Tag 15
Ziemlich gerädert geht es morgens ans Frühprogramm. Ich habe mindestens 5 Mückenstiche im Gesicht. Das ist der Moment, in dem ich mir schwöre, nur noch in absoluten Notfällen in einer Hütte zu übernachten.
Das Wetter hat sich leider nicht wirklich gebessert, es regnet immer noch kräftig. So lasse ich mir Zeit beim Frühstücken und Packen. Als der Regen endlich etwas nachlässt, starte ich wieder auf den Weg. Es geht direkt in die Steigung zum Fjäll hinauf und mir wird sehr warm in den Regenklamotten. Die miese Blutsaugerbrut hat sich direkt nach der Hütte auch an meine Fersen geheftet und ich bin leicht genervt. Richtung Baumgrenze wird der Wind zum Glück stärker und die Mistviecher weniger.
Dann taucht der Wegweiser zum Skierffe auf. Aber leider ist es so grau, nass und wolkig, dass ich null Aussicht in das berühmte Tal haben würde. Also gehe ich mit einigem Bedauern weiter gerade aus. Die Strecke über das Fjäll ist recht kurz, kaum oben angekommen, geht es wieder in den Abstieg. Am höchsten Punkt steht ein Schild mit den nächsten Bootszeiten, denn es geht wieder eine lange Strecke übers Wasser. Die reguläre Bootsfahrt geht erst wieder abends. Da aber nur 4km bis zum Boot vor mir liegen und ich nicht Stunden warten möchte rufe ich dort an und buche gegen Aufpreis eine Sonderfahrt am späten Mittag. Das Telefonat war ziemlich schwierig, bei dem Wind und Regen... Es geht weiter, runter vom Fjäll zum See!
Zum Glück gibt es unten am Bootsanleger wieder eine Schutzhütte, in der ich mir dann erstmal Pasta Bolognese mit Parmesan zubereite und mich wieder aufwärme. Bis dann das Boot ankommt, sind noch ein paar weitere Wanderer aufgeschlagen und das Boot wird voll.
Nach der kalten und teuren Überfahrt möchte ich noch ein paar Kilometer Richtung Saltoluokta laufen.
Gott sei Dank wird das Wetter endlich besser und ich kann die Regensachen ausziehen und so langsam abtrocken. Da es wieder ins Fjäll hoch geht, wird mir auch wieder mollig warm.
Plötzlich taucht vor mir wieder wieder so ein Mini-Tal in der vermeintlichen Ebene auf. Dort findet sich ein beachtlich dickes Altschneefeld.
Schließlich biegt der Kungsleden in ein Flußtal ein und man läuft parallel zum Fluß in einer beeindruckenden Landschaft. Wieder muss ich öfter stehenbleiben und staunen. Leider gelingt es mir sehr schlecht diese Großartigkeit in ein Foto zu bannen.
Eine super krasse Kulisse! Ich laufe immer weiter, aber meine Kraft ist eigentlich zu Ende. Also, warum nicht hier Übernachten? Mit einem kleinen Traubenzucker-Boost geht es noch weiter bis zu einer guten Zeltmöglichkeit mit Wasserzugang.
Jetzt erst merke ich, wie stark ich schon erschöpft bin. Mit Mühe baue ich noch mein Zelt auf und mache mir noch was zu Essen mit Aussicht. Gute Nacht!