Beiträge von lampenschirm

    Mr.Tidy ja, das klingt vernünftig :)

    GirlOnTrail ne, den Hut hab ich schon seit Jahren. Mein Forenname stammt allerdings noch von sehr viel früher aus Zockerzeiten... hat mit Wandern nix zu tun :)

    Die Wegfindung war alles in allem sehr unkompliziert: Einfach FarOut hinterherlaufen. Klar, manchmal verpasst man ne Abzweigung oder so, aber echtes Navigieren war selten nötig. Markierungen waren mal besser, mal schlechter, aber alles in allem war das kein nennenswertes Problem. Interessant fand ich - und diese Vermutung hatte ich schon im Vorfeld gehabt - dass sich (fast) nur Leute, die vorher PCT und/oder AT gelaufen sind, beschwert haben. Ich kenne beide Wege selbst nicht, aber es fiel mir schon bei der Recherche auf, dass es fast immer z.B. hieß "im Vergleich zum PCT ist es kälter und regnet viel". Das mag stimmen, aber das heißt ja nicht, dass es absolut betrachtet viel regent und kalt ist. Ich hatte an 46 von 141 Tagen Regen, aber geschätzte 80% dieser Tage hats halt mal ne Stunde geregnet oder immer mal wieder etwas genieselt. Insgesamt sind auch die Rockies eine sehr trockene Gegend. Und klar, Colorado war kalt, aber ich hatte im Schwarzwald schon genauso kalte Nächte... also so richtig krass fand ichs nicht. Auch über den Abstand zwischen Resupplies und die Größe der Dörfer wurde sich beschwert, fand ich aber alles nicht so wild. Meistens 4-5 Tage, zweimal 8 Tage, selten mal 6, dafür v.a. in Colorado schon wieder so viele Möglichkeiten, dass man gut welche weglassen kann. Es gibt überhaupt nur einen Punkt, wo man zwingend ein Packet hinschicken muss (Pie Town), ansonsten ist gelegentlich mal die die Auswahl nicht so groß, aber man findet immer genug. Also ich find, da wird viel übertrieben. Technischer Anspruch ist exakt null, ich hab ein einziges Mal meine Hand an den Fels gelegt, und ob das wirklich nötig war... ich dachte immer wieder, so wie die über manche Sachen reden, muss man die Amis einmal ne Woche in die Alpen schicken, dann sind die traumatisiert, was da als normaler Wanderweg gilt :D Und zur Länge: lustigerweise bin ich weniger km gelaufen, als der PCT hat, die 5000km vom CDT existieren nämlich praktisch nur in der Theorie.

    Das soll nicht heißen, dass das ein einfacher Spaziergang ist, ich hab schon auch geflucht und geschimpft. Aber ich finde, die Messlatte ist da oft ein bisschen komisch bei vielen Wanderern.

    Dune hat für mich alles gut funktioniert. Das Problem waren eher die Mini Groundhogs, die in dem oft vorhandenen weichen Waldboden oft recht locker saßen. Da ist mir das Tarp einmal zusammengekracht, wobei das ne fiese Mischung aus Schnee, der auf dem nicht allzu steilen Tarp nicht runtergerutscht ist, starkem Wind und weichem Waldboden war. War aber auch schnell wieder aufgerichtet. Ansonsten hatte ich keine Probleme. Generell findet man praktisch überall recht gut geschützte Zeltplätze, einzig in den San Juans war das schwierig.

    Mücken waren nachts meist kein Thema, nur abends, aber auch nur Abschnittsweise. Ich hab, falls es mal warm war nachts und gleichzeitig Mücken gab (kein häufiger Fall…) den Schlafsack oben aufgemacht und den Oberkörper gelüftet. Das StS Bugnet ist ja deutlich mehr als ein Headnet, ich war zwarnimmer zu faul, aber im Prinzip kann man fast den gesamten Innenraum des Tarps drunterkriegen. Ich habs meist so etwa von Kopf bis Hüfte abgespannt (liegend). Und ein weiterer Vorteil: ein paar mal hab ichs in Pausen über mich drübergeworfen, da war so manch anderer neidisch… Ende Juli hatte es mal ein paar kalte Nächte, ab da waren die Mücken eh weg.

    Kondens war oft Thema, auch auf dem Schlsfsack, aber da sehe ich nicht, wo ein Zelt besser gewesen wäre… hab den dann halt vormittags oft in die Sonne gelegt und ab und zu mal in einen Trockner geschmissen, wenn ich eh Klamotten gewaschen hab.

    Klingt aber alles schlimmer, als es war :D würde das Setup auf jeden Fall nochmal genauso mitnehmen. Vllt. sogar ein etwas kleineres Tarp.

    zwei Tipps für diese Gegend, direkt bei Grand Lake: wenn du die RMNP Loop machst, ist wohl fast alles burn zone und nicht so toll. Insgesamt ist der Park wohl super, aber halt nicnt dort, wo der CDT durchläuft. Aber: Ganz oben an der Loop gibt es einen Abstecher zu Flattop Mountain und die Möglichkeit eines kurzen Ridgewalks mit Sicht auf die andere Seite der Divide. Ist laut eines Sobos, der dort wohnt, eine der besten Aussichten des ganzen Parks.

    Und: Sobo vom Bowen Pass gibts eine Möglichkeit für einen Ridgewalk, der richtig genial aussieht. Habe wegen Wetter drauf verzichtet. Ist aif den Ley Maps zu sehen. Es ist die Ridge im 3. Foto von unten, die man entlang laufen kann, man kommt dann am Bowen Pass, von wo ich fotografiert habe, wieder raus.

    Grand Lake.

    5 Tage, 130km.

    Hier habe ich keinen Blogeintrag gemacht, da eigentlich nicht viel neues passiert ist, es war ja auch eine kurze Etappe. Ich bin immer mehr in die Berge gekommen, hatte den - auch im Nachhinein - anstrengendsten Anstieg des ganzen Trails zum Parkview Mountain. Dieser hat leider auch verhindert, dass ich die Runde im Rocky Mountain National Park laufen konnte, das ist logistisch leider etwas doof, da man dort zum Übernachten eine Bärentonne brauch. Es sind aber nur so ca. 40km im Park, daher pennen die meisten kurz vor der NP Grenze und laufen dann an einem Tag direkt nach Grand Lake rein. Alternativ kann man das auch abkürzen und spart sich dann so knapp 30km. Da ich wegen des Anstiegs nicht mehr nah genug an die Grenze gekommen bin, hab ich diese Abkürzung genommen. Dafür hatte ich mal einen recht entspannten Tag und konnte morgens den Hagel aussitzen und erst um 10 Uhr loslaufen, als das Wetter wieder gut war :) Das letzte Foto ist übrigens der Colorado River.

    Colorado!

    6,5 Tage, 240km (Resupply zwischendurch in Grand Encampment nach 3 Tagen, 100km).

    Ich habe Colorado erreicht! Seit drei Tagen bin ich nun im vorletzten Bundesstaat meiner Wanderung und habe nun Steamboat Springs erreicht. Das Rennen gegen den Wintereinbruch geht in den Endspurt, wobei Spurt hier wohl relativ zu betrachten ist.
    Colorado ist der höchstgelegene Bundesstaat der USA und man merkt das auch schon zumindest ein bisschen in den ersten Tagen. Vom Great Basin in Wyoming ging es erst ordentlich hoch. Gestern Abend habe ich auf etwa 2.800 Meter geschlafen, was für hiesige Verhältnisse tatsächlich eher niedrig ist. Trotzdem befinde ich mich eher noch am Anfang der Colorado Rockies und man merkt, dass es erst in den nächsten Tagen so richtig in die Berge gehen wird. Nach dem Wüstenabschnitt am Ende von Wyoming gefällt es mir gut, wieder in den Bergen zu sein. Due Berge hier sind deutlich weniger scharf als zum Beispiel in den Alpen, alles ist etwas runder und weiter, der Weg führt oft über sehr breite Bergrücken mit alpinen Wiesen.
    Man merkt so langsam auch, dass es Herbst wird, die Nächte werden spürbar kälter und morgens aus dem Schlafsack zu kriechen erfordert immer mehr Überwindung. Auch die Tage werden kürzer, dadurch wird es immer schwieriger, die notwendigen Kilometer zu erreichen, insbesondere, da nun ja auch sowohl die recht große Höhe als auch viele zu überwindende Höhenmeter dazu kommen. Nichtsdestotrotz freue ich mich sehr auf Colorado und bin gespannt, was die Bergwelt hier noch zu bieten hat..

    RaulDuke dann sollte dir diese Etappe gefallen :D

    The Basin

    4 Tage, 190km

    Tja. Erstens kommt immer alles anders und zweitens als man denkt. Für das Great Divide Basin hatte ich Temperaturen bis fast 40 Grad, Sonne pur, und wenig Wasser erwartet. Ich hatte jedoch jeden Tag Regen, gestern sogar praktisch den ganzen Tag, auch ein paar Gewitter, was bei dem Gelände – siehe auch Fotos – nicht vergnügungssteuerpflichtig ist, und dadurch sowohl am Boden als auch von oben deutlich mehr Wasser als erhofft.
    Nichtsdestotrotz fand ich das eine höchst faszinierende Gegend. Gleich am Anfang kam ich durch ein kleines Geisterdorf, dass heute ein Freilichtmuseum ist, South Pass City. Entstanden im 19. Jahrhundert im Zuge des Goldrauschs, wurde das Dorf im 20 Jahrhundert irgendwann aufgegeben, heute betreibt ein Verein dort eben ein Freilichtmuseum. Sie haben die Gebäude originalgetreu nachgebaut und man kann auch reinsehen und teilweise auch reingehen, am spannendsten fand ich das Gebäude, in dem Fotos von den 1870ern bis ins frühe 20. Jahrhundert ausgestellt waren.
    Das Great Divide Basin ist sehr interessantes Gebiet. War ich bisher immer entlang der Wasserscheide unterwegs, was ja auch heißt, dass das Wasser links von mir in den Atlantik und rechts in den Pazifik fließt, ist es hier im Basin so, dass die Wasserscheide außenrum geht, das heißt, jegliches Wasser das hier reinkommt, bleibt auch hier, es fließt nirgendwohin ab. Nun ist es so, dass, offensichtliche außer in den letzten Tagen, normalerweise hier extrem wenig Wasser ist, es gibt kaum Regen, und auch sehr wenig natürliche Wasserquellen. Die Gegend mit eintönig zu beschreiben wäre eine massive Untertreibung, nichtsdestotrotz fand ich es höchst faszinierend hier durchzulaufen. Es ging ein bisschen mehr hoch und runter als ich das erwartet hatte, aber die Höhenmeter hielten sich doch sehr in Grenzen, Hügel waren eigentlich die einzige Form der Gelände Variierung, die es gab. In den letzten ca anderthalb Tagen bin ich rund 70km einfach nur geradeaus gelaufen, mit minimalen Richtungsveränderungen von höchstens wenigen Grad. Nun bin ich im Rawlins angekommen, ein bisschen wird es noch so weitergehen, bevor es dann hoch Richtung Colorado geht.


    The Winds

    8 Tage, 270km

    So, nach acht Tagen bin ich gestern endlich in Lander, Wyoming, angekommen. Das war durchaus ein hartes Stück Arbeit. Nichtsdestotrotz habe ich diese Tage insgesamt sehr genossen, landschaftlich war das bisher eines der Highlights überhaupt. Die Wind River Range ist benannt nach dem gleichnamigen Fluss und dem Indianerstamm, der hier in der Nähe auch ein Reservat hat.
    Zum ersten Mal war ich auch regelmäßig über 3000m, nachdem ich die letzten Wochen meistens zwischen 2500m und 3000m gelaufen bin, ging es dieses Mal bis auf 3700m hoch. Man sieht es meinen Fotos, auch denen der letzten Wochen, nicht immer unbedingt an, in welcher Höhe ich mich bewege, aber tatsächlich ist die Baumgrenze hier auf etwa 3200 m.
    Jedenfalls war das ein Abschnitt, der geprägt war von hohen Bergen und vor allem sehr vielen wunderschönen Bergseen. Ich hatte zumindest ab dem dritten Tag auch echt Glück mit dem Wetter, sodass ich mehrere Nächte ohne Tarp schlafen konnte und und dank Neumond auch immer wieder ganz tolle Sternenhimmel sehen konnte.
    Vielleicht ist hier eine gute Gelegenheit, ein paar Worte über Waldbrände zu verlieren. Bisher hatte ich nämlich großes Glück, ich musste keinem einzigen Waldbrand ausweichen, das einzige mal, dass es knapp war, wurde der Wanderweg eine Woche bevor ich durchgelaufen bin wieder eröffnet, und auch diese Woche hatte ich wieder Glück: vergangenen Sonntag bin ich noch am Green River entlang gelaufen, seit Donnerstag gibt es dort einen Waldbrand. Für viele Wanderer, die ein paar Tage hinter mir sind, ist das nun ein echtes Problem.
    Aber auch wenn ich kann bisher keine Waldbrände direkt auf der Strecke hatte, bin ich inzwischen zusammengerechnet mehrere hundert Kilometer durch Gebiete gelaufen, die in den letzten zwei bis 15 Jahren abgebrannt sind. Diese Gebiete sind oft sehr anstrengend zu durchqueren, da die Wege, je nachdem wie lange der Waldbrand her ist, nicht immer in einem guten Zustand sind, immer wieder Baumstämme über dem Weg liegen, es oft wenig Wasser gibt, und man nur schwer einen Zeltplatz findet, da die ganzen toten Bäume, die noch stehen, jederzeit umfallen können, vor allem wenn es windet. Tatsächlich habe ich genau das auch schon beobachten können.
    Fand ich es am Anfang noch interessant, solche Gebiete durch zu durchqueren, ist es inzwischen meistens eher lästig, zumal es nicht selten vorkommt, dass man mehrere Stunden durch entsprechende Abschnitte läuft. Nichtsdestotrotz ist aber immer wieder spannend, wie sich der Wald auch selbst erneuert, und wie der aktuelle Stand dessen ist, je nachdem wie lange der Waldbrand her ist.
    Der nächste Abschnitt ist wahrscheinlich in jeglicher Hinsicht das krasse Gegenteil vom vorhergegangenen: das Great Divide Basin, ein wüsten- oder steppenartiger abschnitt, deutlich tiefer wieder, teils sogar unter 2000m, sehr flach, es gibt sehr wenig Wasser dort, und wahrscheinlich wird es recht heiß. Außerdem bin ich jetzt endlich aus dem Grizzly Gebiet raus und habe heute mein Bärenspray abgegeben.


    RaulDuke tatsächlich war da Yellowstone eine interessante Erfahrung in dieser Hinsicht: dort habe ich nämlich viele Nobos getroffen, die gerade erst seit rund 2 Wochen oder so in Grizzly Gebiet waren. Viele von denen haben gefragt, wie das Wandern mti Grizzlies sei, und da ist mir erst so richtig aufgefallen, wie sehr man sich dran gewöhnt hat, bzw. genauer gesagt, wie wenig das nach kurzer Zeit eine Rolle gespielt hat. Abgesehen davon, dass man halt sein Essen irgendwo hinhängen musste, hat da nach 2 oder 3 Wochen kaum noch jemand drüber nachgedacht, das Thema ist völlig aus Gesprächen verschwunden, wenn nicht grade mal zufällig einer gesichtet wurde. Aus meiner Sicht - und diese hatte ich schon vor dem Loslaufen - wird das Thema viel zu hoch gehängt. Klar sollte man sich etwas einlesen und die üblichen Regeln beachten, aber letztlich sind die üblichen Gefahren - Gewitter, Absturz etc. - wesentlich gefährlicher. Zumal du mit "einfrieren" gar nicht so viel falsch machst:P

    Yellowstone. Geysire. Und Grizzlies!


    7 Tage, 220km

    So, ich bin nun tatsächlich in Wyoming und habe Dubois erreicht. Damit habe ich auch die 1500 km geknackt.
    Vier Tage war ich diese Woche in Yellowstone, und war ziemlich begeistert. Yellowstone ist völlig anders als alles, was ich bisher gesehen habe. Der Weg verlief sehr eben, was eine angenehme Abwechslung war, aber vor allem waren die ganzen Geysire und heißen Quellen echt spektakulär. Auch abgesehen davon hat mir der Park sehr gefallen, es ging auch viel wieder wie ganz am Anfang der Wanderung durch Flusstäler, die aber meist deutlich weiter waren und ein ziemlich cooles Wildwestfeeling hatten.
    Und ich habe zum ersten mal Grizzlys gesehen! Zuerst eine Mutter mit zwei kleinen, die leider nur ca. 10 bis 15 m von mir weg waren. Glücklicherweise wollten sie ebenso wenig mit mir zu tun haben wie ich mit ihnen und haben sich weg von mir über den Fluss verkrümelt. Ich habe eine Weile Pause gemacht, damit sie sich entfernen können, aber kaum war ich losgelaufen, habe ich die drei mit noch einem erwachsenen Bär auf der anderen Flussseite gesehen. Das war immerhin eine angenehme Entfernung, sie konnten mich zwar riechen, aber nicht richtig sehen und haben sich dann aber auch wieder in den Wald verzogen. Dabei habe ich immerhin ein paar Fotos machen können.
    Als nächstes geht es in die Wind River Range, dort werde ich ca. 8 Tage unterwegs sein, das heißt, ich muss wieder einen Haufen Essen in den Rucksack packen.

    tillkm hatte die aufm CDT dabei. Nach so drei Monaten wars am Rücken und unter den Schultergurten durch Abrieb nicht mehr dicht. War aufm Trail nichtmal so schlimm, weil da ist ja der Rucksack, nur in der Stadt wars manchmal nervig. Hab sie dann nicht mehr mit zurückgenommen.

    Aber abgesehen von der Haltbarkeit eine gute Jacke, bzw. Hoody. Der Schnitt ist etwas komisch, extrem weit, obwohl ich schon eine Größe kleiner genommen hab, aber dadurch, und mit den extrem langen Pitzips, funktioniert die Lüftung ziemlich gut, sodass man nicht (allzu sehr) schwitzt. Die Kaputze hat für mich auch gut funktioniert.

    Good-bye Montana

    3,5 Tage, 115km

    Ein kurzer Abschnitt diesmal, nur etwas über 100 km seit Lima. Am Samstagabend haben die Leute vom Motel in Lima drei andere WandererInnen und mich zurück zum Weg gefahren. Eigentlich wollten wir einfach gemütlich noch drei oder vier Kilometer laufen, und dann unsere Zelte aufschlagen. Kaum waren wir allerdings losgelaufen, ging es los: Regen, Gewitter, Hagel, starker Wind. An der ersten halbwegs geschützten Stelle haben wir unsere Zelte aufgeschlagen, klatschnass. Immerhin war mein Schlafsack trocken geblieben. Aber die nächsten Tage war das Wetter weitgehend gut, sodass wir alles wieder trocken bekommen haben.
    Die Strecke bis hierher war recht angenehm, nicht so viele Höhenmeter, man kam schnell vorwärts. Nun sitze ich in einem Hotel, wo ich auf mein neues Paar Schuhe warte, das hoffentlich morgen ankommt. Immerhin meine erste Nacht in einem Bett seit über drei Wochen!
    Gestern habe ich nun endgültig Montana verlassen. Die letzten paar 100 km bin ich ja immer entlang der Grenze zwischen Montana und Idaho gelaufen, nun laufe ich noch ein kleines Stück schräg durch Idaho. Tatsächlich sind es nur noch etwa 40 km, bis ich im Yellowstone Nationalpark die Grenze zu Wyoming überschreite. Von Wyoming habe ich ja schon öfters gesprochen, daran merkt ihr vielleicht auch, wie sehr nicht nur ich, sondern fast alle Wanderer, die ich nur hier so treffe, die Grenze herbeisehnen. Der erste große Abschnitt ist damit abgeschlossen. Zum Einen gibt mir das das Gefühl, nun doch endlich schon einiges geschafft zu haben und gut vorwärts zu kommen, zum anderen motiviert es auch aufs Neue, insbesondere weil Wyoming viele Highlights bietet. Zu Beginn natürlich der Yellowstone Nationalpark, direkt anschließend die Wind River Range, die vielen Wanderern als eines der, wenn nicht das Highlight des ganzen Weges gilt. Und zu guter letzt noch das Great Basin, ein geologisch sehr spannendes Gebiet, weil die Wasserscheide nicht durch, sondern um dieses Becken herumführt. Auch landschaftlich freue ich mich sehr darauf, es ist eine wüsten- oder steppenartige Gegend, sehr flach, praktisch keine Vegetation, ganz anders als alles, was ich bisher so gesehen habe. Leider ist es dort vor allem im August sehr heiß, und es gibt sehr wenig Wasser. Aber bis dahin ist es ja noch eine Weile.

    Lima

    4 Tage, 130km

    Nein, ich habe mich nicht verlaufen. Wie wahrscheinlich bekannt, waren sie in den USA nicht immer so kreativ, wenn es um die Stadtnamen ging. Und so bin ich jetzt in Lima, meinem letzten Stopp in Montana. Der Name kommt wohl von der Bohne, und wird daher nicht wie die Hauptsadt von Peru gesprochen.
    Die letzten Tage waren recht interessant, weil sich die Vegetation stark verändert hat. War es bisher meistens bewaldet, laufe ich nun durch steppenartige Gebiete, in denen vor allem Wüstensalbei wächst.
    Ansonsten muss ich ehrlich sagen, ist in den letzten vier Tagen nicht viel Neues passiert, weiterhin gibt es fast jeden Tag gegen Nachmittag ein Gewitter, manchmal hat man Glück und es ist so weit weg, dass man es nur aus der Ferne sieht, manchmal hat man nicht so viel Glück. Dafür geht es ganz gut vorwärts, schon in wenigen Tagen werde ich Yellowstone erreichen, wo ich die Grenze nach Wyoming überquere.

    danke für den Zuspruch :) jetzt gehts endlich weiter, in letzter Zeit bin ich zu gar nix gekommen. Hoffentlich gehts jetzt in kürzeren Abständen weiter :)

    caficon Habe Tage und km in den Beiträgen ergänzt. Für den Blog / Bericht und generell für zuhause hab ich das umgerechnet, vorort hab ich in Meilen gedacht und gerechnet. Hat mich so 10-14 Tage gekostet, mich darauf umzustellen.

    Leadore

    6 Tage, 200km


    Heute bin ich in Leadore angekommen. Ein winziger Ort mit 106 Einwohnern, wie es hier so einige davon gibt. Die Grenze zwischen Idaho und Montana ist selbst für hiesige Verhältnisse sehr dünn besiedelt. Die Autobahn, die über den Pass führt, an dem wir ankamen, entpuppte sich als Schotterstraße. In den etwa zweieinhalb Stunden, die ich mit zwei anderen Wanderern dort verbrachte, kamen etwa fünf Autos vorbei. Wir hatten ein Shuttle organisiert, das uns in das Dorf gebracht hat.
    Die letzten Tage waren landschaftlich wieder einmal äußerst schön, mit vielen Gratwanderungen und herrlichen Ausblicken. Auch mit dem Wetter hatte ich Glück, es gab zwar fast jeden Nachmittag ein Gewitter, allerdings oft in so großer Entfernung, dass ich nicht einmal Regen abbekommen habe.
    Was sich seit dem letzten Stop auch geändert hat: eigentlich seit ich Glacier National Park verlassen habe, war ich den größten Teil der Zeit alleine. Ungefähr einen halben bis ganzen Tag vor mir war eine Gruppe von ca. 25 Wanderern, die ich meist aber nur manchmal kurz in Städten getroffen habe. Seit dem letzten Dorf laufe ich mitten in einer Gruppe von ca. 10 Wanderern, wir überholen uns immer wieder gegenseitig, laufen manchmal Teile miteinander, Campen auch öfters zusammen und halten so einen gewissen Kontakt. Nach der langen Zeit alleine tut mir dieser Kontakt ganz gut.
    Ich habe inzwischen die 1000 km Marke geknackt und bin schon über einen Monat unterwegs. Es war bis jetzt eine sehr interessante Zeit, vieles war so wie ich es erwartet hatte, einiges auch anders. Eine so große Wanderung klingt natürlich erstmal wie ein großes Abenteuer, tollen Erlebnissen, viel Spaß, schönen Landschaften, und einfach ein großartiges Outdoorerlebnis, wie man es aus Filmen oder Büchern kennt. Oft ist es allerdings einfach anstrengend, der Rucksack ist schwer, es ist heiß, oder auch sehr kalt, es regnet und man wird klatschnass, es gibt überall Mücken, es geht steil berghoch oder auch bergab, das Alleinsein zehrt, irgendetwas tut weh, oder es ist sonst irgendwas. Vor allem aber, und das habe ich schon letztes Jahr einen Pyrenäen festgestellt, ist es eine große mentale Anstrengung, sich immer wieder aufs Neue zu motivieren, morgens aus dem Schlafsack zu kriechen und weiter zu laufen, oder auch nur nach der Pause aufzustehen und die nächsten 10 km zu laufen. Nichtsdestotrotz habe ich insgesamt eine sehr gute Zeit gehabt, in der die positiven Erlebnisse trotz allem immer wieder die Anstrengungen wert sind.

    Idaho. IDAHO!

    8 Tage, 270km

    Es ist geschafft. Ich habe heute tatsächlich die Grenze zu Idaho erreicht. Das heißt nun allerdings noch nicht, dass ich Montana verlasse. Für die nächsten paar 100 km werde ich immer entlang der Grenze von Idaho und Montana laufen, bis ich kurz vor Wyoming dann endgültig noch ein paar Kilometer durch Idaho laufe, und dann im Yellowstone Nationalpark die Grenze zu Wyoming überschreite. Das ist allerdings noch eine Weile hin.
    Nun sitze ich gerade erstmal in Darby, das ich heute nachmittag erreicht habe. Hier habe ich meine Vorräte aufgestockt, ich habe auch mal ein Bild von meinem Essen, sowohl ausgebreitet als auch bärensicher verpackt, in die Galerie gestellt, das sollte für 6 Tage reichen, das Nutella vielleicht auch länger.
    Von Helena aus habe ich eine Alternativroute genommen, die mich in eine Kleinstadt namens Anaconda gebracht hat. Um dorthin zu kommen musste ich leider relativ viel an Straßen entlang laufen, oft unbefestigte Forststraßen, aber auch immer wieder Abschnitte an der Autobahn. Zum Glück ist hier nicht so viel Verkehr, es gibt ja nicht so viele Menschen. Nach Anaconda ging es wieder in die Berge und es wurde deutlich schöner, ich war auch im Vergleich zu bisher meist relativ hoch unterwegs, immer zwischen 2200 und 2700m ü.N.N.. Teilweise war es wieder hoch zum Pass, runter in den Kessel, hoch zum Pass, was sehr anstrengend ist, aber immer wieder gab es auch schöne Strecken entlang von Bergrücken mit tollen Ausblicken. Gestern habe ich auch die 500 Meilenmarke überschritten (800km).

    Helena

    3 Tage, 110km

    Gestern Abend bin ich in Helena angekommen. Helena ist die Hauptstadt von Montana und hat etwa knapp über 30.000 Einwohner, also auch nicht gerade eine riesige Stadt, trotzdem ist es die viertgrößte Stadt in Montana. Ein ganz nettes kleines Städtchen, es gibt sogar eine Fußgängerzone mit netten kleinen Läden und guten Restaurants. Insgesamt ist Montana extrem dünn besiedelt, erst seit 2021 hat der Bundesstaat mit einer Fläche, die etwa so groß ist wie Deutschland + ein zusätzliches Baden-Württemberg, über eine Million Einwohner. Ich habe hier einen Tag Pause gemacht, um meine Füße etwas auszuruhen und das schlechte Wetter heute auszusitzen.
    Wenn ich in Ortschaften bin, habe ich immer ein paar Sachen zu tun: Wäsche waschen, duschen, nach Deutschland telefonieren, Nachrichten beantworten, den Blog hier schreiben, etwas warmes essen, ganz wichtig natürlich auch Essen für die nächsten Tage kaufen und sonstige Besorgungen machen, dieses Mal habe ich z.B neue Socken gekauft, außerdem habe ich ausgenutzt, dass es hier einen gut sortierten Outdoor Shop gibt und habe ein paar neue Schuhe gekauft, die ich mir allerdings per Post selber in meinen übernächsten Stopp geschickt habe, so lange sollten meine aktuellen noch halten. Neue Socken waren tatsächlich überfällig. Eigentlich habe ich zwei Paar dabei, damit ich immer eins tragen kann und das andere waschen und auslüften kann. Leider habe ich schon am dritten Tag während eines Hagelsturms einen Socken verloren, der an meinem Rucksack zum Lüften hing, daher bin ich seither nur mit einem Paar Socken durch die Gegend gelaufen, ohne die Möglichkeit diese mal richtig auszuwaschen, was nach so langer Zeit mit diesen Bedingungen äußerst unangenehm war.
    Die Ortschaften liegen übrigens meistens nicht direkt am Weg, sondern ich komme meistens an eine Autobahn oder sonstige Straße und muss von dort noch 20 bis 30 km per Anhalter in die nächste Stadt fahren. Das hat bisher ziemlich gut funktioniert, ich musste nie besonders lange warten und es beschert mir sehr interessante Begegnungen mit sehr verschiedenen Leuten.
    Der Weg war die letzten Tage etwas anders als in der ersten Zeit, oft bin ich in den ersten zwei Wochen Flusstäler entlang gelaufen und immer wieder hoch zu Pässen. Seit ein paar Tagen laufe ich meistens entlang der tatsächlichen Wasserscheide auf Höhenzügen und Bergrücken emtlang, was über lange Strecken fantastische Ausblicke bringt und wirklich Spaß macht zu gehen. Allerdings ist es viel schwieriger geworden, Wasser zu finden und ich laufe oft oberhalb der Baumgrenze, was bei Temperaturen um die 30° selbst über 2000m unangenehm sein kann.

    „The Bob“

    8,5 Tage, 282km

    „The Bob“. So wird der Abschnitt, den ich den ich nun geschafft habe, umgangssprachlich genannt. Streng genommen besteht er aus mehreren Teilen, u.a. dem Helena Lewis and Clark National Forest, zu dem wiederum die Bob Marshall Wilderness, und der Scape Goat Wilderness gehören. Insgesamt 280 km Strecke, ich habe etwas über 8 Tage gebraucht, und damit der längste Abschnitt zwischen zwei Orten. Alles war sehr anders als in Glacier National Park, die Landschaft ist nicht ganz so schroff, alles fühlt sich sehr weit und großräumig an, insgesamt eine faszinierendes Gegend. Wilderness Areas sind die strengste Form der geschützten Gebiete in den USA. Sie sollen vor jeglichem menschlichen Einfluss geschützt werden und tatsächlich habe ich in diesen Tagen außer Wandermarkierungen und Wanderwegen kein Zeichen menschlicher Zivilisation sehen können, keine Straßen, keine Ortschaften, keine Bauernhöfe, nichts. Auch sind die Wanderwege deutlich weniger gepflegt als im Nationalpark, oft sind sie stark überwuchert (was nicht sehr angenehm ist, wenn es geregnet hat…) Dabei sind die Gebiete nicht klein, allein die Bob Marshall Wilderness ist mit 4000qkm anderthalb mal so groß wie das Saarland. Auch anders als in Glacier National Park habe ich sehr wenig Leute getroffen, oft nur zwei oder drei am Tag, nur an dem Tag, an dem ich am Rand der Wilderness Area in der Nähe der Benchmark Ranch war, habe ich deutlich mehr getroffen.
    Inzwischen bin ich knapp über zwei Wochen über unterwegs und vieles ist zu Routine geworden, morgens aufstehen, zusammenpacken, frühstücken, laufen, Mittagspause, laufen, Zeltplatz suchen und ab in den Schlafsack. Auch merke ich, dass ich deutlich fitter geworden bin, lange Tagesetappen laufen sich viel weniger anstrengend als in der ersten Woche.
    Spannend finde ich, dass, obwohl ich sehr wenige Leute getroffen habe, viele andere Wanderer um mich herum sind, oft in recht kurzer Distanz, und trotzdem trifft man sie nicht. Heute morgen bin ich in Lincoln angekommen und gestern haben hier ca. 15 andere Wanderer übernachtet, die alle oft nur wenige Stunden vor oder hinter mir unterwegs waren. Trotzdem hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass ich auf weiter Flur alleine bin.
    Von hier ist es jetzt ein kurzer Abschnitt, ca. 110 km, bis Helena, der Hauptstadt von Montana.