(der Ton des Artikels ist etwas laut)
Finde die Ausführungen zur Comfort-Zone schon sehr treffend. Die muss man für sich kennen.
In der Zwischenzeit zurück zum SAC-Schwierigkeitsgrad T Null / Keksesser:
Wegen der Vögel.
(Jökulsarlon, 50 Meter vom Parkplatz, caficon , die Fotos zum Hinknien können auch Fotoanfänger wie ich und die Touris auf Ringstrassen-Leihwagentour knipsen. Im Hafen von Höfn gab es damals outdoors eine Fotoausstellung eines Profis und Geo-Profs: der Vatnajoküll mit Farben, blühendes Gelb Rot, und Grün mit Fels vor Eis, Wasser, Himmel, vermutlich in einem späten Frühjahr. Der Laugavegur so T2, grundsätzlich einfach gehbar.)
Wir waren dann mal 2 Nächte auf dem Camping in Höfn. Das hier ist vom 02.09., kurz nach 7, langes Frühstück, im Touri-Office nach dem Wetter geguckt, alles ok, dort auch ein paar Gps-Punkte für unterwegs bekommen, wir wollten mal hier oder da lang, vielleicht ne Woche am östlichen Rand des Vatnajökull in Richtung Norden.
Zum Bauernhof getrampt und dann die F-Road lang (keine Ahnung, ob tatsächlich F-Road oder nur Fahrweg), die mit dieser Aussicht auf Múlaskáli aufhörte:
Paar Meter davor wurde die Gruppe abgeholt. Man sieht noch Trails und ist schon nah am Gletscher, kann auch noch näher ran.
Am 03.09. dem Weg gefolgt, nieselig, verhangen, nach mal 10 Meter steil aufwärts schon angestrengte Flappe in nassen Regenklamotten auf den Bildern, die ich hier nicht zeige. Langsam, lustlos, irgendwann gegen Mittag schon ans Zeltaufbauen gedacht und das Gps für gestört gehalten, weil der Luftdruck niedriger war als der niedrigste Luftdruck, den ich im Zusammenhang mit Wetter so im Hinterkopf hatte, aber nichts weiter dabei gedacht. Weitergetrottet, es wurde zunehmend noch verhangener und nasser, bis die nächste Hütte in den Blick kam:
Blick war kurz nach 2, um drei sind wir da, hingetrödelt, noch diskutiert, ob wir Bock haben, Zelt am Flüsschen aufzubauen, irgendwie nicht - und verbringen den ersten Herbststurm des Jahres glücklich in der Hütte. Die Fensterläden sofort wieder zu gemacht bis auf einen. Was sich dann als bedenklich herausstellte (das Fenster nicht abzudecken). Die Hütte vibrierte, wir trocknen. Draussen konnte man nicht mehr stehen und wir kriegten nur mit grösster Kraft die Tür wieder zu, weil wir noch mal fühlen mussten, wie stark der Sturm ist. Die Geschichte habe ich schon mehrmals erzählt. Ofen an, Freundin Mittagschlaf. Ich verbringe den restlichen Nachmittag mit Küche-mit-wenig-Wasser-Putzen, weil ich mal eben ins Waschbecken pinkelte und selbstverständlich nicht im Kopf hatte, dass der Wind auf dem Abfluss stehen könnte. Sowas macht man ja auch nicht. Igitt der Herr. CN: Pinkelfontäne.
Das nächste Foto ist dann nächsten Morgen um sieben. Eisregen peitscht über den kleinen See.
Nachmittags klart es auf, jetzt sieht man die Wand und es stürmt noch.
Bei steifer Brise dann mal raus, erstmal Runde zum Klohäuschen und abends Spaziergang:
Man ist schon nah am Gletscher, über dem der abziehende Sturm noch nachtost.
Das Gelände etwas schwieriger als am Laugavegur.
Und was für ein Sonnenaufgang am nächsten Morgen.
Was bedeutet denn das?
Bald wieder tiefe Wolken, deshalb östlich statt nördlich, back to Ringstrasse. Von den Herbststürmen haben wir nur im Plural gelesen und dies war wohl und wäre Richtung Norden wohl die letzte Hütte. Unterwegs treffen wir einen Suchtrupp, der uns fragt, ob wir eine Gruppe von Wanderreitern gesehen hätten, die vermisst werden. Nein, haben wir nicht. Niemand gesehen.
Der Abstieg war zwar markiert. Aber wir fanden ihn nur deshalb problemlos, weil das einer der Gps-Punkte war, die uns das Touri-Office mitgegeben hatte (hatten wir nach gefragt, weil wir davon gelesen hatten).
Bis Unten hat es sich eingeregnet, ein kräftiger, sehr dichter Landregen. Ohne viel Wind und Nachmittags mit Hütte, von der es nicht mehr weit zur Ringstrasse war.
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Die Hütte:

Höhepunkt des Fotos ist der aus der Kapuze im Halbprofil rausguckende Gesichtsausdruck meiner klatschnassen Freundin. Habe ich hier weggeschnitten.
An der Ringstrasse werden wir am nächsten Tag vom Postboten mitgenommen, der sich als Bergsteiger outet und berichtet, dass der Sturm hier 49 m/s erreicht habe. Die örtliche Zeitung mit Titelfoto der Bergrettung, die mit kurzen Lawinensonden nach eingeeisten Schafen tastet.
Gelernt: bei Herbststurm lieber in der Hütte als im Zelt, das dann so leicht sein kann wie man denkt, dass es mit dem Wetter unterhalb dessen klarkommt. Also viel leichter als die 2,8 Kg, die wir bei der zweiten Island-Tour für anderswo bergerfahrene Wander-Normalos dabeihatten.
Edit: Grund Nr. 12 - Glück.