Wir genießen den Morgen im wunderschön lichten Nadelwald

und machen uns auf den Weg Richtung Beycik und den Tahtali Dagi.
Als wir an einige Straßenkehren bergauf kommen, spielen wir das beliebte - 'ich kürze querfeldein ab, das ist schneller' - 'Ich lauf die Kehren, das ist schneller' Hase-und-Igel Spiel.
Als ich nach meinen Abkürzungen wieder auf der Straße lande, schmunzle ich als Igel und Erster kurz, Recht behalten zu haben, staune aber, den Hasen noch nicht mal sehen zu können.
Als ein Auto von hinten naht, staune ich nicht schlecht, als selbiger dort bereits drin sitzt - und mich dazu winkt.
Zwei türkische Wanderer, die ebenfalls auf den Tahtali Dagi wollen, haben angehalten und ihn eingesammelt - und so geht es anstelle auf der Straße entlang zu Fuß nun motorisiert bis zum Zustieg.
Der Aufstieg durch altehrwürdige Zedern voll silbernem Moosbehang ist wirklich hübsch, wir plaudern, so gut es auf Englisch geht mit den Beiden, die schon öfter oben waren, verpflegen uns kurz mit einem Snack an einer homestay-Artigen Holzkonstruktion am Wegesrand noch mit Gözleme und Cai - und kraxeln weiter.



Wilde Pfingstrosen - laut unserer Mitwanderer wohl sowas wie eine türkische Nationalblume und unter höchstem Schutz.




Als es langsam geröllig und baumlos wird, wird es leider auch schlagartig diesig. Der Tahtali Dagi hüllt sich als höchste Erhebung in der Gegend und nah am Meer leider gerne mal in Wolken.


Mit Schnee hatten wir auf dieser Tour wahrlich nicht gerechnet!


Und so bleibt es leider auch. Bis oben, lange und länger, bis wir keine Lust mehr haben, oben an der Gondelstation auszuharren und auf Sicht zu hoffen.
Und so hätten wir das gemeinsame Gipfelfoto auch zu Hause vor der weißen Tapete machen können, der Hintergrund hätte nicht anders ausgesehen.
Viele scheinen nicht gerade zu Fuß zu gehen, werde ich als einer der wenigen mit Schuhen, die tatsächlich einen Trail berührt haben doch aufgefordert, in der Gondelstation mit Aussichtspunkt, Restaurant, Shop etc. die Einwegüberzieher überzuziehen, um den blank gewienerten Steinboden zu schützen. P. mit seinen Lunas bleibt da als des Wanderns unverdächtig unter dem Radar 

Wir verabschieden uns von unserern Mitwanderern und steigen wieder ab. Etwas scheint es aufzuklaren, so ist es ja immer, aber viel ist es nicht, und so marschieren wir ohne Reue weiter.
Zunächst wieder geröllig-neblig gleichende Blicke (s.o.), dann wieder herrliche Zedern und Ausblick.




Ein Stück lang unterhalb des Tahtali Dagi vermiesen uns nervige Quad-Gruppen etwas die Stimmung, bleiben aber zum Glück eine lokale Touristenerscheinung. Irgendein Rennen ist hier wohl auch durchgegangen.

Nachdem uns wieder diverse Gruppen der sagenumwobenen, russischen Umschnall-Silbersitzkissensekte mit den Riesenrucksäcken im schnaufenden Aufstieg entgegengekommen sind, sind wir schließlich 'unten' an einer Straße und nahegelegenem Ort Beycik Dagi. Das vermeintliche Stromhäuschen entpuppt sich als öffentliche Toilette - mit DUSCHE im Nirgendwo. P. hüpft unter die Dusche, ich begnüge mich faul mit etwas Katzen- und Klamottenwäsche an der Quelle daneben und mache es mir in der 'Lounge' bequem, die direkt daneben an den Wegesrand gezimmert wurde - und scheinbar jeder Dorfbewohner einen andersfarbigen Sessel gespendet hat 

Ein Stück weiter im Dorf selbst bewundern wir noch die hier schon mal gezeigte Turboschubkarre mit Scheibenbremse,

futtern noch am Kiosk und kaufen nach - und schon sind wir auch wieder raus aus der Zivilisation (die hier neben normalem Dorfleben auch eine ganze Menge kleinere Unterkünfte für Wanderer bereithält - und sogar Speisekarten und Schilder auf russisch) und weiter in der Abendstimmung gen Nachtlager.

Die Suche gestaltet sich mal wieder etwas langwierig, laufen wir doch mal wieder quer zum Hang und eher bergauf - ohne Aussicht auf Besserung, bis es endlich wieder so weit ist, wie jeden Abend ritualisiert die Kopflampen zu zünden, und die Nachtstimmung mitzunehmen.
Irgendwann landen wir weiter oben auf einem Plateau auf einer riesigen Wiese. Im Kopflampenlicht reflektieren auf der anderen Seite auch irgendwie Zeltleinen - da wird sich jemand im Zelt wohl mal wieder an den Kopf fassen, wer wohl zum Teufel um diese Zeit im Nirgendwo noch unterwegs ist...
Die Wiese ist jetzt schon ordentlich feucht, das könnte nass werden morgen früh, aber was soll's - an Sonne mangelt es hier ja eher weniger - Gn8! 
Das Tagwerk: 32km und Dank abstecher auf den Tahtali Dagi satte 2190hm hoch, 1950 runter, - die 1,5km Anhalter nicht aus den hm herausklamüsert