Kürzlich habe ich festgestellt, dass es für mich noch eine letzte ungepaddelte Lücke auf der Havel gibt, die es zu schließen gilt. Also bin ich mit Zug und Boot nach Rathenow gefahren und habe mich dort nach einer passenden Einsatzstelle hinter der Stadtschleuse umgetan.
Die Freitreppe hinunter zum Fluss ist zwar vielleicht nicht ideal, aber durchaus brauchbar.
Oberhalb der Treppe ließ sich das Boot aufbauen und durch die Lage direkt hinter einer Schleuse lagen erstmal 20 hindernisfreie Kilometer vor mir.
Die Unterhavel wird kaum von der Berufsschifffahrt genutzt und wurde in den letzten Jahren renaturiert, d.h. von Uferbefestigungen befreit. Sie ist deshalb ein ziemlich ursprüngliches Paddelrevier, das zudem kaum genutzt wird.
Auf diesem Biwakplatz hatten sich allerdings schon etliche Radwanderer einquartiert, weshalb ich mich entschloss, die dahinter liegende Schleuse noch zu passieren.
Diese Schleuse ist noch auf die Berufsschifffahrt ausgelegt und nur mit telefonischer Anmeldung zu benutzen. Außer mir ließen sich noch zwei Motorboote nach unten befördern.
Danach wurde es langsam Zeit, einen Übernachtungsplatz zu suchen. Die Auswahl an geeigneten Stellen ist in dieser Gegend nahezu unbegrenzt.
Da ich aber wusste, dass es schwierig werden würde, geeignete Bäume zu finden, habe ich den Carbon Tree mitgenommen...
... und musste somit nicht auf den Hängemattenkomfort verzichten.
Nachts regnete es, deshalb war auch das Tarp nicht überflüssig.
Am nächsten Morgen wurde alles wieder eingepackt...
...und bald war auch die nächste Schleuse erreicht, die ich diesmal völlig allein benutze. Geschätzte 6000 m3 Havelwasser wanderten mit mir und meinem Boot flussab.
Nach weiteren 10 Kilometern passierte ich die einzige Brücke, die es seit 1999 bei Strohdehne gibt. Zu DDR-Zeiten mussten man hier mitten im Nirgendwo noch mit der Fähre übersetzen.
Und dann tauchte der Dom von Havelberg auf. Vorher habe ich ausgesetzt und bin mit meinem Boot zur Bushaltestelle marschiert, denn Zug fährt dort keiner.
Und damit habe ich zum Ende der Saison noch eine Lücke in meiner Paddelvita geschlossen - und zugleich ein nahezu unberührtes Stück Natur kennengelernt, von denen es nur eine Stunde von Berlin entfernt noch so viele gibt.