Ich habe des Öfteren den subjektiven Eindruck gewonnen, dass man durch [ich nenne es in diesem Kontext mal] "Bedürftigkeit" anderen ermöglicht, großzügig zu sein. (Mutmaßlich) viele Menschen helfen gerne und bieten gerne Hilfe an, im persönlichen Umgang miteinander -- zumal, wenn sie sich die Großzügigkeit "leisten" können ["Du brauchst einen Platz zum Schlafen? Ich habe einen Platz frei.", "Du hast Durst? Ich habe ein warmes/kühles Getränk für dich übrig.", "Du musst von A nach B? Ich fahre in dieselbe Richtung, ich nehme dich gerne mit."].
Wenn Menschen am Ende nicht das Gefühl haben, ein "Opfer" gebracht haben zu müssen, sondern Hilfe angeboten zu haben, weil sie gebraucht und angenommen (!) wurde, hinterlässt das bei vielen einen bleibenden, positiven Eindruck; auch für den eigenen wahrgenommenen Selbstwert.
Hilfe geben und Hilfe empfangen resultiert bestenfalls in einer Win-Win-Erfahrung. In einer stark individualistisch, selbstbestimmten Zeit/Gesellschaft kann es für einige eine lebensverändernde, bereichernde Erfahrung sein, am eigenen Leib zu erfahren, was es bedeutet, wenn„the trail provides“.
Dieser Prozess kann auch Teil eines Learnings sein, bei dem es darum geht, seine eigene Hilfsbereitschaft zu entwickeln, indem man erfährt, was es bedeutet, wenn einem selbst geholfen wird.
Früher habe ich häufiger gehört "Die Italiener (Ungarn, Spanier, Serben, etc. etc.) sind so gastfreundlich und hilfsbereit ..." und passende Urlaubs-Anekdoten dazu. Im eigenen Alltag ist das meiste eben save, gut im Voraus geplant, klar geregelt. Ich weiß, dass ich morgens ins Auto X oder in Bus Y steige, und wann ich wie von A nach B komme. Da muss ich i.d.R. keinen um Hilfe fragen. "Unterwegs" zu sein bedeutet auch, sich vertrauensvoll für das Unbekannte zu öffnen, und bereit für "Segen" (in welcher Form auch immer) zu sein. Besonders durch das Wandern in Deutschland habe ich erfahren, dass auch "die Deutschen" sehr freundlich, aufgeschlossen und hilfreich sind und gerne helfen -- ebenso, wie es mir über Landsleute anderer Nationen berichtet wurde.
Wir sind eine [Menschen]Familie; das lernt man unterwegs -- wenn man es nicht bereits vorher wusste.
Nach einem Trip vor gut 12 Jahren, bei dem ich mich von Freunden "irgendwo" in Italien mit Rucksack und Zelt habe aussetzen lassen, und dann drei Monate lang "gepilgert" bin, hat sich in den allermeisten Fällen das geflügelte Wort bestätigt:
A stranger is a friend you haven't met yet.
Das war die Erfahrung, die ich mir damals wohl (unbewusst) gewünscht hatte, und ich habe sie sozusagen durch Vertrauen auf Gutes in/im Unbekannten "kreirt".
Just my 2 cents.