Beiträge von PositivDenken

    Die Fährfahrt nach Las Palmas de Gran Canaria ist eine ziemliche Katastrophe, hoher Wellengang sorgt dafür, dass uns und allen rundherum speiübel wird. Kotzgeräusche durchfluten das Gefährt, die Besatzung bemüht sich redlich für Tütennachschub zu sorgen. Wir überstehen es zum Glück auch so. In einem Second-Hand-Laden kaufe ich mir für wenig Geld ein Hemd und eine Badehose. Mit dem Bus geht es nach Maspalomas, wo wir einen Ruhetag einlegen. Hier hat sich nichts verändert. Massentourismus der schlimmsten Sorte. Wir sind etwas ausserhalb untergekommen, können Wäsche machen und einen Strandtag einlegen, schauen uns den botanischen Garten und die berühmten Dünen an. Von hier geht es Richtung Norden bis zur Mitte der Insel und dann weiter Richtung Westen nach Puerto de las Nieves. Die Landschaft ist atemberaubend. Unheimlich schön!

    Mit der Fähre geht es weiter nach Fuerteventura. Corralejo ist erstmal ein echter Kulturschock. So viele Touristen! Eine Partymeile. Restaurants, Kasinos, Bars, Sexclubs. Ich hab ein Bett in einem Surf-Hostel am Rande der Stadt. Passe nicht zu den übrigen Gästen dort, aber ich bekomme eine dringend benötigte Dusche. Ein paar Tage später treffe ich auf meine Freunde aus Schweden. Sie haben sich Zeit gelassen, während ich scheinbar gerannt bin. War auch schön, aber von nun all soll es langsamer vorangehen, denn wir beschließen gemeinsam weiterzuwandern. Ich nehme in La Pared eine Auszeit während sie sich einen Surfkurs gönnen. Wir zelten in den Dünen, bzw ich schlafe einfach unter freiem Himmel. Mit genügend Wasser im Rucksack geht es Richtung El Jabre. Wir haben beschlossen nicht weiter dem GR131 zu folgen sondern drehen Richtung Strand auf der Nordseite der Insel ab. 15 km einsamer Sandstrand warten auf uns. Unglaublich!

    Freunde aus dem Jämtland fragen mich Mitte Dezember, ob sie Anfang Januar ein-zwei Nacht bei mir schlafen können, da sie früh morgens einen Flug ab Stockholm hätten. Ich sage ja und frage wohin es geht. Von da an fängt es an in mir zu rattern. Sie wollen auf die Kanaren und den GR131 wandern. Maximal zwei Monate. Warum mache ich das nicht einfach auch? Ich war seit Ende Oktober dauernd krank. Nebenhöhlen, gereizter Hals etc etc. mal besser, mal weniger. Nach langem hin und her buche ich kurzentschlossen ebenso einen Flug und stehe knapp eine Woche nach meinen Bekannten mit meinem kleinen Rucksack auf dem Rücken in Arrecife auf Lanzarote. Mit dem Bus geht es gen Osten und kurz vor Einsetzen der Dämmerung fange ich an zu laufen. Bald finde ich eine windgeschützte Stelle in einer Kuhle und haue mich aufs Ohr. Kann es kaum fassen, dass ich jetzt hier bin. Ich fühle sofort, wie sich mein Körper viel besser anfühlt. Nach zwei Tagen Wandern sind die Beschwerden wie weggeblasen. Alles richtig gemacht!

    Ich hab Mütze und Buff und wenn es zu kalt wird, nehme ich die Daunenjacke (dünn), stülpe sie um, so dass die doppellagig wird. Und dann zieh ich mir die über den Kopf. Ich mag nicht in der Jacke direkt schlafen, das wird mir meist zu warm und irgendwie fühlt es sich komisch an, wenn der Oberkörper viel dicker eingepackt ist als die Beine.

    Wie sind eure Erfahrungen bezüglich Haltbarkeit, Pinholes und Delamination?

    Mein Notch Li hatte nach ca 80 Nächten die ersten pinholes und nach 120 war es einfach Schrott.

    An anderer Stelle schon beschrieben, das mag an einer Reihe stärkerer Stürme gelegen haben, in die ich damit geraten bin. Denke zumindest nicht, dass ich ungebührlich unpfleglich damit umgegangen bin.

    Ich hatte auch einen DCF Regenrock, der war aber schon nach einer 4 wöchigen Wanderung unbrauchbar. Wohl weil er halt in der Netztasche außen am Rucksack war. Aber wo sonst?

    Es gibt eine neue Reihe auf SVT über Wanderwege in Schweden, zuweilen hauptsächlich Lappland. Sehr gut gemacht, es kommen überwiegend Sami zu Wort. Jetzt der Nachteil: es gibt keine Übersetzung außer auf Schwedisch. Verlinke es trotzdem, das ist der erste Teil über den Kungsleden aber die folgenden sind fast noch spannender und interessanter.

    Vandringar – Kungsleden
    Kungsleden är den mest kända av de svenska fjällederna. Det är också en led som passerar genom 14 olika samebyar längs den 45 mil långa sträckan mellan Abisko…
    www.svtplay.se

    Mein ganz spezieller „Freund“ Sebastian Goulet hat ein Interview mit Dan Durston zum X-Dome geführt:

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    Goulet hat eine schwedische UL Facebook-Gruppe, die er aus Protest zur etablierten Vandrar Fjäderlätt gegründet hat, weil dort auch über Ausrüstung geredet wurde, die ihm zu schwer ist. Die neue Gruppe hat strikte Regeln, wie schwer einzelne Ausrüstungsgegenstände sein dürfen und wer ihn blockt wird auf Lebenszeit gesperrt.

    Hmm... wärmer als 10° werden die Abende in Patagonien wahrscheinlich eher selten. Funktionieren die dann gar nicht mehr oder verbrauchen bloß mehr?

    Er geht aus. Er verbraucht nicht mehr. Eine Möglichkeit ist es, den Topf mit der Hand anzuheben und so nach und nach das Wasser auf Temperatur zu bringen (genau genommen kommt es auf die Temperatur des Wassers an, nicht der Außentemperatur). Beim Hochheben des Topfes musst du aber auf deine Finger aufpassen, man verbrennt sich dabei sehr leicht. Ich würde es an Deiner Stelle einfach ausprobieren, einen Topfständer basteln kannst du dann ja immer noch, sollte es nicht funktionieren.

    Hast du einen Link zu dem eFrevo?

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    Ich frage mich, ob man einen Topfstand auch aus einer großen Bierdose bauen kann. Z.B. indem man den Boden und den Deckel entfernt und am Rand Löcher für die Luftzufuhr reinschneidet.

    Du wirst vermutlich keine finden, die groß genug ist. Was ich stattdessen gemacht habe: eine starke Alufolie, wie zB von take away meals und diese dann so ausgeschnitten, dass sie als Windschutz fungierend in ca 1cm Abstand einmal um den Topf herumreicht. Dann unten eine ganze Reihe (oder zwei) Löcher für Belüftung. Dann Löcher oben für einen (oder zwei?) Hering(e) der/die einmal quer durchgeht und auf denen dann der Topf so zu ruhen kommt, dass er in einem Abstand von ca 5cm zum Brenner steht. Dadurch hast du eben auch gleich einen Windschutz, der ohnehin sehr ratsam ist. Ich hab das so gestaltet, dass die Folie an ihren Enden je eine Falz hat, so dass ich diese Verschränken kann um einen stabilen Zyliner zu bekommen.

    Zur Effizienz: Pi mal Daumen ist Gas doppelt so effizient vom Brennwert her. Aber es muss ja in Druckbehältern transportiert werden. Im alten Forum wurde vor Jahren mal dieser Link mit einem Rechner in Excel rumgereicht, der mir sehr geholfen hat: https://happyhiker.de/gas-spiritus-brennstoff-kalkulator/

    Kurzgesagt: Im Sommer ist Spiritus unterm Strich für Touren/Etappen bis so 8-10 Tage leichter als ein Setup mit Gas.

    Nochmal kurz zur Bauweise des Beer can stoves: der Deckel muss ja gar nicht sauber ausgestochen sein, das spielt keine Rolle ausser für die Optik. Wichtig ist, dass man die Rillen einigermaßen gleichmäßig hinbekommt. Das geht mit einem Schweizer Taschenmesser mit ein wenig Übung.

    Topfständer kann man sich zB aus Kleiderbügeldraht zurechtbiegen.

    Von diesem Beer Can stove hab ich schon Dutzende gebastelt unterwegs. Ist einfach auch ein lustiges Geschenk an etwaige Mitwanderer*innen, die man so kennengelernt hat. Den, den ich mir damals auf dem PCT gemacht hab, hab ich immer noch. Funktioniert einwandfrei. Allerdings muss man wissen, dass diese Art von Kocher nur bei einigermaßen warmen Temperaturen gut funktioniert. Spätestens ab so +5 +10 wird es problematisch. Das liegt daran, dass der Kochtopf selbst auf dem Kocher aufsitzt und damit Kälte in den Kocher abgeleitet wird, bzw. genauer gesagt wird dem Kocher selbst Wärme entzogen, was den Brennvorgang sogar zum erliegen bringen kann.

    Die tetkoba Kocher brauchen in der Tat gutes Werkzeug, da man dabei sehr genau arbeiten muss, wenn man will, dass die auch wirklich gut funktionieren. Mein Favorit ist der eFrevo, geht am einfachsten, heisst er gelingt fast immer und hat ordentlich power. Man braucht aber halt auch noch einen Topfständer. Was aber nicht direkt ein Nachteil ist (siehe oben).

    Ich wollte auch mal noch ein paar Gedanken zur „Methode Durston“ loswerden. Ich nehme hier das Stratospire (SS) vs X-Mid als Beispiel, weil ich die Zelte persönlich kenne. Bin mir aber sicher, dass die Erkenntnisse auf andere Ausrüstung übertragbar sind. Durston geht her, sieht sich ein Zelt an und überlegt, wie er es verbessern kann. Konsequenzen daraus sind u.a. ein neues Material, Silpoly, sowohl für Boden als auch fürs Aussenzelt. Und entsprechend vermarktet er das auch. Er behauptet, das neue Material sei unterm Strich besser. Andere Hersteller ziehen nach und geben ihm damit letztlich ja auch recht. Tarptent hat da ganz klar einen Trend verschlafen, sich zu wenig um neue Materialien gekümmert oder es nicht gewagt umzustellen, da vielleicht auch erstmal gar kein Bedarf bestand, solange sich nicht genügend beschweren und es keine Alternativen gibt. Und so ist es Durston zu verdanken, dass wir jetzt eben auch ein Stratospire aus Silpoly haben. Boden weniger rutschig, weniger sag, weniger Wasseraufnahme. Das entsprechend zu Vermarkten ist sein gutes Recht.

    Dann macht er aber auch andere Dinge. Er erfindet eine neue Geometrie (ob es wirklich seine Erfindung war, sei mal dahingestellt). Und auch die preist er mit seinen Superlativen. Man muss aber auch genau hinhören, er schrieb damals so etwas wie „alles hat Vor- und Nachteile, die neue Geometrie ist einfacher [als das SS mit seinen Pitchlock-Ecken] und bietet gleichzeitig ein besseres Raumgefühl als ein herkömmliches Mid bei immer noch guter Windstabilität“. Was die Leute zu hören scheinen: es ist viel besser in jeder Hinsicht. Das hat er aber so nicht gesagt. Wer aufmerksam liest, sieht, dass er auch sagt, dass es nicht mehr so windstabil ist und er hat auch gar nicht behauptet, dass es geräumiger wäre als ein SS. Ich denke nicht, dass es seine Aufgabe ist, die Schwächen seinen Produkts hervorzuheben. Hier wäre es an Tarptent die Vorteile ihres Produkts mehr herauszustreichen. Ich verstehe, dass es schlechter Stil ist, eine direkte Konfrontation mit Durston zu suchen. Aber gar nicht zu reagieren, ist halt auch falsch in meinen Augen. Tarptent bzw Henry Shires scheinen sich ganz und gar auf die Reviews zu verlassen.

    Und hier haben wir dann das nächste Problem, dass in der Tendenz Neues fasst ausnahmslos bedingungslos abgefeiert wird. Es fördert halt den Umsatz und die eigene Beliebtheit. Man will schnell auf dem Markt sein mit seinem Urteil. Deshalb sind 90% aller Reviews von Leuten, die ein neues Produkt gerade vor fünf Minuten in ihrem Postfach gefunden haben. Mal überspitzt ausgedrückt. Die wirklich interessanten kommen dann mit Glück logischerweise erst ein Jahr später. Oder noch später. Dann erfährt man vielleicht, dass das SS tatsächlich deutlich stabiler im Wind steht. Was man immer noch nicht erfährt, dass allgemein die Schlechtwettertauglichkeit viel besser ist. Es tropft mir nicht gleich ins Innenzelt, wenn ich mal nicht aufpasse, ich hab mehr Platz, sowohl in den Apsiden als auch im Innenzelt. Mein Kopf ist nicht immer irgendwie ganz nah an einer der Wände, dadurch schlägt mir bei Wind auch nicht dauernd gleich was ins Gesicht. Letztlich ist das SS gerade mal 100g schwerer als das solid X-Mid mit allem drum und dran. Das X-Mid ist deutlich leichter, wenn ich in gemäßigtem Klima unterwegs bin. Das deckt sicher die Bedürfnisse von gut 90% der Kunden ab. Nur brauche ich halt unter solch milden Verhältnissen eigentlich gar kein vollständiges Zelt. Solche Reviews schreibt aber keiner. Und das ist nicht der Fehler von Herrn Durston.

    Aber ich hab eigentlich nicht so wirklich Lust auf die vielen Menschen im nördlichen Abschnitt...

    Du könntest ab Kvikkjokk auf den Nordkalottleden ausweichen. Auch hier würde ich aber nicht stur bei der offiziellen Route bleiben, sondern mich mehr westlich halten. Ich hab diesen Sommer eine Tour gemacht, bei der wir statt über Kungsleden und Hukejaurestugan via Unna Alakas nach Katterjåkk sind (also wir sind andersrum gegangen, aber das spielt ja keine Rolle). Die Strecke war sehr schön und wir haben nur sehr wenig Leute getroffen. Die norwegischen Hütten sind phantastisch. Allerdings war auch da wieder ein recht anspruchsvoller Pass zu meistern (Cáihnavággi Richtung Gautelis).

    Andrerseits ist der Kungsleden schon auch sehr schön, besonders, wenn man da noch nicht war. Auch ein Abstecher auf den Skierffe und den Kebnekaise ist sehr zu empfehlen.

    Vermutlich nicht, wenn es wirklich ein Virus war.

    Das gilt mittlerweile als ziemlich gesichert, dass es hierbei um kein verunreinigtes Wasser ging. Es konnte nichts gefunden werden. Dagegen wurde bei vielen Besuchern eben tatsächlich der Norovirus diagnostiziert. Dieser ist nun mal in seiner Natur extrem ansteckend. Die oft nicht ganz perfekte Hygiene auf den Hütten tut da ihr übriges und schon tragen es die Wanderer von Station zu Station, von Klohäuschen zu Klohäuschen. Vielleicht nur wenn man akribischst auf Sauberkeit achtet oder gar die Hütten und Kontakt zu anderen Wanderern komplett meidet, lässt sich daran was ändern.