Schon lange wollte ich den Zweitälersteig wandern, in der zweiten Juliwoche 25 hat es dann endlich geklappt.
Der Weg startet und endet in Waldkirch, in offiziel 5 Etappen geht man ca. 107 km mit ca. 3.700 hm.
Tag 1
Donnerstags um 10 Uhr ließ ich mein Auto in Waldkirch hinter mir, durch einem Mix aus Optimismus und mangelnder Kreativität beim Einkaufen hatte ich nur für 2 Tage Essen dabei. Nachdem ich das beschauliche Waldkirch zügig durchlaufen hatte, ging es auch direkt schon in den Anstieg des Kandels, die fast 1000 hm waren aber selten steil. An der Thomas-Hütte, die sich kurz unter dem Gipfe befindet, machte ich bei bester Aussicht auf Schauinsland und Feldberg Pause.
Auf der Gipfelkanzel verweilte ich deshalb nur kurz. Der erste Teil der Kandelhöhen ging dann durch Wirtschaftswald, die reifen Heidelbeeren am Wegesrand haben diesen Abschnitt versüßt.
Der zweite Teil führte mich dann über offene Weidelandschaften. Ziemlich abrupt fiel diese Hochebene sehr steil ab. Auf leicht alpinem Steig ging es zu den wunderschönen Zweribach-Wasserfällen.
Kurz unterhalb befand sich ein wunderschöner Pausenplatz, an dem man auch per SB wassergekühlte Getränke erwerben kann. Ich machte aber erstmal ein Nickerchen und Stieg dann weiter ins Tal hinab. Darauffolgend überraschte mich die Teichschlucht, die ich vorher noch nicht auf dem Schirm hatte. Ganz alleine bestaunte ich die unzähligen kleinen Wasserfälle mit Gumpen, die zum baden ausgereicht hätten, wäre da nur nicht dieser schweißtreibende Anstieg vor mir gewesen. Immer wieder wurde der Bannwald in den steilen Hängen von Geröllfeldern durchbrochen, das sieht man sonst eher selten in Mittelgebirgen.
Nach dem Aufstieg wusch ich mich am Brunnen und füllte meine Wasservorräte auf. Danach bereitete ich mir auf einem Aussichtsfelsen das Abendessen zu. Etwas weiter schlug ich auch schon mein Nachtlager auf, da mir seit dem Mittag irgendwie die Energie fehlte. So wurden es dann 25 km bei ca. 1.500 hm.
Tag 2
Nach einer mittelmäßigen Nacht machte ich mich an den Abstieg ins Tal. Direkt an der Wegkreuzung war ein großer Bach, indem ich dann das Bad nach holte. Darauf folgten ca. 7 recht flache km durch das Simondswälder Tal. In Simondswald frühstückte ich beim Bäcker. Anschließend ging es wieder zurück in die Natur, sehr steil in Richtung Hörnleberg. Oben thront eine große Kapelle und es gab dutzende Sitzmöglichkeiten.
Der Weg folgte nun dem Yacher Höhenweg. Bei einem der vielen Aussichtspunkten viel mir auf, dass ich selbigen vor vielen Jahren mal gelaufen bin.
Es ging auf Pfaden durch natürlichen, lichten Bergwald. Der Boden war voller Heidelbeersträuchern, mit großen, reifen Früchten. Beim Rohrhardsberg wurde der Wald von großen Weideflächen und einem traditionellen Schwarzwaldhof unterbrochen.
Zu meiner Freude ging es aber danach bei abendlicher Stimmung weiterhin durch schönen Bergwald. Auf diesen Höhen besteht der Wald häufig noch zum Großteil aus Buche und Weißtanne.
Wieder kochte ich mein Risotto auf einem Aussichtsfelsen, ein MTB Fahrer kam noch vorbei und wir unterhielten uns darüber, wie schön unsere Heimat doch sei. Anschließend genoss ich noch die Stimmung und schlug dann mein Lager auf.
Tag 3
Gut erholt packte ich meine Sachen zusammen und ging wieder zum Felsen, dort schaute ich auf das Handy: 10:40 Uhr. Der Körper nimmt sich eben, was er braucht. Da ich am Vortag mit 29 km wieder unterm Schnitt geblieben bin, wusste ich nun auch, dass es 4 Tage werden würde.
Vor dem Abstieg ins Elztal, wagte ich einen Blick in meinen Essensvorrat: 1 Tafel Schokolade. "Bis zum Gasthaus Landwassereck würde das schon reichen" dachte ich mir. Der Aufstieg zum Hubertfelsen begann in einem traumhaft schönen Tal.
Samstags, bei weiterhin bestem Wanderwetter, war nun ziemlich was los draußen. Am Hubertfelsen trifft man kurz auf den Westweg. Ich ließ mir die Aussicht von dutzenden Windkraftwerken stören, diese sind im mittleren Teil des Schwarzwalds viel häufiger als im Norden und Süden.
Kurze Zeit später kehrte ich im Gasthaus ein, in Baden wird gerne Flammkuchen gegessen. Ab hier ging es nun das letzte drittel des Weges Richtung Süden. Im Vorfeld hatte ich schon gelesen, dass dieser Abschnitt etwas langweilig sei.
Es ging durch typische Wald -/ Wiesenlandschaft, sehr viel auf Schotterwegen, die Wälder sind zudem eher Forste. Dafür blieben die tollen Aussichten.
In Höhenhäuser habe ich kurz vor der Schließungszeit Abend gegessen. An der Schutterquelle wusch ich mich und meine Klamotten, zwei Frauen mit Hund und großen Rucksäcken kamen vorbei. Wir schwätzten ein wenig, sie sind für eine Nacht Cowboycamping her gekommen. Für die Nacht zog ich mich wie immer in den Wald zurück.
Nach spätem Start bin ich mit 32 km doch recht weit gekommen, seit dem Landwassereck war der Weg aber auch einfach zu gehen.
Tag 4
Nach einer schlechten Nacht gings nochmal zur Quelle. Müde und hungrig war die eintönige Streckenführung zäh. Zumindest dem Hunger konnte ich im Gasthaus zum Gscheid mit Bratwürsten an Kartoffelsalat etwas entgegensetzen.
Auf dem weiteren Weg hatte man immer wieder Aussichten auf die zurückgelegte Strecke.
Kurz vor Ende des Weges kam ich an der Kastelburg vorbei. An der Burgmauer mit Blick auf Waldkirch standen die Besucher Schulter an Schulter. In der Innenburg und im Bergfried war ich plötzlich alleine. Beim Abstieg kamen mir dann fast alle entgegen, interessante Massenpsychologie.
Am letzten Tag waren es 20 km.
Fazit:
Die ersten zwei/drittel des Weges haben meine Erwartungen übertroffen, obwohl ich schon einige Highlights kannte. Der Weg ist hier enorm vielfältig, abgesehen vom Simondswälder Tal kreuzt man kaum Straßen und man hat ständig tolle Aussichten, fast immer mit Bänken. Auch die Wegearten sind hier abwechslungsreich.
Ab dem Landwassereck verändert sich der Weg deutlich, wie oben geschrieben ist es hier ein etwas höher gelegener Wald-/ und Wiesenweg. Ich hätte hier eine Alternativroute im Kopf, falls jemand Interesse hat und wie ich, nicht so gerne in Kulturlandschaft wandert.
Trotz enormer Trockenheit im Vorfeld gab es selbst in den Höhen genug Quellen/Brunnen. Bei um die 20° C bin ich mit 1,75 Litern ausgekommen. Es gibt einige Getränkestellen mit Selbstbedienung am Weg. In Orbersimonswald gibt es ein 24/7 Automatenmarkt, in Simonswald zwei Bäckereien, der Landmarkt ist Geschichte. Ansonsten gibt es genug Gasthäuser und ein paar Wanderheime. Davon haben manche aber nur am Wochenende offen.