Santo Antão ist die beliebteste Wanderinsel Kapverdens. Hier hatte ich schon mal was zu Kapverden allgemein geschrieben:
Wandern auf den Kapverden: Afrika für Angsthasen & arme Anfänger
Und hier zu meiner Wanderung auf der Insel Santiago:
Camino de Santiago – vollständige Wanderung in 4 Tagen Ende Februar
Nachdem ich Santiago durchwandert hatte, flog ich nach São Vicente (Mindelo), um von dort aus die Fähre nach Santo Antão, DER Wanderinsel Kapverdens zu nehmen. Von einer Frau, mit der ich einen Tag auf Santiago wandern gegangen war, hatte ich einen GPX-Track zur Inseldurchquerung bekommen, den sie selbst erstellt hatte, und dem ich größtenteils folgte (127km, 13918m hoch und weider runter). Der Track ist hier weinrot markiert.
Es gibt aber auch einen markierten, ähnlich verlaufenden Weg, den „Percurso Principal“, auf Deutsch „Hauptroute“.
Gegen Abend kam ich in Santo Antão an. Nachdem ich es schaffte, den nach Fährankunft in Porto Novo direkt neben der Fähre abfahrenden Bus zu verpassen, fragte ich einen Mann, wann der nächste Bus nach Cidade das Pombas gehen würde. Dem Mann gehörte ein Hotel, und er bot mir an, günstig in seinem Hotel zu übernachten, da es vermutlich keinen Bus mehr geben würde. Dann fragte er alle möglichen Leute, ob sie wüssten, wie ich noch zu meinem Ausgangsort kommen könnte, aber keiner konnte helfen. In vielen anderen Ländern wäre ich einfach ins Hotel gelockt worden, selbst, wenn es noch Busse gegeben hätte. Ich wurde von mehreren Personen gewarnt, Menschen aus Kapverde seien zwar sehr nett, sie würden es jedoch aus Berechnung machen. Alle, denen ich meine Handynummer geben würde, würden mich in den kommenden Monaten kontaktieren und nach Geld fragen. Niemand hat mich bis jetzt wegen Geld kontaktiert. Auch sonst waren meine Begegungen mit echten Einheimischen stets positiv.
So wurde ich auch gleich noch von einem Bauern zu meinem Startpunkt mitgenommen, nachdem ich den Tramperdaumen rausgetreckt hatte, siehe auch Krawattenfaden:
Zehn Gründe, warum du beim Ultraleicht-Wandern immer eine Krawatte tragen solltest
ultraleicht-trekking.de/attachment/7524/
Windrichtungsanzeiger: Wer hat nicht schon mal seinen Shelter falsch aufgestellt und dem Wind unnötig Angriffsfläche gegeben? Mit Krawatte ist das vorbei. Einfach leicht vornüberbeugen und schauen, in welche Richtung die Krawatte flattert. Sie ersetzt gleichzeitig den Windmesser: Je mehr…
Er hatte einige wenige (2?) Jahre illegal in den USA gearbeitet und sich von seinem dort erarbeiteten Vermögen Felder, mehrere kleine Geschäfte, eine Wohnung, und natürlich einen Pickup-Truck gekauft. Er sprach super Englisch, was die Kommunikation erleichterte. Als er mich absetzte, war es schon später Abend. Aber schon bevor ich den Siedlungsbrei verlassen hatte, fand ich einen guten Schlafplatz am Wegesrand. Wie schon in den anderen Fäden erwähnt, konnte ich mich auf den Kapverden immer einfach hinlegen und schlafen. Kein Regen, keine Mücken.
Am nächsten Morgen ging es hoch...
...zum Cova-Krater, der einzigen mir bekannten größeren landwirtschaftlich nutzbaren Fläche auf der Insel, die flach ist.
In der feuchteren Jahreszeit, wenn alles grün ist, muss alles noch viel schöner aussehen.
Ich finde die Formen der Felder (oder sollte man es eher Beete nennen?) und die gewaltige Arbeit, die hier investiert wird, faszinierend.
Laut mehrerer Einheimischer gibt es keinen Streit um das knappe Gut Wasser. Kann ich mir kaum vorstellen, aber wenn es stimmt, großartig.
Auch dieses Rinnsal ist ein Feld, die Pflanzen sind Colocasia esculenta (Taro), wovon man hauptsächlich Knollen (Rhizome) isst, die bis zu 24,5kg schwer werden können. Die Pflanze wird noch deutlich größer, an perfekten Standorten hat sie bis zu 1,80 m lange Blätter.
Gegen Abend kam ich nach Ribeira Grande. Ich erinnerte mich daran, dass der Bananenfarmer hier in der Nähe wohnte, also rief ich ihn an. Er freute sich sehr und so bekam ich noch eine mehrstündige abendliche Führung verschiedener Felder, des Dorfes, seines Lagerhauses und eines seiner Geschäfte, mit verschiedenen Verkostungen. Seitdem hat mein Hemd für immer Flecken vom Saft der Bananenstauden. „Bananensaft schafft Fleckenkraft!“
Ich hatte erwartet, auch für die Nacht eingeladen zu werden, doch irgendwann setzte er mich dann ab und ich machte mich, schwer beladen mit geschenkten Bananen, schon wieder im Dunklen an der Küste entlang auf den Weg. Nach der sehr interessanten Tour (keine Führung hätte so gut sein können) hatte ich wieder Energie und so machte es mir nichts aus, dass ich noch eine Weile laufen musste, bis ich einen Schlafplatz fand. Man braucht hier schon ein bisschen Grundvertrauen, dass irgendwann ein akzeptabler Schlafplatz kommen wird.
Man beachte die große Wasserflasche. Da es (nur teils!) billiger war, so eine große Flasche zu kaufen, als mehrere kleine, trank ich erst mal maximal viel Wasser, füllte dann um, hatte aber erst noch ca. einen halben Liter übrig und dann keinen Mülleimer.
Vorbei an einem Sticker vor Fontainhas, siehe auch hier:
Sticker-Sichtungen
ultraleicht-trekking.de/attachment/7610/
Habt ihr auch schon Sticker-Sichtungen erlebt? Wenn ja, würde ich mich sehr über Fotos freuen.
Hier noch ein Foto, auf dem es mir gelang, den Sticker mitten ins Bild zu bekommen. Fontainhas, Santo Antao, Kapverden.
ultraleicht-trekking.de/attachment/7608/
...und Fontainhas...
...ging es am nächsten Tag entlang der Küste...
... und wieder ins Inland. Am Tag darauf ging es wie gewohnt weiter.
Ich freute mich jedes Mal, Blüten zu sehen, und habe eine ganze Fotosammlung davon. Fast alles vertrocknet, aber manche Pflanzen blühen trotzdem, was für ein Kontrast.
Diese, teils sehr hohen, Lavasäulen gibt es an mehreren Stellen der Insel. Mir ist es auf Fotos leider nicht so gut gelungen, sie festzuhalten.
Wieder einen Tag später bestieg ich den Topo da Corona, 1979 m hoch (auch Tope de Coroa genannt, dann 1.982m hoch
)
Als ich wieder unten war, traf ich eine deutsche Gruppe, die den Berg am nächsten Tag besteigen würden. Sie hatte viel Gepäck dabei und einen Reiseleiter (Uwe), sowie einen einheimischen Helfer. Ich hatte nach dem Berg noch die Kraft, 5 Stunden weiterzuwandern, während die anderen Deutschen ihre Quartiere bezogen und nur noch eine Käserei besuchten.
Ich empfehle, den Reisebericht an einem größeren Bildschirm zu lesen, am Handy sieht man Details nicht. Hier z.B. grasen zwei gut getarnte Esel.
Am letzten Tag meiner Wanderung ging es wieder die Berge runter. Nerven euch die braun-grauen Farbtöne eigentlich inzwischen? Mir geht es gerade so, beim Wandern fand ich sie glücklicherweise sehr schön.
Jetzt hatte ich die Möglichkeit, den Tope de Coroa von unten zu sehen. Hier kann man auch erstmals anhand der Wolken erkennen, dass der Berg etwas höher ist.
Am Ziel, Costim Pereira, angekommen, gab es, wie könnte es anders sein, wieder keinen Gemeinschaftstransport zurück nach Porto Novo. Und da der nächste Tag Feiertag sei, würde auch am nächsten Morgen kein Bus gehen. „Sei einfach in einer halben Stunde hier“ sagte mir ein Mann. Ein Hotel bot mir noch an, dass ich mich kostenlos waschen konnte (vielleicht hatten sie Mitleid?) und schon kam der Mann, der mir sagte, ich solle in einer halben Stunde dort sein, mit seinem Auto vorbei, und nahm mich für den Preis der Busfahrt nach Porto Novo mit, wo er sowieso hinwollte. Die Fahrt mit dem Auto ging dann sicherlich schneller und komfortabler als mit dem Bus.
Für Porto Novo buchte ich mir mit Booking.com ein Hotelzimmer. Doch als ich ankam, war es aus Versehen schon ausgebucht und ich wurde an ein anderes Hotel verwiesen, was dann auch voll war. Bei Booking war auch nichts Bezahlbares mehr verfügbar. Doch beim dritten Hotel, an das ich verwiesen wurde, hatte ich Glück, und bekam sogar noch für dortige Verhältnisse ordentliches Frühstück.
Am nächsten Morgen ging es mit der Fähre zurück auf die Insel São Vicente. Ich hatte meinen Urlaub so geplant, dass ich pünktlich zum Karneval zurück war. Und der war absolut spektakulär! Man konnte sehr nah an den Umzug dran und die Atmosphäre war großartig. Fast alle Besucher waren Einheimische, sodass ich noch viele Einheimische und aus Kapverden Ausgewanderte kennen lernte und mit ihnen feiern konnte. Ein wunderschöner Abschluss meiner Kapverdenreise.
Ich werde auf jeden Fall zurückkehren. Nach Möglichkeit in der Regenzeit, wenn alles grün ist.