Tag 8
Wie ich befürchtet hatte, weckten mich die Hühner in der Nacht abermals auf. Dieses Mal jedoch, weil sie mehrmals aufgeregt und aus dem Nichts aufflogen. Vielleicht haben sich um unsere Zelte herum Jagdszenen abgespielt, aber wir hörten nichts, das auf Vielfraße oder die mindestens ebenso seltenen Polarfüchse hingedeutet hätte.
Im Alltag findet man mich nur in schwarz, aber hier…![]()
Am achten Tag standen erneut nicht viele Kilometer auf dem Programm, am Ende waren es nur 9. Das war tatsächlich schade, denn an diesem Tag hatten wir traumhaftes Wetter, den ganzen Tag Sonne bei vielleicht 11°. Wir durchquerten also weiter das Hochtal, stets im Schneckentempo, da wir viel zu viel Zeit hatten. Mehrfach saßen wir lange herum und genossen die Sonne oder hielten an, um Beeren zu sammeln. Während mein Vater dabei weiterhin und ununterbrochen Blaubeeren in Hülle und Fülle aß, hatten es mir im Laufe der Wanderung Moltebeeren angetan. Von deren ungewöhnlichem Geschmack konnte ich schnell nicht genug bekommen, weshalb ich keine annähernd reife Beere ausließ (leider waren die meisten noch nicht so weit)...
Blick in Laufrichtung auf den Guossjájávrre
Auf dem Abschnitt des Nordkalottleden waren Maßnahmen zur Wegerneuerung in vollem Gange.
Abstieg in Richtung Vaisaluokta
Nachdem wir eine ganze Stunde Mittagspause gemacht hatten, begannen wir den Abstieg, wegen des stark schmerzenden Knies quälend langsam. Trotzdem erreichten wir gegen 14.00 eine Terrasse oberhalb von Vaisaluokta und beschlossen, dort zu bleiben. Zwar hatten wir ursprünglich in Erwägung gezogen, zum Ufer des Akkajaure hinabzusteigen, ich vermutete jedoch (zurecht, wie sich herausstellen sollte), dass dort Zeltplätze rar gesät sein würden. So saßen wir den dritten Nachmittag in Folge ab etwa 14.30 die Zeit ab, immerhin bei traumhaften Panoramen über den Akkajaure.
Ansammlung von schwedischem Hartriegel als Farbtupfer unterhalb unserer Terrasse
das Panorama über den Akkajaure
unsere Zelte im Abendlicht
Tag 9
Der letzte Tag unserer Wanderung sollte uns etwa 7 km zur Bootsanlegestelle in Änonjálmme führen, wovon wir nach Ritsem übersetzen sollten, um am Folgetag abzureisen. Abermals offenbarte der morgendliche Blick aus dem Zelt perfektes Wetter. Der Abstieg nach Vaisaluokta im Sonnenschein war entsprechend schön.
Vadders Blick am Morgen aus dem Zelt
beim Abstieg nach Vaisaluokta
Die kleine Siedlung der Sami, die wie ausgestorben war, ließen wir schnell hinter uns, und fanden uns im Nu auf einem sehr überwachsenen Pfad wieder. Wer meinen Bericht vom Padjelantaleden gelesen hat, wird sich vielleicht daran erinnern, dass ich diesem “Uferdschungel” nicht viel abgewinnen kann: die Hose war permanent nass, da wir uns den Weg durch hüfthohes Gesträuch bahnen mussten. Durch das Wetter fiel das aber Gott sei Dank kaum ins Gewicht, es war noch wärmer als am Vortag. Inmitten des feuchten Waldes trafen wir dann plötzlich auf drei Johannisbeerpflanzen, die wir dort so gar nicht erwartet hatten. Nachdem wir jeder eine Handvoll gefuttert hatten, liefen wir weiter und kamen zunehmend in etwas trockeneren Birkenwald.
schon verrückt, dass diese Vegetation nördlich des Polarkreises anzutreffen ist
Ein überraschender Snack
Herrliche Badebucht, aber bei den Wassertemperaturen verzichteten wir
Blick auf das Akkamassiv aus einem neuen Winkel
Auch schalteten sich nun bisweilen Sümpfe ein, während der Wald zu Beginn des Abschnitts eher einem Regenwald geglichen hatte. Zur frühen Mittagszeit kamen wir dann in Änonjálmme an, wo wir 90 min auf die MS Storlule warteten, mit deren Überfahrt die Wanderung endete.
Akkamassiv vom Wasser aus
Vaisaluokta, dort kamen wir am Morgen runter
Fazit
Ganz leicht tu ich mich mit dem Fazit zugegebenermaßen nicht. Wir hatten zwar echt eine schöne Zeit, aber ich hatte mir natürlich ganz andere Anblicke und Aussichten ausgemalt. Und wenn man nach nur zwei vollen Tagen umdrehen muss, nachdem man ein halbes Jahr geplant hat, ist das schon bitter. Natürlich, gegen das Wetter und die damit einhergehende Verlangsamung kann man wenig machen. Und wir sind sicher nicht die ersten, die bei ihrer ersten Sarektour scheitern, aber man stellt sich schon die Frage, ob man es mit besseren Entscheidungen hätte verhindern können. So haben wir zumindest ne Menge für das nächste Mal gelernt, das, wie im Bericht erwähnt, kommen wird. Was das Wetter betrifft: Diese letzten drei Tage mit super Wetter sollen der Auftakt für eine gute Woche mit Topwetter in der Region gewesen sein. In der Folgewoche habe ich auf Instagram einige Beiträge gesehen, die meinten, niemals so gutes Wetter im Sarek gehabt zu haben... Naja, kannste nichts machen, wenn du eine Woche zu früh bist..:(
Ich für meinen Teil muss mir abermals leider auch die Frage stellen, was mit meinem Körper möglich ist. Nachdem ich im Mai völlig ohne Schmerzen und bis zu 35 km/Tag die zweite Hälfte des Eifelsteigs gelaufen war, wähnte ich mich auf dem richtigen Weg. Aber offensichtlich ist die muskuläre Belastung beim Wandern in Deutschland eine ganz andere als weglos im Fjäll. Naja…während die Achillessehne jetzt vier Wochen später schon wieder fast bei 100 % ist, wird das Knie nur quälend langsam besser. Ich hoffe, das ist noch keine beginnende Arthrose, mit 28 wäre das richtig scheiße…
Um das Fazit mit etwas Positivem zu beenden: Mein Vater hat das Fjäll ebenfalls lieben gelernt und ist Feuer und Flamme, zurückzukehren. Und letzten Endes hatten wir trotz der Planänderungen eine coole Zeit gemeinsam, in der ich mich auch echt gut erholt habe.
Ich hoffe, euch nächstes Jahr wieder eine Geschichte aus dem Fjäll erzählen zu können, und, dass ihr Freude beim Lesen hattet ![]()