Beiträge von WeitWanderWade

    Was heißt das nun: Sind die betreffenden potentiell gefährlichen Chargen nur in den US vertrieben worden und nicht in der restlichen Welt? Oder liegt das an anderen Gesetzen im Haftungsrecht bzw. anderer Rechtsprechung, die im Falle einer Schädigung für Anker in den US besonders teuer würden?

    Pfeift mich gern zurück, wenn ich hier abwegigen Gedanken aufgesessen bin...

    Die Frage hatte ich mir heute früh auch schon gestellt, aber keine Antwort drauf gefunden.
    Weil aber nicht das ganze Modell vom Rückruf betroffen ist, sondern nach Seriennummer entschieden wird, kann ich mir vorstellen, dass die in D. vertriebenden Produkte womöglich nicht betroffen sind. Wenn ich wohlwollend denken will. Also nach viel Schokolade.

    Ich bin mit dem Thema "Anker A1263" nicht viel weiter. Bei der US-Rückgabe muss die Seriennummer in ein Formular eingetragen werden. Das erlaubt bei einigen der Modellbesitzer wohl die Rückgabe, andere erhalten die Info, dass ihre Powerbank nicht betroffen sei (bei gleichem Modell.). Ich habe das mal mit meiner Seriennummer probiert und bekam das "Unbedenklich"-Feedback. (Allerdings bekam ich diese auch mit einer ausgedachten Seriennummer, nunja.)

    Telefonisch bin ich bei der deutschen Hotline nicht durchgekommen und werde das auch nicht weiter versuchen. Die Mailadresse für den Support ist die gleiche, die auch für die ganze USA gilt - dazu ist mir auch wieder meine Lebenszeit zu schade.

    Da ich die Powerbank inzwischen nicht mehr benutze und nur noch als Backup habe, ziehe ich wohl das gleiche Fazit wie Belian und entsorge das Gerät. Blöd ist es trotzdem, und sei es nur allein wegen der Ressourcen, die in die Produktion gegangen sind... X/

    Ich mag ja so Bastelei-Tests, danke!
    Die Frage ist ja: Was will ich unterwegs dabei haben. Fürs Zuhause ist mir das Gewicht egal.
    Wenn ich keine Deckel brauche, geht das Teelicht mit Filz scheints gut. Ich habe keinen X-Boil und nutzte keinen Filzbrenner, aber: war es nicht immer ein Pro-Argument, dass man den X-Boil wieder zuschrauben kann? Muss ich den Teelicht-Filzbrenner noch extra verpacken/immer ausbrennen lassen und spare mir daher nichts?

    Ich verstehe nicht, warum man diese teuren und gleichzeitig ungesunden Riegel essen sollte, wenn man stattdessen Nüsse nehmen kann.

    Mandeln: 645 kcal, 56 g Fett, 5,4 g Kohlenhydrate, 24,2 g Protein, 11,2 g Ballaststoffe. Walnüsse: 712 kcal, 69,1 g Fett, 3,7 g Kohlenhydrate, 15,5 g Protein, 6,8 g Ballaststoffe.

    Ich esse gern Nüsse, aber nicht gern während ich laufe. Immer mal wieder brauche ich etwas, was ich zwischendurch, während ich in Bewegung bin, verknuspern kann, und Riegel sind da eine Möglichkeit unter anderen. Nüsse essen braucht für mich mehr Zeit und Ruhe.

    Taxifahrer ist ein absoluter Niedrig - Lohn Job , meistens als Selbstständiger ausgeführt ohne soziale Absicherung (okay in den USA gilt das für viele Jobs, klar) Das Taxifahrer selten Alzheimer bekommen liegt wohl daran, dass sie eine geringe Lebenserwartung haben, mit 80 wird man also eher dement als mit 60...

    Die Studie hat das, so wie ich sie lese, im Studiendesign herausgefiltert/mitberechnet.

    Statistical analysis

    For each occupation, we first calculated the percentage of deaths due to Alzheimer’s disease and the mean age at death in years (ie, average life expectancy). We plotted the association between these two variables, with each observation reflecting a single occupation. The purpose of this analysis was to illustrate the need to account for the person’s age at death since the risk of Alzheimer’s disease rises with age and therefore Alzheimer’s mortality would naturally be lower in occupations with a lower life expectancy.

    (Fettung von mir.)
    Quelle: https://www.bmj.com/content/387/bmj-2024-082194

    Ich glaube, das Risiko ist weniger „verkümmern“ (bei Erwachsenen) und viel mehr „nicht lernen“ (bei Kindern).

    Wobei Kinder ja eher gar nicht bis sehr wenig mit GPS navigieren. Allerdings werden sie heutzutage mehr gefahren als früher, haben dadurch aber auch einen weiteren "Erlebnisradius".

    Ich habe mir mal die Harvard-Studie durchgelesen die im Artikel verlinkt wird und einen Zusammenhang mit Taxi- und Krankenwagenfahrenden (people with "substancial navigational memory") und einem verringerten Risiko an Alzheimer zu sterben festgestellt. Spannend - aber für das "GPS-Navitgationsproblem" ist es wohl nicht relevant, denn auch ohne GPS wird wohl keiner in seinem Alltags- oder Wanderleben so eine gewaltige innere Karte anlegen. Bei Busfahrern war dieser Zusammenhang schon nicht mehr festzustellen.

    Anektodisch lustig finde ich es immer, wenn ich mit an meinem Wohnort mit Einheimischen rede und die Sprache auf einen Ort in der Nähe kommt. Wenn ich dann sowas sage wie "ah ja, Pusemuckelhausen, das ist nordwestlich von Pusemuckelstadt, richtig?", dann ernte ich fast immer Fragezeichen. Weil die meisten mir Bekannten ihre Umgebung nicht an den Himmelsrichtungen orientieren, sondern eher nach "Die B entlangfahren und an Kreuzung X die Ausfahrt nach Muckeldorf nehmen".
    Ich kann nicht beurteilen, ob das eine besser oder schlechter ist, es ist mir nur aufgefallen.

    Danke für den Link! Ich habe es mal mit einer Strecke getestet, den ich gut kenne. Die Kartenbasis scheint OSM zu sein - da freut es mich, dass der Service auch kostenlos ist.
    Für einen ersten Eindruck zur Planung, wo man sich verpflegen/Wasser finden könnte ganz praktisch.

    Nacht 2
    Erholsam!

    Tag 3
    Heute weckt mich kein Wecker, außerdem wartet ein Frühstücksbuffet! Ich hatte am Abend zuvor schon gefragt, ob ich früher als üblich frühstücken dürfe, und sitze halbe Stunde eher als der Rest des Hauses bei Kaffee und Brötchen. Nach dem gestrigen Tag hatte ich Muskelschmerzen erwartet, aber mir geht es erstaunlich prima.

    Als wäre das das Motto meiner Tour habe ich nämlich auch heute Zeitdruck: Um 13 Uhr bin ich mit meiner Mitfahrgelegenheit am Edersee verabredet, ich werde am Nachmittag im Nachbarbundesland erwartet. Ich gehe um 8 Uhr los und lese nochmal die Strecke nach, so wie der Habichtswaldsteig sie ausschreibt: von Naumburg nur 21 Kilometer und nur 350 Höhenmeter. Noch ahne ich nicht, dass eine der Angaben gewaltig falsch ist.

    Von Naumburg heraus geht es bald kilometerlang durch den Wald. Das ist mir sympathisch, wenn der Wald auch recht unspektakulär ist, für jemanden der wie ich schon an einem lebt. Ich mag einfach Bäume. Unterwegs treffe ich nur Hochsitze beim Frühstückskränzchen…


    …aber sehe sonst nicht viel. Erst als ich wieder über Felder laufe, merke ich, wie die Bäume mich geschützt haben, und ziehe meine Windjacke und -hose über. Brrr.
    Aber es gibt Trost: Jemand Nettes hat ein Kästchen mit Trail Magic aufgestellt. Wie lieb!


    Das Hanuta reizt mich, aber ich habe keine Lust, mein Münzgeld herauszukramen.

    Ich nähere mich Waldeck, und checke meine Garmin: die 350 Höhenmeter habe ich schon. Dann muss es ja ab jetzt nur noch bergab gehen? Ich habe nichts dagegen. Das Schloss Waldeck liegt nicht direkt auf dem Weg, wäre aber sicher einen kleinen Umweg wert. Jetzt sehe ich auch endlich mal den Edersee, nach dem ich schon kilometerlang ausgespäht hatte:


    Bald muss ich mich vom NST trennen, der dem Urwaldsteig in anderer Richtung folgt. Ich gehe östlich des Sees entlang nach Süden und bin überrascht von der Wegführung, über die ich vorher gar nichts wusste: Ich laufe fast permanent auf schmalem Pfad am Hang entlang. Und zwar nicht nur bergab. Es geht abwechselnd hoch und runter, immer wieder mit toller Aussicht auf den See, an einigen Stellen auch etwas kraxelig und steil abschüssig.

    Spaß macht das! Der Urwaldsteig, der auf 66 km den Edersee umläuft und sich hier mit dem Habichtswald einen Abschnitt teilt, kommt sofort auf meine Liste. Gerne noch diesen Sommer. Aber steil ist es auch: 678 Höhenmeter habe ich später auf meiner Uhr, von wegen 350. Noch einmal geht es steile Serpentinen hinab und ich habe mich auf die Höhe der Staumauer heruntergerutscht, über die ich nun auch schon laufe.


    Eher zufällig finde ich kurz nach eins den südlichen Endpunkt des Trails auf einem Parkplatz hinter dem kleinen Örtchen Hemfurth-Edersee. Ich bin ein bischen wehmütig, weil die Zeit schon rum ist und tröste mich mit Fish&Chips und guter Gesellschaft.

    Mini-Gear-Review:
    Mein Baseweight lag bei etwa 4,5 kg. Das ist zum einen meinem Luxusbedürfnis fürs warme Schlafen geschuldet, zum anderen der Tatsache, dass meine big 4 alle second hand sind und ich tendenziell lieber Abstriche beim Gewicht in Kauf nehme, als Geld in Optimierung zu stecken. Wer mir ein 400g-DCF-Zelt schenken möchte, kann sich gerne melden 😉


    Dinge, die unnötig waren:
    - Daunenjacke. Da ich ohnehin ständig in Bewegung war, war die Jacke völliger Overkill. Hätte ich die Abende gemütlich bei gutem Wetter auf den Trekkingplätzen ausklingen lassen können, wäre sie vielleicht sinnvoll gewesen. So lag ich entweder im Quilt oder im Bett, und in beidem war mir muckelig warm.
    - Essen. Ich hatte mir für 2 Tage Müsli abgefüllt, einen Fertigfraßbeutel dabei und einige Riegel. Wieder mit nach Hause genommen habe ich alles und sogar noch drei Riegel. Mein Spiritus war mit einmal Kaffee kochen auch überdimensioniert geplant.
    Notiz für mich: Wenn es unterwegs Futter zu kaufen gibt, kaufe ich Futter. Ein Schokocroissant in der Hand gewinnt immer gegen Müsli im Rucksack. Pizza trumpft Couscous.
    - lange Hose. Es hätte auch eine kürzere getan.


    Dinge, die sich bewährt haben:
    - Wind- statt Regenhose (die blieb zuhause)
    - Tape: Durchs rechtzeitige Tapen blieb mir eine Blase erspart.
    - mein ÜLA Ohm 2.0. Das war sein erster Einsatz, ohne Gestänge und ohne die Rückenschaummatte, die hatte ich durch meine gefaltete Isomatte ersetzt. Der ÜLA trug sich wunderbar, auch mit 3 Litern Wasser. Von den sonst üblichen Schulterschmerzen blieb ich völlig verschont.
    - meine 9 Gramm-Pinkelrinne. Kurzerhand hatte ich vor der Abfahrt eine Pinkelinne nach dem Vorbild von Schwarzwaldine zugeschnitten, allerdings aus einer Shampooflasche. Die passte, eingewickelt in einen Hundkotbeutel, perfekt in meine Hüftgurttasche. Ich empfinde es nach wie vor als absoluten Luxus, sich nicht ständig ein verhuschtes Örtchen suchen zu müssen, sondern nur auf ausreichenden Abstand zu Mitmenschen zu achten.
    - die App Wanderfreund, und darauf der NST, für Wegführung und Wasserstellen, obwohl nicht alle möglichen darauf eingezeichnet waren.

    Habichtwaldsteig rules!

    Deinen Bericht hatte ich auch schon gelesen - war mit einer der Gründe, warum ich mir diese Tour ausgesucht hatte :)

    Schade, dass das Wetter nicht so mitgespielt hat...

    Das Wetter kann es mir nie Recht machen. Mein Ideal sind knapp unter 20 Grad und schmierig-leicht bewölkt, es sei denn ich bin im Wald, dann bitte Sonne. Wind nur von hinten, dankeschön!

    Den Füßen ging es eigentlich gut, die sind von mir schon Kummer gewohnt :S

    Nacht 1

    Ich wache immer wieder auf. Wind und Regen haben nachgelassen, aber ich lasse die Abside größtenteils zu, weil ich nicht weiß, ob ich vom Nieselregen rechtzeitig aufwachen würde. Mein Quilt soll trocken bleiben, doch das gelingt mir nicht gut. Alles trieft, draußen und bald auch drinnen. Ich drehe mich ständig auf eine andere Seite, und bin jedes Mal halb wach, um zu checken, ob ich die Daune nicht gegen die Wände drücke. Ich lege meinen Poncho über das Fußteil, aber er rutscht immer ab. Demnächst müsste ich mir eine Befestigung dafür überlegen, eine Art Poncho-Füßling. Eigentlich hatte ich mir noch einen Quilt aus Apex nähen wollen. Ob ich dann ruhiger geschlafen hätte?

    Ich wische nachts mal das Zelt von innen ab, was nur kurzfristig hilft, und stelle mir einen Podcast an, der mich irgendwann wieder einschläfert. Morgen habe ich etwa 40 km geplant bis zum Trekkingplatz Brederich mit einem Abstecher zum Einkaufen. Mein Wecker klingelt deshalb um 5.

    Um viertel vor fünf wache ich das zigste Mal auf, aber zum ersten Mal mit dem Gefühl, jetzt gleich sofort weiterschlafen zu können. Leider mache ich den Fehler und schaue auf die Uhr. Wenn ich weiß, dass ein Wecker gleich klingelt, kann ich grundsätzlich nicht mehr einschlafen. Verdammt. Ich liege noch ein Weilchen herum, und dann beginne ich


    Tag 2


    Tag zwei beginnt mit Wischen. Es ist klatschnass im Zelt, und ich möchte keinen Sprühregen auslösen. Mehrfach wringe ich meinen kleinen Lappen aus, bis ich die meiste Nässe entfernt habe. Mein Quilt ist leider am Fußende doch feucht geworden, ich werde ihn so einpacken müssen. Das Packen meiner Sachen dauert länger, als ich gedacht hatte. Ich habe keine Routine mehr. Das Zelt trieft auch von außen, ich schüttele und wische, aber trotzdem hat es sich gefühlt im Gewicht verdoppelt, als ich es in den Packsack stopfe. Kurz vor sechs breche ich auf.

    Trotz der schlechten Nacht fühle ich mich gut und habe richtig Lust auf den Tag. Respekt auch, denn er wird lang mit wieder fast 1000 Höhenmetern. Es ist schon etwas hell geworden und der Weg führt mich zur Autobahnunterführung. Inzwischen nervt mich das Dauerrauschen und ich bin mehr als bereit, es hinter mir zu lassen. Ein paar Rehe hüpfen vor mir über den nassen Weg, sorry für die Störung!

    Im nächsten Örtchen, das ich streife, spiele ich wieder das alte Spiel und entledige mich ein paar meiner unnötigen Schichten. Ein Frühaufsteher winkt mir aus seiner Küche lächelnd zu, ich winke zurück. Ich mag solche kurzen Minibegegnungen.


    Es geht hoch zu einer Burgruine, wie noch mehrfach an diesem Tag, Burg Schauenburg. Aussicht habe ich keine, denn der Nebel hängt noch über allem. Ich fotografiere wie immer jede Erklärtafel, um sie später in Ruhe nachzulesen. Dass ich meinen Zeitplan knapp gesteckt habe, fängt an mich zu ärgern, aber es lässt sich nun mal nicht ändern.



    Es ist trotzdem schön, ich mag dieses Verhangene und vermisse die Sonne noch gar nicht. Die arbeitet sich aber so langsam durch die Wolken, während ich mich vom Weg treiben lasse. Ich sehe überhaupt keine Menschen, und offensichtlich auch eine Markierung nicht. Nach einem halben Kilometer Forststraße kommt mir meine Gehfläche ungewöhnlich vor, denn bislang hatte sich der Habichtswaldsteig um Abwechslung bemüht, und Schildermangel gab es auch noch nicht. Na gut, dann umkehren, leider wieder bergauf.

    Zwei Burgreste und eine trockene Quelle später nähere ich mich meinem Resupply-Punkt in Bad Emstal. Ich brauche dringend Wasser. Am Tag zuvor hatte ich mich schon in leichte Kopfschmerzen hineingespart, das wollte ich heute besser machen. Ich habe gar keine Lust auf Leute und finde die Umstellung von keinen Menschen zu viele Menschen wie immer schwierig. Unschön ist auch das Gewicht: Ich gehe mit fast drei Litern Wasser wieder los, denn es ist warm, fast heiß geworden, und auf der Karte ist vorerst keine Auffüllmöglichkeit ohne Umweg zu sehen.

    Ich beschließe, mir den ungebuchten Trekkingplatz Läuseküppel kurz hinter Bad Emstal zu suchen, und dort mein spätes Frühstück zu halten. Laut Karte müsste er ganz in der Nähe sein, aber ich schau mich nur halbherzig um und breche das Suchen ab, weil eine Sitzgruppe im Schatten lockt. Als ich mich hinplumpsen lasse, fällt mir auf, dass ich das erste Mal seit dem Loslaufen wieder sitze.

    Nom nom nom

    Ich checke erneut die Wettervorhersage, Regen, Gewittergefahr, das Wort Sturmböen fällt mir ins Auge. Ich habe schon die ganze Zeit mit mir debattiert, ob ich spontan ein Hotel nehmen sollte. Warum fühlt sich das wie einknicken an? Das ist doch bescheuert. Ich rufe eines in Naumburg an, ein Stückchen hinter meinem Trekkingplatz. 55 Euro für ein Zimmer mit Frühstück, ja, das nehme ich. Aber: Ich muss bis 18 Uhr dort sein, mittwochs ist Ruhetag. Ich buche trotzdem. Meine Strecke ist jetzt noch ein paar Kilometer länger geworden, mein Zeitplan hat nun eine Deadline und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich den Trekkingplatz nicht nutzen werde, aber mich lockt ein Bett und eine Pizza und irgendwie auch die sportliche Herausforderung.

    Wenig fordernd ist jetzt der Weg geworden. Auch weniger schön, verglichen mit Tag 1, der mich total verdorben hat. Es gibt jetzt viele Kies- und Feldwege, aber vorerst kein wirklich schönes Teilziel mehr. Immer mal wieder gehe ich entlang oder überquere eine einspurige Bahnstrecke, die irgendwas zwischen aufgegeben und genutzt aussieht. Später lese ich nach, dass hier ein paarmal im Jahr ein Dampfzug fährt, der Hessencourrier – ah, das erklärt es.

    Inzwischen kommen mir vermehrt Wandermenschen entgegen, ein paar wenige überhole ich. „Ja, mit Stöcken geht man schneller!“ ruft mir ein Päärchen hinterher. Klar, wer braucht schon Beine, Stöcke bringen dich magisch voran.

    Es gibt auch sehr viel weniger Schatten. Ich habe zu wenig Sonnencreme mitgenommen, nur ein paar Spritzer, und bereue das jetzt. Immerhin wird das Wassergewicht schnell weniger. Der Weg führt mich hoch zu einer großen Schaukel, die ich ausgiebig nutze. Ab jetzt wird es wieder etwas waldiger, allerdings wartet der letzte große Anstieg des Tages auf mich: hoch zur Weidelsburg, die ich seit einiger Zeit sehen kann.

    Und die haben die Leute damals wirklich weit oben gebaut. Während ich schnaufe und gedanklich noch für Talburgen plädiere, bin ich angekommen: Ist die toll! Wie ein Kleinkind flitze ich durch das Burggelände. Da bin ich nicht die einzige, das Ausflugsziel ist offensichtlich beliebt. Hier könnte man bestimmt auch urig sein Zelt aufschlagen...



    Aber die Zeit drängt mich, ich habe keine Ruhe. Ich bleibe wieder nicht so lange, wie ich gern geblieben wäre, und schlage den Weg bergab ein. Nach ein paar Metern bin ich schon alleine; der Hauptweg geht woanders lang. Steil geht es einen hübschen Trail den Hang hinab, bis ich um eine Ecke komme und mir die Luft wegbleibt.

    Jetzt weiß ich auch, woher die Burg ihre Steine hatte


    Katzenloch ist ein hässlicher Name für so etwas! Der Basaltsteinbruch sieht grandios aus. HIER mal schlafen! Oder zumindest die Feuerstelle nutzen! Nur ungern ziehe ich weiter, aber so langsam beschweren sich meine Beine, die getapte Stelle am Fuß meldet sich auch schon länger wieder. Ich mache nur noch drölfzig Fotos und reiße mich los.

    Ab jetzt empfinde ich das Gehen als anstrengend und möchte wirklich gern ankommen. Ich staune noch über eine alte Bauminschrift von 1944, lasse eine offensichtlich beliebte Gastronomie links liegen, und habe als nächstes Ziel „meinen“ Trekkingplatz, an dem der Weg mich genau vorbeiführt. Es zieht sich auch so langsam zu. Der Trekkingplatz Brederich gefällt mir, weniger gern mag ich die laute Wandertruppe und die zwei Rollerfahrer, die dort entlangbrummen. Präsentiertellerschlafen ist nicht meins. Das erleichtert mir meine Entscheidung, und ich steuere auf Naumburg zu.


    Trekkingplatz Brederich: Hier gibt es sogar eine Wasserquelle


    Dass ich nicht mehr entlang des Habichtswaldsteigs steuere, fällt mir erst irgendwann auf, als ich schon einen Kilometer vom Trail entfernt bin. Der Weg führt eigentlich an Waldrand und Wiese nach Naumburg hinein, ich bin irgendwie querdurch gelaufen. Soll ich jetzt noch umkehren? Ich schätze, dass ich etwa zwei Kilometer Weg abgekürzt habe. Allerdings bin ich schon 42 gelaufen und es ist nur noch ein weiterer bis zum Hotel. Nee, ich mag nicht mehr. Ich steuere weiter auf mein gebuchtes Bett zu und nehme mir vor, nach einer Pause im Hotel den verpassten Teil nachzuholen, zumindest teilweise. Ich liege gut in der Zeit, es ist erst vier Uhr und nur das schlechte Wetter verspätet sich.

    Sobald ich auf dem Zimmer bin, rupfe ich den zerdetschten Quilt aus dem Rucksack und lüfte ihn aus. Auch das Zelt hänge ich quer im Zimmer auf, das hätte ich schon unterwegs mal tun sollen. Es sieht wie explodiert aus. Zufrieden lege ich mich hin und stehe dann nur noch fürs Pizzaholen und eine kleine Stadtrunde noch mal auf. Ich trödele so lange herum, bis es regnet, und mir die Entscheidung, den verpassten Weg heute noch nachzuholen, abgenommen wird. Die Gewitterknallerei bekomme ich kaum noch mit, muss ich auch nicht. Aus dem Bett heraus bin ich sehr fein mit meiner Luxusentscheidung. Meine Beine, die erst noch meckern, geben bald Ruhe, und dann schlafe ich ein.