Beiträge von ElQuintin

    Tararua Southern Crossing

    Anstatt dem Te Araroa zu folgen, werde ich die südliche Querung des Tararua National Forests in Angriff nehmen – eine Gratwanderung, für welche die Wetterbedingungen besser nicht sein könnten.

    Bereits auf den ersten sechs Kilometern zur Field Hut lege ich knapp 750 Höhenmeter zurück, die – verglichen mit dem, was noch kommen soll, – denkbar einfach von der Hand gehen. Bis zum Bridge Peak (1.421 Meter) kommen weitere Höhenmeter dazu, dann beginnt die eindrucksvolle Gratwanderung und gleichsam die Quälerei.

             

    In einer Tour geht es unfassbar steil rauf und runter, die Höhenmeter summieren sich auf und meine Beine verrichten Schwerstarbeit. Die letzten Kilometer zur Maungahuka Hut setzen dem Ganzen dann die Krone auf: Kraxelnd und kletternd geht es zuerst an einer Kettensicherung hinunter, um dann eine beinahe senkrechte Leiter über 20 Meter hinabzusteigen und weitere hundert Meter mit einer Hand an Ketten zurückzulegen.

    Die Pause an der malerisch direkt am Grat gelegenen Maungahuka Hut kommt mir sehr gelegen – knapp 17 Kilometer habe ich bis hierher erst absolviert, dabei aber bereits mehr als 2.000 Höhenmeter im Anstieg zurückgelegt. Es ist ein Jammer, dass es viel zu früh ist, um den Tag hier zu beschließen, denn die Hütte ist einer der schönsten, die ich bisher gesehen habe.

    Kurze Zeit später explodieren meine Beine – kein Schritt geht aufgrund des Terrains leicht von der Hand, der Pfad ist zunehmend überwuchert, dazu matschig und weiterhin unfassbar steil (stellenweise finden sich Kettensicherungen und 25 Höhenmeter muss ich gar über eine Metallleiter absteigen); Ich lege nicht einmal drei Kilometer in der Stunde zurück.

    Wenige Kilometer vor der Anderson Memorial Hut betrete ich einen märchenhaften mystischen Wald, von dem Neuseeländer liebevoll Goblin Forest genannt (selten habe ich mich auf dieser Tour so über einen Wald gefreut, denn er bedeutet gleichermaßen ein Ende des Kampfes gegen den kaum einsehbaren Trail), schleppe mich der Hütte entgegen und finde mich kurze Zeit später auf dem offiziellen TA wieder.


    Mount Taranaki & Around the Mountain Circuit & Pouakai Tarns

    Der nächste spektakuläre Abstecher steht an, der mich – nachdem ich bereits um 7:30 Uhr mit dem Shuttle aus New Plymouth das Egmont Visitor Center erreiche – zum Mount Taranaki bringt. In Anbetracht der Wetterverhältnisse werfe ich meinen ursprünglichen Plan über den Haufen und mache mich geschwind auf den Weg zum Gipfel.

    Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn die aufziehenden Wolken bereiten mir Sorge, die Ausblicke vom Gipfel noch verpassen zu können. Doch der Aufstieg geht zügig vonstatten und ich entkomme den Wolken – genauer gesagt befinde ich mich über den Wolken und kann Fernsichten bis zum Tongariro genießen.

    Über die Südflanke steige ich – in Schutt und Geröll abfahrend – zur spektakulär gelegenen Syme Hut ab. Von dort offenbaren sich klare Blicke auf dem darüber thronenden Vulkan.

        

    Beim folgenden Abstieg zum Dawson Falls Visitor Center durchquere ich die Wolkendecke und setze meine Wanderung auf dem Around the Mountain Circuit bis zur Holly Hut fort. Als ich diese erreiche, beginnt der Himmel aufzuklaren. Für mich ist dies gleichbedeutend das Signal, mein Tempo zu erhöhen, um die Pouakai Tarns zu erreichen, bevor sich wieder Wolken vor dem Berg schieben. Das Glück scheint mir hold zu sein, denn auch wenn sich der Mount Taranaki im unruhigen Wasser des Teichs heute nicht spiegelt, so sind die Ausblicke malerisch.


    Round the Mountain Track

    Für mich steht nach einem winterlichen Tongariro Crossing vor Wochenfrist der Round the Mountain Track an, bei welchem ich den Mount Ruapehu in Teilen umrunden und schließlich mit dem Northern Circuit verknüpfen werde.

    Die Ausblicke auf den Vulkan im Licht der untergehenden Sonne sind beeindruckend, das i-Tüpfelchen ist der in der Ferne sichtbare Mount Taranaki.

        

    Nach wenigen Kilometern ändert sich die Umgebung und ich wandere den gesamten Tag durch eine faszinierende Vulkanlandschaft, die von den Einheimischen The Desert genannt wird. Stellenweise erinnert mich das Setting an eine Mondlandschaft, dann wieder an eine Wüste – Vegetation ist zumeist nur in Form von Gräsern spärlich vorhanden, stattdessen laufe ich zumeist auf vulkanischem Sand oder Gestein, welches immer wieder von erkalteten Lavaströmen durchzogen wird. Als der Mount Ngauruhoe, der Schicksalsberg der Herr der Ringe Filme, in mein Blickfeld gerät und ich stundenlang mit grandioser Sicht allein auf weiter Flur durch Mordor wandere, stellt sich ein nicht enden wollendes Hochgefühl ein – es ist einer der besten und eindrucksvollsten Tage auf dem Trail.

    Nelson Lakes (Besteigung Angelus Peak (2.075m))

    Gut, dass ich am Vortag bereits ungeplant ein paar Extrakilometer zurückgelegt habe, denn es soll später eine Punktlandung werden, dass ich die Angelus Hut erreiche, wo ich ein Ticket für den zugehörigen Zeltplatz ergattern konnte.

    An der Weggabelung zur Hopeless Hut verlasse ich den Te Araroa und begebe mich an den Aufstieg zum Sunset Saddle. Im Talkessel verliere ich – weil ich meine Routenführung mal wieder für cleverer halte :rolleyes: – die Steinmännchen aus den Augen und stehe schließlich vor einem Wasserfall gerahmt von Felswänden. Zurück will ich nicht, durch ein Schuttfeld zur nächsten Markierung aufsteigen ebenfalls nicht, also packe ich die Stöcke zusammen und beginne eine abenteuerliche Kraxelei, die mich schließlich wieder zurück auf den Pfad bringt.

        

    Vom Sunset Saddle eröffnen sich bereits großartige Blicke auf den Angelus Lake mit seiner malerisch gelegenen Hütte. Die Aussicht wird noch getoppt, als ich als Höhepunkt des heutigen Tages noch den Angelus Peak bezwingen. Dieser Tag entschädigt definitiv für die vergangenen eher durchwachsenen Tage mit eher bescheidenen Aussichten auf dem TA.

    Danach geht es nur noch hinunter zum Angelus Lake, wo ich mein Zelt direkt am Seeufer aufschlage.

    Der morgendliche Abstieg über die Robert Ridge hinunter nach Saint Arnaud ist genauso grandios wie der Aufstieg am Vortag, es ist eine Gratwanderung vom Feinsten und so reiht sich dieser Exkurs knapp hinter der Cascade Saddle Route ein – es ist fast schon unverschämt, dass der TA unten im Tal verläuft.


    Red Hill Ridge

    An der Red Hills Hut zweige ich vom TA ab, um als nächster Side Quest der Red Hill Ridge eine Chance zu geben.

             

    Die Gratwanderung ist unmarkiert, sodass ich mich weglos durch Gras-, Busch- und Moorlandschaften auf ein Plateau vorarbeite. Spärliche Steinmännchen zeigen dann einen kaum erahnbaren Pfad an, zumeist schlage ich mich einfach frei Schnauze durch. Dann häufen sich aber die Felsen und es wird blockiger. Von nun an sind immer wieder Kraxel- und gar Klettereinlagen gefragt, um in einer möglichst idealen Linie zum Gipfel des Red Hill zu gelangen. Immer wieder verlasse ich dabei den Grat, um traversierend Höhenmeter einzusparen. Der Gipfel selbst ist dann schneller als erwartet erreicht und ich kann bei bestem Wetter die Aussicht genießen, was mir eine kleine Pause wert ist.

    Die Verbindung zurück zum Trail gestaltet sich dann langatmiger, denn dummerweise folge ich dem falschen Grat etwas zu weit, ohne mich auf der Karte rückzuversichern. Was soll’s, so schlage ich mich improvisierend zum Sattel durch, an welchem ich den Te Araroa wieder betrete.


    Abel Tasman Track

    Mit dem Abel Tasman Track steht der dritte Great Walk Neuseelands an, der mir noch einmal ganz andere Landschaften bietet. Mit einem Golden Bay Air Shuttle geht es von Nelson aus zum nördlichen Startpunkt des Tracks nach Wainui, wo mich eine altbekannte Wanderautobahn erwartet – die Great Walks werden einfach unfassbar gut gepflegt.

             

    Durch subtropische Regenwälder geht es von einer malerischen Bucht zur nächsten. Weiße Sandstrände umrahmt von Palmen und Co prägen das Bild. Amüsanterweise gilt es einen Fluss- bzw. Meeresarm zu queren, der nur bei Ebbe passierbar ist. Zwei Stunden vor Niedrigwasser wage ich es, folge ein paar Sandbänken und gelangen mit nahezu trockener Hose nach drüben – wahrscheinlich hätte ich die Querung schon früher vornehmen können, denn es zeigt sich einmal mehr, dass die Neuseeländer eher übervorsichtig mit ihren Warnungen und Empfehlungen sind.

    Gillespie Pass & Rabbit Pass

    Aus all den Optionen, die mir morgens im Städtchen Wanaka im Kopf herumschwirren, wähle ich aufgrund der Wettervorhersage die, morgens den Bus nach Makarora zu nehmen, dort frühzeitig vor dem großen Regen den Makarora River zu furten und die ersten Kilometer bis zur Young Hut zurückzulegen, um bei besseren Wetteraussichten am Folgetag die anstehenden Pässe – den Gillespie Pass sowie den Rabbit Pass – zu bewältigen. Aufgrund der geringen Niederschlagsmenge der letzten Tage gestaltet sich die Flussquerung einfach, das Wasser erreicht nicht einmal Kniehöhe. Die folgenden vier Stunden im Dauerregen lassen mich nass bis auf die Knochen an der Young Hut ankommen, wo ich den Tag frühzeitig beende.

    Der folgende Tag ist knüppelhart, denn ich nutze die guten Wetteraussichten, um nicht nur den Gillespie Pass, sondern auch den Rabbit Pass zu überschreiten. Früh breche ich daher auf, überschreite den Gillespie Pass – so richtig lohnenswert sind die Aussichten nicht – und steige ins Siberia Valley ab.

        

    Dem wirklich schönen Tal folge ich dann für eine Weile, bis ich an der Kerin Forks Hut ins Wilkin Valley wechsele. Dabei gilt es den Wilkin River zu queren, was sich aufgrund dessen Fließgeschwindigkeit durchaus als moderat abenteuerlich erweist. Mit einmal nassen Füßen fällt es mir auf dem Weg zur Top Forks Hut dann leicht, nahe der Jumboland Flats ins Flussbett zu wechseln und der Niedrigwasserroute zu folgen. Die letzten Kilometer schlage ich mich der eigenen Nase nach durch, um die ausladenden Flusswindungen einzusparen.

             

    Dann beginnt der zweite harte Anstieg des Tages zum Rabbit Pass. Die Passage bis hin zum berüchtigten Wasserfall ist eine absolute Plackerei, denn der Pfad ist kaum zu erkennen, erodiert überall und ist zu allem Überfluss völlig überwuchert – es ist ein Krampf, der mich viel Zeit kostet. Dann liegt endlich der Wasserfall und somit die Schlüsselstelle der Route vor mir. Steil klettere ich an Felsen und Schneegras nach oben, punktuell verläuft die Kraxelei etwas ausgesetzt, dabei aber wesentlich einfacher als angenommen. Anschließend geht es in einem hochgelegenen Tal dem Rabbit Pass entgegen. Gegen 21 Uhr stehe ich dann endlich am höchsten Punkt der heutigen Tour und kann die Blicke über das Matukituki Valley und die umliegenden Gipfel schweifen lassen – die Tortur hat sich gelohnt.


    Melina Ridge Track

    Nach einer Flusswanderung durch den Timaru River verlasse ich den Te Araroa erneut, um auf den Melina Ridge Track abzuzweigen, der grandiose Aussichten über die umliegenden Gipfel ermöglicht. Das ist viel mehr nach meinem Geschmack als eine stundenlange Wanderung durch ein weiteres Tal. Das traumhafte Wetter setzt den i-Punkt auf diesen Nachmittag und trotz der zu bewältigenden Höhenmeter ist es eine absolute Genusswanderung.

             


    Mount Cook (Muller Hut & Sefton Bivy)

    Mit dem Mount Cook steht ein weiterer Abstecher abseits des Te Araroa Trails an – es gilt die Gegend rund um den höchsten Berg Neuseelands zu erkunden. Frühmorgens nehme ich aus Tekapo einen Shuttle (Tekapo Shuttles), um ins Mount Cook Village zu fahren.

        

    Von dort aus mache ich mich an den Aufstieg zur Muller Hut. Steil geht es erst über Treppenstufen, dann einige Felspassagen nach oben und nur zwei Stunden und knapp 1.000 Höhenmeter später erreiche ich die bekannte rote Hütte inmitten von Gletschern. Die Aussichten sind beeindrucken und allein in der kurzen Zeit, in der ich dort eine Mittagspause einlege, werde ich Zeuge von drei Gletscherabbrüchen.

        

    Auf den steilen Abstieg ins Tal folgt eine kurze Pause, dann stehen die nächsten knapp 1.000 Höhenmeter im Aufstieg hinauf zum Sefton Bivy an. Die kleine rote Schachtel liegt direkt an der Abbruchkante des Tewaewae Gletschers unterhalb des Mount Sefton. Die Lage und die Aussichten sind nochmals spektakulärer als bei der Muller Hut und ich bin froh, mein Zelt hier aufschlagen zu können – es ist einer der Top 3 Campingplätze meines Trips. Im Zelt liegend höre ich das Knacken und Krachen des Eises, die Kulisse sucht wirklich ihresgleichen. Neben dem Tag am Cascade Saddle ist dies bisher das prägendste Highlight meines Abenteuers in Neuseeland.


    Beuzenberg Peak

    Kurz hinter der historischen Camp Stream Hut aufsteige verlasse ich die Originalroute, um über den Grat hinauf zum Stag Saddel, dem höchsten Punkt des TA, aufzusteigen.

        

    Die Gratwanderung ist unschwer, liefert aber unglaubliche Blicke – gerade angesichts der untergehenden Sonne. Kurz überlege ich, ob ich noch bis zum Beuzenberg Peak aufsteigen soll, überwinde den inneren Schweinehund und nehme die 150 zusätzlichen Höhenmeter mit. Anschließend rutsche ich im Schutt zum Stag Saddle ab.


    Arthur’s Pass (Besteigung Avalanche Peak (1.837m))

    Da ich den kleinen Gemischtwarenladen am Arthur’s Pass nutze, um einen Resupply einzulegen, ergänze ich kurzerhand einen Abstecher auf den Avalanche Peak.

            

    Auf knapp drei Kilometern warten 1.000 Höhenmeter auf mich, dementsprechend werde ich an der Baumgrenze meinen Rucksack im Unterholz los, um den Gipfel möglichst zügig zu erreichen – zu allem Ungemach ziehen nämlich Wolken auf und ich will die Aussicht nicht (wieder) verpassen. Letztendlich erreiche ich den Gipfel in einem wilden Wolkenspiel, immer wieder erhasche ich aber Blicke auf die umliegenden Berge und Täler. Gepaart mit bestimmt sieben umherfliegenden und -hüpfenden Keas zahlt sich diese Extratour durchaus aus.

    Knapp zweieinhalb Monate nach meinem Finish auf dem Pacific Crest Trail beginnt im Januar 2025 mein nächstes großes Abenteuer am Südende Neuseelands in Bluff. Ein weiteres Mal liegen mehr als zweitausend Kilometer und unzählige Abenteuer vor mir – ein weiteres Mal bin ich entgegengesetzt zum Großteil der Wanderer*innen unterwegs, dieses Mal als Nobo.

    Schon bei der Planung meines Trips ist mir klar gewesen, dass mir meine wertvolle Zeit im Sabbatjahr zu schade ist, um sie auf endlosen Schotter- oder Asphaltpassagen zu verbringen. Anstatt den Trail im Gesamten zu absolvieren, habe ich meine Route also in aufwendiger Detailarbeit zusammengepuzzelt, um möglichst die (vermeintlich) schönsten Ecken Neuseelands per pedes zu Gesicht zu bekommen – auch wenn das bedeutet, Teile des Trails gar nicht zu absolvieren. Letztendlich durchquere ich somit die gesamte Süd- und circa die Hälfte der Nordinsel; die Stadt Hamilton ist mein auserkorenes Ziel.

    Der Te Araroa ist ein gänzlich anderes Wandererlebnis als der Pacific Crest Trail – anders, zumeist zivilisationsnäher, aber keinesfalls weniger schön (und v.a. landschaftlich wesentlich abwechslungsreicher innerhalb weniger Tage oder sogar Stunden).

    Da mir wieder einmal die Muße fehlt, den gesamten Trail zu rekapitulieren, und sich zudem haufenweise Reiseberichte im Netz finden, beleuchte ich erneut lediglich meine Abstecher abseits des Trails – vielleicht helfen sie dem ein oder anderen bei künftigen Tourenplanungen, um sich interessante Abschnitte herauszugreifen und die eigene Route nach persönlichem Gusto zu optimieren. Sollte irgendjemand in der Reiseplanung genauere Hinweise benötigen, kontaktiert mich gerne (gpx-Dateien, ausführlichere Einschätzungen zu Schwierigkeiten, Zeitaufwand und Co kann ich euch gerne zukommen lassen).

    Die Auflistung der Side Quests erfolgt aufgrund der Tatsache, dass ich den TA Northbound in Angriff genommen habe, chronologisch geordnet von Süd nach Nord.


    Dusky Track

    In den ersten drei Tagen auf dem TA schlage ich ein Höllentempo an, da mein erster Abstecher mich auf den Dusky Track führen wird, der sich inmitten der Wildnis des Fjordlands befindet. Unzugänglich, wie der Trail ist, bin ich nämlich auf einen Bootstransfer angewiesen, den ich bereits Wochen vorher gebucht habe.

    Per gechartertem Schnellboot bei Trips & Tramps geht es mit drei weiteren (und deutlich schwerer bepackten) Aspirant*innen über den Lake Hauroko.

        

    Gestalten sich die ersten Kilometer durch einen dichten, grünen Dschungel anschließend noch spannend, weil alles neu für mich ist, stellt sich mehr und mehr Frust gepaart mit Erschöpfung ein: Ich komme zweieinhalb Tage lang nur quälend langsam voran, denn Wurzeln, Schlamm, umgestürzte Bäume, wuchernde Pflanzen, Kettensicherungen, Flussquerungen und Co machen den Weg extremst unwegsam. Ich fühle mich zeitweise wie Robinson Crusoe, der sich seinen Weg durch die subtropischen Wälder bahnt. :D

         

    Highlight des Trails ist mit weitem Abstand die Pleasant Range mit ihren beeindruckenden Blicken auf den namensgebenden Fjord Dusky Sound – daneben sind Fernsichten rar gesät. Wer also nicht allzu sehr auf Selbstgeißelung steht und lieber schöne Aussichten genießen möchte, ist hier definitiv falsch. Auch ich würde nicht noch einmal wiederkommen.


    Caples Track & Routeburn Track

    Nachdem ich die malerischen Mavora Lakes passiert habe, verlasse ich den TA an der Greenstone Hut – der Caples Track wartet auf mich und soll mich in Verbindung mit dem Routeburn Track, einem Great Walk (Anmerkung: diese sind mitnichten die schönsten Wanderrouten Neuseelands, sondern primär eine Marketingmasche), nach Glenorchy bringen.

    Das absolute Highlight auf dem Caples Track ist die Überschreitung des McKellar Saddles mit einer wunderschönen Fernsicht auf die schneebedeckten Berge des Fjordlandes.

             

    Dieses wird noch getoppt vom Harris Saddle, den ich anschließend auf dem Routeburn Track passiere. Letzterer ist definitiv der schönste Great Walk, den ich in Neuseeland absolviere, denn das alpine Gelände sagt mir sehr zu und auch der Abstieg entlang der Routeburn Falls zu den Routeburn Flats offenbar tolle Blicke über das Tal.


    Rees Track & Cascade Saddle Route (inklusive Besteigung Mount Tyndall (2.496m))

    In Glenorchy verlasse ich den TA erneut, um dem Rees Track durch das gleichnamige Tal zu folgen – die kurzfristig getroffene Entscheidung, eben nicht dem Darts Track im Nachbartal zu folgen, zahlt sich aus. Rings herum türmen sich schneebedeckte Gipfel und haufenweise Gletscher prägen das Bild.

        

    Einer der besten Tage in Neuseeland beginnt mit dem Aufstieg zum Reese Saddle. Bereits hier reißt die Wolkendecke auf und es offenbaren sich eindrucksvolle Blicke auf eine hochalpine Landschaft.

        

    Nach einem kurzen Zwischenabstieg zur Darts Hut steht dann der Hauptanstieg zum eigentlichen Highlight des Tracks an, dem Cascade Saddle. Mit Blick auf den Dart Glacier und dessen Abbruchkante geht es bis auf knapp 1.500 Meter hinauf, dann überschreite ich den Sattel und genieße ein absolutes Bergpanorama, bei welchem der Mount Aspiring über den umliegenden Gipfeln thront.

    Da es eigentlich zu früh ist, um den Abstieg zu meinem Ziel, der Aspiring Hut, anzugehen, grübele ich, ob ich den Gegenanstieg zur French Ridge Hut noch in Angriff nehmen soll oder stattdessen einfach auf den nahegelegenen Gipfel des Mount Tyndall (2.496m) ausweiche (ohne zu wissen, ob dieser überhaupt ohne Ausrüstung bezwingbar ist). Die ersten Meter des Pfades zum Berggipfel beschließe ich auszukundschaften, wobei mein schlummernder Ehrgeiz geweckt wird, diesen Gipfel einfach unvorbereitet zu bezwingen. Unschwer geht es rechterhand des Grats nach oben, bis ich irgendwann nicht mehr umhinkomme, ein Schneefeld zu passieren – ohne sichtbare Spuren, denen ich folgen könnte. Das Schneefeld schätze ich aufgrund seiner Lage und Beschaffenheit als Altschneefeld ohne größere Spalten ein, halte mich am Rand und quere somit hin zum Gipfelaufbau. Die letzten Meter Kraxelei gestalten sich dann aufgrund des bröckeligen und schieferartigen Felses etwas heikel, sind auf der richtigen Route dann aber doch einfach zu bewältigen. Die Aussicht auf unzählige Gletscher und Gipfel sucht ihresgleichen – der Abstecher zahlt sich aus.

    Aus meinem letztjährigen SOBO-Trip auf dem Pacific Crest Trail versuche ich mal ein paar Tipps abzuleiten:

    • Flüge: Aufgrund der aktuellen politischen Situation würde ich einen flexiblen Rückflug buchen, um auf der sicheren Seite zu sein. Meine Flüge habe ich zwar über diverse Suchmaschinen recherchiert, dann aber über den konkreten Anbieter (in meinem Fall Lufthansa) gebucht, sodass ich für den Rückflug einen Flex Tarif auswählen konnte, der es mir ermöglichte, diesen - als das Ende meiner Reise absehbar war - umzubuchen. Außerdem erschienen mir One-Way-Flüge im Gesamtpaket deutlich teurer.
    • Anreise zum Northern Terminus: Um unabhängig von Trail Angels schnellstmöglich innerhalb eines Vormittags auf die Piste zu gelangen (und nicht stunden- oder tagelang irgendwo wartend zu verbringen), habe ich eine wahrscheinlich eher untypische Anreise hingelegt. Von Seattle aus (King Street Station) bin ich mit dem Amtrak Zug nach Mount Vernon gedüst (https://www.amtrakcascades.com/mount-vernon), von dort aus ging es per Bus weiter nach Concrete (https://www.skagittransit.org/route-70x/). Etwa zwanzig Minuten hat es gedauert, am North Cascades Highway (SR 20) eine Mitfahrgelegenheit gen Osten zu ergattern - Concrete liegt außerhalb der Nationalparkgrenzen, weshalb Hitchhiking dort gesetzlich nicht offiziell verboten ist. Um etwas mehr vom North Cascades Nationalpark sehen zu können und lediglich ein möglichst kurzes Stück des PCTs auf dem Weg zum und vom Terminus doppelt laufen zu müssen, bin ich vom Canyon Creek Trailhead über den Jackita Ridge Trail zum Devils Pass gelaufen, von wo aus ich dem Pacific Northwest Trail bis zum Holman Pass gefolgt bin. Gerade landschaftlich war der Abschnitt um den Devils Pass herum äußerst sehenswert, wenngleich diese Tour einen deutlich längeren Food Carry bedeutet, da die erste Resupply Möglichkeit somit Stehekin ist.

        

      Solltest du vom Hart's Pass aus starten, besteht durchaus die Möglichkeit, einen Teil deiner Verpflegung in einer der dortigen Bärenboxen nahe der Rangerstation zu deponieren. Dies haben viele der SOBOs so in Absprache mit der Rangerin erfolgreich praktiziert, um die ersten Tage mit weniger Gewicht auf dem Rücken zu absolvieren.

    • Resupply: Auf dem gesamten PCT habe ich mir lediglich ein Resupply Paket geschickt, da ich kein Freund davon bin, zu viel der Logistik vorab erledigen zu müssen - dazu bin ich recht anspruchslos, was die Verpflegung auf dem Trail angeht, ich kann mich auch tagelang von Erdnüssen und Schokolade ernähren. Das Paket habe ich aus Seattle zum Steven's Pass versendet, um mir den Hitch nach Skykomish oder Leavenworth zu sparen. Da du - Stichwort glutenfreie Ernährung - allerdings in der Auswahl etwas eingeschränkt sein wirst und ich nicht weiß, wie hoch deine Leidensfähigkeit bei eintönigem Essen ist, findest du die Adressen a) in Farout und b) in diversen Resupply Guides bzw. Spreadsheets, die sich online zuhauf finden lassen.
    • E-SIM: Meine Empfehlung habe ich bereits im CDT-Faden gepostet. Für die Amazonnutzung, Bankgeschäfte und Co solltest du unbedingt darauf achten, die 2-Faktor-Authentifizierung so einzustellen, dass diese über dein Gerät erfolgt - nicht über einen Code, der per SMS an deine deutsche Nummer gesendet wird (oder du bei eher unwichtigen Diensten wie Amazon ganz auf die 2-Faktor-Authentifizierung für den Zeitraum der Reise verzichtest).
    • Bärenkanister: Im letzten Jahr war es gemäß der Vorgaben nicht zwangsläufig nötig, einen Bärenkanister in Washington mitzuführen - ein Ursack reichte dort ebenfalls aus. Diesen habe ich entsprechend bis Sierra City verwendet, um dort über Triple Crown Outfitters einen BV500 bis zur Rückgabe in Kennedy Meadows South auszuleihen, den Ursack in eine Bounce Box zu packen und am Ende der Reise wieder aufzugabeln (aktuellere Infos finden sich hier).

    Falls du weitere Fragen hast, melde dich gerne. Ansonsten: Viel Spaß auf deinem Trip!

    Im vergangenen Jahr habe ich auf dem Pacific Crest Trail super Erfahrungen mit US Mobile gemacht - sowohl was die Netzabdeckung als auch das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht. Die Einrichtung der eSIM erfordert für Nicht-US-Bürger*innen zwar etwas Trickserei, kann aber mithilfe dieser bei Reddit gefundenen Anleitung problemlos schon vom Sofa aus erledigt werden.

    Garnet Peak

    Die Desert Section auf dem PCT Mitte/Ende Oktober ist nicht meins – zu heiß, zu dornig, zu eintönig. Jeder Tag ist gefühlt gleich und ich will einfach nur den Southern Terminus erreichen. Glücklicherweise höre ich auf eine Trail Angel aus Idyllwild, die mir ans Herz legt, den Garnet Peak kurz vor Mount Laguna zu besteigen und lege wenige Tage, bevor ich den Trail beende, doch noch einmal einen Abstecher ein. Der 30-minütige unschwierige Trip zahlt sich aus, denn vom Gipfel habe ich die – in meinen Augen – schönsten Ausblicke hinunter in die Wüste.

    Wiederholungsfaktor: 7/10.

    Tahquiz Peak

    Nachdem ich morgens über den Devils Slide Trail nach Idyllwild abgestiegen bin, um mich mit Proviant einzudecken, will ich diesen nachmittags nicht ein zweites Mal begehen, um zurück auf den PCT zu gelangen. Über den South Ridge Trail schraube ich mich aus dem Tal heraus steil nach oben, die Mühe ist die Aussicht vom Fire Lookout Tower auf dem Tahquitz Peak aber wert (wie man sieht, mag ich Fire Lookouts wirklich sehr ^^).

    Wiederholungsfaktor: 7/10.

    Mount Whitney

    Whitney, Baby! :D Mit dem Mount Whitney (4.421m) wartet das absolute Highlight der Sierra auf mich. An der Crabtree Ranger Station lasse ich den elendig schweren Bärenkanister und meine Isomatte zurück, um mich mit leichtem Gepäck zum Gipfel zu begeben. Am Guitar Lake vorbei geht es entlang unzähliger Serpentinen hinauf. Insgesamt ist der Gipfel deutlich leichter zu besteigen als angenommen, allerdings merke ich die Höhe jenseits der 4.000m-Marke doch etwas, denn die Schritte fallen schwerer. Dann ist es geschafft: Ich stehe auf dem Gipfel des Mount Whitney und habe einen grandiosen Rundumblick auf die Sierra sowie die Wüste unten im Tal.

    Amüsante Randnotiz: Ein Wanderer, der die Nacht mit ultraleichtem Setup am Gipfel verbringen möchte, ist stupid light unterwegs und hat bereits mittags keine Wasserreserven mehr. Irgendwie schafft er es, sich einen halben Liter zusammenzubetteln, auch ich gönne ihm die letzten Tropfen aus meiner Faltflasche. :D

    Wiederholungsfaktor: 10/10.

    Yosemite Valley (Half Dome & Glacier Peak)

    Am nächsten Morgen geht es hinauf auf den Half Dome. Glücklicherweise bin ich früh dran, sodass ich die Menschenmassen im Aufstieg vermeide. Denn der hat es in sich. An zwei Stahlseilen geht es nahezu senkrecht den speckigen Granitfels hinauf. Die Waden brennen, die Arme ebenso – doch die Aussicht hinunter ins Yosemite Valley und das Gefühl am Gipfel sind unbeschreiblich.

    Der Abstieg fordert dann Geduld, denn nun schieben sich viele langsame und ungeübte Wanderer in Zeitlupe den Berg hinauf oder eben wieder hinab. Für mich geht im Anschluss daran hinunter zu den Nevada Falls, bis ich schlussendlich im Tal auf dem Backpackers Campground den Tag beende (Anmerkung: wer hier nächtigen will, benötigt ein gültiges Wilderness Permit für das Yosemite Valley, das PCT Permit ist nicht ausreichend, solange Post Office und Store in Tuolumne Meadows geöffnet sind).

    Entgegen meiner ursprünglichen Planung, die Yosemite Falls am nächsten Morgen zu besichtigen, beschließe ich auf Anraten des Camp Hosts, doch den 4 Mile Trail hinauf zum Glacier Point in Angriff zu nehmen – die Yosemite Falls führen zu dieser Jahreszeit kein Wasser mehr. Hier offenbart sich mit dem Blick auf den Half Dome das weltweit bekannte Postkartenmotiv, doch der eher unspektakuläre 4 Mile Trail und die vielen Touristen lassen Glacier Peak deutlich hinter den anderen Highlights zurückstehen.

    Wiederholungsfaktor Half Dome: 10/10.

    Wiederholungsfaktor Glacier Peak: 6/10.

    Yosemite Valley (Cloud’s Rest)

    In Tuolumne Meadows erhalte ich glücklicherweise noch ein Wilderness Permit, das es mir erlaubt, von den Sunrise Lakes hinunter ins Yosemite Valley zu wandern. Für schlappe 10$ eröffnet es mir außerdem die Möglichkeit, ein Permit zur Besteigung des Half Domes zu erhalten – als ob ich das ausschlagen würde. ^^

    Zwei Tageswanderer nehmen mich hitchhikend mit zum Trailhead, von welchem ich meinen Trip hinunter ins Tal starte. Kurz vor Einbruch der Dämmerung überschreite ich Clouds Rest – die Atmosphäre ist gigantisch, denn vor mir glänzt auf der einen Seite der Half Dome im Licht der untergehenden Sonne, das Yosemite Valley liegt vor mir und die hohen Gipfel der High Sierra erheben sich auf der anderen Seite.

    Wenige Kilometer unterhalb des Gipfels des Clouds Rest schlage ich mein Zelt mit Blick auf den Half Dome auf, es ist einer meiner Top 3 Campingspots auf dem Trail.

    Wiederholungsfaktor: 10/10.

    Permit: Einige Wilderness Permits im Yosemite Valley eröffnen die Möglichkeit, ein Permit zur Besteigung des Half Domes hinzuzufügen. Vereinzelt bedeutet dies, aus Tuolumne Meadows zum entsprechenden Trailhead hitchen zu müssen, was aufgrund der vielen Besucher*innen aber unproblematisch sein sollte. Ein Großteil der Permits wird bereits im Frühjahr unter die Leute gebracht, genau sieben Tage vor dem avisierten Datum wird morgens um 7 Uhr aber noch eine kleine Zahl an Permits freigeschaltet (insofern verfügbar, dies sind zumeist stornierte Buchungen oder noch offene Bestände). Wer sein Smartphone pünktlich zur Hand und die passenden Trailheads auf dem Schirm hat, kann so mit Glück ein Permit ergattern (https://www.recreation.gov/permits/445859).

    Sierra Buttes Fire Lookout

    Endlich zeigt sich Nordkalifornien (wieder) von seiner schönen Seite – ich merke, dass die Sierra naht, denn die Höhenzüge werden spektakulärer und die Landschaft wird grüner und lebendiger. Auch wenn ich nach vielen langen Tagen platt bin und meine Füße schmerzen, versuche ich den auf den Sierra Buttes thronenden Fire Tower zum Sonnenuntergang zu erreichen, um auf der dortigen Plattform mein Cowboycamp aufzuschlagen. Mit dem einsetzenden Sonnenuntergang treffe ich dort ein und verbringe hoch oben eine unruhige Nacht ob des böigen Windes, der mir unter den Quilt pfeift. Sonnenauf- und -untergang, ein sternenklarer Himmel und die entfernten Lichter Sacramentos entschädigen dafür allemal.

    Wiederholungsfaktor: 9/10.

    Lassen Volcanic Park (Lassen Peak)

    Nicht minder spektakulär geht es weiter hinauf zum Lake Helens, von wo aus ich meine Besteigung des Lassen Peaks in Angriff nehme, der mir eine grandiose Aussicht über den Nationalpark ermöglicht. Der Anstieg ist dank im Unterholz verstecktem Rucksack denkbar einfach und geht schnell von der Hand. Die Summe der Highlights machen diesen Tag zu einem der eindrucksvollsten auf dem Trail.

    Wiederholungsfaktor: 10/10.

    Lassen Volcanic Park (Bumpass Hell)

    Dank des Permits, das ich am Tag zuvor ergattert habe, kann ich mein Zelt nach der Besteigung des Cinder Cones am Lower Twin Lake aufschlagen, um am nächsten Tag weitere Highlights im Park zu besuchen. Alle anderen PCT-Hiker sind offiziell gezwungen, den Lassen Volcanic Park an einem Tag zu durchwandern (Anmerkung: Wer die Nacht im Park verbringen möchte, muss sein Proviant bärensicher verstauen – ein Ursack Major reicht dabei aus).

    Der Lassen Volcanic Park ist zurecht ein Nationalpark, womit man allerdings nicht rechnet, wenn man ihn nur auf dem PCT durchquert. Ein Highlight reiht sich auf meiner Side Quest an das nächste. Zuerst passiere ich die Kings Creek Falls, wobei mir der Zulauf zu den Wasserfällen noch viel besser gefällt, da das Wasser in Stufe den Hang hinabrauscht. Anschließend geht es an den Cold Boiling Springs vorbei zur Bumpass Hell. Wow – überall schießt Wasserdampf aus dem Boden, es blubbert, es gurgelt und es riecht nach Schwefel.

    Wiederholungsfaktor: 10/10.

    Lassen Volcanic Park (Cinder Cone)

    Nach einem kurzen Resupply und einem zweiten Frühstück in Old Station betrete ich den Lassen Volcanic Park – der zweite Nationalpark auf meiner Tour. Der nächste Abstecher führt mich auf den Cinder Cone, einen Vulkan, der hauptsächlich aus Asche und schwarzem Sand zu bestehen scheint. Der Aufstieg ist brutal und überall sitzen Tagestouristen auf dem Boden – die Steigung gepaart mit dem rutschigen Sand beziehungsweise Geröll hat es in sich. Oben angekommen öffnet sich ein grandioser Blick über den Vulkan und den umliegenden Nationalpark bis hin zum Lassen Peak – selbst in den mittlerweile verstopften Schlot kann man hinuntergehen.

    Wiederholungsfaktor: 8/10.

    Permit: Wer die Nacht im Lassen Volcanic Park verbringen möchte, benötigt ein Permit, bei welchem vorab bereits die geplanten Übernachtungsplätze gewählt werden müssen (die Ranger*innen kontrollieren laut eigener Aussage die gebuchte Zone allerdings nicht, solange ein gültiges Permit mitgeführt wird). Im Gegensatz zu den vorherigen Permits muss dieses in ausgedruckter Form vorliegen – glücklicherweise kann ich dieses am Tag zuvor in der Burney Mountain Guest Ranch ausdrucken (btw: ein grandioser Ort mit noch viel grandioseren Gastgebern (https://www.recreation.gov/permits/4675334)).

    South Sister

    Mein Highlight der Oregon Section: Mit unglaublichen Aussichten geht es hinauf auf die South Sister. Der Anstieg auf Geröll und Sand geht einfach von der Hand, nicht umsonst ist dieser Berg ein beliebtes Ziel bei Tagestouristen aller Art (ob Trailrunner oder Familien) – die Aussichten sind grandios. Aus dieser Perspektive zu sehen, welche Berge ich in der letzten Woche passiert habe (Mt. Hood, Three Fingered Jack, Mt. Jefferson und die Three Sisters), ist beeindruckend.

    Wiederholungsfaktor: 10/10.

    Permit: Auch die Besteigung der South Sister erfordert ein Permit. Da es sich um eine beliebte Tagestour handelt, gilt es dieses frühstmöglich zu buchen – drei andere Hiker wollen kurzentschlossen auch hinauf auf den Gipfel, einer davon geht leer aus (https://www.recreation.gov/ticket/300009/ticket/10088687).

    Timberline Trail

    Einen Extratag plane ich ein, um den Mount Hood in Oregon auf dem Timberline Trail zu umrunden. Bin ich anfangs noch etwas skeptisch, ob sich das lohnt, stelle ich schnell fest, dass die Aussicht(en) auf der anderen Bergseite unendlich viel besser als die auf dem Pacific Crest sind.

    Gut, dass ich losgezogen bin. Der im Vergleich zum PCT anstrengende Trail lässt mich allerdings keinen richtigen Flow finden. Ständig geht es rauf und runter, dabei gilt es haufenweise reißende Flüsse zu queren – eigentlich ein Trail, wie ich ihn mag, doch an diesem Tag hänge ich auf einigen Abschnitten etwas in den Seilen. Auf den letzten Kilometern des Timberline Trails erwarten mich dann katastrophal viele Blowdowns. Zwischenzeitlich muss ich sogar auf allen Vieren unter Bäumen hindurchkriechen – hätte ich mir die letzte Schleife gespart und wäre doch lieber wieder auf den PCT gesprungen … || Positiver Nebeneffekt dieses Abstechers ist jedoch, dass ich am nächsten Morgen pünktlich um 11 Uhr das Lunch Buffet in der Timberline Lodge eröffnen kann. ^^

    Wiederholungsfaktor: 8/10 (beim nächsten Mal würde ich, anstatt dem PCT auf der Westseite des Mount Hoods zu folgen, den Timberline Trail auf der Ostseite wählen und mir die Westseite gänzlich sparen).

    Red Mountain Fire Lookout (und Panther Creek Falls)

    Nachdem es den gesamten Tag äußerst eintönig durch die Wälder Washingtons geht, beschließe ich kurzerhand, über den Indian Racetrack einen Abstecher zum Red Mountain einzulegen, der sich aufgrund seiner 360-Grad-Rundumsicht auf vier Vulkanberge (Mt. Rainier, Mt. Adams, Mt. Hood, Mt. St. Helens) mehr als lohnt. Außerdem mag ich Aussichtstürme. :D

    Der anschließend improvisierte Weg über Forststraßen zu den Panther Creek Wasserfällen ist allerdings Quatsch – die begeisterten Farout-Kommentare sowie die Google-Bewertung von 4,8 Sternen sind völlig überzogen, denn es handelt sich um äußerst unspektakuläre Wasserfälle. Noch dazu passieren mich auf dem Weg unzählige Autos sowie eine Horde betrunkener, bis an die Zähne bewaffneter Amerikaner. :rolleyes: Auf dem Foto sehen die Wasserfälle zwar ganz nett aus, insgesamt ist der zweite Teil dieses Abstechers jedoch ein Reinfall.

    Wiederholungsfaktor Red Mountain Fire Lookout: 7/10.

    Wiederholungsfaktor Panther Creek Falls: 0/10.

    Mount Adams

    Highlight der Washington Section ist für mich die Besteigung des Mount Adams (3.743m) über die North Cleaver Route. Abends verlasse ich den PCT, passiere das High Camp und steige bis zum Glacier Lake auf, wo ich am Fuße des Mount Adams mit gleichzeitigem Blick auf den Mount Rainier mein Zelt aufschlage – einer der besten Campspots auf meiner gesamten Reise. Der Sonnenuntergang nach zuvor zwei grauen Tagen ist beeindruckend schön.

    Mit dem ersten Sonnenlicht stehe ich auf, lasse Zelt und Gear im Base Camp zurück, und starte um 6 Uhr Richtung Gipfel. Die mit Class II/III Scramble beschriebene und kaum begangene Route ist einfacher zu finden als erwartet, nur einmal versteige ich mich am Grat etwas, gelange durch Improvisation aber schnell wieder auf die Route zurück (Anmerkung: da sich haufenweise Pfade und Ziegenpfade über den Grat gen Gipfel winden, gilt es vorausschauend aufzusteigen). Durch tonnenweise Schutt und Geröll geht es nach oben – lediglich drei- oder viermal muss ich meine Hände nutzen.

    Auf dem Gipfelplateau angekommen wechselt der Untergrund und ich lege den letzten Kilometer auf der permanenten Schneedecke zurück. Die Hangneigung ist unbedenklich, der Schnee fest, Gletscherspalten finden sich auf dem direkten Weg zum Gipfel keine, sodass auch hier – bei diesen Bedingungen – keine Hochtourenausrüstung vonnöten ist und die Tour bei entsprechenden Erfahrungen im Hochgebirge problemlos solo begangen werden kann.

    Um 9 Uhr erreiche ich dann den Gipfel – alleine auf meiner Route, auf welcher ich den gesamten Tag über keinen anderen Menschen sehe.

    Wiederholungsfaktor: 10/10.

    Permit: Ein Climbing Pass ist zur Besteigung des Mount Adams vonnöten, diesen buche ich zwei Tage vorab online (https://www.recreation.gov/activitypass/4…82-82c0c22bed90).

    Mount Daniel

    Unterhalb des Cathedral Rocks verlasse ich den PCT und folge dem beschilderten Trail zu Peggy’s Pond (übrigens: eine hervorragende Location, um das Zelt aufzuschlagen). Den Rucksack deponiere ich etwas oberhalb des Sees und beginne nachmittags den Aufstieg hinauf auf den Mount Daniel (2.426m) – in der Hosentasche ein paar Snacks, das sollte für einen schnellen Gipfelsturm ausreichen. Die Schwierigkeit der Route ist als Class II/III Scramble beschrieben und stellt sich Mitte Juli als recht einfach heraus. Meine Hände kommen lediglich beim Gipfelaufbau kurz zum Einsatz, zudem gilt es zwei unschwierige Schneefelder zu queren, die bei diesen Bedingungen keinerlei Hochtourenausrüstung benötigen. Die Blicke über die nördliche Kaskadenkette vom Gipfel sind beeindruckend.

    Wiederholungsfaktor: 10/10.