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  • Streetwalks...

    Der Sentiero Rusca führt, einer alten Handelsstrasse folgend, von Sondrio nach Chiesa in Valmalenco und weiter nach Chiareggio bis zum Passo del Muretto in die Schweiz, ca. 2100 Hm auf ca. 32 km. Man kann ihn wohl auch graveln, vor der Passhöhe Muretto auf italienischer Seite ist allerdings ein kleines Stück Weg und hinter der Passhöhe im Abstieg ein grösseres Stück Weg weggebrochen (Stand: Oktober 2026). Wir landeten da als Fussgänger mit ÖPNV völlig ungeplant wegen des besseren Wetters, nachdem es uns im Val Pellice (und laut Wetterbericht in den gesamten piemontesischen Alpen) zu andauernd nebelig und sichtlos war.

    Sondrio (6,5 h ÖPNV ab Torre Pellice) eher keine tolle Stadt und mit genau einer Strasse, die wir interessant und durch die Via Pelosi fanden.

    Ansonsten Supermarkt am Bahnhof, auf der Busbahnhofseite. Im Sommer, bis Mitte September, fährt der Bus bis Chiareggio, danach nur noch bis Chiesa.

    Die Brücke für schwindelfreie Fussgänger nur ausm Bus angeguckt.

    Chiesa eine nette Bergstadt, an deren Ende der Sentiero Rusca weiter geht.

    Mit einer komischen Beschilderung, die offenkundig vor Tretminen warnt.

    Es folgt ein Stück Strasse ...

    ... am Betriebsgelände der Firma Serpetino lang.

    Mit ziemlich viel LKW-Verkehr und mehrere Autofahrer halten hier und fragen uns, ob sie uns mitnehmen können. Wir wollen aber camminare, woraufhin der letzte sich an die Stirn tippt.

    Der Sentiero Rusca geht dann aber sehr schnell als Museumsweg weiter.

    Chiuso?

    Ooops, chiuso seit 2024. Wegen Instabilität des Berges, also doch die Strasse. Nicht weils untersagt ist, sondern weil wir schnell nach Chiareggio oder ein Stück weiter wollen und nicht noch iwo hin und ggf. zurück.

    Die Strasse scheint nicht ganz so optimal zum Laufen, das Schild mit der Mine ist auch schon wieder komisch.

    Hier wird tatsächlich neben der Strasse gesprengt. Schlechte Karten für Fussgänger, wird man sich wohl die Ohren zuhalten müssen wenns trötet.

    Dann die Serpentinen, weitere Steinbrüche, LKWs..

    Ende der Knallzone, aber noch weitere Serpetinen. Ganz schön beeindruckend.

    Der Sentiero Rusca geht am ersten Ort am Fluss weiter, wir gucken aber lieber mal, ob der Ort eine Bar hat. Hat er nicht, nur ein barähnliches Agritourismo, aber zu. Der Ort liegt ein paar Meter oberhalb vom Abzweig, also bleiben wir auf der Strasse, die erstmal nach Schatten und Wald aussieht.

    San Guiseppe, Kirche, Bar (zu), Alimentari (auf).

    Die nächsten Steinarbeiten, rechts am Bildrand noch ein Steinbruch. Später die Tage, als eins von vier Knien schon lädiert war, haben wir geschnallt, dass Serpentino nicht der Firmennamen ist und nur vielleicht wegen der Serpentinen, sondern der Name vom Gestein. Dachabdeckungen, Ofenverkleidungen, witterungsbeständig, frostbeständig. Hauptabbaugebiet: hier.

    Der Weiler Carotte.

    Und Chiareggio. Kirche, Bars (alle zu), Alimentari (auf; gegenüber dem Laden mit der Beschriftung auf ?Kölsch?:saint:).

    Mit dem Sentiero Rusca sind wir aus dem Waldenser-Tal der reformierten Resistenza (Willy Jervis) in einer Tradition der Gegenreformation gelandet, der es ähnlich wie den Waldensern um soziale Gerechtigkeit ging.

    Am Pian del Lupo der Sentiero Rusca als Forstweg.

    Zeltverbot in der ganzen Gegend, Biwakieren geduldet sofern "objektiv notwendig zur Wiederherstellung der Physis". 2 Ausstellungskästen-Unterstände, der zweite mit Wasser, ca. 1,5 km hinter Pian del Lupo.

    Alternativ steigt man ab Chiesa westlich auf, AV Valmalenco (und ein Stück SI).

  • Danke für den Bericht :) da kommen Erinnerungen hoch :)

    Val Pellice - ist dafür bekannt im Neben/Regen zu liegen, während es aussenrum bissl besser ist ;)
    "ÜN PÖ DE TÜTT" Dialekt der Valli dort, ich denke du verstehst es (un po' di tutto) "a bissl was von allem" ;)
    Willy Jervis u.a.- Waldenser - (ich nehm an "Waldser" war ein Vertipper) - die Valdesi (Waldenser) sind sehr stolz auf ihre Geschichte - wurden ja auch lange genug verfolgt!

  • Val Pellice - ist dafür bekannt im Neben/Regen zu liegen, während es aussenrum bissl besser ist

    die Grosswetterlage laut Wetterbericht liess uns das ziemlich gleich für Ligurien bis Aosta und Tessin vermuten, die Sonnenzeichen zwischendurch waren so etwa ab Val Masino östlich ...

    Ja,

    "ÜN PÖ DE TÜTT"

    ist ganz gut verstehbar, erinnerte mich an K-ö-lsch :) (gerade die ö und ü aus 1794 ff)

    u.a.- Waldenser -

    zum 6. Mal editiert. Kein Vertipper, ich zu doof / zu schnell für die Sorgfalt, die selbst ein kurzer Bericht braucht :)

    sind sehr stolz auf ihre Geschichte - wurden ja auch lange genug verfolgt!

    Ja. Kein Lob der Gegenreformation. Das Resistenza-Museum in Torre Pellice kann ich sehr empfehlen. In den Räumlichkeiten des Museums, die damals in einer Kaserne (der Faschisten) lagen, wurde tagsüber für einen Alpin-Verlag gedruckt, nachts die Resistenza-Zeitung hergestellt. Willy Jervis wird dort als zentrale Persönlichkeit der Resistenza ausführlich gewürdigt, die im Val Pellice von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen trotz unterschiedlicher Konzepte gemeinsam und einheitlich getragen wurde. Im Val Pellice erscheinen mir sehr einflussreich die Resilienz der Waldenser und der (im besten antifaschistischen Sinn) sozial-liberalen Partito d'Azione. Im Waldenser-Museum waren wir auch (kurz). Die meisten (oft englischsprachigen) Besucher kommen deswegen bzw. wegen der grossen kirchlichen Einrichtungen drumrum, auch aktuell weiterhin ein Zentrum der Waldenser (und Methodisten; seit 1979).

    Ein auch gegenwärtig wahrnehmbarer atmosphärischer Unterschied und eine zu würdigende Besonderheit, die meines Erachtens unter anderem darin besteht, dass migrantisch gelesene Personen sichtbar Teil des Ortsleben sind und ihnen nicht die Position von "Desintegrierten" zugeschrieben ist.

  • Resistenza/Waldenser/Torre Pellice - ich kenn' die Geschichte gut +war im September dort, langjährige Freundin von mir ist Waldenser - und hat da eben geheiratet ;) Ich find die Gegend sehr spannend, mag das Wetter aber nicht! - wobei, bei der Trockenheit dieses Jahr war das Val Pellice gut sichtbar GRÜN (obwohl es auch dort weniger geregnet hat, während es für die Orte der Waldenser gute Karten etc. gibt, sucht man eine "normale Papier-" Karte 25.000 für die "sentieri della resistenza" dort umsonst - auf dem Museum außen sind sie aber drauf :/

  • auf dem Museum außen sind sie aber drauf

    Nicht oder nicht mehr. Aber innen. Wir hatten, wieder einmal, eine sehr private sehr ausführliche Führung. Ich pack mal paar Karten OT hier rein. Wir klappern die Täler ja auch schon seit einigen Jahren ab. Jetzt wollten wir den Monviso mal von Nahem sehen und ggf. Chambeyron anschliessen.

    Sorry für unscharf und nur vorderer Talteil. Sieht so aus, als ob es sie auch gedruckt gegeben habe. Aber die Zahl der SdR wächst ja weiter.

    Den bzw. die Waldenserwege gibts demgegenüber ja reichlich auf Papier, zumindest vor Ort.

    Ich habe bei der Gelegenheit festgestellt, dass ich in den 1980ern in Hessen mal in der Nachbarschaft einer Waldenser-Gemeinde wohnte. Über die Republik der Escartons war ich das erste Mal 2013 gestolpert.

    Und um noch was nicht-OT beizutragen:

    Es gibt eine neue Papierkarte fürs Valmalenco: SeteMap03, Valmalenco da Sondrio al Bernina scala 1:25.000, wasserfestes leichtes Papier, Kartierungsstand Mai 2026. Von mir für gut und leicht genug befunden und in meine Sammlung aufgenommen. Der Buchhändler im auf Wanderkarten, Trekking und Alpinismus spezialisierten Buchladen in Sondrio erzählte uns, sie sei erst im August in den Laden gekommen. Während Feltrinelli sie bewirbt mit: "Seit Mai im Handel". Ist das kleingedruckte Datum auf den Karten nun das Veröffentlichungsdatum oder Stand der Kartierung? Oder wird das unterschiedlich gehandhabt?

  • Ich habe bei der Gelegenheit festgestellt, dass ich in den 1980ern in Hessen mal in der Nachbarschaft einer Waldenser-Gemeinde wohnte.

    Wenn wir schon so schön rumofftoppicen, der Vollständigkeit halber der Hugenotten und Waldenserpfad führt weiter bis nach Bad Karlshafen im nördlichen Hessen (und bei mir Zuhause gefühlt um ein Dutzend Schleifen):

    https://hugenotten-waldenserpfad.eu/wandern-auf-de…er-tourenplaner

  • Wenn wir schon so schön rumofftoppicen,

    ausser Strassenwanderung hätte ich dieses Jahr noch ÖPNV Bootfahren in petto, vom entspannten Lecco (wo die frühen Karabiner und Pickel herkamen) in den Overtourism von Como (3,5 h, 15 Euro). Soll ich? Wollen tu ich eigentlich nicht. 8o

  • Zum OT, nämlich den Escartons aber noch eine aktuelle Lesart (von mehreren; Link wegen der frühen Charta der Freiheitsrechte, der sehr frühen allgemeinen Alphabetisierung und der Gleichberechtigung von Frauen). Auch eine literarische Bearbeitung im Verlag des CAI gibts zu lesen.

    Edit, da der Link zur ausführlichen Rezension ("Lesart") (bei mir) nur auf erstes Anklicken funzte und dann nicht mehr, noch ein Link aufs auch neu erschienene alpingeschichtliche Sachbuch dazu. Ältere (eins auf französisch und eins auf italienisch kenn ich) scheints nur noch antiquarisch zu geben).

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