Moin!
Mir fällt auf, dass immer weniger hinterfragt wird, welchen realen physischen Schutz ein Shelter tatsächlich bietet.
Bei Zelten werden zwar etablierte Normdaten wie die Wassersäule vom Außenzelt und Boden abgefragt, doch bei der Analyse der Konstruktion hört es meist schon auf.
Mein Lieblingsbeispiel ist das Kuppel-Zelt:
Um beim Gewicht mit Pyramiden-Zelten mithalten zu können, werden Stangendurchmesser und Denier Stärken der Gewebe immer geringer, ohne die Konsequenzen für die Statik zu berücksichtigen.
Die Hersteller kümmern sich größtenteils nicht einmal darum, das eingesparte Gewicht durch ein cleveres Design auszugleichen. Stattdessen wird einfach der nächst geringere Materialwert genommen, und dann schaut man, wie es sich verkauft. (Es ist ja „nur“ ein Campingzelt.)
Auf der anderen Seite habe ich als Kunde ein scheinbar vollwertiges Shelter vor mir. Die gängigen Daten sind schnell überprüft, und schon geht es um den praktischen Wohnwert. Damit beurteile ich als Käufer vor allem das, was ich sehen und anfassen kann. Ob das Shelter draußen unter bestimmten Bedingungen seinen Wohnwert behält, ist zunächst zweitrangig. (Das hat ja der Hersteller erledigt, sonst würde er es ja nicht anbieten) 
Ich kann das Zelt ja offensichtlich komplett schließen und mir damit mein abgeschirmtes Schneckenhaus schaffen – so, wie ich es von zu Hause her kenne. Doch in Wirklichkeit ist das eher ein mentaler Schutz vor den Unbilden der Natur als ein real physischer. Diese statisch fragwürdige, mit einem dünnen Häutchen überzogene Kapsel darf nicht übermäßig strapaziert werden, ohne dass sie ihren Wohnwert teilweise oder sogar ganz einbüßt.
Es ist ein wenig wie beim Outdoor-Schlafen: Irgendwie wird erwartet, dass man draußen genauso schläft wie zu Hause. Dass dies allein schon durch die völlig andere Umgebung gar nicht funktionieren kann, wird oft nicht wahrgenommen oder bewusst verdrängt. Stattdessen versucht man permanent, den scheinbaren Mangel mit immer neueren, ausgefeilteren Produkten auszugleichen.
Ebenso vermittelt ein abgeschlossener Raum das Gefühl von Vertrautheit, wie wir es aus unserem heimischen Umfeld kennen, doch ist dies eine kleine Illusion.