Tararua Southern Crossing
Anstatt dem Te Araroa zu folgen, werde ich die südliche Querung des Tararua National Forests in Angriff nehmen – eine Gratwanderung, für welche die Wetterbedingungen besser nicht sein könnten.
Bereits auf den ersten sechs Kilometern zur Field Hut lege ich knapp 750 Höhenmeter zurück, die – verglichen mit dem, was noch kommen soll, – denkbar einfach von der Hand gehen. Bis zum Bridge Peak (1.421 Meter) kommen weitere Höhenmeter dazu, dann beginnt die eindrucksvolle Gratwanderung und gleichsam die Quälerei.
In einer Tour geht es unfassbar steil rauf und runter, die Höhenmeter summieren sich auf und meine Beine verrichten Schwerstarbeit. Die letzten Kilometer zur Maungahuka Hut setzen dem Ganzen dann die Krone auf: Kraxelnd und kletternd geht es zuerst an einer Kettensicherung hinunter, um dann eine beinahe senkrechte Leiter über 20 Meter hinabzusteigen und weitere hundert Meter mit einer Hand an Ketten zurückzulegen.
Die Pause an der malerisch direkt am Grat gelegenen Maungahuka Hut kommt mir sehr gelegen – knapp 17 Kilometer habe ich bis hierher erst absolviert, dabei aber bereits mehr als 2.000 Höhenmeter im Anstieg zurückgelegt. Es ist ein Jammer, dass es viel zu früh ist, um den Tag hier zu beschließen, denn die Hütte ist einer der schönsten, die ich bisher gesehen habe.
Kurze Zeit später explodieren meine Beine – kein Schritt geht aufgrund des Terrains leicht von der Hand, der Pfad ist zunehmend überwuchert, dazu matschig und weiterhin unfassbar steil (stellenweise finden sich Kettensicherungen und 25 Höhenmeter muss ich gar über eine Metallleiter absteigen); Ich lege nicht einmal drei Kilometer in der Stunde zurück.
Wenige Kilometer vor der Anderson Memorial Hut betrete ich einen märchenhaften mystischen Wald, von dem Neuseeländer liebevoll Goblin Forest genannt (selten habe ich mich auf dieser Tour so über einen Wald gefreut, denn er bedeutet gleichermaßen ein Ende des Kampfes gegen den kaum einsehbaren Trail), schleppe mich der Hütte entgegen und finde mich kurze Zeit später auf dem offiziellen TA wieder.
Mount Taranaki & Around the Mountain Circuit & Pouakai Tarns
Der nächste spektakuläre Abstecher steht an, der mich – nachdem ich bereits um 7:30 Uhr mit dem Shuttle aus New Plymouth das Egmont Visitor Center erreiche – zum Mount Taranaki bringt. In Anbetracht der Wetterverhältnisse werfe ich meinen ursprünglichen Plan über den Haufen und mache mich geschwind auf den Weg zum Gipfel.
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn die aufziehenden Wolken bereiten mir Sorge, die Ausblicke vom Gipfel noch verpassen zu können. Doch der Aufstieg geht zügig vonstatten und ich entkomme den Wolken – genauer gesagt befinde ich mich über den Wolken und kann Fernsichten bis zum Tongariro genießen.
Über die Südflanke steige ich – in Schutt und Geröll abfahrend – zur spektakulär gelegenen Syme Hut ab. Von dort offenbaren sich klare Blicke auf dem darüber thronenden Vulkan.
Beim folgenden Abstieg zum Dawson Falls Visitor Center durchquere ich die Wolkendecke und setze meine Wanderung auf dem Around the Mountain Circuit bis zur Holly Hut fort. Als ich diese erreiche, beginnt der Himmel aufzuklaren. Für mich ist dies gleichbedeutend das Signal, mein Tempo zu erhöhen, um die Pouakai Tarns zu erreichen, bevor sich wieder Wolken vor dem Berg schieben. Das Glück scheint mir hold zu sein, denn auch wenn sich der Mount Taranaki im unruhigen Wasser des Teichs heute nicht spiegelt, so sind die Ausblicke malerisch.
Round the Mountain Track
Für mich steht nach einem winterlichen Tongariro Crossing vor Wochenfrist der Round the Mountain Track an, bei welchem ich den Mount Ruapehu in Teilen umrunden und schließlich mit dem Northern Circuit verknüpfen werde.
Die Ausblicke auf den Vulkan im Licht der untergehenden Sonne sind beeindruckend, das i-Tüpfelchen ist der in der Ferne sichtbare Mount Taranaki.
Nach wenigen Kilometern ändert sich die Umgebung und ich wandere den gesamten Tag durch eine faszinierende Vulkanlandschaft, die von den Einheimischen The Desert genannt wird. Stellenweise erinnert mich das Setting an eine Mondlandschaft, dann wieder an eine Wüste – Vegetation ist zumeist nur in Form von Gräsern spärlich vorhanden, stattdessen laufe ich zumeist auf vulkanischem Sand oder Gestein, welches immer wieder von erkalteten Lavaströmen durchzogen wird. Als der Mount Ngauruhoe, der Schicksalsberg der Herr der Ringe Filme, in mein Blickfeld gerät und ich stundenlang mit grandioser Sicht allein auf weiter Flur durch Mordor wandere, stellt sich ein nicht enden wollendes Hochgefühl ein – es ist einer der besten und eindrucksvollsten Tage auf dem Trail.