Playa de Santiago - San Sebastian
Ich fülle mein Wasservorrat wieder auf über 3 Liter auf - das nächste gibt es laut Karte erst wieder in El Cabrito, so die Besitzer wollen. El Cabrito (das Geißlein) befindet sich in Privatbesitz und das Netz ist nicht nur begeistert davon, mal sehen. Todo estará bien. Ab jetzt beginnt der trockenste Teil meiner Reise, vor allem landschaftlich. Es dauert etwas bis ich final aus dem Ort draußen bin. Es geht durch Hotelanlagen und Golfplätze. Bananenanbau mit Hahn, einer Henne und ihren Küken. Tageswanderer begleiten mich noch erstaunlich lange durch die Hitze. Es geht steil runter ins Tal. Steil raus aus dem Tal. Und nochmal das ganze im nächsten Tal. Es ist heiß.

(Wo ist die Henne mit den Kücken?)
Vielleicht hätte ich mehr Wasser mitnehmen sollen. Normalerweise bin ich nicht zimperlich mit dem Trinken von ungefilterten Wasser, aber ich fürchte, dass wenn es nicht viel geregnet hat, der ganze Dreck wohl mit geschwemmt wird. Vielleicht koche ich eins ab. Aber es ist deutlich trockener hier, und so schnell das Wasser kommt, so schnell verschwindet es hier auch wieder. Nachdem ich aus dem Barranco de Chinguaime aufgestiegen bin, geht es zwar gemächlicher, aber immer noch bergauf. Terrassenanlagen. Soweit das Auge reicht. Verlassen & verfallen. Ich denke an all die Arbeit in der Hitze die erforderlich war, um all das zu bauen. Die Jahrzehnte, Jahrhunderte. Und heute würde man ein solches Land, oder zumindest die damit verbundene Arbeit, nicht geschenkt haben wollen. "Das gute alte Leben". Viel zu anstrengend. Salzige Haut? Wasch Dich Du stinkst.
Der Barranco de la Vasca an dem ich vorbeikomme führt kaum noch Wasser. Bei dem verfallenden Gehöft Contreras mache ich eine Pause und koche mir ein Käffchen. Ein paar Mehrtageswanderer kommen vorbei. So viele wie sonst am ganzen Tag!? Ein Ultralighty ist auch dabei. Seeervus!

Die Idee war mindestens bis Morales zu gehen, aber ich lasse mir Zeit. Ich schlendere durch die Terrassenanlagen quer Feld ein. Der Wind und die Erosion haben das Erdreich abgetragen. Schotter und Steine liegen auf den einstigen Feldern, wilde (?) Schafe grasen und werden panisch, wenn man vor sich hin pfeift. Es weht ein knackiger, ablandiger und böiger Wind. Ich koche mir was getrocknetes.
Es geht weiter nach Morales. Ein verfallender Bauernhof. Dann immer weiter durch Terrassenanlagen immer weiter runter. Kurz vor El Cabrito wird es felsig, ein Eselsweg geht bergab. Dann El Cabrito. Eine “Privatbucht” mit Hotelanlage. Unter den Trailbeschreibungen eher berüchtigt.

Es wundert mich nicht, dass sich Wanderer in der Hotelanlage verirren, was wohl der Stein des Anstoßes ist. Man wäre lieber unter sich. Wie immer in Ortschaften ist die Beschilderung eher naja. Ich halte mich rechts und komme beim Strand raus. Ein Spanier, offensichtlich ein Angestellter, in einem Golfwägelchen kommt mir entgegen. Wo ich Trinkwasser kaufen könnte, frage ich. Er grinst und winkt mir, ihm zu folgen. Bei einem Wasserhahn meint er, “bestes kaltes Trinkwasser”. Es schmeckt frisch & gut. Ich bedanke mich und fülle einen halben Liter ab, ich sollte eh bald in San Sebastian sein. Es geht nochmal einen Grat hoch und wieder runter - und dann gelingt es dem Weg bis San Sebastian quasi nochmal ein Küstenwanderweg zu werden. Ein schöner Ausklang. Das Barranco de la Guancha führt kaum noch Wasser und ist mit großen Steinen verblockt. Und völlig zugemüllt. Ich nehme ein Autofolie und ein paar Tüten mit, aber es ist völlig aussichtslos. Am Playa de la Guancha gehts dann nochmal hoch. Mit Blick auf Teneriffa und den verschneiten Teide geht es weiter. Ein Barranco will noch genommen werden. Und dann final der Blick auf San Sebastian. Es bläst ein wirklich knackiger Wind. Es geht runter. Am Heizkraftwerk vorbei, wieder Richtung Innenstadt, zurück zum Ausgangspunkt. Geschafft!
