Beiträge von Kay

    Harris & Lewis: Teil 1 - die Wanderung

    Ich hatte zwar noch ausreichend (Sabattical)-Zeit, aber so langsam wurde es eng im Zeitplan, wenn ich nach den Hebriden noch auf Skye wollte. Also übersprang ich den südlichen Teil von Harris sobald die Fähren wieder fuhren. Harris und Lewis sind eigentlich eine Landmasse, werden aber aber als zwei Inseln geführt. Die Trennung verläuft auch nicht an der Engstelle in Tarbert, wo eine schmale Landbrücke das Vorhandensein von zwei Inseln suggeriert, sondern eher random auf der größeren „Insel“, entlang eines Bachs? :/


    Am Fähranleger in Berneray gibt es einen Stehle, die die Hälfte des Hebridean Ways markiert.


    Ich lieeeebe Bootsfahrten! :love:


    Ankunft in Leverburgh. Die Überfahrt war teilweise recht wild. Das Schiff kippte munter noch oben, unten, rechts, links. Glücklicherweise macht mir das nichts aus.


    Vom Fähranleger spazierte ich durch den Ort zum Supermarkt. Und wartete dann auf den Bus. Da diese Fährverbindung tidenabhängig ist, stimmt der Busfahrplan nicht immer mit dem Fährfahrplan überein. 

    Man kann sich von den Bussen übrigens auch zwischen den Haltestellen absetzen lassen. Ich zeigte dem Busfahrer auf der Karte, dass ich an dem Abzweig zur Coffin Route abgesetzt werden möchte. Kein Problem!

    Coffin Route? Eine grausame Periode in Schottland sind die Clearances. Eine Zeit, in der die Grundbesitzer die Bauern von der fruchtbaren Westküste zur kargen Ostküste vertrieben haben. Damit sie mehr Schafe züchten können, denn Schafe brachten mehr Geld ein, als die Landwirtschaft der Bauern. Nur der Friedhof war noch an der Westküste, deswegen gibt es Coffin Routes über das Gebirge, damit zumindest die Toten in der Heimat bestattet werden konnten.

    Apropos Clearances, der Busfahrer hat mir da etwas erzählt:

    Der Busfahrer erkannte bei mir einen kanadischen Akzent (was auch prinzipiell stimmt, dort habe ich maßgeblich Englisch gelernt, aber ich würde sagen, dass der inzwischen nicht mehr ausgeprägt ist und das denglische überwiegt). Er hat nämlich Verwandtschaft in Kanada. Lustigerweise im Nachbarort von meinem damaligen Wohnort. Beide Orte liegen im sehr spärlich besiedelten Norden Ontarios, das ist also schon sehr zufällig. Es wird jedoch noch zufälliger: Der Busfahrer war nur einmal in seinem Leben von den Inseln herunter, für eine Beerdigung in Edinburgh. Dort wartete er auf den Zug und kam mit einem kanadischen Geschäftsreisenden ins Gespräch. Der fragte ihn nach den Inseln aus, weil seine Vorfahren Ende des 19. Jahrhunderts von Harris emigriert sind. Der Busfahrer lud den Kanadier ein ihn zu besuchen. Das klappte auch ein paar Jahre später. Währenddessen begab sich der Kanadier auf Ahnensuche und sie fanden heraus, dass sie direkt miteinander verwandt sind. Ihre (Ur-?)Großväter sind Brüder, die sich nach der Emigration aus dem Blick verloren haben. Ohne die Beerdigung in Edinburgh hätten sich die beiden nie gefunden. Er sagt, sie telefonieren jede Woche miteinander weil sie sich so eng wie Brüder fühlen. <3


    Das sind übrigens die letzten Sandstrände auf dem Hebridean Way. Der Wanderweg führt rechts oberhalb der Straße entlang einer Bergflanke. In der Bucht links ist ein Campingplatz. Bei etwas zahmeren Wetter sicherlich ein Traum zum Übernachten.

    Von Seilebost folge ich der Coffin Route nach Grosbay. Dort wartet ein Caravan auf mich für die nächsten zwei Nächte. Nach den Strandetappen ist das für mich die schönste Etappe.


    In das Trogtal führt der Weg.


    So sieht es auf der anderen Seite des Übergangs aus. Der Trail geht hinter in Richtung See und steigt danach wieder an und quert die Berge im Hintergrund.


    Rückblick auf See und Übergang.

    Ruinen aus den Zeiten der Clearances sind überall entlang des Weges zu finden.



    Die Ostküste ist erreicht und der Weg dreht ab nach Norden.

    Auf einmal wurde der Weg weich wie ein Teppich. Warum sind nicht alle Wanderwege so fußfreundlich? ^^

    Erst in den 1930er Jahren wurde eine Straße entlang der Ostküste gebaut. Der Weg auf dem ich heute wandere war der Hauptverbindungsweg bis dahin.


    Ich möchte tagelang durch diese Landschaft streifen.


    Doch die Bequemlichkeit siegt und hier wartet ein Caravan auf mich.


    Rechts im Regal liegen die nutzlosesten Gegenstände auf meiner Hebriden Tour: Zelt & Thermarest :D


    Am folgenden Tag wandere ich nach Tarbert und fahre wieder mit dem Bus zurück. Nach der hügeligen Etappe am Vortag ist das eine richtig schön erholsame Wanderung.

    Auch die Schafe suchen Schutz vor dem Wind.

    Robben durch mein UL-Teleobjektiv fotografiert (mein Monokular).


    Jeder Regen, der so hübsch fotogen aussieht wird dich früher oder später treffen.

    Der Hafen in Tabert. Ich kaufe mir etwas fürs Abendessen ein und mache eine recht ausgiebige Pause auf einer windgeschützten Bank in der Sonne. Dabei werden trail stories ausgetauscht mit zwei Bikepackern aus London.

    Sie schauen harmlos aus, aber haben mich mit ihrem Geblöke die ganze Nacht wach gehalten.

    Auf den nächsten drei Etappen bleibt man im Landesinnern von Lewis bis zur Ankunft am Zielort Stornoway. Mir geht es an heute Morgen gar nicht gut. Aufgewacht mit Kopfschmerzen, die Beine schwer wie Blei. Doch erst einmal geht es mit dem Bus nach Tarbert, die Etappe vom Vortag ist schnell abgefahren. Im Bus möchte jemand von mir wissen, ob Schwarzwälder Kirschtorte so gut schmeckt, wie sie aussieht. Er hätte da ein YouTube Video gesehen. Da fragt er genau die richtige Person, die kein Gluten verträgt, laktoseintolerant ist und Alkohol meidet. ^^ Natürlich bestätige ich ihm, dass das die beste Torte der Welt ist!

    Wusstet ihr, dass die zotteligen Highland-Kühe in Schottland als Coos bezeichnet werden (ausgesprochen wie Kuh)? Und dass es auf den Hebriden eine eigene Rinderzuchtlinie gibt, die kurzhaarig und eher klein und kompakt ist? 


    So sieht das aus mit den einspurigen Strassen und Wohnmobilen. Oftmals gibt es keinen Strassenrand auf denen man ausweichen kann. Häufig ist da entweder ein kniehoher Rand oder ein knietiefer Graben ...


    Endlich wieder Trail unter den Füßen.


    Rückblick. Die Route führt den See entlang.


    Das Wetter wird stündlich greisliger. Irgendwann schüttet es durchgehend. Der Wind hält sich nicht an die Abmachung und kommt auf einmal von vorne, von Norden. Regen waagrecht von vorne ist als Brillenträger nur so semi-lustig. Und dann fühle ich mich so unfit. Ich schwitze und friere abwechselnd. Mein Puls ist deutlich erhöht. Ich komme kaum voran. Der Hals schwillt zu, starke Schmerzen beim schlucken. Nirgendwo ein Platz für eine Pause. Nur Wind und strömender Regen. Irgendwann kauere ich mich einfach auf dem Boden hinter meinen Rucksack, versuche ein paar Schluck zu trinken und suhle mich im Selbstmitleid. Ich raffe mich auf, ich muss aus diesem zugigen Hochtal heraus. Ich stapfe Schritt für Schritt mit Blick auf den Boden fixiert durch knöcheltiefen Morast. Immerhin ist es nicht boggy, sondern unter dem Morast relativ fest. Aus den Regenschwaden taucht ein Bushäuserl auf. Ein Bushäuserl? Wo kommt das jetzt her und existiert es wirklich?

    Genau an der Stelle wo der Trail die Hauptverkehrsader gen Süden überquert (das entspricht einer einspurige Landstraße niederer Ordnung in DE) gibt es ein Bushäuserl, so mit Dach und Wänden. Ganz ungewohnt für die Hebriden. Man merkt wohl die Nähe zum Hauptort? Die Schafe mögen den Unterschlupf übrigens auch zum Scheißen gern. <X Ein Hoch auf mein Stück Tyvek um meinen Rucksack abzustellen. Erst einmal raus aus den nassgeschwitzten Sachen. Die warmen, trockenen Schlafsachen an. Damit ist eigentlich der weitere Lauf der Dinge besiegelt, ich realisiere dass nur noch nicht in meinem Fieberdunst. Tee gekocht für die Nalgene. Nudelsuppe gekocht und mir rein gezwungen. Einen Zustand erzielt, in dem ich wieder Entscheidungen treffen kann. Fährt hier überhaupt ein Bus? Ja, in einer Stunde nach Stornoway.


    Blick aus dem Bushäuserl.

    In Stornoway ist ein Bett im Hotel zu haben. Leider nur eine Nacht. Aber egal. Der Bus erscheint. Es ist ein neuer hochmoderner Mercedes Reisebus. Kurz bin ich mir nicht sicher, ob das ein Fiebertraum ist. Die bisherigen Busse waren so 9-Sitzer Minibusse. Aber vorne steht Stornoway dran. Also steige ich mit all meinen Bazillen und dem Gestank des Schafkots an meinen Sachen ein. Glücklicherweise verlieren sich nur fünf Leute im Bus. Ich hoffe, ich habe niemanden angesteckt oder mit meinem Gestank belästigt. Es ist muckelig warm. Ich könnte gerade ewig in dieser fahrenden Sauna über die Landstraßen cruisen.

    Auf der Fahrt plobbt auf AirBnB eine Ferienwohnung für vier Tage auf. Ich schlage sofort zu. Dieser Infekt sieht nicht aus, als ob er sich morgen verzieht. Ich bekomme eine Bestätigung. Ich storniere das Hotel. Ich bekomme eine Absage! Sie haben einen Todesfall und können die Wohnung nicht reinigen. Ich schreibe sofort zurück, dass ich eine Unterkunft brauche egal in welchen Zustand. Der Gastgeber lässt sich drauf ein. Puuuh, was für ein Minidrama.

    Und gleichzeitig mein Glück. Ich kann sofort in die Wohnung, obwohl es erst mittags ist. Der Schlüssel steckt von innen und jemand hat noch ein Paket Bettwäsche und Handtücher auf den Tisch gelegt. Ich verbringe die nächsten 24h schwitzend und schlotternd im Bett und erfreue mich erst dann an der frischen Bettwäsche. #hikertrash

    North Uist

    Es ergab sich die Möglichkeit einen Ferienhaus-Pod anzumieten für drei Tage in ganz wunderbarer Lage. Und ich war gerade so angefixt frisch zu kochen und brauchte etwas me time ohne andere Leute. Ich überspring also fürs erste North Uist mit dem Bus und quartierte mich am Nordende der Insel ein.

    Der kleine Laden auf Berneray. Der alles hat, was der Wanderer braucht. Und ein feines Bistro mit köstlichen Seafood Gerichten.

    Der Laden führt sogar UL-Heringe! ;)

    Vollmond um 4 Uhr morgens. Eine Windstille hatte mich aufgeweckt.


    Blick aus der Unterkunft


    Eine kurze Pause zwischen den Stürmen nutzte ich um mit dem Bus wieder zurückzufahren und einen Teil des übergesprungenen Stücks zu wandern.

    Zeitreise ins 19. Jahrhundert? Tiere, okay. Aber von Pferden gezogene Fahrzeuge?


    Wirklich, jedes Schild! :thumbup::love:


    Die wenigen Bäume sind hier eingezäunt, damit sie nicht weglaufen. 


    Die ersten Kilometer verlaufen über eine Teerstraße, aber mit diesen Ausblicken ist mir nicht fad. Dahinten, über den linken Hügel wird mein Weg führen.


    Schild vorhanden, Weg nicht. Da vorne eine Holzbrücke, aber dann?


    Das muss er sein!


    Solche Steine im Moor nutzen die Fischotter um Meeresfrüchte aufzubrechen.


    Yay, ein Regenbogen! 


    Hier musste ich mich in den Schutz der Heide hinkien, weil ein paar durchziehende Böen mich umschubsen wollten. 


    Einmal flachgelegt. Ganz ohne Wind. Moorbäder sollen ja bei Gelenk- und Muskelschmerzen helfen.


    Hübsch hier ... dachten sich auch die Midges.

    Hier machte ich meine erste Bekanntschaft mit den schottischen midges. Ich überquerte eine Brücke und stand danach im Windschatten eines Bergs am Bach und dachte mir, wow was für eine Stille! Herrlich!!! Der erste Moment ohne Wind seit einer Woche? Ich überlegte mir hier Pause zu machen, obwohl ich erst kurz unterwegs war. Sonnig, windstill ... und dann hatten sie mich entdeckt. Schnell weg hier!

    Kurz darauf kaufte ich Smidge (DAS schottische Midge Abwehrmittel für die Haut) und ein midge head net im Laden auf Berneray. Gebraucht habe ich es nicht mehr. Pack your fears! ^^


    Am Fuß der Hügel rechts von der Bildmitte bin ich gestartet und dann zigg zaggt der Weg sich durch Seenplatte.

    Es ist übrigens alles Meer- oder Brackwasser. Trinkwasser gibt es erst wieder auf der anderen Seite des Berges. Darauf muss man auf dem Hebridean Way achten: nicht alles was vom Ufer aussieht wie ein See, ist auch trinkbares Süßwasser. Das Brackwasser kann sich kilometerweit ins Landesinnere ziehen und tarnt sich als Seenplatte.

    Als Alpenbewohner war ich ja so naiv und dachte, dass der Sumpf aufhört, sobald es mal bergauf geht. Da haben die schottischen Hügel mal gut gelacht :D Allerdings ähnelt die Schrittfolge einem Anstieg in einem Schuttkar: 2 Schritte hoch, dabei 1 Schritt zurückrutschen.


    Fast Gipfelblick. Der Weg verläuft knapp unterhalb vom Gipfel und ich war zu träge um durch den Morast hochzustiefeln. Am Horizont das offene Meer.


    Blick nach Norden. Man sieht die Insel Berneray und den Causeway, der sie mit North Uist (wo ich gerade bin) verbindet. Im Hintergrund die Insel Harris. Das nächste Ziel.


    In dem See dort unten ist eine Burgruine. Die Burg ist nur über Trittsteine im Wasser zu erreichen. Leider war das Wasser dieses Jahr so hoch, dass die Trittsteine kaum noch zu erkennen waren und ich hatte bei dem Wetter auch keine Lust im wadenhohen Wasser herumzustochern. Eine Windböe und platsch. Sehr schade, das hätte ich gerne erkundet.


    Das einzige Bild vom Abstieg, denn Sekunden später spülte und wehte mich eine Regenfront vom Berg runter.


    Das Glück ist mir hold. Für 20 Minuten bleibt es trocken und ich kann endlich mal entspannt mit den Füßen ins Meer platschen.


    Im beginnenden Regen ziehe ich schnell die Schuhe an und werde auf dem letzten Kilometer noch einmal komplett durch die Waschmaschine gejagt.


    Und kaum bin ich bei meiner Unterkunft angelangt, kommt die Sonne heraus um alles zu trocknen. 


    Und so sieht es in diesen Pods aus: Bett, Couch oder Esstisch, kleine Küche und ein winziges Duschbad (nicht im Bild, da stehe ich drin zum fotografieren).


    Einen weiteren Tag vegetierte ich gemütlich im Pod vor mich hin, da es sehr stürmte. Es fuhren keine Fähren und keine Busse. Es wehte so arg, dass ich die Tür nur in kurzen Sturmpausen einen Spalt weit aufstemmen konnte. Und ich hatte Bedenken, dass ich alleine nicht wieder zurück hineinkomme. 8|

    Es ist so nass, dass selbst die Schnecken ins Trockene wollen. 

    Manchmal finde ich es schade, das hier verhältnismäßig wenig Reiseberichte geschrieben werden.

    Das finde ich auch! Schreiben fällt mir nicht leicht. Daher habe ich das Thema immer weiter prokrastiniert. Aber nun wollte ich es endlich auf den Weg bringen. Und siehe da, es macht total Spass! Quasi der Urlaub nach dem Urlaub. Ich war gestern Abend so entspannt, als wäre ich gerade aus dem Urlaub zurückgekommen. :love: Also traut euch! Schreibt Reiseberichte! Besser kann man seine Online Zeit nicht verbringen. 8)

    Eriskay & South Uist

    Am nächsten Tag fuhren die Fähren wieder und ich beschloss weiterzuziehen und nicht auf besseres Wetter für den Trail über die Berge der Insel zu warten. Mit dem Bus ging es den Weg, den ich am Vortag gewandert bin, zur Fähre, die mich nach Eriskay übersetzte. Eriskay ist eine kleine Insel, die über einen Causeway an Uist angebunden ist. Uist setzt sich zusammen aus den Inseln South Uist, Benbecula, North Uist und Berneray, die alle über Causeways miteinander verbunden sind. Für die nächsten vier Etappen ist man also nicht von Fähren abhängig.


    Skulptur am Fährhafen in Armdhòr. Fischotter habe ich leider keine gesehen. Jedoch häufig ihre Spuren in Form von geknackten Muscheln und Krebsen.


    Als Fußgänger und Radler darf man als Erstes auf die Fähre.


    Auf jeder Insel wird man mit einem netten Schild in Empfang genommen.


    Kurzer Exkurs zum Wetter: Die Inseln hatten seit Mai keinen einzigen trockenen Tag gesehen. Laut Einheimischen der nasseste und kälteste Sommer seit den 70ger Jahren. Solche Superlative werden schnell dahin gesagt, aber es bleibt dabei, dass es wirklich sehr nass war. Also so nass, dass man auf jeden Weg, der nicht Asphalt oder Strand war im Nassen ging. Selbst Rasenflächen waren so häufig so gesättigt, als hätte es gerade einen Starkregen gegeben.



    Gleich am Fähranlieger wartet dieser perfekte Strand auf mich. Eriskay ist schnell durchwandert. Der Berg im Hintergrund ist schon die nächste Insel.


    Hello Sunshine ... and goodbye (10 Sekunden später)


    Echt alle Warnschilder mit Tieren waren mit Kulleraugen nachgerüstet. <3


    Perfekte Reisezeit für die Heideblüte


    Heute ist ein Tag mit viel Straßenhatscherei. Aber hübsch! 


    Hier plauderte ich mit einem Herren, der den Rasen vor meinen Füßen gemäht hat. Auch er ist begeistert von einem halbwegs sonnigen Tag noch dazu ohne Touristen. Als ich entgegnete, dass ich doch auch ein Tourist bin, meinte er lachend: Nein, du bist ein Wanderer. Anscheinend der "bessere" Tourist in seinen Augen. Finde ich ja auch!


    Mustergültige Ausschilderung


    Endlich runter vom Teer.


    Ich dachte kurz nach, wie wohl die Nachtruhe werden wird und buchte mir eine Unterkunft in einem Hostel in Daliburgh.

    Über die wogenden Felder geht es nach Daliburgh.


     Well, well ... every sign has a reason (Für jedes Schild gibt es einen Grund.)


    Am nächsten Tag legte ich einen slack packing Tag ein. Wandern mit Tagesgepäck nordwärts und mit dem Bus zurück. Ich wollte das gute Wetter ausnutzen und so viele Kilometer wie möglich entlang der Küste wandern. Gutes Wetter: weiterhin böiger starker Wind. Nicht mehr so fies wie die Tage zuvor. Durchziehende Regenfronten mit durchaus etwas Sonne. Dort wo der Trail von der Küste ins Landesinnere geht (Drimsdale) nahm ich den Bus zurück.


    Langsam habe ich Übung darin, die erhöhte Luftfeuchtigkeit eines von hinten herannahenden Regenschauers zu erkennen und kann rechtzeitig alle RVs der Regenbekleidung schliessen.


    Gleicher Standpunkt, gleicher Zeitpunkt. Oben der Blick nach Süden (noch 1-2 Minuten bis zum nächsten Guss) und und unten der Blick nach Norden. Man sieht in der Ferne noch den Guss, der vor 2 Minuten durchzog.


    Sand ist mühsam zu bewandern. Aber ich kann nicht genug davon bekommen.


    Ist doch nicht so neblig hier! Meine Brille nach 4h wandern am Meer.


    Am nächsten Tag habe ich ein Stück übersprungen, da der Weg laut Cicerone sehr nass sein soll, außergewöhnlich nass. Also auch in normalen Sommern. Das sieht man gut auf der Karte, es ist ein sehr flaches Land durchsetzt mit einer Unzahl von Seen. Da hatte ich einfach keinen Bock drauf, bei Regen waagrecht und schlechter Sicht im Sumpf herumzuwaten. Der Wind nahm auch wieder zu mit Sturmwarnung für die nächsten 2-3 Tage. Die nächsten Tage sollten auch keine Fähren fahren, was einerseits etwas über die Stärke des Sturms aussagt und zweitens mir die Möglichkeit von freien Betten im Nunton Hostel auf Benbecula schenkte.


    Ich nahm den Bus bis Creagorry und wanderte 10 km entlang der Küste zum Hostel. Ich wollte ja nicht nur Buswandern. Aber die Entscheidung habe ich unterwegs schon leicht verflucht. Das waren die anstrengendsten 10km meines Lebens, das war schlimmer als 10km und 1500 Höhenmeter bei Schietwetter in den Alpen.

    Blick aus dem Bus. Ich finde, die Farben sehen schon fies aus.

    Sieht unschuldig aus. Wäre das Bild vertont, würde man meine Flüche hören, nicht 10 Minuten länger Bus zu fahren sondern hier entlang zu wandern. Aber! The Trail provides: Am nächsten Strand treffe ich auf eine Gassigeherin, mit der ich mich schreiend unterhalte und wie im Flug sind 4 km vorbei.


    Hübsch, aber die Aufenthaltsqualität lässt heute zu wünschen übrig.


    Irgendwann sind es nur noch 2km Strasse bis zum Hotel. Mehrmals weht es mich einen Schritt in die Strasse hinein. Wie gut, dass so gut wie kein Verkehr ist.


    Am nächsten Tag wanderte ich „nur“ zum Supermarkt in Balivanich, mit etwas Umwegen entlang der Küste 10 km. Hat auch gut gereicht, nach dem Tag zuvor. Aber ich wollte unbedingt die Küche des Hostels ausnutzen um frisch zu kochen und wir wurden gewarnt, dass man am nächsten Tag nicht rausgehen sollte. Der Wind hätte etwas dagegen.

    Riesige Sanddühnen. Ich bin schwer beindruckt!


    Bilderrätsel: Wer oder was macht diese Spur?


    Ungefähr 40 Bilder später, endlich der erwünschte Schnappschuss!


    Ich glaube die Wikinger haben ein Schaf vergessen.


    Hello! 

    Die Prognose bezüglich Windstärke für den nächsten Tage traf ein. Wir haben zu dritt versucht die Haustür gegen den Wind nach außen aufzustemmen. Keine Chance. Ausgang nur über den geschützten Hinterhof. Der ganze Tag Regen waagrecht. Ich die meiste Zeit auf der Couch Bücher zur örtlichen Geschichte lesend. Ein perfekter Urlaubstag!

    Vatersay & Barra

    Es war mein erster Besuch in Schottland und die Busfahrt von Glasgow nach Oban war ein einziges Highlight. Ich wäre am liebsten überall ausgestiegen und los gestiefelt.


    Blick aus dem Bus etwas südlich von Loch Awe. Man sieht das Loch im Tal in der Ferne hervorblitzen.


    Der Hafen in Oban.

    Die Inseln Muck, Eigg und Rum gehören zu den Inneren Hebriden.

    Die Fähre bleibt bei der Fahrt durch den Sound of Mull zunächst in der Nähe der Küste. Der Blick öffnet sich etwas später und man sieht die Inneren Hebriden am Horizont vorbeiziehen. Ich sehe zum ersten Mal einen Delphin und später ein nachgebautes Wikingerschiff, dass unseren Weg kreuzt. Die zweite Hälfte der Fahrt geht über das offene Meer und da merkte man etwas den Seegang. Einigen Fahrgästen wurde übel, aber ich Landratte merkte glücklicherweise nichts.

    Castlebay auf Barra mit der Fähre, auf der ich angereist bin. Die Burg im Hafen verschwindet fast neben der riesigen Fähre.

    Nach 6 Stunden Fährfahrt kam ich in Castlebay auf der Insel Barra an. Ich hatte eine Übernachtung im Hostel gebucht, um mich von der langen Anreise zu erholen und dann am nächsten Tag zu starten. Doch es kam ganz anders und das setzte auch irgendwie den Ton für meinen Hebriden Aufenthalt. Der Gastgeber verkündete, dass wegen eines aufkommenden Sturms die Fähre außerplanmäßig sofort nach Oban zurückfährt und dann für zwei Tage keine Fähre mehr an- oder ablegen wird. Es wurde kurz hektisch für einige Gäste, mir brachte es den Vorteil, dass ich ein Zimmer für mich hatte.

    Nachts stürmte es eindrucksvoll, ich war etwas nervös, weil ich noch nie in einem Gebäude war, dass so von Windstößen gebeutelt wurde. Ich versuchte mich zu trösten, dass das Haus schon recht alt ist und schon ganz andere Stürme überstanden hat. Ich war daher sehr froh um mein Bett im Hostel und buchte am Morgen kurzentschlossen zwei weitere Nächte. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen bei dem Wind einen erholsamen Schlaf im Zelt zu haben und ohne Fährverbindung komme ich auch nicht weiter auf die nächste Insel im Norden.

    Die kleine Burg im Hafen. Die Wellen sehen gar nicht besonders eindrucksvoll aus. Aber ich muss um jeden Schritt gegen den Wind kämpfen.

    Gegen Mittag hörte der Regen auf und ich fuhr mit dem Inselbus nach Vatersay. Das war auch sehr abenteuerlich mit den Windböen und die Straße verlief teilweise direkt über der Küste. Vatersay ist eine Insel südwärts, die mit einem Causeway mit Barra verbunden ist und auf der der offizielle Startpunkt des Hebridean Way liegt. Ich wanderte durch die Dünen, genoss die Sonne, sah zum ersten Mal den Atlantik und machte mich dann zu Fuß auf den Rückweg. Allerdings nicht über den Trail, der geht gleich auf 300m hoch und mich wuppte der Wind schon in den windgeschützteren Lagen bei jeden Schritt etwas von den Füßen. Ich folgte der Straße, bei besseren Wetter sicherlich gut von Touristen befahren, aber ich sah keine drei Autos auf 11 km. So eine „geschlossene“ Insel ist schon was Feines. Auf dem Rückweg war ich sehr froh um meine Entscheidung die Hinfahrt mit dem Bus zu machen, denn auf einem kleinen Stück mit Gegenwind musste ich kurze Pausen im Wind abwarten um überhaupt 1-2 Schritte zu machen. Aber auch der Rückenwind- und Seitenwind sorgten am nächsten Tag für einen deutlichen Ganzkörper-Muskelkater.



    Vatersay hat ganz wunderbare Strände - die beiden oberen Bilder gen Osten in Richtung Minch und das untere zeigt die Atlantikseite. 


    Die Schmalseite der Start-Stehle des Hebridean Way vor dem Community Center. Es gibt öffentliche WCs und Duschen, tagsüber hat das Cafe geöffnet.


    Auf dem Hebridean Way. Nachdem man diese Bucht umrundet hat, geht es über den Berg in der Ferne hinüber (aber nicht für mich).


    Wer einmal mit so hübschen Ausblick abspülen möchte, quartiert sich im Hostel in Castlebay ein.

    Über Nacht regnete und stürmte es wieder wild. Am nächsten Tag erkundete ich die Westseite der Insel. Auch hier zu einem Großteil auf der Straße, weil der Trail quert die Insel zum Großteil im Landesinneren auf den Hügeln und da wollte ich nicht sein bei dem Wind. Außerdem konnte ich nicht anders als dem Drang zum Meer nachzugeben. Berge und schlechtes Wetter kann ich auch zuhause haben. Der Wind am Atlantik war mega! Einmal hat es mich komplett von den Füßen gehoben und ich lag auf den Knien im Sand. Ich bin kein Leichtgewicht, sondern wiege 90kg! Das wäre wirklich kein Tag gewesen um einen schweren Rucksack durchs Gelände zu tragen. Ich passierte den Campground, den ich ursprünglich als erste Übernachtung anvisiert hatte. War ganz leer, bis auf zwei Campervans. Und ich war sehr froh, nicht auf dieser Wiese direkt am Atlantik zu zelten.

    Eine typische Straße auf den Hebriden. Der Trail vermeidet, wo es geht die Straßen, aber manchmal gibt es keine Alternative. Wenn an einem Sommertag viel Verkehr ist, insbesonders mit Wohnmobilen, die fast die ganze Straßenbreite ausfüllen, ist es wahrscheinlich eher stressig als Fußgänger. Dank schlechten Wetter blieb mir das erspart. (Anmerkung: Symbolbild. 8) Der eigentliche Trail kommt links hinten vom Berg hinunter und verläuft dann erstmal am Strand.)


    Der Strand, an dem mich der Wind auf die Knie gelegt hat. Ich habe dann gut Abstand zur Wasserkante gehalten. 


    Einer der beiden Campingplätze an der Westküste von Barra. Der andere ist gleich ums Eck. Man sieht die Gebäude etwas weiter hinten. Wer bei Sturm auf einem CP zelten will, den empfehle ich diesen, da gibt es die Verschläge als Windschutz. Der andere CP ist dem Wind völlig ausgesetzt. 


    Eine Regenfront nach der anderen zog über die Insel. Hier sieht man die nächste heranrauschen.


    Hier verlässt der Trail die Westküste und geht zwischen und über die Berge im Hintergrund zum Fährhafen in Ardmhòr auf die Nord-Ostseite von Barra.

    Da ich den Rückweg nicht gegen den Wind ankämpfen wollte, hatte ich mir eine Bushaltestelle als Umkehrpunkt ausgesucht. Der Bus fuhr auch, nur an mir vorbei! Was war passiert? Die Haltestellen auf den Inseln sind zum Großteils nur Haltepunkte an Straßenkreuzungen oder Hofeinfahrten. Es gibt kein Schild oder eine anderweitig erkennbare Haltestelle. Man steht am Straßenrand und der Bus hält an. Wenn man denn auf der richtigen Straßenseite steht – im Land des Linksverkehrs! 8|:D Ich guckte kurz dumm aus der Wäsche, wechselte die Straßenseite und kurze Zeit später nahm mich ein Einheimischer mit.

    Wandern auf den Äußeren Hebriden 

    Der Hebridean Way ist eine 250km lange Wanderroute über zehn Inseln der Äußeren Hebriden:

    • Für die Bikepacker interessant, es gibt auch eine Radlroute des Hebridean Way.
    • Durch die vorherrschende Windrichtung empfiehlt sich das Wandern von Süden nach Norden.
    • Der Weg führt über kleine Teerstraßen, mehr oder wenig moorige Pfade, entlang ewig langer Sandstrände, alte Karrenwege oder hier und da auch mal eher weglos. Im Allgemeinen ist der Weg ausgeschildert, allerdings nicht an jeder Wegkreuzung. Man braucht auf jeden Fall eine Karte (on- oder offline). Ich hatte einen GPX Track auf dem Handy und mir zuhause den Cicerone Guide eingescannt.
    • Je nach Guide wird der Weg von Vatersay im Süden nach Stornoway im Norden in 10-12 Tagesetappen aufgeteilt. Der offizielle Weg endet am Schloss in Stornoway. Man kann noch zwei Etappen dranhängen, wenn man bis zum nördlichen Punkt der Äußeren Hebriden zum Leuchturm am Butt of Lewis wandern möchte. Der Cicerone Guide teilt den Weg in 10 Etappen mit 16-35km Tagesetappen, die zwischen 150 und 880 Höhenmeter Anstieg haben.
    • Wildcampen ist zu den in Schottland geltenden Regeln erlaubt: https://www.outdooraccess-scotland.scot/

    Am Ende des Berichts schreibe ich auch noch etwas zu Anreise, Öffis, Einkaufsmöglichkeiten und Unterkünften. Aber nun zu dem, was wir alle sehen wollen, die Bilder und den Reisebericht. 8) Ich glieder den Bericht nach den drei großen Inselgruppen

    Und noch so eine mega Reisebericht aus dem Fjäll. Ein Traum! Ich denke, die Tour ist eine Nummer zu groß für mich, um so mehr freue ich mich, dass du deine Erlebnisse mit uns teilst. <3

    ... und bitte bitte bald den Cliffhanger auflösen! 8|

    Vielen Dank für deinen Bericht! Das zu Lesen war ein echtes Highlight in der letzten Woche! Mit jedem Eintrag habe ich mich gleich etwas erholter gefühlt. Deine Bilder finde ich auch super gelungen. Und so ein Wetterglück. Toll! Vielen Dank fürs Zusammenschreiben und uns Teilhaben lassen. <3

    Immer ein Monokular.

    Häufig Papierkarte: Luxus, weil meine Touren nicht wirklich ein Papier Backup benötigen. Ich mags als Zeitbeschäftigung. Wenn ich keine mitnehme, sammeln sich im Laufe der Tour meist Touri Übersichtskarten an. Da kann ich einfach nicht vorbei gehen. Bei längeren Touren schicke ich zwischendurch auch mal etwas davon nach Hause.

    Danke für den ausführlichen Bericht. Ein echtes Highlight. Für mich wären meine Reisen ohne Zero day immer nur halb so schön. Nicht nur wegen dem ausruhen, sondern dem Zeit nehmen und entdecken.