11. STF Sylarna – STF Storulvan (16,9 km) 336m rauf - 652m runter
Montag, 19.08.24
Wetter: heiter, windig und kalt
Um 06:30h ist bereits Bewegung im Zimmer. Zwischen aufwachen und sofort zum Frühstück stürmen vergehen nicht mal 5min. Und so liege ich kurze Zeit später wieder alleine im Schlafzimmer und habe meine Ruhe. Der Wetterbericht verspricht für die kommenden Tage nichts gutes. Wind bis 100km/h plus Böen und aufkommenden Regen. Heute ist Montag und der Flieger geht erst am Donnerstag. Noch dazu missfällt mir der Umstand, von hier aus in die nächste Hütte zu Wandern und dann im strömenden Regen die letzte Etappe zu bestreiten. Ich muss mir also noch etwas überlegen. Heute startet der Tag allerdings wie versprochen mit Sonne.
*Blick aus dem Schlafzimmer
Ich nutze die Zeit alleine im Zimmer um in Ruhe meine Sachen zu packen. Anschließend besorge ich im Shop noch etwas Proviant und begebe mich dann in ein anderes Gebäude gegenüber, wo im EG die „Selbstversorgerküche“ zu finden ist.
*Selbstversorgerküche im Nebengebäude
Während ich da so sitze und frühstücke, kommen mehrere Leute vorbei, um sich heißes Wasser zu zapfen oder Sachen aus dem Kühlschrank zu nehmen. Niemand bekommt seine Zähne auseinander für ein freundliches Guten Morgen oder eine andere Art der Begrüßung. Keine Gespräche, keine Interessen, nichts dergleichen. Es ist wirklich befremdlich. Aber was solls.
Vor der Fjällstation mache ich noch Fotos vom Sylarna bei Sonnenschein, gratuliere meiner Mum zum Geburtstag und dann geht es los.
*Sylarna bei Sonnenschein sieht schon netter aus als gestern
Ich gehe hinter den Häusern weiter, einfach weil es in dem Moment der kürzere Weg ist. Hier lagern Berge von Müll, verpackt in große BigPacks, welche auf die Abfuhr per Heli warten. Auch das gehört zur Wahrheit dazu, wenn so ein Luxuriöses Leben hier draußen, mitten im nichts ermöglicht wird.
*Blick hinter die Kulissen
*Blick zurück auf die Sylarna Fjällstation
Meine Gedanken vom Morgen, bezüglich der weiteren Reise beschäftigen mich noch immer. Das Wetter ist heute, bis auf eisigen Wind, sehr schön. Gerne würde ich das ein letztes Mal für eine Nacht im Zelt nutzen, aber bei 100km/h Wind sollte das gut überlegt sein.
Bei einer kleinen Rast an der Gamla Sylen Schutzhütte zücke ich erneut die Karte. Ich könnte an der nächsten Weggabelung den Kungsleden verlassen und mich Richtung Storulvåns Fjällstation begeben. Dort haben die Flüsse Stor-Ulvån und der Handölan ein breites Tal in die Landschaft gegraben, welches durch die vorgelagerten Berge perfekt vor dem drohenden Sturm geschützt liegt. Zeit ist genug und einen Versuch ist es Wert. Sonst wird weiter improvisiert.
*Schutzhütte Gamla Sylen
Gesagt, getan. An der nächsten Gelegenheit verlasse ich den Hauptweg und befinde mich kurze Zeit später im Quellgebiet des Enan. Schön ist es hier. Im Hintergrund kann man sowohl den Berg Helags als auch Sylarna erkennen.
*Quellgebiet des Enan mit Helags und Sylarna im Hintergrund
Aber auch die Tatsache, dass man sich nun mitten im Jämtlands Dreieck befindet, wird mit jedem Schritt deutlicher. Die Mitreisenden auf den Wegen nehmen zu und es ist nicht mehr mit den völlig vereinsamten Wegen der vergangen Tage vergleichbar. Ab der RH Spåime ähnelt es eher einem Wochenendtag in Torfhaus/ Harz. Aber nun gut, da muss ich durch.
*Schutzhütte Spåime
Schon bald ändert sich wieder das Landschaftsbild und die ersten Birken tauchen auf. Auch die angekündigten Wolken kommen immer näher und haben den Wind im Gepäck.
*Lill-Ulvån
Ich mache mir ein Bild von der Umgebung und finde beim Abstieg ins Tal links des Weges eine wiesenähnliche Fläche zum Campen. Hinter mir ein schützender Hain aus Birken, auf der anderen Seite der Wiese, unweit vom Camp, der Stor-Ulvån. Der moosige Grasboden ist etwas sumpfig, aber das Groundsheet wird es schon richten.
Ich richte mich ein und erledige die alltäglichen Dinge des Abends. Die alte Feuerstelle wird fit gemacht und ein kleiner Vorrat an Holz beschafft. In der Nähe der Fjällstation finde ich eine alte Wegbohle, welche mir als Sitzgelegenheit dient. Als das Feuer brennt, schreibe ich meinen Tag im Buch nieder und genieße die vielleicht letzte Nacht draußen in der wunderschönen Natur. Bei 10° Außentemperatur brauche ich mich heute um kalte Füße nicht zu sorgen.