Den folgenden Bericht habe ich an bekannter anderer Stelle schonmal veröffentlicht. In Vorfreude auf meinen diesjährigen Trip in den Sarek dachte ich mir, dass ich den Bericht vom Padjelantaleden ja mal hierher transferieren könnte.:)
Anfang-Mitte August 24 bin ich mit meinem Bruder den Padjelantaleden gelaufen. Da es eine sehr schöne Wanderung war und wir auch ein paar vernünftige Bilder gemacht haben, dachte ich, dass ich einen kleinen Bericht dazu schreibe.
Vorbereitung
Training:
Zum Thema der körperlichen Vorbereitung ist zu sagen, dass ich aufgrund einer angeborenen Erkrankung eine muskuläre Dysbalance aufweise und eine Körperhälfte schlichtweg deutlich schwächer ist, was natürlich auch die Anfälligkeit für Überlastungen und Verletzungen steigert. Als ich 2022 den Kungsleden komplett laufen wollte, hab ich das komplett unterschätzt und die “schwache” Hüfte hat es mir nach dem Abbruch der Wanderung nach 5 Tagen mit einer monatelangen Schleimbeutelentzündung gedankt. Wegen dieser Erfahrung habe ich zum Ende des letzten Jahres intensiv mit dem Training begonnen, u.a. 40-50 km wandern an 3 von 4 Wochenenden im Monat.
Gear:
Mein Gear habe ich mir größtenteils in den letzten 2 Jahren sukzessive, teils auf eure Expertise und den Biete-Thread setzend, zusammengekauft. Am Ende kam ich jetzt bei 11,3 kg inklusive Essen für 7 Tage raus. Das geht sicher noch leichter, aber erstens sind ein paar nicht UL-Teile leider alternativlos (z.B.: meine maßangefertigten Schuh-Kindersärge, da das Sprunggelenk meiner schwachen Seite zu instabil für längere Touren ohne Stützung ist), zweitens wollte ich die wirklich teuren Dinge wenn, dann erst nach der Tour kaufen, wenn bewiesen ist, dass verstärktes Training und verringertes Rucksackgewicht mich tatsächlich allgemein dazu befähigen, längere Wanderungen wie jetzt den Padjelantaleden trotz Handicap halbwegs beschwerdefrei zu bewältigen (was zum Glück der Fall ist, also wird im Winter ne Menge Geld verbraten😁).
Planung:
Das Essen hab ich mir natürlich selbst zusammengebastelt, sodass ich bei 450 g/Tag auf etwa 2300 kcal + dazugekauftes aus den Hütten entlang des Weges kam. Das dazukaufen hat ganz gut hingehauen und mir ein bisschen Rucksackgewicht gespart, war logischerweise nur ein bisschen teurer.
An- und Abreise mit dem Zug (Buchung über Sj und Vy), da ich aus Gründen des Klimaschutzes nicht fliege:
Nachtzüge Berlin-Stockholm, Stockholm-Jokkmokk, Bus nach Kvikkjokk (fast drei Tage)
Rückweg von Ritsem-Gällivare (Bus), Gällivare-Umea, Umea-Stockholm, Nachtzug Stockholm-Hamburg (auch fast drei Tage inklusive Abreise in Deutschland).
Geht eigentlich auch schneller, aber die schwedischen Zuggesellschaften hatten diesen Sommer einige Verbindungen gar nicht, oder erst verspätet in den Verkauf gegeben, sodass vieles nicht optimal zusammengepasst hat.
Strecke:
Den Padjelantaleden muss ich vermutlich nicht mehr groß vorstellen, etwa 140 km lang, mit insgesamt zehn Hütten (teils mit Proviantverkauf), südlich und westlich am Sarek vorbei. Wir hatten mit 7 Tagen wandern und 1,5 Tagen Puffer gerechnet, was mehr als gut hingehauen hat (siehe den folgenden Bericht 😀).
Tag 1) ca. 15 km von Kvikkjokk bis ins untere Tarradalen:
Nach dem Zusammentreffen in Stockholm, einer Nacht in Jokkmokk, einer zweistündigen Busfahrt nach Kvikkjokk und der ca. 3 km langen Bootsfahrt zum Startpunkt des Padjelantaleden begann unsere Wanderung gegen 12.45 in Koniferenwald mit mäßig dichtem Unterholz und einigen ersten Fjällbirken. Ein Wechsel aus Sonne und Wolken sollte uns an diesem Tag begleiten, es war sehr warm bei über 20°. Wir starteten zeitgleich mit vier Belgiern um die 60, einem jungen Schweden vollbepackt mit Angelausrüstung und einem Belgier um die 30. Bis auf letztgenannten sahen wir allerdings niemanden davon nach dem ersten Tag je wieder, die unterschiedlichen Wandergeschwindigkeiten sorgten in Verbindung mit der anfangs dichten Vegetation schnell für ein willkommenes Gefühl des Alleinseins von uns beiden. Diese Ruhe wurde jedoch wiederholt von Helikoptern gestört, die täglich mehrfach über uns hinweg flogen. Das Fjäll gewinnt eben zunehmend an Popularität, erst Recht der benachbarte Sarek. Apropos Popularität, ein Vorgriff: Uns kamen täglich etwa 20-25 Wanderer, größtenteils in 2-3 Wellen entgegen.
Nadelwald mit sumpfigen Abschnitten dominiert zu Beginn der ersten Etappe
Der teils sumpfige Wald und die Nähe zum Fluss Tarraätno bedingten eine ziemlich große Mückenpopulation, die mich zum überhaupt einzigen Einsatz meines breitkrempigen Hutes mit Mückennetz zwang: Da ich einen Großteil meiner Kleidung im Vorfeld mit Nobite Kleidung eingesprüht hatte, blieben mir die Viecher für den Rest der Tour vom Leib. Definitiv eine Empfehlung für die entsprechenden Gebiete und Reisezeiten!
Auf den ersten ca. 10 km auf überwiegend schmalen Pfaden durch Nadelgehölze und gelegentliche sumpfige Abschnitte mit Planken bekamen wir den Tarraätno, der uns akustisch stets begleitete, nur zweimal zu Gesicht. Dann lichtete sich der Wald etwas und alsbald tauchten Häuser vor uns auf, die sich als die private Siedlung Njunjes herausstellten. Diese sollte nicht mit der Njunjesstugan verwechselt werden, was aber in der Vergangenheit offenbar häufiger passiert sein muss, wie die überdurchschnittlich hohe Anzahl an "Privat"-Schildern und Wegweisern zur Hütte des STF verrieten.
Lichterer Abschnitt kurz vor der Siedlung Njunjes nach knapp 10km
Unweit dieser privaten Behausungen trafen wir dann erstmals auf den einzigen “Wegetypus” des Padjelantaleden, der mir nicht gefiel, nennen wir es “Uferdschungel”: Hier war der schmale Pfad nämlich teils brusthoch völlig mit hohen Gräsern, Farnen und anderer Vegetation überwuchert. Im damalig trockenen Zustand bereits zumindest nervig zu durchschreiten…
Nach weiteren knapp 2 km erreichen wir die Njunjesstugan, die wir jedoch nach kurzer Pause hinter uns ließen. Da wir unsere Karte wegen der überwiegend exzellenten Wegmarkierung nur selten hervorholten, wurden wir von einem ersten steilen Aufstieg ziemlich überrascht. Immerhin wurden wir oben mit herrlichem Weitblick bei kurzzeitig geringerer Vegetation belohnt. Mit Blick in Laufrichtung nach Nordwesten waren zu unserer Linken mehrere Stromschnellen im Tarraätno sichtbar, die wir uns in etwa als Tagesziel setzten.
Der Weitblick in Laufrichtung kurz vor unserem Lager
So stiegen wir also wieder in dichter bewachsene Uferbereiche ab und schlugen etwas später gegen 18.00, nach ca. 15 km an diesem Tage, unser Lager am Ufer des Flusses nebst der zweiten Stromschnelle, am Übergang zum See Tarraure auf.
Abends im Lager wurde der Himmel wolkenlos und die ungebrochene Wärme lud uns zu einem Bad im See ein. Trotz der Lage unseres Platzes im Fjällbirkenwald mit reichlich Unterholz direkt am Wasser wurden wir nur von wenigen Insekten behelligt. Nachdem die Sonne hinter den Bergen verschwunden war, trieben uns die sinkenden Temperaturen dann aber schnell in die Zelte.
Blick aus dem Lager auf den See
Der Sonnenuntergang vom Steinstrand unweit des Lagers