Alta Via Sacri / Monti (ÖPNV-Trekking bis T2)

Zur Vermeidung von Spam werden deine Posts vor Veröffentlichung von den Moderatoren geprüft, falls du Links verwendest.
  • Plan Zero: selbstverständlich wieder Anfang Oktober Norditalien. "mal gucken".

    Plan 1: das erste Seitental vom Aostatal, absolute Hochburg der AVS bei den Europawahlen, über 20 %. Müssen wir angucken. Reisen nach Zahlen.

    Plan 2: Varallo (Valsesia), wegen der Reportage in der SZ.

    Plan 3: das ist ja ganz hinten die Fortsetzung der 4000er von der italienischen Seite (wenn man schon mal im oberen Anzascatal war). Yeah. Selbstverständlich nur von unten.

    Realisierung: nachts packen, ungeschlafen morgens losfahren. In Domodossola steigen wir um und rauschen am Val Grande vorbei.

    Erstmal ausschlafen und Ortasee angucken.

    Im Zug geklärt, dass wir nicht in Omegna loswandern, sondern gleich nach Alagna wollen. Allerdings über Varallo. Rome2Rio hat die wesentlichen Fahrpläne, aber nicht für alle Busse alle Tage vollständig. Auf der Fähre, die zum ÖPNV gehört, sind wir bis zur berühmten Insel San Giulio die einzigen Fahrgäste, Nebensaison und noch vorm Frühstück. Statt auf die Füsse achten wir auf die Hände.

    Auf der Anreise finden wir noch eine einsame Gasse im touristisch gut besuchten und naturalemente pittoresken Städtchen Orta San Giulio. Und den kleinen Bahnhof der oberen Ortschaft, an dem der nächste Zug erst in 2 Stunden ankommt, aber überraschenderweise ein Bus in die richtige Richtung, bevor wir in der Bar was bestellen können. Knappe 3 Stunden später laufen wir durchs nicht weit entfernte Varallo, wesentlich interessanter anzuschauende Kleinstadt und wissen noch nicht, dass der manifesteste Katholizismus der Gegenreformation auf dem Hügel wartet. Welterbe.

    Wandern kommt nach der Anreise.

    (...)

  • nach 3 tagen wieder da 15. Oktober 2025 um 13:16

    Hat den Titel des Themas von „Alta Via Sacri Monte (ÖPNV-Trekking bis T2)“ zu „Alta Via Sacri / Monti (ÖPNV-Trekking bis T2)“ geändert.
  • Varallo ist ein angenehmes Städtchen, viel lebendiger als erwartet. Die hohen Berge weiter rechts.

    Hier oben auf dem Hügel eine Basilika und 45 Kapellen mit ca. 800 Statuen aus dem späten 15. bis frühen 17. Jahrhundert. Der älteste und wahrscheinlich interessanteste der Sacri Monti. Oft genug hatte ich staunend vor Bildern von Hieronymus Bosch gestanden, aber wie konnte ich nur keine Vorstellung haben, dass es so etwas wie hier gibt?

    Die Bedeutsamkeit des Hingestellten hat auch eine Leichtigkeit.

    1486 fing hier jemand an, "Jerusalem" nachzubauen und es gibt weite Blicke beim Gehen zwischen den Bildfolgen.

    Hier ist er hingelegt, zu dem man kriechen kann

    oder andersherum durch eine Kapelle gehen kann. Diese erste 1492 fertiggestellt.

    Die Statuen mit den Wandbildern dahinter guckt man durch so Gucklöcher an.

    Je nachdem, von wo und wohin man guckt, sieht man andere Teile der sich wiederholenden Geschichten. Es ist wahnsinnig viel los, Perspektiven, Farben, Figuren.

    Es wird auch viel diskutiert, aber nicht von allen.

    Ständige Wiederholung führt zu "eigener" Erinnerung, denke ich mir. So ähnlich wie Tiktok. Viel langsamer, statisch. Aber körperlicher, weil man ja erst noch den steilen Berg hoch muss und oben von Bild zu Bild geht, sich recken und strecken muss beim gucken. Ich stelle mir vor: und in Gruppen den Berg hoch, betend, singend, Lasten tragend, auf Knien. Und dann dieses Feuerwerk an Eindrücken.

    Die Fahne wohl Erinnerung an die Kreuzzüge, 200 Jahre früher und früher. Man kann Wasser schöpfen.

    *


    Unten. Das Museum des Bastelns lassen wir aus, Bus und Alagna.

    (Pedomonte, Weiler hinter Alagna)

    Tageswanderung:

    Der Camping ganz lauschig so leer. Die Platzwartin hat uns den Platz gezeigt, an dem morgens die Sonne zuerst durchkommt. Leider ist die Lampe die ganze Nacht an. Aber zum Carrefour nur 100 Meter.

    Col d Olen wäre von beiden Seiten Skigebiet. Wir entscheiden uns für die einfachsten Wege. Das ist hier der nach Riva Valdobbia und schon wieder ein Stück gta.

    Der Ort hat einen wunderschönen Platz mit Panorama, drei Seiten werden Samstagvormittag draussen von der Bar genutzt, alle Städter mit Ferienhaus im Ort anwesend, Wochenende.

    Der letzte Weiler im Tal vor uns

    und hinter uns. Vorm Haus macht ein Junge, vielleicht 15, 16 Jahre alt, sich fertig zur Jagd, Flinte, zwei dackelartige Hunde, etwa doppelt so gross, die ganze Familie um ihn rum am Wuseln, zwei Kleinkinder, Eltern, Hütehunde.

    Here we go.

  • Paar Schritte weiter geht die GTA links ab, wir folgen dem SI.

    Auf der Passhöhe kann man sehr schön nach links und rechts weiter. Nordseitig ist trotz schönster Sonne auf 2300 der Restschnee noch hartgefroren.

    Wir hocken uns erstmal in eine windgeschützte Ecke und blicken zurück

    und vor

    Weit unten wartet die AVS-Hochburg

    Was das?

    Und oje.

    Erster Blick auf Gressoney (-Saint-Jean, Ortseingang). Von unten vielleicht weniger schlimm, aber auf keinen Fall bleiben wir da, so sehr im Flow sind wir noch nicht.

    Um die Ecke lernen wir, was wir vorher nicht gelesen haben. Dass wir im Lys-Tal sind:

    Die Bushaltestelle mit 6 usb-Steckdosen (Gr-Trinite dito). Laut aushängendem Fahrplan kommt kein Bus mehr, laut Internet schon.

    In der Bar ein Konzert, ne Elektro-Band und rappelvoll. Die Bushalte Treffpunkt für jung und etwas älter, Windschutz, Rauchen, Quatschen, Handy aufladen.

    Selbstverständlich kommt noch ein Bus und fährt das Tal runter.

  • Der Lyskamm gehört zur Monte-Rosa-Gruppe und ist so der Berg, den man im Rahmen einer Ausbildungstour einer DAV-Sektion sicher nicht begeht.

    Die wegen des Essens auf den Hütten sogenannte "Spaghetti-Tour" (ich glaub 12 Viertausender in einer Woche oder so) habe ich mal mitgemacht. Tatsächlich ist es eine Nudeln-mit-Tomatensosse-Runde.

    Am schwierigsten ist dabei der "Nasenweg" am Fuss des Lyskamm, weil es ein paar Meter steil hoch geht. Da oben war ich also mal und hatte mich fürs unten nicht interessiert.

    Im übrigen lief man durch weite weisse Landschaften

    und konnte den Grat zum Castor auch im Reiter:innensitz nehmen. (Wenn das denn mal der Grat zum Castor war, man weiss irgendwann nicht mehr, wenn mans nicht aufgeschrieben hat).

    Rechts oben auf dem Langen (Signalkuppe) müsste dann die Capanna Regina Margherita sein.

    Von deren Terrasse es so knapp 2,5 Km ziemlich senkrecht runtergeht nach Macugnaga. Auf dem Terrassengeländer zugekiffte spanische Punks am Rumturnen. Ich nach zu viel Wein noch raus zum Rauchen und den nächsten Tag ziemlich wackelig auf den Beinen. Ist, was mir in Erinnerung geblieben ist.

    Die Hütte kann man auch vom Rif. Pastore (Alagna) aus sehen. Mit Fernglas. Und von hier und da diese Tour.

    Das Stück hier ist glaub ich später mal abgebrochen und gehörte zum Standardweg von allen.

    Die Hütten alle zum Bersten voll und am stinken. (Das war ich. Eine Woche vorher angereist, um mangelnde Fitness durch gute Akklimatisierung auszugleichen. Aber keine Wechsel-Klamotten mitgenommen, weil das Gewicht vom Eiszeug ja schon drückt).

    Selbstverständlich hatte ich da noch keinen Fotoapparat. Aber die Fotos hier darf ich mal zeigen.

    Edit: oh. Ich bin ja mit drauf. Man konnte da eher schlecht aus dem Weg gehen.

  • Mit dem letzten Bus von Kressenau kommen wir in Eischeme (Issime) an, wo die Königin auf dem Weg zu ihrem Schloss zwischenzuübernachten pflegte.

    Wir ersten Bus morgens bis Gressoney-La-Trinite (Staffal), volle touristische Infrastruktur, aber nicht nur die diversen Seilbahnen zu, sondern auch alle Bars.

    Ok, wir wollen aus bestimmten Gründen eh nur mal kurz Stück weiter rauf gucken gehen (links vom Foto) und dann mit dem nächsten Bus durchs ganze Tal, runter nach Pont (Pont-Saint-Martin), um durch Pont zu wandern.

    Pont, Piazza IV Novembre, die Brücke

    das Panorama

    und einer der schönsten Aussenbereiche einer Bar überhaupt.

    Stück weiter in die Stadt rein ne Treppe am Hang rauf

    Die 15 Höhenmeter sind in der Sonne schon ne Anstrengung

    Aber falsche Treppe und von unten neu gucken:

    Gärten

    ein Pilgerweg führt hier lang

    Aber die schöne Billig-Immobilie aus dem Internet steht noch 150 Meter höher, da wäre autofrei leben zu schwierig, selbst wenn wir das Geld hätten.

    Schon ok. So wie der alte Dorfkern von Gressoney-Saint-Jain und Gaby, Issime, Fontainemore.

                                       

    (Issime, statt aller vier).

    Nächsten Morgen Bus nach Fontainemore und wandern.

    In der Saison kann man sich einige hundert Höhenmeter durch den Trekkingbus sparen. Auf unserer Route bis zum (immerhin naturnahen) Freizeitpark Courmarial.


  • Ab der 4. Ebene ab Tal (das letzte Bild im Post hier drüber), auf der wir gerade angekommen sind, werden die Blicke wieder interessanter: Alm Clarisey, knapp unter 2000, der See ausgetrocknet, Grasfläche. Man sieht zurück aufs 3. OG, obendrüber, ein paar Rippen dahinter, Monterosa.

    Den Pilz (drittletztes Foto vorhergehender Post) werden wir noch von oben sehen, als Zunge mit See und zwei weiteren Almhäusern.

    Wenig oberhalb der Alm gibts das letzte Wasser vorm Kamm, auf dem wir kurz lang wollen. Also ausgetrunken und aufgefüllt. Je ein 0,5 Fläschchen. Auf dem Kamm übernachten? Kurz drüber nachgedacht, eher nö, ist ja erst zwei und noch 5 Stunden hell, die Faltflaschen bleiben im Rucksack.

    Unspektakulärer, einfacher Weg auf die Passhöhe.

    Aber der Colle sehr schick.

    Monte Mucrone und Biella.

    ein einfacher Kamm,

    Blick zurück (gewesener See, Almhütte verdeckt).

    Hinhocken, gucken, Mittag. Geht in beide Richtungen weiter.

    Mal eben auf den Monte Mars geht nicht, stellen wir fest. Gelesen und auf der Karte gesehen hatten wir das schon.

    Dann geht auch schon das grosse Kino los, viertel nach vier. Wir nehmen Platz im Lichtspielhaus, für einen nicht mal besonders spektakulären Sonnenuntergang.

    Zwischendurch übers Blumenbeet gestolpert.

    19.30 in die Falle, Schlafen in Erwartung des Sonnenaufgangs.

    (kurz davor).

    Aber man sieht so viel mehr und weiter mit den Augen als ein Foto festhalten kann.

    Und weiter wollten wir ja auch.

  • Morgens nur kleinste Portion Tee

    und vorletzter Blick zurück auf die ca. 10 Minuten Gehzeit, die wir seit gestern Mittag bewältigt haben.

    Auch das Materhorn ist noch da. Edit: der Tippfehler bleibt.

    Monte Mars sieht morgens viel freundlicher aus.

    Sich etwas in die Länge ziehender Hatsch den Hang lang, in den die Sonne voll reinknallt, so dass sich Oktober anfühlt wie mindestens noch Anfang September.

    Das Haus da dann endlich als nicht abgerissene Seilbahnstation erkennbar, die Masten stehen auf der anderen Seite auch noch teilweise und Passhöhe, Blick auf

    weitere, auch nicht mehr ganz frische Seilbahnstation, Liftstation, Rif. Rosazza unten drunter,

    Abstieg, Boulderfelsen "Dach der Pisse" am ausgebauten Forstweg und

    Monumentalbau im Wald, riesiger, sich immer weiter in die Länge ziehender, beeindruckender Komplex mit unserem dritten Heiligenberg, am ersten in Orta San Giulio waren wir noch achtlos vorbeigelaufen

    so um die 10 Restaurants in den Wallfahrtskomplex Oropa integriert, alte Basilika

    mit schwarzer Madonna und eine Ausstellung über den jüngsten Heiligen, einen Bergsteiger,

    dessen Namen ich noch nicht kenne, als ich mich frage, ob das die Ausschilderung zum Speisesaal sei. Preiswerter Hotelbetrieb, Picnic-Area am Wanderweg mit edit: Biwakierverbot!, botanischer Garten, wir bleiben, aber der Garten ist off season geschlossen.

    Die Ausstellung über den jung verstorbenen Heiligen ist ausgesprochen gut (der Heilige hier mit Kappe).

    Und hier als Bergsteiger. Seelig und heilig gesprochen, weil er als reicher Erbe nicht das Zeitungsimperium des Vaters übernehmen wollte, sondern, womit er sich an der Uni schwertat, Bergbau-Ingenieur werden wollte, um "so" mit den Armen zu arbeiten, solidarisch zu sein. Hier in der Gegend seine Berge, vor 100 Jahren mit noch nicht mal Mitte 20 verstorben, zu seiner Beerdigung erschienen, überraschend für die nichtsahnende Familie, mehrere tausend Arbeiter:innen. Katholisch antifaschistisch, sowohl Vater als auch Sohn.

     

    In den Lanzo-Tälern war er selbstverständlich auch. Und es ist nicht nur das ganze Mindset völlig gegen den Trend 100 Jahre später, sondern auch eine Ausstellung über Einfachheit und Draussen-Sein. Greifbar = ergreifend. Auch für so verstockte Atheisten wie mich.

    Bis Ende der 1950er Jahre fuhr mal ne Strassenbah hier hoch. Schade, dass es sie nicht mehr gibt, wir laufen auf dem stillgelegten Schienenstrang bis nach Favaro und nehmen ab da den Bus.

    Bergarbeiter- und Bauernort. Die Mine Museum. Die Bar im Zentrum trägt den Namen der Kooperative des Ortes, von der sie betrieben wird, Cooperativa Favaro 1872, die Kirche steht unterhalb vom Ort (auf ihrem Gelände eine KiTa), zwei verbliebene soziale Orte des öffentlichen Raums. Und ÖPNV in die Stadt.

  • Biella und das untere Valle Cervo geprägt von stillgelegten Textilfabriken,

    zum Teil kilometerlang an Fluss und Strasse.

    Nur Cerruti noch da, hier Blick aufs Outlet und Produktionsstätte, alles ziemlich schrecklich schweres Zeugs

    Obendrüber die Palazzi, einer der ganz alten Palazzi oben auf dem Alt-Altstadtkamm kleines Museum für gute neue Kunscht, unten am Fluss Michelangelo Pistoletto mit einer ausgesuchten Schar junger künstlerischer Zwischennutzer.

    Am Rathaus noch Verfassungspatriotismus, der sozialliberale Antifaschismus des Juraprofessors aus der Resistenza, während drin ein Fratelli den Chef gibt, dessen Jugendorganisation Plätze nach alten Faschisten umbenennen möchte.

    Chef mit längerer einschlägiger Karriere in dem schönen Dorf Rosazza, Wanderdorf mit netter Bar, die wie der kleine Alimentari nebenan morgens um 8 zum ersten Bus schon auf hat und frequentiert ist, ich erwerbe dort ein Buch einer alten Dame, die über ihre Wanderungen schreibt, schon auf den ersten Blick ein Wandern, wie wir es mögen.

    Wir sammeln so ungefähr zwei Kilo Kastanien vom Weg auf.

    und dann Blick vor

    zurück und

    Rif Madonna della Neve ... wieder so ein Spot, an dem man stundenlang und immer wieder begeistert hocken kann, befreiend, weit, leicht.

    Gute Stunde Gehzeit von Rosazza und nach Piedicavallo, ein junges Paar liegt schon auf dem Hügel und wir bleiben nicht die einzigen Hänger und Hocker.

    Da unten die letzte neue Bar der Tour, am Kirchplatz, angrenzend eine alte katholische und eine alte protestantische Kirche, bergsteigerdorfprämierungsgeeignet, Aussichtsterrasse, Kifferloungemusik, wir kriegen unaufgefordert ne Platte frisch produzierter Snacks und mein letzter neuer Freund vor Bus und nächsten Tag viel Zug ist schnell gemacht. Ciao bello.


    *

    Überflüssiges Gepäck: Crux statt KS (weil ungeschnittene Schaummatte versucht im KS unterzubringen und im letzten Moment vor der S-Bahn stattdessen die Klymit und alles in den Crux geschmissen). Lange U-Hose, Handschuhe, Spikes nicht gebraucht. Ziemlich gut für meine Verhältnisse.

  • Hoffentlich habe ich da nicht zu viel vorweggenommen oder die Bilder sind vergessen bis dahin. Hab gerade mal nachgeguckt: soweit wir immer mal wieder kurze Stücke auf der gta waren, haben wir ja dauernd die gta-Richtung gewechselt. Dass Oropa da auch angelaufen wird, war mir bis eben entgangen, eigentlich ein höchst overtouristischer Ort, der dem Konzept entgegensteht.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!