Es nebelt des Morgens wieder einmal, klart aber alsbald auf





T. hatte die große Straße nach Gacko als am erfolgversprechendsten angepeilt, um der Zivilisation wieder näher zu kommen, und so ist der Abschied plötzlich nah. Weiter zum Sutjeska NP und dem Maglic als höchsten Berg des Landes muss ich zwar auch ein Stück die Straße lang, aber uns dämmert relativ bald, dass wir wohl besser einzeln den Daumen raushalten, um unsere an großen Straßen bisher äußerst miesen Chancen auf einen Lift zu maximieren.
T. kommt wohl relativ schnell weg, ich laufe irgendwann in die richtige Richtung und halte immer mal den Daumen raus.
An einer Parkbucht, an der es auch eine Quelle gibt, quatsche ich den Fahrer des Tiefkühl-Lieferwagens und seinen Copiloten an, die eben noch mit eher merkwürdiger Fahrweise und viel zu lauter Musik an mir Vorbeigezogen sind.
Sie nehmen mich mit - jedoch bin ich mir recht schnell nicht mehr so sicher, ob das so eine gute Idee war. So richtig fahrtüchtig scheinen sie mir eigentlich nicht mehr, die Sonnenbrille scheint auch eher die wahrscheinlich tellergroßen Pupillen verstecken zu sollen - und die Laute Musik ist nicht mal gut. Aber wahrscheinlich ist der Job ohne chemische Aufheiterung auch einfach todeslangweilig, in der dünn besiedelten Gegend von Haus zu Haus zu rollen, und Omma ihr tiefgefrorenes Kaisergemüse vorbei zu bringen.
Zum Glück bin ich alsbald am Abzweig zum Nationalpark - und der Lieferwagen schlenkert ohne mich weiter.
Am bemannten Schlagbaum treffe ich auf eine andere VD Wanderin, die sich mit dem "Kassierer" des Parkeintritts, wie sich herausstellt, ein Redegefecht liefert. Sie hat kein weiteres bargeld bei sich, außer noch ein paar kroatische Münzen, scheint aber auch nicht so richtig akzeptieren zu wollen, dass Eintritt fällig ist. Ich hatte davon gelesen, dass Teilweise an offiziellen Campstellen etwas kassiert würde, so richtig transparent war das jedoch alles nicht herauszufinden. Ich schlage vor, für zwei zu zahlen - wie es der Zufall will, hat der Kassierer gar kein Wechselgeld - scheint so seine Masche zu sein, dadurch seinen privaten Schnitt zu machen. Das wird mir dann doch etwas zu albern, zumal das Wechselgeld gar nicht mal wenig gewesen wäre - und nachdem ich auch noch in die Diskussion mit einsteige, findet sich dann doch ebenso zuuufällig doch noch Wechselgeld.
Da fällt mir wieder ein, dass ich dem Nationalpark zumindest einmal schreiben wollte, was da für Praktiken laufen - vielleicht mache ich das tatsächlich noch.
Wir laufen einen Moment, die Gutste ist die VD tatsächlich von Anfang an gelaufen - und rät mit vollem Herzen davon ab - zumindest vom kroatischen Teil. Worte wie Steinwüste, elende Hitze, mieser Wegzustand fallen. Ich weiß nicht mehr, wie ange sie schon unterwegs war, nur noch, dass es wirklich lange war, was sich auch mit Ihrem Tempo während der Unterhaltung deckt. Als es dann in Serpentinen bergauf geht, setze ich mich ab, Geduld ist nicht so meins, zumal das Wetter umzuschlagen scheint.
Und so kommt dann auch, was der Wetterbericht angedeutet hatte. Ein Regen Sinnflutartigen Ausgusses - gefolgt von stattlichem Hagel.

Ich kauere mich unter eine ordentlich belaubte Buche und wettere ab, Rucksack zwischen den Beinen, Regenmantel und Sonnenschirm drüber - und bleibe gut trocken, bis es nach einer gefühlten Ewigkeit endlich aufhört.
Hilft halt nur nicht, wenn der Pfad danach durch ziemlich zugewachsenen - und jetzt komplett nassen - Jungwald führt, und man mit jedem Schritt eine ordentliche Ladung abstreift, auch der Boden völlig durchweicht und von Rinnsalen durchzogen ist - und dazu noch Böen dafür sorgen, dass auch die großgewachseneren Bäume ihre nasse Ladung wieder auf mir abwerfen. Und so bin ich nach einer Weile auch ohne Regen ganz gut durchnässt.
Hatte ich beim Einstieg in den NP noch kurz damit geliebäugelt, noch über den Maglic hinaus durchzuziehen, streiche ich den Plan bei diesem Untergrund direkt wieder. Zumal der direkte Anstieg, den ich angepeilt hatte, gar nicht mal so unambitioniert sein soll.
Also suche ich mir im (Sicht)Schutze des Waldrandes Lager, da es an den offiziellen Campstellen keine Bäume mehr, dafür aber ggf. den nächsten Gebühreneintreiber geben soll, und habe tatsächlich mal im hellen ein Lager aufgebaut
Von den Bäumen regnet es weiter munter herunter, als würde es mich immer ordentlich gießen - da muss doch irgendwann mal Ende sein?
Die Klamotten trocknen unter dem Tarp - oder tropfen vielmehr ab, die Luftfeuchte ist zu hoch für viel mehr - und ich habe ausnahmsweise noch etwas Muße, mich mit der weiteren Tourplanung zu befassen.
Morgen soll es früh los gehen, keine Lust auf Menschenmassen beim Sturm auf den Gipfel.
