Erster Abschnitt: Waterton bis Kenosha Pass
26.7.25 Segment 1 Waterton Canyon – South Platte River
Am nächsten Morgen nehmen wir die erste Light Rail Bahn nach Littleton; für dort haben wir uns ein Uber vorbestellt, das uns zum Trailhead bringt. Genau bei Sonnenaufgang wandern wir los.
Ich scheine mir eine Erkältung eingefangen zu haben. Verstopfte Nase. Flugzeug?
Die ersten Meilen geht es neben dem South Platte River fast eben durch den Waterton Canyon, beliebt bei Anglern, Radlern und Läufern. Hundeverbot wegen der Bighorn Sheep - wir sehen sogar welche. Übrigens: EInige der Bilder sind von Lutz, der hat mehrere Objektive an seinem Phone und konnte sich die Bighorns richtig heranzoomen.
Gut, dass wir so früh am Morgen unterwegs sind: tagsüber wird es hier furchtbar heiß - ohne Schatten. Hier unten gibt es aber noch Plumpsklos und Wasserhähne. Dann geht es bergauf und in den Wald, an einer Bank, Lenny's Rest, essen wir Mittag. Die Bank erinnert an einen jungen Mann, der in der Nähe ums Leben gekommen ist. Seine Eltern haben sie gestiftet. Traurig.
Anschließend weiter, über den Bear Creek (hier hatte ich 2018 übernachtet, und es gab damals einen "active bear in the area", der auch tatsächlich das camp besucht hatte und mit lautem Topfgeklapper vertrieben worden war), wieder hinunter zum South Platte River. Hier ist viel los - Straße, Parkplatz, Weekend - wir finden ein kleines Plätzchen zwischen Kiefern, richten uns ein, baden und liegen um acht im Bett. Ich wohl zuerst.
Es gibt hier sehr hübsche Raupen mit langen Haaren. Später lernen wir, dass diese Raupen oft bei Kiefern vorkommen und wie unsere Eichenprozessionsspinner Allergien hervorrufen können. Wir haben nichts gemerkt.
Das waren 16,5 Meilen und 2830 ft, gut 850 Höhenmeter. Wir sind nun 1850m hoch.
27.7.25 Segment 2 Burton Fire Area und ein bisschen weiter ins 3. Segment zum Tramway Creek
Auch heute sind die ersten zehn Meilen sehr exponiert. Der Wald hier ist vor knapp 30 Jahren verbrannt, obendrein bei Unwettern kurze Zeit später viel Erde weggewaschen worden. Um fünf Uhr, fast noch im Dunkeln, stehen wir auf. Wir brechen um sieben auf – wir kennen das schon: Wenn wir zu zweit unterwegs sind, brauchen wir morgens irgendwie immer 2 Stunden. In den 4 Stunden über die Burn Area geht es auf und ab, mit immer wieder neuen Felsformationen.
Auch das nächste Wasser gibt es erst in 10 Meilen, ein Wasserhahn an einer Fire Station. Als wir dort ankommen, fährt gerade ein Auto los – und stoppt wieder. Ob wir CT-Hiker seien? Dann hätte sie etwas für uns. TRAIL MAGIC – die beste: frische Erdbeeren! Und eine Gatorade. Wir nehmen ein paar Erdbeeren mit zum Wasserhahn, daneben steht auch eine Bank im Schatten. So richtig gemütlich wird es nicht, wir werden von beißenden Fliegen angefallen.
Bald geht es weiter, noch ein paar Meilen ins 3. Segment hinein – die Segmente sind sehr unterschiedlich lang; meine These ist, das hängt damit zusammen, wie 1984, als der Weg eröffnet wurde, die Straßenanbindungen waren.
Nach insgesamt 16,5 Meilen und ca.3000ft / 900 Höhenmetern finden wir einen wundervollen Zeltplatz, den wir für uns ganz allein haben am Tramway Creek. Jetzt sind wir bereits über 2000 m hoch und werden so bald nicht mehr tiefer kommen. Ich bin ziemlich fertig und die Nase ist voll.
28.7.25 Tramway Creek und weiter ins 4. Segment: Lost Creek Wilderness
Am Morgen laufen wir durch idyllisch aufgelockerten Mischwald,
doch dann zieht sich der Weg durch langweiligen Kiefernwald – es wirkt teilweise eher wie eine aufgegebene Kiefernplantage, Stangenholz. Wir freuen uns auf die Lost Creek Wilderness – und sind erst einmal enttäuscht. Die Qualität des Weges wird schlechter, weil es bergauf geht und die Erde zwischen den Steinen weggewaschen ist, und interessanter sieht der Kiefernwald auch nicht aus. Außerdem merke ich durchaus, dass die Luft dünner ist, und meine Erkältung... Die Landschaft ändert sich heute erst recht spät; erstmals laufen wir durch Aspen,
und schließlich öffnet sich vor uns ein Tal, an dessen Rand wir an einem Trailhead unsere Zelte aufbauen. Trailhead? Autos? Stimmt: wir sind vorübergehend nicht mehr in der wilderness.
Heute sind wir gut 16 Meilen gelaufen, bei 3200ft/knapp 1000 Höhenmetern und haben jetzt die ersten 10% des Wegs geschafft. Und übernachten auf 3100m.
29.7.25 Hoch das Tal und ins 5. Segment. Und eine Entscheidung
Heute geht es aufwärts durch das langgezogene Tal immer am Rande der Wilderness; es ist bedeckt und kühl, gelegentlich gibt es das eine oder andere Tröpfchen von oben. Ich bekomme schlecht Luft – Höhe oder meine Erkältung? Wahrscheinlich beides. Jedenfalls bin ich ziemlich langsam unterwegs. Das Tal ist wirklich schön und der Aufstieg eigentlich sanft.
Oben kommen wir wieder in den Wald – aber jetzt in einen schönen. Wir passieren einen weiteren Trailhead, dabei geht es ins 5. Segment und richtig hinein in die Lost Creek Wilderness. Sie heißt so, weil es hier einen Bach gibt, der 10mal verschwindet. Wieder Aspen, das Bild habe eindeutig nicht ich geknipst. Ich mag Aspen, sie haben etwas Lichtes.
Wir gehen vorbei an Felsen, haben Sicht auf Berge,
dann öffnet sich der Blick auf die Southpark-Hochebene (ja, das South Park) mit dem Kenosha Pass. Dahinter sieht man schon den wunderschönen (eigentlich) mehrfarbigen Mt Guyot mit dem Georgia Pass daneben.
Wir stellen fest, dass wir Netz haben, checken Wetter und beschließen angesichts der Aussichten in den nächsten Tagen (heftige Gewitter) und meines Gesundheits- und Erschöpfungszustandes, in Bailey zwei Nächte zu verbringen. Gut, dass wir Lebensmittel für 8 Tage mit uns rumschleppen
! Aber ich freue mich auf die Ruhe. Wir laufen noch etwas weiter und bauen unsere Zelte so kurz vor dem Pass auf, dass wir schon morgen Vormittag am Highway sein können. Gut 15 Meilen mit nur 500 Höhenmetern, und ich bin alle.
30.7.25 Bis zum Ende des 5. Segmentes am Kenosha Pass
Ein Nero-Day. Nero heißt es, wenn es nicht zero Meilen sind, aber eben nicht viel mehr. In meiner Definition: einstellig. Los geht es noch einmal mit drei kleineren Anstiegen und der Aussicht auf die von der Morgensonne beschienenen 14000er der Collegiates – dorthin werden wir erst in einer Woche kommen. Morgensonne? Da sind auch Gewitterwolken voraus!
Dann der Abstieg zum breiten Kenosha Pass. Hier zogen einst die Ute riesigen Bisonherden entgegen, später kamen die Fifty-Niner (die Goldsucher im 59er Goldrush, zehn Jahre nach dem 49er in Kalifornien), eine Planwagen-Route,
schließlich wurde hier eine Eisenbahn gebaut, die bis 1937 fuhr – vorwiegend für die Silber- und weitere Minen sowie Vieh- und Holztransporte.
Hier Schienen der ersten, der Schmalspurbahn
und hier die spätere, mit dem Vielfarbenberg im Hintergrund
Nun führt der US Highway 285 hier entlang, östlich und westlich daneben je ein großer Campground, und viel Platz für Autos anzuhalten, wenn unsereins den Daumen raushält. Lange müssen wir das nicht tun, wir werden sehr schnell mitgenommen.
In der Two Bridges Lodge beziehen wir unser Zimmerchen – zum Preis ungefähr von zweieinhalb Betten im Hostelbereich, in dem wir den Küchenbereich mitnutzen können. Echter Kaffee!
Dann einkaufen im Convenience store in Bailey; die Wetterapp behauptet, dass es erst in zwei Stunden gewittern soll, nunja: wir erreichen den Laden gerade als es losgeht. Es schüttet und hagelt, dass man kaum die andere Straßenseite sieht – aber was macht das jetzt schon: Kirschen! Gurke! Paprika! Wir warten im Laden ab, und als der nächste Regen kommt, sind wir bereits im Hostel.
Das waren gerade mal 7 Trailmeilen und 500 Höhenmeter, und Bailey liegt auch nicht so tief, dass meine begonnene Höhenanpassung wieder flöten geht.