Evolutionsstufe 4: Rolltop-Kameratasche – von Grund auf neu
So. Und dann habe ich eigentlich noch mal alles über den Kopf geschmissen und die Tasche von Grund auf neu entwickelt. 
Äußerlich ähnlich ...

Aber neu konstruiert und in verschiedenen Größen:

Dabei habe ich mir vier Design-Prinzipien zu Herzen genommen, die jede Entscheidung geleitet haben:
- 1. Ultraleicht: Leichte Materialien, nur die nötigsten Features, gewichtssparende Konstruktion
- 2. Wasserdicht: Die Kameraausrüstung soll immer geschützt sein. Nicht nur vor einem kurzen Schauer, auch vor tagelangem Regen. Und vor Schnee, Staub und Sand.
- 3. Schnellzugriff: Die Kamera soll so schnell möglich erreichbar sein, um keinen Moment zu verpassen. Ob schönes Licht oder ein Tier in der Landschaft.
- 4. Flexibilität: Die Tasche soll flexibel am Rucksack befestigt werden können, um verschiedenen Menschen und Situationen gerecht zu werden.
Also, was habe ich verändert?
- Neues Design für den Schnellzugriff: Nach dem Einhaken werden die Taschen standardmäßig entrollt. Zwei Magneten im Saum halten die Öffnung geschlossen. Anschließend klappt man den aufgerollten Rolltop nach vorne und ein weiterer Magnet hält die Öffnung zugeklappt an Ort und Stelle. Das heißt: Um die Kamera zu zücken, muss man nur den Deckel hochklappen. Unterwegs halten die Magneten die Tasche sehr stark dicht, öffnet sich auch nicht beim kurzen Joggen.

- Das komplette Schnittmuster der Außentasche. Ziel: Die Befestigungspunkte in der Naht fixieren und gleichzeitig die Gesamtlänge der Nähte aufs mögliche Minimum zu reduzieren. Denn jede Naht birgt extra Gewicht und führt zu weiteren Löchern, die abgedichtet werden müssen. Die Taschen bestehen final aus zwei Schnittteilen Ultra: Eins für die Vorderseite und Seiten, eins für die Rückseite und den Boden.
- Ich habe die Befestigungspunkte zurück in die vertikale Naht gesetzt und auf die gesamte Höhe gestreckt. In der Regel hängt das gesamte Gewicht der Kameraausrüstung an nur zwei Punkten, sodass es hier zur höchsten punktuellen Belastung kommt. Ultra erfordert gut überlegte Nähte, da der Plastikfilm, der zur Integrität des Stoffes beiträgt, durch jede Naht durchlöchert und geschwächt wird. Belastete Nähte sollten durch zusätzliche Lagen Stoff verstärkt werden. Doch bevor ich Gewicht hinzufüge, nutze ich lieber die bestehende Nahtzugabe als Verstärkung. Ich verwende nun außerdem Gurtband mit integrierten Kordel-Schlaufen als Befestigungspunkte, um die Last noch besser über die Naht zu verteilen.

- Die Rolltop-Höhe festzulegen fand ich besonders schwierig. Eine ausreichende Länge ist notwendig, um die Wasserdichtigkeit zu gewährleisten. Gleichzeitig darf sie nicht zu hoch sein, um den Zugriff nicht zu behindern, insbesondere wenn die Tasche vor der Brust getragen wird. Der Saum ist mit 15 mm Gurtband verstärkt und kann gute 3-3,5 Mal gerollt werden. Eine feine Balance zwischen schnellem Zugriff und Wasserdichtigkeit unterwegs. Damit ist die Tasche aber nicht zum Untertauchen gemacht. Für Wassersport würde ich auf einen separaten Drybag zurückgreifen.
(schönes Bild, oder
) - Konstruktion der Polsterung: Ich klebe die Seiten der Evazote-Polsterung nicht mehr einzeln in die Außenhülle ein, sondern verbinde sie zunächst mit Kontaktkleber zu einer steiferen Box. Diese Verarbeitung ist in der Cosplay-Szene üblich und sorgt für eine extrem starke Bindung von EVA-Schaumstoffen (das Material reißt eher als die Klebenaht). Allerdings finde ich Pattex Kontaktkleber deutlich besser als die online beworbene Variante eines Cosplay-Shops. Die fertige Box verleiht der Tasche mehr Form/Steifigkeit.
- Bei den kleinen Taschen verwende ich weiterhin 4 mm Schaumstoff. Das halte ich nach wie vor für eine solide Wahl, die der Tasche Form gibt und gleichzeitig die Kamera vor Stößen schützt. Für die größeren, breiten Taschen bin ich standardmäßig auf eine doppelte Lage, also 8 mm umgestiegen. Das treibt das Gewicht der Taschen leider in die Höhe, gibt aber ein viel solideres Gefühl, mehr Schutz und Steifigkeit, die Tasche behält gut ihre Form. Ich würde aber sehr gern mit 6 mm testen oder 4 mm plus eine Plastik-Versteifung, aber da muss ich noch gute Quellen für finden.
- Neuer Liner für die Polsterung: Am leichtesten wär's, die Padding-Box einfach so in die Tasche zu geben. Leider bleibt da noch immer das Problem, dass Gummiteile der Kamera/Objektive an der gummiartigen Oberfläche des Schaumstoffs gern hängen bleiben. Es braucht also eine rutschigere Schicht oben drüber. Die bereits geklebte Box kann ich schwierig weiter vernähen und Tackern hat auch nicht gut funktioniert. Da ich die Box anschließend ohne Naht eh in die Außenhülle kleben möchte, greife ich hier auf DCF zurück und klebe eine kleine Innenschicht zusammen. Diese klebe ich auf die Box und klebe dann die Box mit Tape in der Außenhülle fest. (So zumindest bei den kleineren Taschen – die größeren breiten Taschen mit den internen Trennern konstruiere ich anders, aber das würde hier etwas den Rahmen sprengen :D)

- Noch ein paar erwähnenswerte Punkte: Ich habe andere Karabiner gefunden, die nicht mehr immer im Gurtband des Schultergurts hängen bleiben. Außerdem teste ich passende Befestigungspunkte am Rucksack, die die Verwendung noch einfacher und flexibler machen. Und der Rolltop-Verschluss eignet sich ganz gut als Griff (alternativ lässt sich ein Band zwischen zwei Befestigungspunkten spannen).

Und so sieht das ganze dann im Einsatz aus 
Kommen wir schließlich zum Gewicht:
(inklusive Karabiner)
Kleine Tasche (Kompaktkameras wie die Sony RX100): 32 g
Mittlere Tasche (DSLR-/spiegellose Kameras): 63 g (klein), 76 g (groß)
Große Tasche (DSLR-/spiegellose Kameras + Objektive): 180 g (klein), 200 g (groß)
Gerade mit dem Gewicht der mittleren Tasche bin ich sehr zufrieden. Bei der ganz kleinen würde ich gern nochmal mit echt minmalem 2 mm Padding experimentieren. Und die größte Tasche wird mit 200 g natürlich recht schwer, auch wenn sie im Vergleich zu klassischen Modellen immer noch ein Leichtgewicht ist. Dennoch werde ich mir als nächstes für meine eigenen Touren eine maßgeschneiderte Tasche mit 4 mm Polsterung nähen und bin gespannt, wieviel Gewicht ich damit sparen kann!
Ergänzung:
Das Gurtband mit den integrierten Schlaufen find ich echt super: