Ich hatte Sehnsucht nach Bergen, aber nur einen Tag Zeit ... und da ich eh nach München musste, stieß ich bei meinen Recherchen für eine mögliche Tour auf den Mittenwalder Klettersteig. Ein Grat-Klettersteig im westlichen Karwendelgebirge, das klang in meinen Ohren sehr gut.
Ich fuhr also um 04:51 mit dem Zug von München nach Mittenwald (Fahrzeit ca. 2 h). Gegen 07:30 hatte ich mich dann auch endlich mal fertig sortiert und begann den Aufstieg... im strömenden Regen.
Der Weg führte mich durch durch den Wald immer weiter nach oben. Nach ca. einer halben Stunde war ich bereits pitsch nass bis aufn Schlüppa, weil ich der Meinung war, ein neues Regensetup testen zu müssen. 😅
Der Weg war wirklich schön, aber Aussicht hatte ich leider keine. Mit der Zeit wurden die Bäume immer weniger und es wurden immer mehr schroffe Felsen sichtbar.
Je weiter nach oben ich kam, um so nebliger wurde es...
... aber die Natur meinte es gut mit mir und gab doch immer mal wieder die Sicht frei auf die umliegende Landschaft.
Gegen 12:30 hatte ich den größten Teil des Aufstiegs geschafft umd kam an der Station der Karwendelbahn und am Karwendelbräu, eine kleine Brauerei mit Restaurant, an.
Die Aussicht... gleich null... hervorragend... immerhin sagte die Karte vor mir, was ich theoretisch sehen könnte, wenn die Natur es denn wollen würde 😅
Ich machte hier eine Pause und stärkte mich für den bevorstehenden Klettersteig, war aber auch recht schnell genervt von den ganzen Menschen, die sich von der Gondel haben hochfahren lassen, so dass ich gegen 13:30 meine Tour fortsetzte und startete den ersten Klettersteigteil, der zwar recht kurz war, aber mir dennoch schonmal einen guten Einblick gab auf das, was mich noch erwarten würde.
Ich war auch nich allein, sondern hatte etwas Gesellschaft.
Nun kam ich zum zweiten Teil des Klettersteigs... jetzt ging es richtig los mit der Kraxelei... und mit dem Regen...
Ich befand mich ca. 20 Minuten im Klettersteig, als ichs aufeinmal in der Ferne donnern hörte... Scheiße, was was das denn, Gewitter war doch garnich angesagt... ich lauschte... wieder Donner... und diesmal schon deutlich dichter... das Gewitter rückte immer näher. Bei Gewitter wollte ich überall sein, aber auf keinen Fall in einem Grat-Klettersteig. Auch wenn es mir sehr schwer fiel, entschied ich mich an der Stelle abzubrechen und kehrte um so schnell ich konnte, denn auch wenn ich das Abenteuer liebe, war mir bewusst, dass Gewitter im Klettersteig Lebensgefahr bedeutete.
Ich war zurück am Beginn des 2. Teils, dort gabelte sich der Weg und ich hatte dort die Möglichkeit, direkt ins Tal abzusteigen... ich lauschte weiter nach dem Gewitter, da das Donnern auf einmal wieder leiser wurde, prüfte ich das Wetter sowohl über meine Wetterapp, als auch über mein Garmin Inreach Mini. Das Gewitter zog immer weiter weg und ich brachte es nich fertig, den Abstieg anzugehen... ich kam doch für den Klettersteig... ich überlegte hin und her... hin und her... auf der einen Seite wollte ich unbedingt diesen Klettersteig machen, aber ich wollte auch nich leichtsinnig sein und mein Leben riskieren. Ich schaute in den Himmel und sah, dass es wieder deutlich heller wurde, daher entschloss ich mich, es nochmal zu versuchen und stieg zurück in den Klettersteig ... zum Glück... denn der Regen verzog sich und klatsch nass kletterte ich dort nun also fröhlich am Grat rum und freute mich des Lebens.
Der Klerttersteig war wirklich beeindruckend und hat sehr viel Spaß gemacht. Durch das Wetter, welches der handelsübliche Wanderer wohl ehr als "schlecht" bezeichnen würde, hatte ich den Klettersteig für mich und konnte in Ruhe rumspielen 🤪
Die Schilder und Kreuze auf meinen Weg zeigten jedoch, dass das hier kein Spielplatz ist, sondern dass hier auch immer wieder Unfälle passieren, die leider auch oftmals tötlich enden.
Die Natur ist gnadenlos und verzeiht keine Fehler, also immer schön vorsichtig weiter gehen.
Immer wieder, manchmal nur für 2-3 Minuten, lichtete sich der Nebel und ich konnte die beeindruckende Ladschaft um mich sehen. Fernblick jedoch hatte ich leider nich, aber vielleicht auch gut, weil ich sonst aus dem Staunen und Fotos machen garnich mehr raus gekommen wäre.
Die Landschaft war wirklich episch und durch den vielen Nebel wirkte alles total mystisch, ich mag das sehr.
Vorallem die Grat-Kletterei hat mir sehr viel Spaß gemacht, auch wenn die Sicht meist recht begrenzt war.
Nun hatte ich so langsam aber sicher die Zeit im Nacken zu sitzen... ich musste mich ranhalten, denn der Abstieg war lang und hart. Es war alles nass, rutschig und mittlerweile regnete es auch wieder... und wieder wurde ich pitsch nass... diesmal hielt der Regen auch an, bis ich im Tal ankommen würde, das bedeutete, 3 Stunden dauerregen...
Kurz vor Mittenwald hörte es endlich auf zu regnen und ich hatte nochmal einen schönen Blick auf die umliegenden Berge.
Total fertig, aber glücklich erreichte ich gegen 22:15, also nach fast 15* Stunden, 19,6 km und ca. 1700 Höhenmetern den letzten Zug, der mich zurück von Mittenwald nach München fahren würde.
Was für eine wahnsinns Tour.
Der härteste Teil der Tour war definitiv die Rückfahrt nach München, da ich nich nur todesmüde war, sondern auch nasse Klamotten anhatte. Mir war so schweinekalt, aber half ja nix. Im Hotel gönnte ich mir noch ne heiße Dusche, kuschelte mich danach in mein Bett und schlief ratz fatz ein.
Ich werd den Klettersteig auf jedenfall nochmal bei schönem Wetter gehen, auch wenn dann weit mehr Menschen unterwegs sein werden. Wer von euch mal in der Region sein sollte, dem empfehle ich definitiv, sein Klettersteigset einzupacken und die Tour zu machen. 🤩
*meine Uhr zeigt 14 h an, weil ich während meiner Pause im Karwendelbräu die Aufzeichnung pausiert hatte, tatsächlich war ich aber fast 15 h unterwegs.