Bikepackingtour von Garmisch zum Gardasee

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  • Drei Jahre nach meiner letzten Ostern-Alpenüberquerung hab ich mich entschlossen, die Strecke auf einer anderen Route nochmal anzugehen. Von der Ausrüstung her habe ich seither viele Ausrüstungsdetails verbessert, aber darauf will ich hier jetzt nicht eingehen.

    Los ging es wieder mit dem frühesten ICE-Sprinter nach München und meinem im Rinko-Bag verpackten Gravelbike. Der Anschlusszug brachte mich dann bis Mittag nach Garmisch, und dort bin ich sofort auf der Via Claudia Augusta in Richtung Fernpass gestartet.

    Es gab noch sehr viele Schneereste und Sturzbäche, die meine Gravelroute überfluteten.

    Aber ich bin trotzdem gut vorangekommen, denn ich wollte es am ersten Tag noch bis ins Inntal schaffen.

    Nach ein paar Stunden konnte ich die Zugspitze bereits von Süden her betrachten. Aber leider erwies es sich in der Folge als unmöglich, die von Vielen so gerühmte Gravelroute zum Fernpass zu nehmen, denn die Passagen im Wald waren noch komplett verschneit. Mir blieb also nur die Auto-Passtraße, auf der ich mit 6 km/h eine kilometerlange Autoschlange hinter mir herzog, denn die Straße ist einspurig.

    Als der Pass genommen war, ging es wieder auf feinstem Schotter hinab ins Inntal, links von mir die Ötztaler Alpen.

    Allerdings wurde es - die Schneereste deuten darauf hin - gegen Abend immer kälter, sodass mir etwas bange um den Wärmerückhalt in der Nacht wurde.

    Direkt am Ufer des Inns habe ich in einem kleinen Auwald zwar einen optimalen Hängemattenspot gefunden, aber ich musste nachts alle verfügbaren Kleidungsstücke anziehen, um heilwegs ruhig schlafen zu können - und habe meinen Optimismus verwünscht, der mich die X-Therm zu Hause lassen und stattdessen die gelbe die X-Lite mitnehmen ließ.

    An nächsten Tag wurde es aber schnell wieder richtig warm, sodass kurzärmeliges Radeln angesagt war. Außerdem habe ich mir in Zams einen Helm gekauft, weil ich meinen (von einem Sturz angeknacksten) alten Helm zu Hause vergessen hatte.

    Am zweiten Tag stand auch der zweite Alpenpass an - der Reschenpass. Dafür hieß es Kräfte sammeln bei einer ausgiebigen Mittagsrast, die auch den noch klammen Schlafsack trocknen ließ.

    Den Pass erreicht man über einen kurzen Schlenker ins Engadin, und dann geht es über elf steile Kehren hoch zur Norbertshöhe.

    Hier war ich ziemlich froh über meine 40 - 51er Untersetzung. Es hat fast den ganzen Tag gedauert, bis ich schließlich auf der recht unspektakulären Anhöhe des Reschenpasses ankam.

    Auf der Südseite der Alpen gab es zwar fast keinen Schnee mehr, aber es wurde gegen Abend bitter kalt. Obwohl sich in der Gegend auf 1500 m ganz sicher ein Hängeplatz gefunden hätte, habe ich mich - eingedenk der Erfahrung im Inntal - dafür entschieden, nachts einen Gasthof aufzusuchen.

    Das Wetter blieb mir auch am kommenden Tag gewogen, aber er begann doch sehr kalt am berühmten 500 Jahre alten Kirchturm von Alt-Graun, den ein geschichtsbewusster Architekt vor dem Staudammprojekt des Reschensees gerettet hat.

    Fortsetzung folgt.

  • Der dritte Tag bestand aus purem Genussradeln, denn es ging fast die gesamte Zeit bergab die Etsch entlang.

    Noch auf der Passhöhe eröffnete sich ein spektakulärer Blick auf das Ortler-Masiv.

    Die Via Claudia Augusta führt komplett abseits der Autostraßen ins Tal.

    Am Nachmittag habe ich mir wieder eine ausgiebige Siesta gegönnt.

    Weiter unten im Etschtal war die Apfelblüte bereits in vollem Gang. Nach 110 km tat sich kurz vor der Dämmerung am Zusammenfluss von Etsch und Eisack ein perfekter Übernachtungsplatz auf - in dieser intensiv genutzten Kulturlandschaft ein kleines Wunder .

    Am letzten Tourtag blieben lediglich etwas über 100 km bis zum Gardasee. Allerdings ist hier die Strecke entlang des zunehmend breiteren Etschtals mitunter weniger abwechslungsreich. Aber man bleibt trotzdem fast immer vom Straßenverkehr verschont.

    Hinter Rovereto führt der Weg aus dem Etschtal raus, dann ging es noch einmal einige hundert Meter bergan, bis am Spätnachmittag der Gardasee erreicht war.

    In Torbole hab ich mir ein Zimmer genommen und erst mal durchgeschnauft. Gut zu wissen, dass solche Unternehmungen ohne irgendein Training immer noch möglich sind. Am Tag vor der Rückreise wollte ich nach Limone radeln. Wegen der Steilheit der Berge an der Westseite des Sees muss man dafür lange Strecken im Tunnel fahren. In der Zwischenzeit seit meinem letzten Aufenthalt hier vor drei Jahren ist ein komplett neuer Tunnel allein für Radfahrer und Fußgänger gebaut worden.

    Ich wunderte mich, dass ich hier ganz allein unterwegs bin - bis ich am Ende an einem vergitterten Tor ankam - der Tunnel ist noch nicht eröffnet. Ein Radler, der den gleichen Weg in die Sackgasse genommen hatte wie ich und kurz nach mir ankam, hat mir von einem Dörfchen oberhalb des Sees erzählt, wo er eigentlich hinwollte. Ich hab mich spontan anstecken lassen und bin dann ebenfalls noch einmal 530 Höhenmeter bis nach Pregasina geradelt - und wurde oben mit spektakulären Aussichten belohnt.

    Hier gehts zurück nach Torbole, das hinten rechts liegt.

    Und hier der Abschiedsblick am letzten Morgen auf dem Weg zum Bahnhof.

    Hier sind meine elektrischen Helferlein für Navigation, Luftpumpe, Beleuchtung und Bilddokumentation.

    Und hier mein aufgepacktes Radel mit den selbstgenähten Taschen. Für kommende Touren habe ich mir vorgenommen, noch weiter abzuspecken, bin aber insgesamt mit der Lastverteilung recht zufrieden.

    Danke fürs Ansehen!

  • Danke fürs Mitnehmen! Die Via Augusta Claudia steht auch auf meiner Wunschliste, ich würde so gerne mal wieder über die Alpen. Und witzig, vor Ur(schwerlast)zeiten habe ich auch schon auf der Rückreise von Wien-Venedig am Zusammenfluss von Eisack und Etsch wildgecampt, allerdings im Zelt. Damals ging es aber nicht über den Reschen, sondern über Ofen- und Julierpass.

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