Interessant ist ja immer erstmal, warum etwas ist - ehe man in ein wie es sein soll abtaucht.
Selbst auf der Metaebene sind die Gründe für schrumpfende Vereine bereits mannigfaltig.
Verschiebungen auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene - Gesellschaft und Schichten sind durchlässiger geworden, die großen, identifikation stiftenden Cleavages geschrumpft etc.
Das macht den Bogen gleich noch größer über Vereine hinaus. Denn Kirche, Gewerkschaften, Volksparteien etc. alle mit ähnlichen Problemen - aus ähnlichen Gründen. Identifikation und Zugehörigkeit entsteht heutzutage oftmals anders - und ist deutlich fluider, man kommt eben nicht mehr in x-ter Generation aus einer SPD-Arbeiter, oder Kirchen- oder eben Wandererfamilie.
Festlegen, Definieren Binden etc. auf Dauer passt da schlicht nicht mehr so gut in's Selbstbild und Konzept.
Und dazu ist die Notwendigkeit auch viel geringer, wenn es darum geht, Gleichgesinnte zu finden. Lose Verbände wie Trainingsgruppen gewinnen in vielen Sportarten regen Zulauf - werden sogar von den großen Marken befeuert und kommerzialisiert (e.g. Marke XY running group etc.). Die Vernetzung macht es einfach, auch im kleinsten Kaff noch ein paar Crossfit-Dödel zu finden, die mit einem gemeinsam abends das Kinderspielplatzklettergerüst missbrauchen. Einen Verein braucht es da für das Benötigte schlicht nicht - und verkompliziert und bürokratisiert allenfalls.
Wenn man dem entgegenstehen will, muss man sich überlegen, was auf der Haben-Seite eines Vereins steht.
Perks wie Örtlichkeiten, Trainingsräumlichkeiten, günstiges, angeleitetes Training etc. sind da die offensichtlichsten.
Oftmals aber auch, dass der eigene Nachwuchs gleich mit untergebracht und beschäftigt werden kann (mehr dazu unten).
Ist ja auch schon mal was, zu wissen, dass es ein generelles Problem ist und nicht unbedingt nur an einem selbst, bzw. dem eigenen Verein oder der Thematik liegt. 
Das kann ich auch aus der praktischen Beobachtung von- und Mitgliedschaft in anderen Vereinen noch mal unterstreichen.
Überalterung, seit geraumer Zeit sinkende Mitgliederzahlen aka wegsterben, zu wenig aktive, zu viel passive Mitglieder - und die Arbeit lastet stets auf zu wenigen Schultern.
Selbst der DOSB wird dann doch auch langsam mal unruhig und hat gerade erst Millionen in die Hand genommen, um Neumitgliedern von Sportvereinen die Mitgliedschaft zu bezahlen
https://www.dosb.de/themen/mensch-und-sportverein/restart
Mich würde brennend interessieren, wie die Langzeitwirkung ausfällt - ich würde vermuten gering.
Da wäre schon fast interessant, bei welchen Vereinen das beschriebene Bild anders aussieht, um best practices abzuleiten.
Hast Du Dich da mal umgesehen, ob es im Wanderbereich Leuchttürme gibt - und was die anders machen?
Die DAV Versicherung wurde ja bereits so oft angesprochen, dass klar ist, dass das mit das einzige ist, was viele Wandervereine für Autarkie-liebende UL-Wanderer zu bieten haben. Ich hatte mich hier noch mal umgesehen - ein paar Rabatte für Boulderhallen etc., das war's dann aber auch schon.
Kursangebot - nicht uninteressant - aber gereicht, mich da mal konkret umzuschauen hat's in all den Jahren ja auch nicht.
Damit wird's dann auch schon beliebig, wo ich für die Versicherung Mitglied werde, wenn's mir gar nicht um den Verein selbst geht.
War zudem erstaunt, wie unterschiedlich die Beitragshöhen etc. bei den DAV Ortsgruppen waren. Dazu noch jeweils völlig unterschiedlich aufgebaute, grauenvolle Homepages - nicht unbedingt ein motivierender Erstkontakt, der nach mehr in Person schreit.
Und - als Flachlandtiroler mit den hier treffend betitelten Urlaubsvereinen, hunderte Kilometer entfernt von der ersten, nennenswerten Erhebung, mangelt es einem auch schlicht an Phantasie, was man hier vor Ort mit den Vereinspappnasen (pardon) anstellen soll. Ist ja nicht so, dass da noch endlos Platz im Alltag wäre.
Dazu vielleicht neben dem Meta Aufschlag und dem n=1 Einblick aus der Egoperspektive noch ein paar praktische Erkenntnisse aus dem beruflichen Kontext als Drübersteuer: Ich habe die letzten Jahre auch immer mal strategisch mit einigen Vereins-Dickschiffen bis hin zu den gelb-schwarzen Automobillobbyisten, die teilweise auch als Verein mit Regional- und Ortsgruppen strukturiert sind, an genau solchen Thematiken gearbeitet - denn die werden langsam alle unruhig. Ist ja simple Extrapolation, wann das ganze (noch) dysfunktional(er) wird und wie ein Kartenhaus zusammenfällt.
Gewisse Analogien zum DAV lassen sich nicht leugnen. Auch da werden fast alle wegen der Versicherung Mitglied. Die Meisten wissen nicht mal, dass es sich um einen Verein handelt - geschweige denn, dass es da sowas wie Regional- oder Ortsgruppen gibt, und können sich nicht mal vorstellen, was man da mit den anderen Diesel-Dieters eigentlich überhaupt anstellen soll.
Abstrakt gehalten: Funktionieren tut der Zulauf am ehesten noch dort, wo die Ortsgruppen noch lebendig und einigermaßen im Leben stehend sind - und vor allem, wo es gelingt, mit entsprechenden Angeboten bereits Familien und die Jüngsten an den Verein zu binden. Ist eine Ortsgruppe erstmal überaltert, ist da meist Hopfen und Malz verloren. Das tut sich kein jüngerer an. Und auch bei den Uraltmitgliedern heißt es zwar immer, man wünscht sich ja so sehr Neuzugänge - aber wenn dann jemand mal versucht, an überkommenem zu rütteln, wird schnell klar, dass es mit dem Veränderungswillen meist nicht so weit her ist - und die Beharrungskräfte groß und ermüdend.
In diesem Sinne - viel Erfolg - und im Zweifel auch die Erkenntnis, mit den eigenen Ressourcen zu haushalten. Nicht jede Ortsgruppe ist zu retten - vielleicht im Zweifel ggf. auch einfach lieber die etwas vielversprechendere nebenan.