Camino de Santiago – vollständige Wanderung in 4 Tagen Ende Februar

  • Ich bin erfolgreich den ganzen Camino de Santiago gelaufen, in vier Tagen, unsupported. Wie kann das sein? Nun ja, es gibt nicht nur Santiago de Compostela, sondern auch Santiago de Chile. Weiterhin gibt es die Insel Santiago als Teil der Galapagosinseln. Und eben eine Insel Santiago, die zu den Kapverden gehört. Meine Wanderung fand auf letzterer Insel statt. Obwohl die Insel die größte der Kapverden ist, hat sie nur einen Durchmesser von 54,9km, von daher sind vier Tage keine Meisterleistung, sofern man UL unterwegs ist.

    Kapverden bedeutet übersetzt „grünes Kap“. Ein Kap wiederum ist laut Wikipedia "eine auffällige oder scharfe Landspitze". Nun ja, eine Landspitze gehört zu Land, dabei sind die Kapverden eine Inselgruppe. Und grün waren sie auch nicht unbedingt, als ich da war. Mir hat es trotzdem sehr gut gefallen.

    Ich startete nachmittags in Tarrafal und wanderte die Küste entlang. Hier gibt es Fischer und ich wäre auch zum Fischen mitgenommen worden, wenn ich einen Tag gewartet hätte. Hier wird übrigens Thunfisch mit einer Angel "gefischt".



    Die Kühe haben nur vertrocknete Pflanzen zu fressen, keine Ahnung, wie das funktioniert.



    In der Nähe von Ribeira da Prata verbrachte ich meine erste Nacht. Glücklicherweise braucht man auf den Kapverden kein Zelt. Weder wäre es an den meisten Orten vom Platz her leicht, eins aufzustellen, noch würde es mit den Heringen Spaß machen.



    Am nächsten Morgen bog ich ins Inselinnere ab. Hier "besichtigte" ich eine Kiesgrube. Die Frauen erklärten mir, dass ich auf dem falschen Weg sei, die Straße nach Figuera das Naus sei woanders. Leider reichte mein Portugiesisch nicht aus, um ihnen zu erklären, warum ich nicht die Straße laufen wollte.

    Unterwegs gibt es immer wieder verlassene und halb verlassene Dörfer.


    Es wird felsiger…



    …aber zwischendurch ist es immer wieder grün, z.B. hier bei diesem gewaltigen Baum.

    Jegliches vorhandene Wasser wird aufgefangen und mit teils Jahrhunderte alten Bewässerungkanälen, teils modernen Plastikschläuchen, zu landwirtschaftlichen Flächen hin geleitet. Es gibt tausende kleine Terrassen, auf denen verschiedenes Gemüse, Zuckerrohr und tropische Früchte angebaut werden.

    Die Siedlungen sind extrem auseinandergezerrt, ich habe da keine Erklärung dafür.


    Entlang neu gebauter Straßen entstehen in Windeseile neue Häuser. Ökologisch bewusst wird nur die absolute Mindestmenge an klimaschädlichem Zement bei der Herstellung der Betonsteine verwendet. So werden die sonst langweiligen Betonfassaden mit Löchern aufgelockert, die sicherlich auch gut als Nistplätze für Vögel, und teils zur guten Ventilation, dienen können. Es war also gar nicht ärgerlich, dass der Wanderweg teils über neu gebaute Straßen verlief, mir wären diese architektonischen "Meisterleistungen" sonst entgangen.


    Noch ein Erlebnis von der Straße: Ich wurde gefragt, ob ich angeln gehen würde. Nein, es gab dort weit und breit keine angelbaren Gewässer. Ich brauchte etwas Zeit, bis ich begriff, dass die Frau, die mich das fragte, anscheinend dachte, meine in der Hand getragenen Trekkingstöcke seien Angelruten. ^^ Zu viele Wanderer kommen da bislang auf keinen Fall vorbei.

    Aber keine Sorge, es gab auch menschenleere Gebiete.

    Auch wenn Esel die LKW der Berge sind, manchmal sah ich auch Menschen mit sehr schwerer Last beladen.

    Wenn man noch ein paar Setzkartoffeln übrig hat, lohnt es sich, einfach ein Stück Wanderweg zu bepflanzen.

    Auf dem Pico de Antónia frage ich mich, ob die Träger des Gipfelkreuzes einfach zu erschöpft waren und deshalb beschlossen, es nicht bis zum Gipfel zu tragen, sondern einfach weiter unten anzubringen. Bevor es Fragen zum Thema Krawatte gibt, hier sind die Antworten:

    Wanderfalter
    23. Februar 2025 um 23:58

    Fast ganz auf dem Gipfel fand ich diese Marienkäfer, die sich hier überwiegend von Steinläusen ernähren.


    Ebenfalls interessant fand ich, wie es Tante Erna gelingt, hier eine einsame Tagetes zu kultivieren. Oder überlebt die etwa im Gegensatz zu fast allen anderen Pflanzen ohne besondere Pflege die Trockenheit?


    Von oben sieht man gut die Nachbarinsel Fogo, ein aktiver Vulkan, der zuletzt in 2014 die Häuser von ca. 1800 Menschen zerstörte.


    Die gepflasterten Straßen sind teils hunderte Jahre alt und wurden damals von Sklaven gebaut. Aber es werden auch immer noch neue Straßen gepflastert. Und auch wenn die Landschaft wild und so gar nicht nach einer Kulturlandschaft aussieht: Vieles hier ist vom Menschen gemacht. Das Gras wird gemäht, Bäume werden gezielt entfernt oder gepflanzt, um als Brennholz zu dienen.


    Hier ist es super trocken und es gibt keine Bewässerung. Trotzdem sind die Felder schon im März auf die Regenfälle im Sommer vorbereitet.


    Die frei umherziehenden Ziegen kamen mit den Menschen, die erst nach 1456 die Insel bevölkerten. Vorher gab es neben einer Fledermausart keine Säugetiere. Die Kapverden sind einer der wenigen Orte, an denen sich die Biodiversität dank der Menschen nicht verringert, sondern stark erhöht hat.


    Der Camino de Santiago endet in der Hauptstadt Praia und führte mich durch die ärmeren Vororte, wo viel Leben auf der Straße stattfindet. Teils wird vor dem Haus auf offenem Feuer gekocht, manchmal auch geschlachtet. Ich habe noch mehr Fotos von Schlachtungen innerhalb dieses kurzen Teilstücks gemacht, werde sie euch aber ersparen.


    In der Hauptstadt habe ich mir dann mal was gegönnt und für knapp 40€ für 2 Tage ein 180qm-Haus mit gutem Meerblick gemietet. Es kam samt Hausmädchen, das dann meine völlig verdreckte Wanderbekleidung waschen durfte. Ich habe bis jetzt nicht verstanden, warum es so billig war.

    Am nächsten Tag ging ich dann noch mal mit zwei jungen Frauen, die in Praia leben, auf eine Tageswanderung. Höhepunkt für mich war dieses gestrandete Schiff (ja, jetzt bekommt ihr doch noch ein unverpixeltes Foto von mir ;)):

    Auch der selbst am Sonntag menschenleere Strand Praia São Franciso, nur wenige Autominuten von der Hauptstadt entfernt, war für mich ein schönes Erlebnis.

    Dabei insbesondere das Höhlensystem in der Nähe.

    Zum Abschluss noch ein weiteres unverpixeltes Foto von der Wanderung:

    6 Mal editiert, zuletzt von Wanderfalter (16. März 2025 um 11:11)

  • Hast du im Zelt übernachtet oder in Unterkünften? Ist es recht einsam dort oder eher touristisch? Wie hast du die Tour ausgewählt und wie waren die Wege?

    Ich mache irgendwann noch mal einen Faden mit Infos und Tipps zum Wandern auf den Kapverden auf. Ein Zelt braucht es nicht, da es nicht regnet und es keine Moskitos gibt. Santiago ist, was Wandertourismus angeht, maximal einsam. Ich bin einfach weitestgehend der in der App Mapy (im Netz sollte es auch sichtbar sein) rot markierten Weg von Tarrafal nach Praia gefolgt, mit Umweg über Ribeira da Prata, Pico da Antonia und da ich vorher schon in Ribera Grande war, nahm ich den östlichen Weg, der kurz vor Praia endet, und verlängerte ihn weiter nach Praia. Die Wege waren sehr unterschiedlich, am Anfang der Tour ging es teils durch Gebüsch, meine Gamaschen sahen nach einem Tag Benutzung so aus:

    Danach waren die Wege gut begehbar, aber nicht gut ausgeschildert und ich musste teils aufpassen, nicht versehentlich irgendeinem Ziegenpfad zu folgen.

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