Beiträge von PositivDenken

    Essen würde ich da auf keinen Fall lagern. So gut verpacken, verstecken oder vergraben lässt sich das kaum, als dass Tiere das nicht finden würden.

    In jedem Fall würde ich aber einen Zettel beilegen, der Auskunft gibt über Zweck und Datum, wann es deponiert wurde, sowie wieder abgeholt wird. Sowie eine Kontaktmöglichkeit vorsieht.

    Vorher müsste auch Erlaubnis eingeholt werden vom Grundeigentümer. In einem Naturschutzgebiet verbietet es sich soundso.

    Ein Fehler, der oft gemacht wird, ist der, dass quasi das Pferd von hinten her aufgezäumt wird. Man geht von seinem Sommer-Setup für mildes Klima aus (T-Shirt und Plastikplane reicht) und alles, was dann über das 3kg base weight hinausgeht, wird als ärgerlich und möglichst zu vermeidendes betrachtet.

    Stattdessen müsste man doch analytisch vorgehend damit beginnen, was sich denn bewährt hat. Was könnte man denn als Referenz betrachten? Mir käme da das Hilleberg Nallo in den Sinn. Kein Zelt muss wirklich schwerer sein, es sei denn, man hat ganz spezifische Anforderungen. Wir sprechen also von etwa 2,4kg. Was gibt es also, das leichter ist aber ein gleiches Niveau an Schutz bietet? Kuppelzelte sind in der Regel stabiler oder toleranter, aber entweder schwerer oder kleiner. Dann käme die Klasse der „Lappland-Torpedos“, Tunnelzelte mit nur einem Bogen. Akto, Enan, Scarp etc., geringe Sitzhöhe, klaustrophobisch, meist kleine Abside. Pyramiden-Stil, meist viel leichter, geringe Kopffreiheit, auf sehr(!) gut sitzende Heringe angewiesen (jedes Zelt braucht gut sitzende Heringe im Sturm). Und dann kommt die Klasse der dual-(trekking-)pole Zelte. Sie versprechen meist große Apsiden, gute Sitzhöhe und Kopffreiheit. Nur vereinen sie im Allgemeinen in puncto Sturmsicherheit alle Nachteile in sich. Man erkauft sich den Komfort mit einem Verlust an Sicherheit. Und ich fürchte, dass vielen dieser Schritt gar nicht bewusst ist. D.h. unbemerkt wurden mehr und mehr Abstriche gemacht, was augenscheinlich wird, wenn man sich wieder das Referenzmodell vor Augen hält. Das was sich bewährt hat. Dual-trekking-pole Zelte werden zwar benutzt und sind beliebt, aber haben sie sich auch bewährt? Aus eigener Erfahrung würde ich sagen „nein“. Zumindest solange man keine Abstriche in puncto Sicherheit machen möchte.

    Klar kann man sich fragen „brauche ich soviel Sicherheit überhaupt?“. Dabei sollte man sich aber bewusst sein, dass man sich da auf sehr dünnes Eis begibt und man schon sehr genau wissen muss, worauf man sich einlässt. D.h. Abstriche müssen durch Erfahrung und Verlässlichkeit der restlichen Ausrüstung kompensiert werden. Kann ich wirklich das Wetter gut genug einschätzen? Die Wegbeschaffenheit, das Gelände? Hab ich genügend warme Kleidung (nicht zuletzt verlässliche Regenkleidung)? Wie ist meine eigene körperliche und mentale Verfassung?

    Man sollte beim Erteilen von Ratschlägen nicht vergessen, dass was man für sich persönlich als kalkulierbares Risiko - bewusst oder nicht - in Kauf genommen hat, nur selten und wenn doch nur sehr schwer auf andere übertragbar ist. Ihr wisst nicht, wer hier mitliest und wer dann was für welche Rückschlüsse zieht, nur weil er oder sie denkt, verstanden zu haben, was die jeweiligen Kompromisse sind, die bei einer konkreten Entscheidung in Betracht gezogen wurden. Nicht jeder Gedanke wird zu Papier gebracht oder wenn doch, nicht jeder zu Papier gebrachte Gedanke, wird auch korrekt verstanden.

    Das Kernproblem bei den meisten Zelten ist, dass sie mehr "gefühlten" als realen Schutz bieten. Viele Faktoren die ich beim Tarp noch in der Hand habe, werden mir vom Zelthersteller vorgegeben. Bei grenzwertigen Bedingungen heißt es dann, top oder flop.

    Heißt aber auch, man muss seinen eigenen Fähigkeiten vertrauen können (was einen entsprechend großen Erfahrungsschatz voraussetzt). Weiss ich mehr als ein Bo Hilleberg? Ich jedenfalls eher nicht. Weiss ich mehr über Nordskandinavien als Dan Durston oder Henry Shires?

    Vielleicht an der Stelle auch nicht vergessen, dass all die grossen Hersteller auf Gewinn angewiesen sind und daher ihre Zelte nach Marktkriterien entwickeln. Sie müssen sich in erster Linie gut verkaufen und dann muss die Marge stimmen. Ich denke man kann das ziemlich gut an Tarptent sehen, dass über die Jahre die Qualität immer weiter abnimmt, dem Trend folgend billigere Materialien verwendet werden und auch am Herstellungsprozess gespart wird. Egal was sie dir erzählen.

    Weil man das so oft hört: nur weil jemand mal mit Ausrüstung XY in einem Gebiet Z war und mit etwas Glück davongekommen ist, ist das noch kein gutes Argument dafür, dass diese Ausrüstung auch wirklich was taugt.

    Generell muss man sich die Frage stellen: Will ich mich auf meine Ausrüstung verlassen können oder muss ich das vielleicht auch, oder verlasse ich mich im Notfall auf vorhandene Infrastruktur vor Ort?

    Man hört dann oft „don‘t pack your fears!“, gerne von Leuten, die eigentlich nur wenig Erfahrung haben, zumindest was erwartbare Bedingungen im Einsatzgebiet angeht.

    Hier mal meine Gedanken, was Anforderungen im skandinavischen fjäll angeht (speziell nördlich des Polarkreises), zu Island kann ich mangels Erfahrung nix sagen:

    • Windgeschwindigkeiten jenseits der 20m/s, allerdings eher keine 30m/s ohne Vorwarnung
    • dennoch starke Winde, vor allem Böen möglich, auch wenn davon nichts in der Vorhersage war (jedenfalls nicht so)
    • Trekkingpoles brechen schneller als man denkt
    • eine Hütte ist nicht immer in Laufweite, auch nicht auf dem Kungsleden (vor allem gefährlich wenn Leute mit ausserordentlich guter körperlicher Verfassung Ratschläge an die Allgemeinheit geben - fahrlässig!)
    • Verletzungen oder Krankheit kommen tatsächlich vor, auch dann wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann, selbst bei gut trainierten Menschen
    • oft weit und breit kein Untergrund, der hinreichend flach und eben ist, nicht sumpfig ist, in dem Heringe auch halten oder aber dann wenigstens große Steine rumliegen - und das alles dann bitte natürlich noch windgeschützt und mit Frühstück ans Bett

    Ich käme deshalb zB nie auf die Idee, ein Durston Zelt - egal welches - als mein Shelter mit in den Sarek (oder halt vergleichbar entlegenes Gebiet) zu nehmen.
    Ich habe ein mulmiges Gefühl dabei mich auf meine Trekkingpoles verlassen zu müssen, zumindest wenn ich alleine unterwegs bin (habe deshalb welche aus Alu, was vielleicht ein direktes Abbrechen etwas unwahrscheinlicher macht).
    Ein solid inner ist zwar tatsächlich zu warm, wenn es warm ist, aber bei unerwartetem Schneefall Gold wert, zumindest wenn man ein Zelt hat, das man dann nicht komplett bodennah aufbauen kann.
    Ich weiß zB dass Leute wie Jörgen Johansson (sehr fjällerfahrener „UL-Papst“ aus Schweden) ihr Zelt auf einem Gröna Band wechseln. Im Süden Klasse „Aeon Li“, ab Hemavan dann Trailstar oder echtes Mid.

    Und ja, DCF ist nicht gleich DCF.

    [Ergänzung]

    Ja, man kann zB den nördlichen Kungsleden (Abisko bis Kvikkjokk) als zeltgestützte Hüttentour planen. Dh. man rechnet mit den Hütten, schläft aber im Zelt, solange es die Bedingungen zulassen. Es gibt schließlich auch noch Nothütten. Nur: ist es ein Notfall, wenn ich ihn durch unzureichende Ausrüstung bewusst in Kauf genommen habe? Der allgemeine(!) Rat ist, dass man selbst für eine Hüttentour ein Zelt dabeihaben muss(!), welches einem im Notfall unter möglichst allen Umständen Schutz bietet.

    Hab seit vielen Jahren auch so ein Zeiss-Mini-Monokular (~20g) und nehme es auf so gut wie jede Tour mit. Wie andere schon geschrieben haben, es eignet sich gut um den Weg auszuspähen, besonders in weglosem Gelände.
    Ist das da in der Ferne eine Hütte? Was bewegt sich da, ein Mensch? Wo lässt sich der Fluss da unten am besten queren? …

    Für ernsthafte Naturbeobachtung wohl wenig zu gebrauchen.

    Abschnitt 2: Storlien - Gäddede, Teil 4

    Tatsächlich hatte ich eine recht geruhsame Nacht, wohl beschützt von alten, knorrigen Bäumen. Echter Naturwald, wie ich ihn so liebe, das Svenskådalen Naturreservat. Erstmal würde ich heute einfach dem markierten Weg folgen. Schnell wird mir aber klar, dass es hier - wie so oft - wieder mal nur ein vinterled ist, der auf der Karte auch als Sommerweg eingezeichnet ist, weil er halt nicht gerade stracks über Seen führt. Nach einem kurzen Anstieg durch den Wald verliert sich dessen Spur rasch. Ich schaffe es sogar die roten Kreuze zu verlieren (Glanzleistung!). Die sind nämlich auch schon nicht mehr die jüngsten und teilweise einfach verrottet oder umgefallen. Ein paar Kilometer weiter geht es dann runter Richtung Seensystem und spätestens da ist wirklich nicht mehr viel übrig von einem Pfad. Sumpf, Sumpf, Sumpf. Irgendwann hab ich die Nase voll davon sinnlos der Markierung hinterher zu stapfen und quere einfach rüber zur gut ausgebauten Schotterstraße. Auf der geht es bis zum Staudamm, dann weiter am Seeufer entlang bis zu einem kleinen Häuschen. Dieser Abschnitt ist teilweise recht mühsam, das Häuschen habe ich auch nicht zu Gesicht bekommen. Vielleicht habe ich hier auch einfach die falsche Route gewählt. In Gedanken bin ich ohnehin nur bei dem doch recht steilen und langen Anstieg hoch ins Offerdalsfäll.

    Es geht mir heute schon deutlich besser. Was für ein Glück! Aber so richtig auf dem Damm bin ich dann nun auch noch nicht. Würde ich das überhaupt schaffen? Mein Wanderbuch glänzt hier mal wieder durch vage Beschreibungen und Kargheit. Der Plan war, möglichst direkt aufzusteigen bis auf etwas 800m, dort dann den Bach ohne Namen zu queren und dann Richtung Norden abzudrehen und dabei die Höhe so gut es geht irgendwie zu halten. Ich bin dann zwar vielleicht nicht exakt der Route gefolgt, die ich mir auf der Karte eingezeichnet habe, aber im großen und ganzen ging der Plan schon auf. Vielleicht ist das Buch an der Stelle auch deshalb so kurzatmig, weil man eh nicht viel falsch machen kann? Sobald ich über der Baumgrenze bin, ist der Anstieg auch nur noch halb so wild. Den Luspiejohke zu queren war auch kein großes Problem. Nach einer guten Weile bin ich bei einer Handvoll Seen knapp unter 850m südöstlich des Mehkene angelangt. Von hier aus hätte man jetzt auch direkt ostwärts Richtung Åbervattnet gekonnt - es sieht verlockend aus -, aber das Buch empfiehlt eine andere Route. Und wer will schon so einfach Autoritäten widersprechen ohne guten Grund?

    Von hier aus geht es recht gemütlich bergan Richtung Nordost. Ich folge einem Bach immer weiter Richtung Mehkene. Ich muss mich entscheiden, geplant war eigentlich eher mehr östlich, bis auf so 1000m den Mehkene zu umrunden, aber von meiner Position aus sieht es aus, als wäre da ein passabler Pass (haha) auf so ca 1050m und ich würde mir 1-2 km sparen. Also nix wie auf! Dort oben ist es erwartungsgemäß sehr karg, nur graues Geröll soweit das Auge reicht. Wie es wohl auf der anderen Seite aussieht?

    Ich seh zu, dass ich hier wegkomme, denn dank eines frischen Windes ist es hier nicht sonderlich gemütlich. Hier liegt noch Schnee rum. Dann aber öffnet sich der Blick Richtung Norden. Unglaublich! Ja, wegen sowas bin ich hier. Eine wundervolle Landschaft. Rau, menschenleer, Seen, Berge, Steine. Weite. Hm. Das sieht irgendwie alles noch verdammt weit aus, wo bin ich hier eigentlich? Ich bleibe bei meinem üblichen Ansatz: Höhe behalten, runter ins Gemüse kann ich zur Not ja immer noch. Das geht auch über eine ganze Weile ziemlich gut. Easy hiking. Dann wird es an einer kleinen Schlucht aber doch etwas steiler, ich muss ein kurzes Stück absteigen, trete auf einen hervorragenden Stein. Dieses kleine Verräterschwein rutscht aber einfach ab und ich falle hinterher. Irgendwie schaffe ich es mit dem rechten Knie voran aufzuschlagen. Aua! „So schnell kann es gehen“, denke ich mir. Das Knie schmerzt, ich kann kaum auftreten. Muss mich erstmal hinsetzen. Einen echten Notfall könnte man hier nicht gebrauchen. Steiles Gelände, Steine und Geröll soweit das Auge reicht. Der Schmerz lässt aber schnell nach und ich muss mir keine weiteren Gedanken machen. Schon bald kann ich wieder ganz normal laufen.

     

    Irgendwann geht es auf dem Berghang nicht mehr weiter und ich muss notgedrungen bis an das Ufer der Seen absteigen. Dort wird es nicht unerwartet schwieriger voranzukommen, aber im Großen und Ganzen komme ich immer noch gut voran. Wie im Buch empfohlen folge ich der Südseite der großen Seen. Gegen Abend bin ich an einem System kleinerer Tümpel westlich des Plyöjhkere und beschließe fünfe grade sein zu lassen und mein Zeltchen aufzuschlagen. Eigentlich wollte ich es bis runter ins Grubbdalen schaffen. Aber ob man dort überhaupt gut zelten würde können? Das kalfjäll hat es mir ja etwas verleidet, aber ich wollte noch Zeit zum Baden haben, hier war eine schöne Stelle und zu viel Wind war es auch nicht.

    2. Abschnitt Storlien - Gäddede, 3. Teil

    Ich wache mit einem unguten Gefühl auf. Mir ist leicht schwindelig. Der Magen rumpelt. Geschlafen habe ich gar nicht gut. Es war viel zu warm. Und die Insekten! Ich erinnere mich, wie ich mal nachts zum Pullern raus bin und dabei dann mit der Hand zwischen Innen- und Aussenzelt gefasst habe. Ich konnte diese Mischung aus Fliegen, Mücken und Bremsen regelrecht herauslöffeln. Ganz schön widerlich! Zum Glück war ich im Halbschlaf. Letztlich habe ich mit Ohrstöpsel schlafen müssen. Ich hasse das, aber es ging einfach nicht anders. Alles aber erstmal nachrangig, mein Magen ist flau, ich fühle mich, als stünde ich neben mir. Und ich muss dringend wohin … „na toll, Durchfall!“. Schnell merke ich, dass es damit aber nicht getan ist. Ich bin wacklig auf den Beinen und krieg das Frühstück kaum runter. „Ausgerechnet!“ - wo doch der vermutlich spannendste und schönste Teil vor mir liegt.

    Ich beschließe, dass ich es heute langsam angehen werde. Dummer Beschluss eigentlich, wenn man gar keine andere Wahl hat. Vielleicht hätte ich mir an dieser Stelle auch Gedanken machen sollen, wie ich hier am schnellsten zurück in die Zivilisation komme, sollte sich mein blinder Optimismus als fehlgeleitet erweisen. Tat ich aber nicht. „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“ Und so stakse ich los, immer weiter gen Osten (wie ihr seht, ich hab gar nix gegen den Osten). Auf in ein fjäll, das Johansson als „nedbryten“ (zersetzt, verfallen, erodiert) bezeichnet. Berge, an denen der Zahn der Zeit genagt hat. Ich verstehe ziemlich schnell, was er damit meint. Es ist wunderschön, so richtig genießen kann ich es aber leider nicht. Das Gehen ist mühsam. Ich versuche so gut wie möglich die kürzeste Strecke zu wählen. Nicht so einfach, denn es liegen wirklich überall Trümmer in Form gigantischer Blöcke rum. Dazwischen Seen und große „hällar“ (Felsen). Auch will ich wieder möglichst auf GPS und Smartphone verzichten, hier im offenen fjäll ist auch eine 1:100.000 Karte gut genug. Fast. Ich erlaube mir, hin und wieder meine Position elektronisch zu kontrollieren, denn Umwege wollte ich in meinem Zustand heute ganz sicher keine laufen. Ich versuche so gut wie möglich unnötiges Rauf und Runter zu vermeiden. Wenn ich es heute bis Tjovre schaffen würde, wäre das mehr als ausreichend, beschließe ich in meiner überschwänglichen Großzügigkeit. Ich passiere den Ohtje Tjalnge an seiner Südflanke. Beeindruckend! Es geht durch eine Depression, die ich so gut es geht vermeide, in dem ich mich nördlich halte. Blick auf Richtung Kyrkan (die Kirche). Eines ist für mich klar: hier muss ich nochmal herkommen! Ich halte mich weiterhin auf der Südflanke der Berge. Da ich aber nicht unnötig aufwärts steigen wollte, drehe ich Richtung Långtjärn ab, in der Hoffnung auf dessen Nordseite den „Pass“ zwischen Majkstjahke und Riepetjahke/Njaarke zu erreichen. Tatsächlich wurde das Ufer teilweise ziemlich steil und ich hatte schon Angst, eine ziemlich folgenschwere Fehlentscheidung getroffen zu haben. Es zog sich und zog sich, aber letztlich ging es dann doch.

    Der Blick hinunter vom Pass Richtung Osten war grandios. Aber damit war auch das Sösjöfjäll praktisch schon wieder hinter mir. Jetzt brauchte ich an sich nur dem Fisklösån (fischloser Fluss, ziemlich sicher eine false flag operation - wie mir M später beipflichten wird. Sie verkauft Fischereikarten u.a. für einen fisklössjö) bis nach Tjovre folgen. Ganz so trivial war es dann nicht, aber Details erspare ich euch an dieser Stelle. Je näher ich komme, desto dichter der Wald, desto anstrengender wird es. Irgendwann spuckt mich das Dickicht dann aber doch direkt an einer kleinen Hütte aus. Offensichtlich ist niemand da, aber sie scheint noch in regelmäßiger Benutzung zu sein. Ich mache eine kurze Pause, obwohl ich eigentlich nicht vorhabe heute noch viel weiter zu gehen, 15km sind besser als nix! Irritiert bemerke ich, wie vor der Hütte ein Scheisshäuschen direkt am Hang so steht, dass man praktisch den Hang runter in den Bach scheisst. Wer macht denn sowas?

    Ich scheine am nördlichen Ende der kleinen Samisiedlung rausgekommen zu sein. Direkt da wo zwei Brücken dem markierten Weg über den Fluss helfen. Den auf der Karte eingezeichneten Pfad habe ich aber nicht gefunden. Und so fürchte ich fast, dass es es mit dem markierten Weg auch nicht weit her ist, nachdem ich erstmal über einen Sumpf muss. Tatsächlich ist der Pfad dann aber sehr deutlich und gut eingetrampelt. Eine Wohltat! Ich quere die Brücke und stehe vor einem wirklich bezauberndem Wäldchen. Ich mag die Stimmung und beschließe, dass ich hier zelten will. Die Zeltplatzsuche zieht sich und letztlich gehe ich ein paar hundert Meter zurück zu einer Lichtung, die zwar nicht am Wasser, aber gut geschützt und vor allem einigermaßen insektenfrei einen geruhsamen Schlaf verspricht. Ich gehe runter an den Fluss um zu Baden, bekomme aber das Bild von dem Scheißhaus oben am Bach nicht aus dem Kopf.

    Bitte keine Umstände wegerm Testen, eilt überhaupt nicht! Über ne kurze Einschätzung beim nächsten Einsatz würd ich mich natürlich freuen^^

    Da ich grade sonst nix zu tun hab. Das inner passt locker auch quer rein. Ich frage mich gerade, ob es nicht so ist, dass das Zelt einen Fuß breiter ist als lang (als wenn Länge die Linie ist, die parallel zum Reisverschluss verläuft).

    Das inner ist das 2p solid inner von Knot. Wie man vielleicht sieht, die zweite Person hat nicht viel Platz unter dem „Dach“. Ohne Berühren des inner geht es nicht.

    Ursprünglich hatte ich es für das Duomid XL gekauft, welches ich für Wintertouren eigentlich ideal finde (mal von der fehlenden Schürze abgesehen), solange man alleine ist und sich generell auf ein Mid einlassen will. Da hat es aber nicht reingepasst weil zu hoch.

    Wie man vielleicht sieht: da ist kein „sag“ am Cimarron, man muss es nur richtig aufbauen. Wie bei jedem Mid halt.

    Der Overnighter war klasse. Gestern kam sogar die Sonne raus. Das erste Mal Sonne in meinem Gesicht seit vielen Wochen.

    PS: Ich hab mir den Reißverschluss nochmal genauer angeschaut, denke das ist doch ein #8, wenn ich ihn mit anderen vergleiche. Kenne mich da leider nicht so gut aus. Draufstehen tut auch nix außer YKK.

    PPS:

    Ach ja. Also nach meiner Aufassung also breiter als lang.

    Danke auch für die Infos zum Cimarron! Meinst Du, das Half Inner passt auch hinter die Stange statt seitlich? oder ist das zu lang?

    Hm, auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen. Was hätte das denn für einen Vorteil? Das Cimarron ist allerdings nicht quadratisch, einen Fuß länger als breit.
    Ich kann das aber gerne mal ausprobieren, komme aber gerade von einem Overnighter und bin etwas platt. Mal schauen, wann ich dazu komme…

    Nachdem ich „Fjäll Anders“ Experimentalreise mit seinem Ultamid mitverfolgt habe, hab ich die Idee mit dem Mid im Winter wieder verworfen (andere mögen zu anderen Schlüssen kommen):

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    Mein Kumpel hatte ein Duomid auf seinem Vita Band FKT und hat es gehasst. Viel zu klein für ihn. Dabei ist er gar nicht sooo groß. Knapp über 1,80.

    Ich selber hab ein Cimarron Light und bin damit an sich ganz zufrieden. Hab es schon auf einer einfachen Wintertour benutzt und habe das auch wieder vor. Unterhalb der Baumgrenze zeltend allerdings. So richtig ins kalfjäll würde ich mich damit nicht trauen. Auch wenn ich es ganz gut ohne sag abgespannt bekomme. Denke, dass deine Vermutung da richtig liegt.
    Zipper ist ein YKK 5er, wenn das die Frage war. Gut finde ich gerade die snow flaps, die waren im Winter Gold wert. Würde ich nicht ohne wollen.
    Hab auch ein solid half inner dazu, die gibts ganz günstig auf Aliexpress und passen perfekt. Benutzt hab ich es aber noch nicht. Denke aber, dass das zu zweit rein zum schlafen durchaus gehen würde, solange man nichts gegen kuscheln hat.

    Eine kleine Anekdote hätte ich noch, welche uns vielleicht auch nochmal zurück zum Thema führt. Ich hatte hier in Schweden mal eine Weile eine LGBTQ Wandergruppe. Zum Einen musste ich mir dafür ziemlich viele Anfeindungen gefallen lassen, so nach dem Motto „Schade, dass es sowas braucht“, „bist du sicher, dass es hier in Schweden sowas braucht?“ bis hin zu Unterstellungen, ich würde damit ein ungerechtfertigt schlechtes Bild auf Schweden werfen.

    Tatsächlich war es dann aber so, dass diese Gruppe nach und nach immer mehr von hetero, cis Frauen genutzt wurde. Scheinbar hatte sich das irgendwo rumgesprochen, dass sie hier in der Gruppe vor ungewollter Anmache durch irgendwelche Typen geschützt sind. Das führte aber auch dazu, dass immer weniger LGBTQ Menschen teilgenommen haben, vermutlich weil sie sich in der Gruppe nicht mehr wiedergefunden haben. Auch eine gewisse Form von Abuse. Jedenfalls hatte ich dann auch irgendwann keine Lust mehr. Und auf die Idee, dass sie ihre eigene Gruppe nur für Frauen machen könnten, sind sie auch nicht gekommen.

    Ja, es geht letztlich darum, dass Rentierwirtschaft dort wieder möglich sein soll. Und das geht aber nicht, wenn alle fünf Minuten ein Helikopter über die Landschaft donnert. Die Tiere meiden dann entweder die Gegend oder bekommen keinen Nachwuchs mehr.

    Es geht um die Frage, wie nachhaltiger Tourismus aussehen kann. Wie „zugänglich“ eine Gegend sein muss, um für den Tourismus attraktiv zu sein. Braucht es wirklich ein Drei-Gänge Menü am Abend, wenn ich in der Natur in den Bergen bin? Deshalb wird jetzt rückgebaut. Weniger Betten, weniger Luxus.

    All das ist und war innerhalb des STF auch seit Jahrzehnten hoch umstritten. Der STF hat halt einen Arm als nicht kommerzieller Verein von Mitgliedern und einen kommerziellen, der auf Gewinnoptimierung ausgelegt ist. Und auch innerhalb des Vereins geht es um die Frage: wie zugänglich muss fjäll wirklich sein?

    Also gut, um auch dazu noch was zu sagen: Mir ging es bei meiner Entscheidung nicht darum, dass ich befürchte, mir würde konkret Gewalt angetan, sondern dass ich mich auf meiner Wanderung nicht mit Situationen psychisch belasten will, wenn ich ohnehin unter dem Eindruck eines voranschreitenden Faschismus in den USA mir sonst schon zu viele Sorgen und Gedanken mache. Das hab ich auch - denke ich - so geschrieben. Wer meint das ins Lächerliche ziehen zu müssen, tut sich selber wohl kaum einen großen Gefallen damit. Aber jeder, wie er meint.

    Ich war ohnehin in keiner guten psychischen Verfassung und wollte dann im Urlaub mir keine Gedanken machen müssen, ob ich jetzt in dieses Wirtshaus gehe oder nicht, weil ich zwar eigentlich gern gut essen würde, ich aber Gesprächsfetzen aufschnappen könnte, die mich nur wütend machen. Weil ich mich nicht bei jeder Begegnung fragen wollte, ob mein gegenüber jetzt ein „besorgter Bürger“ ist oder vielleicht doch eine ganz dufte Type.

    Ich finde es halt auch gruselig, wenn ich lese wie Personen in Ungarn von wildgewordenen, selbsternannten Hilfssheriffs aufgegriffen werden und danach abgeklopft werden, ob sie denn keine Sinti oder Rroma sind. Das mögen manche Leute einfach abschütteln oder ignorieren und sich denken „kein Problem, die meinen mich ja nicht“. Privilege my ass. Ich finde es nicht geil.

    2023 auf dem PNT wurde ich von einer Art ziviler Bürgerwehr aufgegriffen. Nachts als ich noch am Zelt aufbauen war, tauchte plötzlich ein großer Truck mit drei Typen drin auf, die mich ausgefragt haben, wer ich bin, woher ich komme, was ich hier treibe. Das wohlgemerkt auf public land, kein trespassing (das muss man ohnehin genau im Blick haben, so einem das Leben lieb ist). Auch sowas brauche ich nicht. Schon gar nicht beim Wandern.

    Wahlausgang zu gunsten der AfD

    Von der AfD war im von mir geschriebenen nie die Rede. Das ist einzig euerer Phantasie geschuldet. Von dieser Unterstellung ausgehend wird jetzt das Rad immer weitergesponnen.

    Umgekehrt seltsam so zu tun, als gäbe es sowohl in Deutschland als fast überall sonst kein Problem mit Nazis. Die AfD ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine gesichert rechtsextreme Partei. Viele ihrer Akteure und Sympathisanten SIND waschechte Nazis. Sowohl weite Teile ihres Programms als auch propagierte Inhalte ihrer Mitglieder sind nichts anderes als menschenverachtend und demokratiefeindlich. Wohlgemerkt zentraler Aspekt einer Demokratie ist es, die physische als auch psychische Integrität ihrer Bürger zu gewährleisten. Das beinhaltet zuallererst auch und gerade Minderheiten.

    Natürlich grüßt dich wohl niemand mit dem Hitlergruss in einem Hotel. Was zu vorgerückter Stunde in einem Wirtshaus passiert, steht aber auf einem andern Blatt. Und mir ging es mit meiner Aussage nicht darum alles und jeden als Nazi zu bezeichnen, sondern um meine Angst eben in einer solchen Situation zu landen. Nazis gibt es nun mal. Und gerade da wo der EB verläuft nachweislich ziemlich viele. Das kannst du an einer Statistik zu rechtsradikalen Gewalttaten genau so ablesen wie Meinungsumfragen. Und natürlich korreliert die Häufigkeit von gewaltbereiten Nazis mit den Stimmen, die die AfD bekommt. Damit ist nicht gesagt, dass jeder der AfD wählt, ein waschechter Nazi ist. Mengenlehre, hinreichende vs notwendige Bedingung.
    Ich bin den EB schon einmal gegangen. Damals mit meinem damaligen Freund. Es ist uns zweimal passiert, dass uns eine Unterkunft verweigert wurde, weil die uns kein Doppelbett geben wollten. Von mir aus nenn es konservativ. Ich will auch nicht mit Konservativen an einem Tisch sitzen.

    Das Wahlergebnis, auf das ich mich bezogen habe, war übrigens Trump in den USA, durch welches sich eben rechtsradikale jedweder Couleur befeuert sehen. Nicht zuletzt wenn ein paar Tage später ein abgehalfterter C-Prommi mit zu viel Geld auf dem Konto sich tatsächlich ermutigt fühlt auf einer Bühne und großem Publikum einen Hitlergruß zu zeigen.

    Tut doch nicht so, als würde das alles nicht passieren. Ihr macht euch mitschuldig. Es gibt keine Toleranz für Intoleranz. Kann es nicht geben. (Mal abgesehen davon, dass das mit der Toleranz eh so eine Sache ist. Aber das ist nochmal ein anderes Thema)