Abend und Nacht verlaufen dennoch etwas unruhig.
Der Tonbandmuezin dröhnt ungewöhnlich oft und zu ungewöhnlichen Zeiten.
Irgendwann überlegen wir sogar, ob der Lichtschalter, der aber kein Licht schaltete nicht doch irgendwie eine Gebetsdauerschleife gezündet hat.
Jedenfalls sehen wir zu, dass wir uns in aller Frühe von Dannen machen. In der Nacht hat es noch lange weiter geregnet, nun am Morgen ist es von oben zumindest trocken, aber ordentlich diesig-neblig, die Klamotten eher angetrocknet.
Die Kirche ein Stück weiter, die wir nachts auf der Karte auch als Bleibe oder Campspot in Erwägung gezogen hatten, aber zum Glück der Moschee den Vorzug gegeben hatten, entpuppt sich als Ruine, wenn auch eine wirklich schöne.

Dort treffen wir auf zwei im frankfurter Raum ansässige Brüder mit türkischen Wurzeln, die den LW seit ein paar Jahren als section hike gehen - und sich diese Nacht mit ein paar youtube Gear-Empfehlungen ordentlich den Hintern abgefroren haben.
Sie nehmen es sportlich - uns sind auch sonst eine absolut nicht humorbefreite Begegnung - und so plaudern wir eine Weile. Sie wunderten sich auch über die häufigen Moscheerufe letzte Nacht, meinten aber, es gäbe immer mal Anlässe, zu denen das so sei. Wir belassen es mal dabei, dass wir in Richtung der Moschee übernachtet haben.
Irgendwann beendet der erneut einsetzende den Tratsch und Entscheidungen zum Fortkommen sind gefragt.
Der Weg Richtung Finike führt eigentlich auf den Grat und ist für LW Verhältnisse als anspruchsvoll beschrieben - und sehen würde man eh nichts. Unsere Motivation zu dieser Schleife, von der wir nicht viel haben werden ist mäßig - und so beschließen wir, auf anderen Wegen wieder nach Demre zurück zu laufen - und von da nach Finike vorzuspringen, um uns stattdessen dort trocken zu legen. Von dort aus wollten wir ohnehin noch ein ödes Stück weiter springen. Die Beiden haben sich Dank ihrer Türkischkentnisse da oben irgendwo eine Unterkunft bei einem Schäfer und organisiert, der Ihnen dort sogar noch Verpflegung hin liefert. Das sind so die local treats, die uns als Kartoffeln verwehrt bleiben.
Es regnet wieder recht ausgiebig, und so wird der Abstieg eher eine Rutschpartie. Ein bisschen reißt es hier und da auf, aber insgesamt eher ein 'wann sind wir endlich da?'



Bei dem Wetter jagt man wirklich keinen Hund vor die Tür

In der Zivilisation angekommen geht es lange durch die Gewächshäuser und prekären Unterkünfte ringsrum.

DIY-Schornstein

Drei-Etagen-Wein

Irgendwann nimmt uns ein älterer Herr in seinem ähnlich betagten Tofas mit Richtung Busbahnhof, der mit seinem T als Logo wie ein Tesla-Oldtimer wirkt. Sprachlich können wir uns nicht wirklich verständigen, als wir an ein paar Frauen mit Kindern vorbei fahren, schafft er es trotzdem, mit Händen und Füßen gegen die seiner Meinung nach Syrer zu hetzen. Die xenophobe Saat des Erdogan Regimes in Koalition mit der Rechten scheint in der Türkei aufzugehen.
Wir verpflegen uns am Busbahnhof mit ordentlich Gözleme, ich lasse mir noch kurz ambulant und im Akkord für kleines Geld einen Riss im Hemd von einem virtuosen Veteranen der türkischen Änderungsschneiderei und seiner treuen Uraltindustriemaschine flicken und dann geht es auch schon los nach Finike.
Wir suchen uns ein günstiges Hotel, legen den Kram trocken - und verbringen den inzwischen Spätnachmittag, bzw. frühen Abend mit Herausfinden der Busverbindung für den Folgetag, die limitierter und umständlicher als gedacht ist, und Völlerei, gekrönt vom Okacbasi mit allerlei Grillgerichten.
Preislich sind wir insgesamt im Übrigen eher überrascht, wie teuer nicht nur importierte Lebensmittel inflationsbedingt sind, sondern auch lokales Essen.
In den weniger bis nicht touristischen Städtchen wird es zwar leicht günstiger, aber in Anbetracht niedriger dreistelliger Durchschnittseinkommen unglaublich teuer bis unbezahlbar.
Auch die Mieten sollen astronomisch angezogen haben, wie wir von Locals lernen. Im geschäftigen Alltagsbild merkt man von alldem wenig, aber es scheint ordentlich zu knarzen.
Fast vergessen: gerade einmal 11km, 950hm runter.