Nacht 2
Erholsam!
Tag 3
Heute weckt mich kein Wecker, außerdem wartet ein Frühstücksbuffet! Ich hatte am Abend zuvor schon gefragt, ob ich früher als üblich frühstücken dürfe, und sitze halbe Stunde eher als der Rest des Hauses bei Kaffee und Brötchen. Nach dem gestrigen Tag hatte ich Muskelschmerzen erwartet, aber mir geht es erstaunlich prima.
Als wäre das das Motto meiner Tour habe ich nämlich auch heute Zeitdruck: Um 13 Uhr bin ich mit meiner Mitfahrgelegenheit am Edersee verabredet, ich werde am Nachmittag im Nachbarbundesland erwartet. Ich gehe um 8 Uhr los und lese nochmal die Strecke nach, so wie der Habichtswaldsteig sie ausschreibt: von Naumburg nur 21 Kilometer und nur 350 Höhenmeter. Noch ahne ich nicht, dass eine der Angaben gewaltig falsch ist.
Von Naumburg heraus geht es bald kilometerlang durch den Wald. Das ist mir sympathisch, wenn der Wald auch recht unspektakulär ist, für jemanden der wie ich schon an einem lebt. Ich mag einfach Bäume. Unterwegs treffe ich nur Hochsitze beim Frühstückskränzchen…
…aber sehe sonst nicht viel. Erst als ich wieder über Felder laufe, merke ich, wie die Bäume mich geschützt haben, und ziehe meine Windjacke und -hose über. Brrr.
Aber es gibt Trost: Jemand Nettes hat ein Kästchen mit Trail Magic aufgestellt. Wie lieb!
Das Hanuta reizt mich, aber ich habe keine Lust, mein Münzgeld herauszukramen.
Ich nähere mich Waldeck, und checke meine Garmin: die 350 Höhenmeter habe ich schon. Dann muss es ja ab jetzt nur noch bergab gehen? Ich habe nichts dagegen. Das Schloss Waldeck liegt nicht direkt auf dem Weg, wäre aber sicher einen kleinen Umweg wert. Jetzt sehe ich auch endlich mal den Edersee, nach dem ich schon kilometerlang ausgespäht hatte:
Bald muss ich mich vom NST trennen, der dem Urwaldsteig in anderer Richtung folgt. Ich gehe östlich des Sees entlang nach Süden und bin überrascht von der Wegführung, über die ich vorher gar nichts wusste: Ich laufe fast permanent auf schmalem Pfad am Hang entlang. Und zwar nicht nur bergab. Es geht abwechselnd hoch und runter, immer wieder mit toller Aussicht auf den See, an einigen Stellen auch etwas kraxelig und steil abschüssig.
Spaß macht das! Der Urwaldsteig, der auf 66 km den Edersee umläuft und sich hier mit dem Habichtswald einen Abschnitt teilt, kommt sofort auf meine Liste. Gerne noch diesen Sommer. Aber steil ist es auch: 678 Höhenmeter habe ich später auf meiner Uhr, von wegen 350. Noch einmal geht es steile Serpentinen hinab und ich habe mich auf die Höhe der Staumauer heruntergerutscht, über die ich nun auch schon laufe.
Eher zufällig finde ich kurz nach eins den südlichen Endpunkt des Trails auf einem Parkplatz hinter dem kleinen Örtchen Hemfurth-Edersee. Ich bin ein bischen wehmütig, weil die Zeit schon rum ist und tröste mich mit Fish&Chips und guter Gesellschaft.
Mini-Gear-Review:
Mein Baseweight lag bei etwa 4,5 kg. Das ist zum einen meinem Luxusbedürfnis fürs warme Schlafen geschuldet, zum anderen der Tatsache, dass meine big 4 alle second hand sind und ich tendenziell lieber Abstriche beim Gewicht in Kauf nehme, als Geld in Optimierung zu stecken. Wer mir ein 400g-DCF-Zelt schenken möchte, kann sich gerne melden 😉
Dinge, die unnötig waren:
- Daunenjacke. Da ich ohnehin ständig in Bewegung war, war die Jacke völliger Overkill. Hätte ich die Abende gemütlich bei gutem Wetter auf den Trekkingplätzen ausklingen lassen können, wäre sie vielleicht sinnvoll gewesen. So lag ich entweder im Quilt oder im Bett, und in beidem war mir muckelig warm.
- Essen. Ich hatte mir für 2 Tage Müsli abgefüllt, einen Fertigfraßbeutel dabei und einige Riegel. Wieder mit nach Hause genommen habe ich alles und sogar noch drei Riegel. Mein Spiritus war mit einmal Kaffee kochen auch überdimensioniert geplant.
Notiz für mich: Wenn es unterwegs Futter zu kaufen gibt, kaufe ich Futter. Ein Schokocroissant in der Hand gewinnt immer gegen Müsli im Rucksack. Pizza trumpft Couscous.
- lange Hose. Es hätte auch eine kürzere getan.
Dinge, die sich bewährt haben:
- Wind- statt Regenhose (die blieb zuhause)
- Tape: Durchs rechtzeitige Tapen blieb mir eine Blase erspart.
- mein ÜLA Ohm 2.0. Das war sein erster Einsatz, ohne Gestänge und ohne die Rückenschaummatte, die hatte ich durch meine gefaltete Isomatte ersetzt. Der ÜLA trug sich wunderbar, auch mit 3 Litern Wasser. Von den sonst üblichen Schulterschmerzen blieb ich völlig verschont.
- meine 9 Gramm-Pinkelrinne. Kurzerhand hatte ich vor der Abfahrt eine Pinkelinne nach dem Vorbild von Schwarzwaldine zugeschnitten, allerdings aus einer Shampooflasche. Die passte, eingewickelt in einen Hundkotbeutel, perfekt in meine Hüftgurttasche. Ich empfinde es nach wie vor als absoluten Luxus, sich nicht ständig ein verhuschtes Örtchen suchen zu müssen, sondern nur auf ausreichenden Abstand zu Mitmenschen zu achten.
- die App Wanderfreund, und darauf der NST, für Wegführung und Wasserstellen, obwohl nicht alle möglichen darauf eingezeichnet waren.