage vor, dass ihr je nach Geschlecht und Körpergröße unter üblichen 3 Jahreszeit Bedingungen mit 650-800 g bei etwa 500 kcal pro 100 g (das entspricht so in etwa der Energiedichte von Nüssen, Studentenfutter, Schokolade, vielen Käsen, Salami etc.) die ersten Touren macht. Dann findet ihr schnell raus, ob das eher an der Ober- oder an der Unterkante ist. Wirklich ausrechnen kann dir das kein Tool, zu unterschiedlich sind Terrain, Klima und die Trainiertheit und damit die Leistungsabgabe des Einzelnen. In der Größenordnung macht ihr damit zumindest nichts falsch und werdet weder groß Hunger leiden, noch mit übermäßig viel Ballast zurück kehren. Nach 1-2 Wochen könnt ihr beim nächsten Proviantstopp oder vor der nächsten Tour auf Basis der Erfahrungen anpassen.

    Als Beispiel aus der Praxis. An einem Ruhetag wie heute, habe ich als >190 cm Mann laut meiner Uhr, die das auf Basis von Herzfrequenz, Körpergewicht und gewissen Bewegungsmustern berechnet, etwa 2.400 kcal in Ruhe und so um die 400 kcal in Bewegung (kein Sport, nur Herumlaufen, Haushalt, Einkaufen und co).

    An fordernden Tourtagen steigt der Verbrauch in Bewegung auf 3.000 kcal. Was in Summe dann 5.500 kcal bedeutet. Das wären 1.100 g Proviant bei 500 kcal pro 100 g.

    Wenn ich nun nur 800 g ( ca 4.000 kcal) dabei habe, springt der Körper SEHR vereinfacht ausgedrückt, mit etwa 200 g Körperfett, Muskelgewebe & co ein.

    Mhm...klingt gut aber ist es dann in der Praxis wirklich so, dass es mehrere Zelte ersetzt? Zwischen Winter- und Sommernutzung muss ich ja hier Innenzelt und Außenzelt tauschen. D.h. alles was konstant bleibt ist das Gestänge. Da ist der Unterschied zu zwei spezialisierten Zelten nicht so groß. Oder übersehe ich etwas?

    Je nach deiner Körpergröße und notwendigem Raum wären klassische Kandidaten:

    MLD Solomid XL

    MLD Duomid

    Locus Gear Khufu

    HMG Ultamid 1 und 2


    Edit: Wenn du nicht aufs letzte Gramm optimieren willst, könntest du mit einem Ultamid 2 auch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Alleine nimmst du nur das Außenzelt mit seinen 580 g (oder so ähnlich). Wenn ihr zu zweit, oder mit Kleinkind unterwegs seid, kommt noch das Full Mesh Inner hinzu. Klar, ist teuer. Klar, ist für Einzelnutzung unnötig viel Platz und Footprint. Aber es würde alle Szenarien abdecken.

    Eine Einschränkung dazu: Ich kenne den Hexatrek nicht. Wenn der regelmäßig richtig alpin wird, also mit steinigem Boden, dann sind Pyramiden fehl am Platz, weil sie perfekten Herings Sitz am genau richtigen Ort erfordern. Wenn ihr nahezu ausschließlich auf grasigen Flächen zeltet, ist es kein Problem.

    • MLD / Flames Creed Trailstar: Das gefällt mir auch sehr gut, man hat recht viel Platz (geht auch zu zweit), es kann angeblich sehr gut mit schlechten Wetterbedinungen umgehen (wenn man es dementsprechend aufbaut) und es passt ein günstiges Mesh Inner rein (z.b. 3F). Hat jemand Erfahrungen mit dem Teil, weil im moment ist das mein Favorit.

    Das MLD Trailstar erinnere ich als eine sehr ästhetische Unterkunft. Ich hege dafür auch Jahre später durchaus noch Sympathien. Durch die Möglichkeit des sehr niedrigen Aufbaus habe ich es völlig sorglos auf langen Touren im Norden genutzt. Kompletten Schutz vor Regen bei drehenden Winden hast du allerdings eher nur bei Nutzung als Einzelperson (hinter der Stange) bei niedrigem Aufbau. Ich hatte es damals mit einem Custom Inner einer Mini-Cottage kombiniert. Hießen sie Oookworks? So oder ähnlich. Für >180 cm war es dann im Inner schon sehr eng. Dafür dass es effektiv so wenig voll geschützten Schlafplatz im Innern bietet (bei Nutzung mit Inner), ist der Footprint natürlich riesig. Ich habe es sehr gemocht aber am Ende gegen klassische Pyramiden getauscht. Insbesondere der Einstieg beim Sturmaufbau ist bei matschigem Boden in den Skanden irgendwann nervig – muss man doch auf allen Vieren bzw. fast auf dem Bauch reinkriechen.

    Wer an den Beinen nicht all zu schnell friert, kann viel Generv und etwas Gewicht sparen, indem man die Regenhose knapp über den Knien abschneidet. Macht das Anziehen, das Ausziehen und auch hohe Tritte, bei denen das oft das klebrige Material sonst einen nervigen Widerstand bietet, deutlich angenehmer. Klar, Knie-abwärts wird alles klitschnass. Ich selber bin dort allerdings recht kälteresistent. Hat sich für mich auch in den Skanden gut erprobt.

    Nicht unnähnlich zu einem Kilt, minimaler aufwändiger anzuziehen – dafür kann nichts verrutschen, hochfliegen o.ä.

    Ich fand's auch erfrischend sachlich, nüchtern. So nach dem Motto. "Und? Was ist daran jetzt so anders als das, was wir in Norwegen seit über 70 Jahren bei allen Aktivitäten draußen und beim Militär tragen?"

    Klar, das bezieht sich auf die Nutzung als Baselayer. Als Midlayer genutzt, hat Alpha noch einen weiteren Anwendungsbereich als Netz. Aber ich fand's einfach charmant. Finds immer sehr erhellend, wenn sie fernab des Hype Trains mit einem aufgeschlossenen aber nüchternen Blick auf alles schaut, was ich so heran trage.