Ein Thema, zu dem ich auch unbedingt ein paar Worte schreiben muss - weil mir sehr lange gar nicht klar war, wie einfach das ganze eigentlich ist - zumindest relativ. Wenn man ein paar wenige wichtige Voraussetzungen erfüllt, dann ist das für die meisten Menschen machbar, vorausgesetzt man setzt die Prioritäten entsprechend... Man kann nicht alles haben, dh es muss einem schon wichtig sein und man muss einiges im Leben darauf ausrichten und an anderen Stellen vielleicht auch Abstriche machen...
Ich habe das 8 Jahre lang so gemacht. Ich bin einige Fernwanderwege gegangen und habe jeden Sommer 2-3 Monate auf dem Boot verbracht. Ich habe überwiegend im Winter gearbeitet und bin im Sommer unterwegs gewesen. Voraussetzungen bei mir:
- keine Kinder/Familie (geht sicher auch mit aber dann ist es etwas komplizierter, gibt zB genug Familien die jahrelang mit Segelbooten unterwegs sind)
- guter Job bzw. gutes Einkommen pro Zeiteinheit. Es ist wichtig, das Einkommen pro Arbeitsstunde zu optimieren, denn dann sinkt die Zeit, die man mit Arbeiten zubringen muss ganz erheblich. Ich bin in einem Bereich beruflich aktiv, wo Personalmangel herrscht und habe daher bisher immer den Vorteil gehabt, leicht eine neue Stelle zu bekommen bzw. konnte Zeitweise selbständig arbeiten und mir meine Aufträge so legen wie es mir in den Kram passte. Als Selbstständiger habe ich in meinem Job auch erheblich mehr verdient als in Festanstellung. Auch nach den Abzügen wie Versicherungen, Altersvorsorge etc. Wenn kein Bock auf Arbeit aber Bock auf Unterwegs, dann arbeitet man halt 2-3 Monate nicht. Und dann buckelt man halt wieder 6 oder 8 Wochen. Man muss sich dabei aber auf jeden Fall besser selbst organisieren
- für den vorigen Punkt ist eine gute Ausbildung in einem gefragten Bereich definitiv sehr hilfreich. Wenn man jung ist und sich für ein solches Leben interessiert, dann sollte das eine Überlegung sein - die Ausbildung kann am Anfang das wichtigste Investment sein (bevor man irgendwelche Aktien analysiert - denn man hat ja eh kein Kapital um zu investieren
- hängt natürlich vom eigenen Lebensentwurf ab...
- ich hatte tatsächlich mal einen 50% Arbeitsvertrag bei dem ich von Oktober bis März arbeiten musste - ganz einfach "O bis O" - wie bei den Winterreifen... Hat nicht das Einkommen maximiert aber es war ziemlich chillig, weil man ja auch dabei noch Urlaubsansprüche hat, dazu noch Überstunden abfeiern, sodass die 6 Monate in Wirklichkeit auch gar nicht 6 Monate waren - fein, weil man sich nicht groß kümmern muss und ständig kommt Geld, Versicherungen etc läuft auch weiter...
- geht aber auch anders. Ich kenne ein amerikanisches Ehepaar, die segeln seit über 30 Jahren rund um die Welt. Im amerikanischen Winter arbeiten beide in Skigebieten (sie Gastro er technik) und schaffen die Kohle ran für das restliche Jahr. Sie haben ein winziges Häuschen auf dem Land mitten im Wald...
- niedrige Lebenshaltungskosten sind DER ENTSCHEIDENDE Schlüssel zum Erfolg. Kleine Wohnung, nicht in der attraktivsten Lage, wenig Essengehen und Feiern, Konsum auf das NOTWENDIGE beschränken, Ausgaben streng hinterfragen, unnötige Abos und Mitgliedschaften gnadenlos kündigen (und auch gekündigt lassen 
LAUFENDE KOSTEN müssen niedrig sein, denn jeder Euro der nicht ausgegeben wird, der muss auch nicht vorher verdient werden. Auf jeden Fall macht es Sinn, das eigene Ausgabe-Verhalten einmal genau zu durchleuchten!
- keine Schulden (auf jeden Fall keine Konsumschulden. Wenn Schulden, dann nur solche, die auch einen positiven Cashflow erzeugen)
- RaulDuke hat es schon geschrieben: Autos sind echte Freiheitskiller - zumindest für Menschen mit kleinem Einkommen. Die laufenden Kosten sind dermaßen pervers. Sollte jeder mal ausrechnen. Wartung, Unterhalt, Sprit, Versicherung, Steuer - das ist für jeden sofort sichtbar. Aber auch der monatliche Wertverlust ist so erheblich, dass es weh tut, wenn man die Rechnung das erste Mal aufmacht. Ich hatte Jahre mit Autokosten von 7500-8000 Euro. Und das ohne den Wertverlust wohlgemerkt. Das waren Zeiten wo ich das Auto für meinen Job gebraucht habe und das teilweise dann steuerlich geltend gemacht habe - Es soll nur deutlich machen, was es bedeutet, wenn so ein Blechhaufen vor dem Haus steht...
- Wohnung und Auto sind bei den meisten Menschen die größten Ausgabeposten - das muss einem klar sein. Hier muss man im Sinne der UL-Philosophie ansetzen, weil man hier am meisten sparen kann. Viele jüngere Menschen haben sehr teure Handyverträge.. (jedenfalls die beeinflussbaren Faktoren, Steuern und Abgaben sind oft mit Abstand die tatsächlich größten Ausgabeposten aber leider nur sehr bedingt beeinflussbar - bzw es gibt richtig Ärger wenn man die zu sehr beeinflusst - Lohnt nicht!)
- gute Sparquote. Man sollte einen erheblichen Anteil des monatlich verfügbaren, freien Einkommens zur Seite legen. Ich hatte oft Sparquoten von 50% und mehr. Genau kann ich es nicht sagen, weil das Einkommen stark schwankte und ich nicht jedes Jahr alles ausgerechnet habe. Es lohnt sich aber, die Sparquote mal auszurechnen. Das Geld kommt dann in verschiedene "Spardosen". Die erste ist auf jeden Fall das "Fuck you money". Das ist in der Regel auf einem Tagegeld-Konto und dient dazu, jederzeit für mindestens 3-6 Monate nicht arbeiten zu müssen. So kann man immer verschwinden wenn einem etwas nicht passt - sehr befreiendes Gefühl... Bei mir sind das in der Regel ca. 12 Monate. Mit leichten Schwankungen. Für das Wanderleben reicht das ja schon so.
- "Spardose 2 bis xx" Wenn man das etwas breiter aufziehen möchte und die Möglichkeiten hat, dann hat man noch andere Projekte und füttert z.B. ein Depot mit dem Geld was man nicht unmittelbar braucht - denn das wächst dann in der Regel über die Jahre weiter auch wenn man gar nichts tut... Andere kaufen noch Wohnungen mit wenig Eigenkapital, wo die Miete einen Großteil der Raten deckt (Freunde von mir haben das gemacht, mir war das zu riskant, ich habe keine Lust mich zu kümmern und ich hätte mich nicht so frei gefühlt)
Das ist dann idealerweise die Reserve für spätere Freiheit.
- die Sparquote bestimmt maßgeblich das Maß an Freiheit, dass man in seinem Leben realisieren kann. Oft ist es einfacher an der Ausgabe-Schraube zu drehen, denn die wenigsten Menschen können beliebig ihr Einkommen steigern - außerdem steigt die Steuerlast. Irgendwann muss man 20k Euro mehr verdienen, wenn man 10k mehr Netto haben will - und das ist ganz schön viel - also lieber die Ausgaben hinterfragen..
- wenn man in einem Job ist, der in irgendeiner Weise skalierbar ist, dann sind das sehr gute Voraussetzungen, mit der Zeit mehr Freiheit zu erlangen. Wenn man zB eine App programmiert, bleibt die Arbeit gleich egal ob 10 Leute das Ding nutzen oder 200.000 - wenn man es schafft, Arbeitszeit vom Einkommen zu entkoppeln, dann ist das die Freiheits-Masterclass (mir ist da leider noch nichts eingefallen - bin ich wohl zu doof zu)
- ich war in der Regel max. 3 Monate am Stück weg. Ich hatte meistens eine eigene Wohnung gemietet, die ich auch nicht untervermietet habe. Dort ging die Post weiter hin, wenn ich länger weg war ging ein Nachsendeauftrag zu vertrauten Personen wie Eltern oder gute Freunde. Die haben die Post aufgemacht und die wichtigen Dinger als Scan aufs Handy geschickt - bei mir ließ sich alles so problemlos regeln. Es gibt auch Service-Dienstleister, da kann man die Post hinschicken lassen und die digitalisieren das dann - wäre mir aber datenschutztechnisch nicht so angenehm... Zeitweise war ich bei den Eltern oder bei Freunden gemeldet und hatte die Wohnungen aufgegeben - einmal bekam ich Post vom Meldeamt - also: uffbasse...
- ein Freund von mir hatte regelmässig seine Mietwohnung in Berlin untervermietet - oft für einen höheren Betrag als er selbst gezahlt hat ("ist ja möbliert"
- ich hätte ja ein schlechtes Gewissen gehabt aber für ihn war das eine super Lösung und er hatte auch nie Probleme mit den Mietern - Glück gehabt...
- die gesetzliche Krankenversicherung ist nicht mega teuer, wenn man den Mindestbetrag zahlt - aber das dürften inzwischen auch etwas über 200 Euro/Monat sein. Falls man in Deutschland ist... Die Krankenversicherung ist das mindeste was man haben MUSS (würde ich jedenfalls sagen). Ich bin in der PKV, das ist erheblich teuerer aber ich kann das für längere Reisen ins Ausland dann tagesgenau auf eine Auslandsversicherung umstellen und dann geht es eigentlich.
- mit kleinem Einkommen sollte man darüber nachdenken, ob man evtl. Geo arbitrage machen will - sprich: man verdient die Kohle in der Schweiz und haut sie in Kambodscha raus (die ethischen Fragen dabei kann jeder für sich beantworten) - Dieser Hebel macht definitiv Sinn für Menschen, für die sonst die Hürde zu hoch ist...
- man sollte auch im Kopf haben, dass arbeiten gehen eigentlich ganz schön teuer ist. Man gibt ja nicht nur seine Zeit für die Arbeit selbst, sondern man hat ja oft auch einen Arbeitsweg und andere Ausgaben, die in direktem Zusammenhang mit der Arbeit stehen (Kammerbeiträge, Versicherungen, Auto, Busfahrkarte, Fortbildung, unnötiger Konsum weil man frustriert ist, usw. Usf.). Dadurch sinkt der effektive Stundenlohn ganz erheblich - all diese Kosten fallen weg, wenn man unterwegs ist! Wenn man nur die Hälfte vom Jahr arbeitet, zahlt man in der Regel auch weniger Steuern und Abgaben...
So Freunde....
Das ganze hier sind meine persönlichen Gedanken und Erfahrungen zu dem Thema. Es soll nicht irgendwie arrogant klingen oder so. ich will nur jeden der davon träumt ermutigen, so etwas zu versuchen, weil es tatsächlich einfacher ist als man denkt. Es sollten vielleicht für den ein oder anderen Anregungen dabei sein. Man muss auch überhaupt nicht so viel verdienen wie ich - wenn man Mal so unterwegs ist, dann trifft man dermaßen viele Menschen, die das mit viel weniger Geld machen - und dann kapiert man dass man sich eigentlich viel zu viele Gedanken gemacht hat. Man muss nur den Mut haben, die richtigen Prioritäten setzen und es einfach versuchen. Man kann ja klein anfangen und einfach zwischen zwei festen Jobs mal 3 Monate abhauen. Aber die Kündigung ohne neuen Job hat sich bei mir ehrlicherweise nur das erste Mal blöd angefühlt - man weiß irgendwann wie es geht 
Bei Fragen: Fragen.
Gruß, m