Beiträge von Mia im Zelt

    Tag 15 (21km), Tag 16 (27km) & Tag 17 (23km)


    Dieser Abschnitt bis Kearny war insgesamt ziemlich trocken. Da die ersten Wasserquellen nach Oracle ausschließlich aus Bear Boxes bestanden, die zweifelhaft befüllt waren, nahm ich anfangs 3,5 Liter mit. Blöderweise bekam ich dann von dem dadurch schwer gewordenen Rucksack immer stärkere Schulterschmerzen. Mein Mann nahm mir dankenswerterweise etwas Wasser ab.


    Wir starteten relativ spät um die teure Ranch optimal auszunutzen. Der Trail führte auf einfachen Pfaden durch sanft gewellte trockene Landschaft, wo nur ein paar stachelige Büsche und noch stacheligere Kakteen wuchsen. Dieser und der nächste Tag versprach hohe 20 Grad heiß zu werden – die Aussicht auf Schatten war gering. Selbst an diesem Tag war es mir ein wenig zu warm, doch an den nächsten sollte es noch heißer werden. Keine tolle Aussicht.


    Die Nacht auf dem Zeltplatz mitten im Nirgendwo war angenehm warm. Aufgrund der vorhergesagten Hitze versuchten wir früh zu starten. Anfangs ging es auch noch gut. Der Weg war einfach zu gehen und führte nur hin und wieder einen Hügel hinauf. Die Aussichten empfand ich als schön, aber nicht so überwältigend wie von den hohen Bergen. Als ich oben an einem Hügel ankam, bekam ich Hüftschmerzen, die nach und nach immer stärker wurden. Die blöden empfindlichen Schultern taten auch schon wieder weh. Außerdem war es mir selbst mit Schirm zu warm. Wir mussten einen Umweg zu einem XXL-Wassertank gehen, denn in dieser trockenen Landschaft sind diese rar. Dort angekommen legten wir aufgrund meiner Hüftschmerzen eine verfrühte zweistündige Zwangspause ein. Der schwere Rucksack war wohl zu viel für meine Hüften und auch für die Schultern. Zwar war das Baseweight mit rund 4,5kg leicht, aber die Lebensmittel und das Wasser brachten das Gesamtgewicht auf 10kg und mehr. Mein Mann kennt sich mit der Anatomie der Muskeln aus und massierte mich, doch das erwies sich an der Stelle als etwas schwierig. Das Wasser in dem Tank war herrlich klar und lecker – es schwammen übrigens Goldfische im Tank! Die Schmerzen an der Hüfte waren besser geworden, aber gefühlt war die Luft noch heißer geworden. Ich träumte von dem kühlen Wetter Skandinaviens und wünschte mir einen Regenschauer herbei.


    Wenn wir schattige Stellen fanden, was in dieser stacheligen Vegetation nicht einfach war, nutzten wir sie für kleine Snackpausen. Erst eine Stunde bevor es dunkel wurde, sanken die Temperaturen auf ein angenehmes Niveau ab.


    Auch an diesem Tag wurde es wieder viel zu schnell viel zu warm. Ich nahm mir vor, sollte ich es mal schaffen mir den Traum vom PCT zu erfüllen, an solch heißen Tagen auf Nighthiking mit einer Kopflampe umzusatteln. Der heutige Weg war fast ausschließlich flach. Schon bald entdeckten wir die Wohnmobil-Station der MTBler, die wir schon am Vortag beim Wassertank gesehen hatten, die gerade Trail Magic aufgebaut hatten. Für mich gab es eine Avocado und für meinen Mann ein Müslimix. Sehr nett! Wenige km weiter kamen wir an einem Parkplatz an einer Bear Box vorbei, in der wir neben Wasser auch gekühlte Getränke, Äpfel und einige Schokoriegel fanden. Wahnsinn – gleich 2x Trail Magic!

    Diese Aufheiterung hatte ich bei der heutigen Hitze auch nötig – im Schatten war es auszuhalten, aber das Laufen ging nur mit Sonnenschirm. Am späten Nachmittag war ich trotz langer Mittagspause völlig erschöpft. Wir mussten neben unseren üblichen Kilometern noch einen zusätzlichen Umweg von 3km (hin- und zurück) zu einem Wildlife-Tank laufen, um dort unser Wasser aufzufüllen. Also gelaufen sind wir mehr als 27 km, davon nur nicht alle auf dem AZT. Am Abend sahen wir von unserem Zeltplatz aus einen grandiosen Sonnenuntergang, dessen Schönheit nur von Strommasten gestört wurde.


    Diese Nacht war wie die zuvor wieder angenehm warm. Mein Mann muss nur irgendwie einen winzigen Stachel in seine TaR Xtherm bekommen haben, denn die verlor in der Nacht an Luft. Zwar nicht schnell und viel, aber doch merklich. In Kearny hieß es also neben Resupply erledigen nun auch Matte flicken.

    Wir entschieden ohne längere Mittagspause die verbliebenen 23km bis zu einem großen Parkplatz weiterzugehen, um dort nach einem Hitch Ausschau zu halten. Im Nachhinein stellte es sich als ziemlich unklug heraus bei der Hitze keine Mittagspause zu machen. Insbesondere meine Konzentration hatte schon durch die Hitze vom Vortag gelitten und an diesem Tag litt sie noch mehr. Oben an einem Bergpass wehte ein böiger Wind, der eine Strebe vom Sonnenschirm meines Mannes zum zerbrechen brachte. Toll – nun müssen zwei Ausrüstungsgegenstände repariert werden. Am Parkplatz angekommen war ich so fertig, dass ich mich erst mal einige Zeit auf die im Schatten gelegene Bear Box setzten musste. Zu allem Überfluss fanden wir keine Mitfahrgelegenheit und hatten auch keinen Empfang um einen Trail Angel in Kearny zu kontaktieren. Die anwesenden auf dem Parkplatz hatten ebenfalls keinen Empfang. Also blieb uns nichts anderes übrig als weitere 3km bis zum nächsten Parkplatz zu laufen. Dort soll man Empfang haben. Diesen brauchten wir dann gar nicht, denn ein Spaziergänger aus Kearny bat und an, uns mitzunehmen. Vor Ort checkten wir gleich ins örtliche Motel ein.


    Am nächsten Tag legten wir ungeplanten einen Ruhetag ein, da es so viel zu organisieren gab. Den Resupply hatten wir schnell erledigt. Doch dann kam das nächste Desaster: Vor dem Start auf dem AZT waren wir sieben Wochen in Costa Rica gewesen. Für diese Reise hatten wir ein paar Ausrüstungsgegenstände dabei, die wir zwar behalten wollten, aber auf dem AZT unnötig waren. Wir entschieden uns für einen Tipp aus einer Facebook-Gruppe und verschickten die Sachen in einer Bounce-Box ans Post-Office in Kearny um sie anschließend weiter zu bouncen. Auf dem PCT soll das eine gängige Methode sein. Ein Hauptgrund für diese Entscheidung war die Sorge vor dem deutschen Zoll, da wir kaum Unterlagen besaßen, die beweisen konnte, dass wir alles in Deutschland besorgt hatten. Tja und es stellte sich heraus, dass das Paket gar nicht im Postamt von Kearny war. Laut Tracking-Code war es auf dem Rückweg zum Absender – den es gar nicht wirklich gab, da wir mangels eigener Adresse die von der Airbnb-Wohnung genommen hatten. Ein gemeinsamer Anruf bei der amerikanischen Post brachte sowohl mich als auch meinen Mann schier zur Verzweiflung, denn es dauerte geschlagene 45min um eine echte Person ans Telefon zu kriegen, die uns weder weitere Infos noch Hilfestellung geben konnte. Der Besitzer der Airbnb-Wohnung sagte schlussendlich zu das Paket anzunehmen und uns zuzuschicken.

    Da meine Bluse und Shorts schon viel zu viele Löcher bekommen hatten, kaufte ich spontan Ersatz im örtlichen Thrift-Store. Die Reparatur der Ausrüstung war zwar nervig, ging aber vergleichsweise unproblematisch von Statten.

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    Tag 13 (22km) & Tag 14 (22km)


    Diese Nacht war angenehm warm, ein richtiger Genuss nach den vielen frostigen Nächten zuvor. Diesmal sollte es erneut den ganzen Tag bergauf gehen, insgesamt rund 1600hm. Der Anstieg begann in sanften Kehren bis zum Romero Pass. Ab hier sollte der Trail laut Farout-App ruppiger werden. Das tat er auch, denn er bestand zunehmend aus großem Geröll und der Weg wurde nach dem steilen Anstieg immer schwerer zu erkennen. Es gab zwar Steinmännchen, doch die waren nicht immer überall vorhanden. Während wir bergauf liefen begegneten wir einem Paar, welches uns auf einen kommenden Sturm hinwies. Da wir seit Vail kein Internetempfang hatten, hatten wir nicht mehr an die Wettervorhersage gedacht. So ließen wir uns dazu animieren, selber einen Blick in die Vorhersage zu werfen. So weit oben hatten wir tatsächlich guten Empfang und konnten die Sturmvorhersage selber sehen.


    Die Markierung in der „Wilderness of Rocks“ mit unzähligen Findlingen und kleinen Bächen war immer mal wieder dürftig, so dass wir uns in dieser Wilderness, die ihrem Namen vollkommen gerecht wird, verliefen. Wir schafften es knapp noch eine Pizza in der Mt. Lemmon Cookie Cabin abzugreifen. Rechtzeitig wollten wir uns auf den Weg machen, um noch ein windgeschütztes Plätzchen für unser Zelt zu finden. Inzwischen war es kalt geworden und der Wind hatte ordentlich aufgefrischt. Doch vorher versuchte mein Mann noch ein Zimmer in Oracle zu reservieren. Dies erwies sich als schwierig: Die einzige Übernachtungsmöglichkeit war eine Ranch mit Zimmerpreisen von 135$ plus Steuern übrig. Ein wahrlich saftiger Preis, aber wir willigten ein, denn den Pausentag brauchten wir nun dringend. Um einen Zeltplatz zu finden, liefen wir nicht bloß aus Summerhaven raus, sondern verließen sogar den AZT, da dieser ausgesetzt über einen Grat weitergehen würde. An einer verbreiterten Stelle am Rand einer Forststraße fanden wir nach 22km ein windgeschütztes Plätzchen. Weiter oben war der Wind inzwischen viel zu stark geworden. Kurz nachdem wir die Isomatten aufgepustet hatten, fing es an zu schneien.


    Es schneite tatsächlich immer weiter, wenn auch nicht immer gleich stark. Irgendwann muss es aufgehört haben oder drauf geregnet haben, denn der Boden war am nächsten Tag zwar weiß, aber die Schneehöhe gering. Auch der Weg an dem Grat oben am Bergrücken war problemlos zu gehen und die Aussichten weitreichend. Der Abstieg in Richtung Oracle wurde richtig unangenehm für die Füße und die Knie, denn es ging auf einer steilen Forststraße bergab. Weiter unten ging der Weg wieder in einen angenehm zu gehenden Trail über. Von @berghutze bekamen wir den Tipp Trailangel Carole nach einem Fahrservice zu fragen. Dies taten wir auch, nachdem wir nach einer Wanderleistung von 22km den Treffpunkt erst mal nicht gefunden hatten. Sie bot uns nicht nur an uns für ein geringes Entgelt auch zurück zum Trail, sondern auch zu den Einkaufsmöglichkeiten zu fahren, da diese in Oracle weit voneinander entfernt sind. Die Ranch erwies sich als luxuriös ausgestattet. Den Rest des Tages verbrachten wir mit Resupply-Einkäufen (v.a. im günstigen Dollar General) und dem Verzehr je eines Riesen-Burritos, den es bei einem örtlichen Mexikaner zu erwerben gab.


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    Tag 10 - 12 (21km, 25km & 25km)

    An dem Tag überquerten wir die wenige Meter hinter dem Zeltplatz die Grenze zum Saguaro Nationalpark – der erste Nationalpark auf unserem Thruhike! Blöderweise sollte es an diesem Tag die ganzen 21km nur bergauf gehen bis auf 2400m Höhe. Der Weg war nie steil und immer gut zu gehen. Wasserquellen gab es auch einige, sodass der Rucksack, welcher mit Lebensmitteln voll war, nicht noch schwerer werden musste. Nach der Mittagspause war es schon angenehmer von der Temperatur her, da wir immer höher rauf stiegen. Irgendwann überschritten wir die Waldgrenze, die in Arizona umgekehrt zu der Waldgrenze in Deutschland verläuft. Erst weiter oben beginnt der Wald, weil es dort weniger heiß ist. Mit Beginn des Waldes wurde es plötzlich sehr viel kälter und wir zogen uns beide lange Kleidung an. Am Campground angekommen sahen wir vereinzelte Schneefelder. Ein frostiger Wind bewog uns dazu, uns rasch alle warmen Kleidungsstücke anzuziehen, die im Rucksack zu finden waren. Nachdem wir unser Zelt auf einer der freien Stellplätze aufgebaut hatten, setzten wir uns zu den anderen Wanderern an ein großes Feuer.

    In der Nacht war es dermaßen kalt geworden, dass unsere gesamten Wasservorräte komplett gefroren waren. Es dauerte auch einige Zeit bis mir im Schlafsack warm genug war, bis ich einschlafen konnte. Meinem Mann erging es mit seinem Western Mountaineering Antelope ähnlich. Dieser Tag versprach wenige Höhenmeter bergauf, aber viele bergab. Anfangs ging es über das ein oder andere Schneefeld, die alle problemfrei zu überqueren waren, eben oder leicht bergauf. Sobald wir den Rand des Berges erreicht hatten, bekamen wir eine tolle Aussicht zu sehen. Der Abstieg gestaltete sich als ziemlich steil und somit unangenehm für die Füße. Schließlich hatten wir beide inzwischen schon die ein oder andere Blase bekommen. Zwar hatte ich diesmal mir mit Altra Olympus Schuhen mit extra breiter Fußbox sowie eine Kombination aus Injinji Zehentrennersocken und Darn Tought Merinosocken extra Mühe gegeben, Blasen zu vermeiden. Funktioniert hat es leider nicht wirklich. Bevor der Weg wieder flach wurde, füllten wir die zur Mittagszeit endlich größtenteils aufgetauten Wasservorräte auf und suchten uns bald darauf ein schattiges Plätzchen für die Mittagspause. Da die Möglichkeiten rar waren, mussten wir mit einer kleinen Stelle im Gestrüpp vorlieb nehmen. Der Weg ging im Anschluss größtenteils flach oder nur leicht ansteigend weiter und führte dabei durch sehr schöne Hügellandschaften mit viel gelbem Gras und vereinzelten grünen Büschen. Kurz bevor die Sonne unterging, hatten wir 25km geschafft und unser Endziel an einem kleinen See mit trübem Wasser erreicht. Dort in der Nähe fand sich eine ebene Stelle zum zelten. Da es schnell kalt wurde, zogen wir uns rasch ins Zelt zurück.

    Es wurde nachts wieder dermaßen kalt, dass unser Wasser größtenteils gefror und ich drei Hände voll mit Raureifschnee aus dem Zelt kratzen konnte. Wir versuchten alles einigermaßen in der Sonne trocknen zu lassen und uns selbst aufzutauen. An diesem Tag kamen wir erst um neun Uhr los, so spät wie seit dem Starttag nicht mehr. In der Sonne wurde es schnell warm, gegen Mittag schon wieder so warm, dass es schon wieder ein bisschen zu warm war. Aber zuerst mussten wir einen Bergpass erklimmen. Auf diesem trafen wir einen Sectionhiker, der ganz in der Nähe von uns genächtigt hatte. Seine Uhr hat ihm angezeigt, dass es in der Nacht etwa -10 Grad kalt war. Auf der anderen Seite vom Pass ging es herunter zu einem an einer Straße gelegenen Campingplatz. Dort gab es den Luxus von echten Toiletten mit Klopapier. Am späteren Nachmittag wurde der Weg immer schöner, denn er führte auf einer Art Höhenweg sanft in einen schönen Canyon hinab. Frisches Wasser gab es dort in Massen. Da wir irgendwann am Start vom Anstieg zum Mt. Lemmon angekommen waren und die Karte zeigte, dass laut den Höhenlinien keine guten Zeltstellen mehr kommen, entschieden wir uns ein Stück zurück zu gehen. Versteckt etwas abseits hinter Gebüsch fanden wir nach 25km eine sehr schöne als „Hutch's Pool“ benannte Zeltstelle, direkt an dem Bach. Dort konnten wir uns vor dem Abendessen endlich eine vernünftige Katzenwäsche durchführen.

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    Tag 7-9: 2x 27km und 14km

    Wären wir am Tag zuvor nur ein wenig weitergelaufen, wären wir an der grandiosesten Trailmagic des ganzen Trails angekommen. Es gab nicht nur ganz viele Gallonen Trinkwasser, Essen sondern auch verschiedene 1. Hilfe-Artikel. Mein Mann hat sich in den letzten Tagen schon zwei Blasen an den Fersen zugezogen, doch die Compeed-Blasenpflaster wollten nicht halten. Ich hatte am Vortag auch eine Blase an der Ferse bekommen, doch immerhin hielt das Blasenpflaster bei mir. Er war sehr froh über die Auswahl an verschiedenen Blasenpflastern und ich half ihm zuerst, seine Füße zu verarzten. Anschließend ließen wir uns Zeit um gemütlich in den bereitgestellten Klappstühlen zu speisen. So kann man auch angenehm am km machen gehindert werden. Als wir aufbrechen wollten, kam die Kanadierin von gestern an. Auch heute wurde es wieder heiß und die Schirme kamen reichlich zum Einsatz. Es gab nur wenig Schatten, doch für die Mittagspause fanden wir eine schattige Stelle in einem kleinen fast ausgetrockneten Bachbett. Es fanden sich sogar noch zwei kleine Wasserlöcher, sodass sogar eine Katzenwäsche möglich war. Was für eine Wohltat!

    Zum Abend hin liefen wir bis zu den "Twin Tanks", die sich als zwei trübe Seen herausstellten, von denen einer ausgetrocknet war. Auf dem vegetationslosen Boden fanden wir eine Stelle fürs Zelt.

    Der nächste Tag verlief meist durch relativ eintönige leicht wellige Landschaft mit vielen Kakteen und wenig Schatten. Eine gehörnte Eidechse mit oval geformtem Körper huschte ins niedrige Stachelgebüsch. Die Mittagspause verbrachten wir unter dem einzigen Baum in Sichtweite einer Straßenunterführung. Die Pause im Schatten tat gut, es war gar nicht so leicht sich aufzuraffen um weiterzugehen. Am Nachmittag sahen wir die ersten Saguaro Kakteen. Krass, wie riesig die sind! Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir bei der La Posta Quemada Ranch an. Da man dort nicht übernachten durfte, aber es sehr bald dunkel werden würde, liefen wir ein Stück zurück und stellten unser Zelt auf plattem Gras auf, wo scheinbar vor nicht allzu langer Zeit bereits ein anderes Zelt stand.

    Am nächsten Tag wollten wir nach Vail hitchen, um dort im Safeway einkaufen zu gehen. Die ersten zwei Meilen fuhr jedoch kein Auto, sodass wir ein paar extra km machen mussten. Als wir einen Abzweig zu einer mehr befahrenen Straße erreichten nahm uns dann jemand mit. Nach dem Einkauf ließen wir uns es im örtlichen Taco Bell gut gehen und bestellten fleißig, während die Elektronik auflud. Bevor wir gingen bestellten wir erneut je einen Burrito: Abendessen deluxe.

    Ein Paar mit zwei ATVs, die auf dem Weg zu einem Wochenendausflug waren, nahmen uns freundlicherweise mit und brachten uns zurück zur Ranch. Beide waren ganz erstaunt von unserem Plan bis Utah zu laufen. Sowas verrücktes! Am Nachmittag liefen wir noch 14km durch flache Wüstenlandschaft mit zahlreichen Saguaro Kakteen bis zur Nationalparkgrenze. Dort darf man nur in ausgewiesenen Bereichen zelten. Am Abend zuvor hatten wir uns einen Platz am Manning Camp gebucht und die verbleibenden 21km würden wir ohnehin nicht mehr schaffen.

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    Tage 5 und 6: 25km bis Bear Spring und 27km bis Bowman Spring

    In Patagonia gab es zwei Einkaufsmöglichkeiten. Einen teuren Bioladen und einen kleinen Dorfladen mit normalen Preisen. Wir kauften in beiden etwas ein, den Löwenanteil jedoch in dem günstigeren. Der fünfte Tag versprach anstrengend zu werden, denn es sollte ungefähr 1000hm bergauf gehen. Früh standen wir auf uns machten uns auf den Weg. Der Weg entpuppte sich als Forststraße, die den größten Teil der Höhenmeter bergauf verlief. So war der Weg zwar langweilig, aber wir kamen schneller voran als vorab vermutet. Bei einer von mehreren Wasserquellen machten wir eine ausgiebige Mittagsrast, denn auch heute war es wieder so warm und sonnig, dass wir seit halb zehn mit den Schirmen liefen. Die halfen enorm gegen die Hitze. Erst die letzten hm zum Pass wurde der Weg wieder zu einem Trail. Dieser war schmal und relativ stark bewachsen, sodass wir ohne Schirme liefen. Oben angekommen war es endlich kühler und wir gönnten uns den ersten Elektrolytdrink. Der half tatsächlich die Konzentrationsfähigkeit zu steigern, nachdem diese nach dem langen Anstieg ziemlich gelitten hatte. Nun waren es nur noch wenige km bis zur nächsten Quelle, wo auch tolle Zeltplätze sein sollten. Dort angekommen zeigte sich, dass unsere Wahl hervorragend war, war das Wasser klar und kühl und genügend Platz für viele Zelte. Wir blieben die Nacht über aber alleine, obwohl nachts jemand mit Stirnlampe am Zeltplatz vorbeilief.


    Am nächsten Tag ging es nach einer vergleichsweise warmen Nacht (kein Frost!) gemächlich eher eben über eine Art Höhenweg bis es zu einer Dirtroad runterging. Dort war auch schon der nächste Bach mit frischen, klaren Wasser. Viel mussten wir also nicht tragen. Das erste Highlight des Tages war ein interessantes Gespräch mit einer deutschend Langzeitreisenden, die den Arizonatrail kurz vor Corona angefangen hatte und ihn 2022 beenden wollte. Das zweite Highlight war eine gemeinsame Mittagsrast mit einer Kanadierin, die den AZT ebenfalls komplett laufen wollte, aber "nur" etwa 20km pro Tag gehen wollte. Wir schafften die ersten Wochen auch nur so etwa 25km, obwohl wir erst kurz vor Sonnenuntergang unser Zelt aufstellten. Ansonsten verlief der Weg auch mal durch lichten Wald und bot immer mal wieder schöne Aussichten auf die umliegenden Hügel. Zum Ende hin wurde uns dann doch das Wasser knapp. Laut App sollte die Bowman Spring offtrail sein, doch es war kein aktuelles Kommentar da. Wir verließen den Wald und stiegen in einen steil abfallenden Canyon ab um dort kein Wasser zu finden. Nervigerweise war die Vegetation dermaßen dornig, dass unsere Beine durch die erfolglose Suche nach Wasser total zerkratzt waren. Also ging es wieder zurück auf den Weg. Da die Sonne bereits am untergehen war, platzierten wir unser Zelt direkt am Weg an einer flachen Stelle. Das Wasser war knapp, reichte aber gerade so. Als Trostpflaster bekamen wir einen schönen Sonnenuntergang zu sehen.

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    Tag 2: 24km bis Parker Canyon

    Die Nacht war trotz der Höhe von ca. 2600m nicht ganz so frostig wie anfangs befürchtet. Und das Wasser aus der Quelle schmeckte ausgezeichnet. Im Gegensatz zum ersten Tag sollte es heute viel bergab gehen und weniger bergauf. Da wir mit einem Schlafdefizit losgelaufen waren, standen wir erst um halb acht auf - die anderen zwei Hiker, die wir nur aus der Ferne gesehen hatten, waren schon weg.

    Auch heute glänzte der Trail wiedr mit schönen Aussichten nach Mexiko. Teilweise ging der Weg sogar durch Wald, was angenehmen Sonnenschutz bot. Zwischendurch konnten wir unser Wasser immer mal wieder an kleinen Bächen oder Überresten von solchen auffüllen. Doch am Nachmittag wurde es mir schon so warm, dass ich meinen neuen Sonnenschirm ausprobieren wollte. Doch so recht kam ich damit noch nicht zurecht. Entweder war der Schirm so tief, dass ich kaum noch sehen konnte oder die Sonne schien mir ins Gesicht. Nervig! Unseren Nachtplatz fanen wir ganz in der Nähe vom Bach im Parker Canyon - hier war Platz für mehree Zelte. Wir blieben aber die einzigen. Im Gegensatz zum letzten Abend war es diesmal warm genug um noch draußen sitzen und essen zu können.


    Tag 3: 27km

    Diese Nacht war deutlich wärmer als die zuvor. Diesmal standen wir um 6:30 Uhr auf, was sich in den nächsten Tagen als die übliche Zeit zum aufstehen einstellen sollte. Zuerst stieg der Weg nur leicht an und führte durch hügeliges Gelände mit ein paar grünen Büschen. Nach 12km fanden wir einen Kuhteich als Wasserquelle. Das Wasser sah optisch ziemlich bräunlich aus, schmeckte aber deutlich besser als es aussah. Diesen Platz nutzten wir für eine ausgiebige Mittagsrast bis es einen Hügel einige hm bergauf gehen sollte. Inzwischen war es ganz schön warm geworden und der Anstieg war trotz Sonnenschirm anstengend. Wir peilten eine Übernachtung bei km 63 an, da sich dort eine gute Wasserstelle befinden sollte. Der Weg wurde zwar wieder flacher, doch es fühlte sich für mich weiterhin anstrengend an. Die grandiose mit gelbem Gras übersehene Hügellandschaft heiterte meine Laune auf. Erschöpft kamen wir bei der Wasserquelle an und stellten fest, dass die Pumpe nun, wo die Sonne bereits weg war, nicht mehr funktionierte, da solarbetrieben. Zum Glück befand sich daneben noch eine Art Miniteich mit klarem Wasser. Da man eine Viertelmeile im Umkreis der Quelle nicht zelten dufte, zogen wir noch etwas weiter. Als wir eine sehr idyllische Zeltstelle gefunden hatte, musste ich mich erstmal ausruhen, bevor es ans aufbauen ging. Den ganzen Tag laufen ist ganz schön anstrengend, stellte ich fest. "Warum bin ich so erschöpft und habe doch nicht so viele km geschafft?" dachte ich mir und Zweifel kamen auf. Erst viel später kam ich darauf, dass ich viel zu wenig gegessen hatte. Vorräte hatte ich zwar genug mit, doch da ich die ersten Tage versucht hatte beim gehen zu essen, aß ich kaum was. Im gehen essen hat sich für mich nicht praktikabel erwiesen. Entweder laufen und atmen oder eine kurze Pause einlegen und einen Riegel oder so essen.


    Tag 4: 16km bis Patagonia

    Die dritte Nacht war ordentlich kalt geworden, der Großteil von unserem Wasser ist gefroren. Morgens kam ich nur schwer in die Gänge, weil es mir so kalt war. Langsam packte ich meinen Teil und wir gingen mit langer Kleidung los. Kurz nach Aufbruch sahen wir eine tote Kuh in einem Graben liegen. Die arme!

    Bald kamen wir bei einer Wasserquelle an und füllten erstmal auf um für den Weg bis Patagonia ausgerüstet zu sein. Nachdem es frostig losging, wurde es schnell warm, sobald die Sonne kam. Schon um halb zehn spannten wir die Schirme auf. Eine gute Entscheidung! Wir stellten fest, sie nützen umso mehr, wenn man sie aufspannt bevor man überhitzt. So ließ es sich schon besser laufen. Die letzten km bis Patagonia liefen wir auf dr Asphaltstraße bis wir beim neuen Campingplatz Terrasol ankamen. Eine Vorreservierung per SMS hat aufgrund des nicht vorhandenen Handynetzes nicht funktioniert. Selbst in Patagonia hatten wir keinen Empfang! Umso besser, dass der Zeltplatz WiFi hat. Wir kamen bereits am späteren Mittag an und waren die ersten. Erstmal duschen - Ach tut das gut! Später liehen wir uns Fahrräder aus um in den Ort zu fahren, unsere Vorräte aufzufüllen und uns ein leckeres Abendessen zu gönnen.

    Hallo an alle,

    hier wie versprochen der Bericht zu meinen bzw. unseren Erfahrungen auf dem Arizona Trail. Die Bilder werde ich nach und nach ergänzen.

    Name des Trails: Arizona Trail

    Von/bis: Grenze Mexiko bis Grenze Utah

    Länge: 1268 km

    Zeitraum: 26.02.-22.04.2022

    Mitwanderer: Ehemann

    Getragene Wassermenge: durchschnittlich 1,5-2 Liter, maximal 4,5 Liter

    Längster Abschnitt ohne Resupplymöglichkeit 180km (Lake Roosevelt - Pine)


    Tag 1: 19km bis Bathtub Spring

    Sehr früh mussten wir aufstehen um den Bus nach Tucson zu erwischen, wo uns der Shuttleservice abholen sollte. Zum Glück hat das alles pünktlich geklappt, sodass wir um halb zehn endlich starten konnten. Die Tage zuvor waren mit nerviger Organisationsarbeit vollgestopft, umso mehr wollten wir endlich los und raus aus der Stadt. Da wir keinen Shuttle zum Montezuma Pass bekommen hatten, mussten wir ein paar extra km und hm laufen. Zu den üblichen 12.8km bis zur ersten Wasserquelle kamen dadurch noch 6 weitere dazu. Es sollte ungefähr 2000hm bergauf gehen. Fängt ja gut an. Alle anderen Thruhiker die wir in den nächsten Tagen sehen sollten, sagten der erste Tag sei dr schwierigste.

    Mein Mann war sich nicht sicher ob wir es am ersten Tag bis zur Bathtub Spring schaffen würden, jedoch blieb kaum etwas anderes übrig, da sich dort die erste Wasserquelle befindet. Die Aussicht entschädigte an dem Tag, schon nach dem ersten Anstieg in Richtung der mexikanischen Grenze war es atemberaubend schön. An der Grenze wurde das übliche Startbild gefertigt und dann ging es wieder hoch. Am Parkplatz befanden sich eine Menge Tageswanderer. Die Aussicht wurde mit jedem hm noch schöner. Ist das überhaupt möglich? Anscheinend ja. Die mexikan. Seite fanden wir übrigens schöner, da dort keine Siedlungen zu sehen waren. Es wurde wärmer und der Anstieg wollte nicht enden. Harry Pottr motivierte zum weitergehen. Endlich! Der Abzweig zum Miller Peak, ein Gipfel den fast alle mitnehmen. Hier hatte man einen fantastischen 360 Grad rundumblick. Kalt und windig war es auch. Doch wir mussten weiter, schließlich waren es noch ein paar km und die Sonne würde bald untergehen. Bald darauf führte dr Weg ca. 3km über alte Schneeeste, die aber so festgetreten waren, dass keine Grödel nötig waren. Die hatten wir aus Gewichtsgründen Zuhause gelassen. Erschöpft, aber glücklich kamen wir bei der vollen Quelle an und machten uns sofot daran das Zelt aufzubauen.

    Pakete: ich habe mir vorher in USA bei einem Freund Fresspakete teils mit Nahrung aus Deutschland (in CA kostet das meiste min. doppelt so viel) gepackt und schicken lassen

    Tolle Idee, wir haben drüben leider keine Freunde oder Verwandte. :(

    Langer Food Carry: hängt ein bischen von Deinem Plan in der Sierra ab. Bei mir Mammoth Lakes bis Sonora Pass etwa 115 Meilen (180 km)

    Also rund 23km mehr als BitPoet. Sein Plan gefällt mir da ein bisschen besser. :/

    Meine mileage an aktiven Tagen war typ. 12-20 Meilen (vergiss die km, alle Infos sind immer in Meilen), am Anfang auch teilweise weniger

    Auf dem AZT waren wir etwas schneller unterwegs, aber nicht sehr viel. Aktuell rechne ich noch in km, die Meilen kommen dann kurz vorher. ;) Aber ich kann ja umrechnen.

    Phillip (YT walk2travel), mit dem ich im Vorfeld ein bischen in Kontakt war und der 2023 als einer der Wenigen connected footsteps hatte, hat auch 40 lbs (18 kg) als Maximalgewicht für den Rucksack genannt. So ungewöhnlich ist es glaube ich nicht.

    Ok, ungewöhnlich demnach nicht. BitPoet berichtet ja auch ähnliches. Für mich ist es jedoch krass, da 18kg ein Gewicht ist, was ich nie und nimmer tragen kann. Aber ich bin auch eine deutlich leichtere Frau.

    Danke sehr caficon Dein Beitrag hilft mir sehr weiter, u.a. auch, weil er von einer Frau kommt. Da habe ich gleich mehr Gemeinsamkeiten.

    Muss etwa 6-6,5 kg BW gewesen sein, mit allem außer dem Bärenkanister.

    Das ist etwa, was ich als BW für NPL hatte. Für den PCT sollte ich um die 5kg schaffen - viel drunter wird wohl schwierig. Auch ich mag nicht bei Kleidung und Isolation sparen. Ich hasse es, zu frieren.

    Lesson learned: Verlass dich nicht darauf, dass es in Southern California never rains, auch wenn das von allen vorher gesagt wird und jahrelang geklappt hat.

    Second lesson learned: Irgendwie klappts trotzdem.

    Lustig, den PCT würde ich wohl auch mit kurzer Hose + Windhose starten. Das hat am AZT prima funktioniert. ^^ Zum Glück sind lange Hosen etwas, was sich unterwegs leichter und günstiger auftreiben lässt als z.B. UL-Zelte.

    Einige Sachen habe ich dann meinem persönlichen Trailangel Lion Heart zur Aufbewahrung schicken dürfen

    Wow! Genau sowas in der Art werden wir bei diesem derart langen Trail auch brauchen. Hoffentlich kriegen wir das dann auch hin! Rückversand nach DE wäre teuer und kompliziert.

    Praktischerweise sind die großen Lebensmittel-Transporte da, wo man genug Wasser hat - also nie gleichzeitig das Problem.

    Genau sowas wollte ich lesen. Danke, danke!! :)

    In Wrightwood gab es so eine Hängewaage, da wog mein Rucksack gut 21lb, schon mit Lebensmitteln, ich weiß aber nicht mehr, mit wieviel Wasser, kann nicht allzuviel gewesen sein.

    21lb sind auch für mich definitiv gut machbar. Etwas mehr geht auch noch. Klingt gut!

    zu zweit unterwegs, sodass wir Schlafzimmer und Küche auf vier Schultern verteilen konnten.

    So werden wir das auch machen.

    PCT-Surveys

    Danke, die finde ich schon länger sehr hilfreich. Maximalgewichte finde ich dort jedoch nicht. ;)

    Wenn man erst mal 1000km gelaufen ist, dann ist man so fit, dass man auch das bisschen extra Zeugs für die Sierra gut packt.

    Naja... ^^ Für mich bezweifle ich das.

    Welches BW hattest du denn? Und was hast du maximal getragen?

    Hattest du denn dein Ponchotarp auf dem ganzen PCT genutzt oder nur in SoCal? Wenn nicht, was denn danach?

    Für die High Sierra könntest du noch ein paar Gramm einsparen, wenn du einen Bearicade Weekender (880g) oder Scout (795g) statt der populären Bearvaults verwendest, die kosten allerdings ein Vielfaches und müssen früh genug bestellt werden. Ansonsten sollten 5kg auch in einen BV475 passen, das sind auch schon fast 200g weniger.

    Danke für den Tipp! Klingt nach einer sinnvollen Gewichtseinsparung. Habe gelesen, man könne die Bearcans auch ausleihen. Weißt du, ob es einen der 3 genannten auch zum Verleih gibt? Danach werden wir die Dinger nie wieder brauchen. Hast du deinen aus DE mitgebracht oder auf'm Trail bestellt? Oder ebenfalls ausgeliehen?

    Die Eisaxt ist halt bei ensprechender Schneelage nicht optional, da ist man völlig vom saisonalen Wetter abhängig, und der Schlafsack/Quilt muss auch so warm sein, dass man vernünftig schläft. Mein Cumulus 350 war schon in der Wüste ein paar mal etwas grenzwertig, hätte im Nachhinein betrachtet aber auch in der Sierra gereicht.

    Ok, der wäre mir eh zu kalt. Am passensten von meinen 3 Quilts/Schlafsäcken finde ich den WM Apache mit -5 Komfort. Der hat auf dem Arizona Trail super funktioniert. Nervig finde ich die Kapuze, ich nutze die nie, die sie immer falsch sitzt. Ich überlege, ob ich sie entfernen sollte. Fällt mir bei dem Anschaffungspreis nur nicht ganz so leicht. =O

    In der Sierra an Verpflegung zu sparen ist i.d.R. eine ganz schlechte Idee

    Die entfernungsmäßig längsten Food Carries waren Tehachapi/Willow Springs Road zum Walker Pass mit etwa 150km (da lassen sich 13km einsparen wenn man erst vom Highway 58 nach/von Tehachapi hitcht, ist aber so oder so wegen der langen Water Carries bei den meisten der "schwerste" Abschnitt) und White Pass bis Snowqualamie mit 157km

    Vielen Dank für die Nennung der km-Angaben. Das klingt ja gar nicht soo schlimm. :/ 150 oder 157km waren bisher gut machbar, da sollte ich die LM schon tragen können. Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt!

    In Washington war es kein Problem, 40km/Tag zu machen, obwohl ich wirklich nicht zu den schnellen Wanderern gehöre, während das mit vollem Rucksack bei losem Sand, Hitze und Gegenwind bis 80km/h an manchen Tagen in der Wüste echt zäh war. In der Sierra solltest du mit Disziplin und je nach Tempo nicht mehr als 5 oder 6 Tage zwischen Resupplies haben.

    40km/Tag in Washington? Ich dachte, dort würden die vielen Höhenmeter bremsen. Bergauf bin ich langsam, mein Mann könnte da oft etwas schneller.

    In der Wüste in Arizona waren nie mehr als 30km drin, die Hitze war das Problem. Daher würde ich auf dem PCT eine vernünftigen Kopflampe mitnehmen und nicht diese Funzel von E-Lite.

    Das ist natürlich in einem High Snow Year kritischer als in einem "normalen" Jahr

    2023 war ja das Rekord-Schnee-Jahr. Was ich da so von gehört habe, mussten die Hiker da "Tonnen" an extra Equipment mitnehmen. Da wären wir beide raus.

    Deshalb würde ich beim nächsten Mal mehr Ramen und weniger schwereren, wenn auch kalorienreichen Proviant in die Sierra mitnehmen (bzw. werde ich, da es nächstes Jahr auf den JMT gehen soll).

    Wie meinst du das? Kalorienreiches Zeug sollte doch eigentlich besser sein, um mit weniger Gewicht auszukommen.

    Ich habe ja regelmäßig mein Zeug gebouncet und auch meine Tramily-Mitglieder haben öfter mal Pakete verschickt oder empfangen, da ging nie was verloren. Beim hochpreisigen Zelt würde ich allerdings 10$ für die höhere Versicherung drauf zahlen und vor dem Zukleben ein Foto vom Inhalt machen, dann gibts im Zweifelsfall auch Ersatz. Wichtig ist, an eine halbwegs seriöse Adresse bzw. ein Post Office mit guter Reputation zu verschicken.

    Wahrscheinlich hatten wir einfach riesiges Pech. Das Paket war laut Mitarbeitern im PO Kearny nie dort, laut Tracking-Code war es da und wurde zurückgeschickt. Bei der Adresse unseres Airbnbs kam es jedoch nie an, der wohnte aber in einem Wohnkomplex mit über 200 Wohnungen. Auf dem PCT ist das Pakete lagern wahrscheinlich deutlich üblicher. Danke für deine Tipps! Ob wir eine Blounce-Box benutzen werden, weiß ich noch nicht, attraktiv wirkt es auf jeden Fall. Insbesondere für Sachen, die man nur in kleinen Mengen braucht oder Zeug, was nur abschnittsweise nötig ist.

    Ich habe das verlinkte 20D Silnylon bereits in 2 MYOG-Projekten verarbeitet und kann berichten, dass es sich für mein Empfinden deutlich dehnt. Im trockenen Zustand und im nassen noch mehr. Das machte es für mich schwer, daraus ein straffes Shelter zu nähen. Mit dem 2-P-Zelt bin ich in der Hinsicht nicht zufrieden. Insbesondere wenn es nass ist, kriege ich die Wände ohne Lifter nicht mehr so straff, wie im trockenen Zustand. Etwas weniger Dehnung fände ich besser.

    Knackpunkt ist nicht das Polyester, sondern Elastan!

    Ist heutzutage nicht mehr einfach was ohne zu finden, aber reines Polyester und/ oder Nylon miefen nicht ansatzweise so schlimm. lassen sich gut waschen (Geruch ist danach weg) und ist wesentlich stabiler. Das Elastan scheint Gestank quasi aufzusaugen und ihn nicht mehr abgeben zu wollen.

    Gilt das auch für Spandex? Laut REI enthält das Shirt kein Elasthan, aber 8% Spandex.

    Wie markiert man eigentlich einen Text als OT? Ich finde diese Funktion hier nicht.

    In den Sierras etwa das gleiche Gewicht. Kein Wasser, 3-4 Tage Essen und Bearcan.

    Vielen lieben Dank für deine Antwort micha90 Ich werde zwar nie ein dermaßen niedriges BW erreichen können, trotzdem danke für deine verlinkte Packliste! Kannst du mir bitte noch nennen, wie viele km das in etwa waren? Die Dauer sagt nur bedingt was darüber aus, wie lange ich dafür brauchen könnte. ;)

    mars_hikes Vielen Dank für deine Antwort, auch wenn sie meine Fragen nicht so wirklich beantwortet. Du hast weder dein BW noch dein max. Gewicht verraten. :/

    Auf dem AZT hatte ich eine max. Kapazität von 4.5k, die ich nur einmal brauchte. Mehr hätte ich grundsätzlich eh nicht getragen...

    Bei Hitze am Tag, brauche ich eine lange Mittagspause, da ich diese Temperaturen nur sehr schlecht aushalte. Insbesondere wenn es keinen Schatten gibt. Im Wald mit Schatten komme ich mit 30 °C besser zurecht als mit 25°C in der Sonne. Das habe ich auf dem AZT und in Italien herausgefunden. Daher ist der Plan für den PCT auch die dunklen Stunden zu nutzen.

    whr Danke für deine ausführliche Schilderung.

    Wow, deine maximales Tragegewicht war ja etwa doppelt so hoch, wie das von micha90. Krass, wie unterschiedlich es sein kann. 18-20kg sind für mich definitiv untragbar, ich trinke aber auch nur durchschnittlich viel Wasser und werde wohl weniger mitnehmen müssen als du.

    Wie viele km bist du denn ungefähr pro Tag gegangen? Auf dem AZT waren es in der Südhälfte bei uns so 25km, die Tage waren jedoch Ende Februar und März noch nicht so lang. In der Nordhälfte waren es täglich 30-35km.

    Dein Startdatum gefällt mir übrigens.

    BitPoet Vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort und die vielen Infos nebenbei.

    Heißt dies, dein BW betrug anfangs 5kg und wurde später im Verlauf des Trails mehr, da du den Rucksack wechseln musstest? Das Plus für die High-Sierra war bei dir groß. Ich habe bisher mit Bearcan und Microspikes geplant. Mehr möchte ich nach Möglichkeit vermeiden, sonst muss ich an Verpflegung sparen.

    19kg Gesamtgewicht sind schon krass dafür, das dein BW moderat war und der PCT als DER UL-Trail schlechthin gilt. Bisher habe ich max. 5kg LM getragen, womit ich 7-8 Tage ausgekommen bin. Mein Mann nimmt da üblicherweise auch mehr mit als ich es tue. Ich muss einen Weg finden mit max. 12-13kg ausgekommen, weil ich nicht mehr tragen kann. Wie viele km oder m waren bei dir der längste Abschnitt ohne Resupply?

    Bezüglich Zelt tendieren wir dazu, unser TT Double Rainbow zu nutzen. An ein Tarp für SoCal habe ich auch schon gedacht, jedoch weiß ich nicht ob es sinnvoll ist, wenn man unterwegs tauschen muss. So wichtige Gegenstände wie das Zelt würden wir ungern per Post bouncen, denn auf dem AZT ging unser Paket verloren. Abgesehen haben wir keines, welches für 2 passen würde.

    Hallo liebe Forumsgemeinde :),

    schon seit ein paar Jahren steht der PCT ganz weit oben auf meiner Wanderwunschliste. In den nächsten Jahren will ich ihn definitiv in Angriff nehmen, wahrscheinlich zusammen mit meinem Mann.

    Mein Basisgewicht dafür möchte ich gerne auf max. 5kg drücken. Was mir jedoch Sorgen bereitet ist das gesamte Tragegewicht mit Wasser und Verpflegung. Da ich nicht wirklich weiß, was ich da realistischerweise tragen können muss :/, würde ich diejenigen, welche den PCT bereits komplett oder zum Großteil gewandert sind, bitten ein paar Fragen zu beantworten. :?:

    1. 

    a) Welches Basisgewicht hattest du auf dem PCT normalerweise?

    b) Was kam an Gewicht für die High Sierra dazu?

    2.

    a) Was war das maximale Gewicht, welches du getragen hast?

    b) Auf welchem Abschnitt (von bis) war das und wie viele km hatte dieser? Wenn es mehrere gleichwertig lange gab, bitte ich darum, diese auch zu nennen.

    3.

    a) Warst du alleine oder mit jemandem anders zusammen unterwegs?

    b) An welchem Datum bist du gestartet?

    c) Gab es Besonderheiten, die dazu führten, dass mehr oder weniger getragen werden musste?


    Vielen lieben Dank!! :thumbup:

    Noch ein weiterer Gear-Fail:

    • 2019 und 2020 habe ich als Regenschutz einen (eher schweren) Poncho von Tatonka benutzt. Hat mehr schlecht als recht funktioniert: wenn ich langärmelige Kleidung trug, wurden die Ärmel nass und die Feuchtigkeit saugte sich weiter hoch. Zudem ist so ein Poncho für Frauen doof, wenn wir pinkeln müssen. Poncho runter, Rucksack absetzen, hinhocken und pinkeln und währenddessen nass werden, Rucksack wieder auf und dann Poncho drüber. Alleine war es ein Krampf das Teil vernünftig über den Rucksack zu stülpen. 

    Da kann ich einige beisteuern:


    • Tarptent Double Rainbow: tolles Zelt, aber diese 3er YKK Reißverschlüsse sind einfach Mist. Zum Ende vom AZT haben beide immer nicht mehr funktioniert, der RV ging nicht mehr zu. Zuhause habe ich beide Schieber ersetzt und das Problem war behoben. Dieses Jahr hatten wir das Zelt 8 Wochen bei einem Roadtrip im Südwesten der USA im Einsatz und schon wieder versagte ein RV, nach etwa der Hälfte der Zeit. Beide Male war Sand + Wind im Spiel.

      Ausgetauscht habe ich den Schieber noch nicht. Ich überlege den RV komplett zu entfernen und zu ersetzen...

    • Tarptent Stratospire 1 aus Silpoly: Hat mich in Norwegen letztes Jahr über 3 Monate zuverlässig vor Wind und Wetter geschützt. An den Schlaufen am Saum habe ich Schnüre angebracht, um diese zusätzlich mit Steinen beschweren zu können. Kurz vor'm Nordkapp bin ich an einer mit dem Schuh hängen geblieben und das Zelt ist mal eben 45cm eingerissen, ohne das ein Zug am Fuß zu spüren war. Ich hatte die Möglichkeiten an einer Stoffprobe zu reißen. Ergebnis: lässt sich problemlos weiterreißen.
    • DUO Lifesolution Wasserdesinfektion: Mein To-Go-Mittel um Wasser in Trinkwasser umzuwandeln. Daher kam es auch mit auf unsere Südamerika-Reise mit. Unterwegs mussten wir bei Busfahrten durch verschiedene Höhen feststellen, dass die Flaschen damit nicht zurechtkommen. Schon mehrfach sind sie ausgelaufen, was sonst nie passiert ist, wenn sie fest verschlossen waren.
    • Hoka Speedgoat 4 GTX: Ich liebe die Speedgoats ja, egal ob GTX oder Mesh. Für Südamerika habe ich ein paar mitgenommen, welches ich gebraucht im fast neuen Zustand gekauft habe. So sahen sie auch aus. Inzwischen hat sich an einem Schuh, die Vibram-Sohle schon an mehreren Stellen abgelöst. Das Problem hatte ich bei Hoka vorher noch nie.
    • Topo Ultraventure Pro: gebraucht im sehr guten Zustand (wenige km gelaufen) gekauft. 2024 auf Sardinien getragen, bereits nach ca. 2 Wochen löste sich auch hier an einem Schuh die Sohle ab. Ich konnte sie durch nähen und kleben noch für den Rest vom Trail nutzen. Abgesehen davon fand ich sie für mich zu breit.
    • Feuerzeuge mit Kindersicherung und Rädchen: die kann ich insbesondere mit kalten Fingern nicht anzünden.
    • Altra Olympus: noch nie hatte ich mit einem Schuh dermaßen viele Blasen wie mit diesem.
    • Mountain Equipment Aerostat Down Isomatte: War 2019 und 2020 unsere erste richtige Markenisomatte. Leider sind beide bereits nach kurzer Zeit delaminiert. Meine auf La Palma beim trocknen in der Sonne (ok, nicht sehr schlau) und die von meinem Mann im Herbst im Zelt beim aufpumpen mit Pumpsack.
    • 900g leichtes Trekkingstock-Zelt für 1 Person vom chinesischen Hersteller Geertop: war mein erstes Zelt und ich war auch durchaus zufrieden. Vor 1 Jahr holte ich es aus dem Schrank, um es für ein paar Euronen zu verkaufen, doch ich musste feststellen, dass die PU-Beschichtung innen völlig delaminiert ist.
    • Kleidung aus Leinen: Die Idee war, ein Material zu nutzen, welches wenig müffelt und viel Wasser aufnimmt und generell eher kühlend wirkt. Das hat auch prima funktioniert. Leinen erschien mir als ideales Material. Auf dem AZT 2022 habe ich sie nach 3 Wochen ersetzen müssen, da sowohl Hemd als auch Shorts sehr viele Löcher bekommen haben. Die Abriebsfestigkeit ist zu gering fürs Trekking.
    • T-Shirt aus Polyester beim Trekking: hatte auf dem Sentiero Italia anfangs eines vom REI dabei. Die Geruchsentwicklung empfand ich als unerträglich. Im Gegensatz zu Merino lässt sich dieser auch nicht durch eine Wäsche im kalten Bachwasser (ohne Seife) entfernen. Im nächsten Decathlon auf der Route habe ich es gegen eines mit 70% Merino ausgetauscht.
    • Decathlon-Raincut mit langem RV: Ok für Gebiete mit wenig Regen. Ansonsten nicht dicht an Armen (Nähte nicht abgedichtet), RV undicht und auch durch die Belüftungsschlitze kommt Wasser durch.
    • Myog-Regenjacke aus PU-Zeltboden: anfangs war ich sehr zufrieden, aber die Nahtbänder lösen sich zu schnell ab. Dadurch nun undicht. Ich habe billige verwendet und weiß nicht, ob teure besser wären.
    • Myog-Windjacke: habe ich ein paar Mal auf Tour mitgenommen, doch kaum benutzt. Eine Regenjacke schützt ebenfalls vor Wind, aber zusätzlich auch vor Regen.
    • Cap auf dem Arizona-Trail: spendet zu wenig Schatten, ständig kommt die Sonne von der falschen Seite und das Cappi muss verdreht werden. Mit langen Haaren funktioniert das nur mäßig.

    Die entscheidende Frage ist, wo setzen diese Abspannpunkte an und wie viel Zug können sie vertragen?

    Das werden hoffentlich bald ein paar fleißige Youtuber herausfinden. 8o:D

    ..und wie hoch endet das Fly über dem Campground ist ebenfalls nicht unerheblich. Wird ja in dem verlinkten Beitrag auch schön beschrieben.

    Stimmt. Bei meinem Stratospire Ultra bin ich da nicht so zufrieden. Man kann es zwar recht tief aufbauen, dann kriege ich das Inner aber nicht richtig straff. Deshalb stellen wir es zurzeit mit einem guten Abstand zum Boden auf. Auch wollen wir eine maximale Belüftung, wenn es wenig weht.

    Sizilien


    --> Messina bis Trapani

    --> 631 Kilometer & 22000 Höhenmeter

    --> 24 Tage


    Ich fuhr mit der Fähre von Villa San Giovanni nach Messina. Die Überfahrt dauert bloß etwa 30 Minuten und das Ticket kann man direkt am Fährhafen kaufen. Da die Fähre aber nicht direkt am Startpunkt vom Trail ankommt, musste ich ein paar zusätzliche Kilometer durch die lebhafte Stadt laufen. Im Vergleich zum Festland war es überraschend warm - zu warm für meinen Geschmack. Nachdem ich die Stadt so langsam hinter mit gelassen hatte, ging es wieder zurück in die Natur. Durch einen mediterranen Wald mit Korkeichen und Eukalyptus-Bäumen ging es bergauf. In der Ferne konnte ich nun das Festland sehen.

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    Nach einer kurzen Passage auf Asphalt folgte ein weiteres Waldgebiet. Hier war ich dann auch wieder alleine. An dem ersten Tag auf Sizilien ging es über 1000hm bergauf. Oben war es zwar immer noch warm, aber schon deutlich angenehmer. Selbst am Abend war es draußen angenehm. Auf dem Festland war es mir an vielen Tagen inzwischen bereits abends zu kühl um draußen zu sitzen.

    Am nächsten Morgen lief ich früh los und wurde mit einem grandiosen Sonnenaufgang belohnt, als ich auf dem Weg zur Wallfahrtskirche Dinnamare war. Von dort war der Ausblick sehr schön.

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    Da es wenige Wasserquellen gab, musste ich in den ersten Tagen jeweils 3-3,5 Liter tragen. Doch hin- und wieder fand ich sogar eine Wasserquelle, die in der offiziellen Beschreibung nicht erwähnt wurde. Hinter Dinnamare ging es viele Stunden oben an einem breiten Weg entlang, wo auch PKWs fahren können. Vereinzelt sah ich auch welche.

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    Zwischendurch kam ich an mehreren Ziegen- und Schafsherden vorbei. Es war toll diesmal völlig unbesorgt an den Herden vorbeizulaufen, da sie nicht von Hunden begleitet wurden. Ich nahm den Umweg zum Gipfel Monte Scuderi, welchen man auch auslassen kann, und stieg zu dem flachen Gipfelplateau hoch. Um weniger schleppen zu müssen, ließ ich meinen Rucksack etwa zwei Kilometer weiter unten liegen.

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    Die abendliche Zeltplatzsuche gestaltete sich schwierig, da ich einfach keinen flachen Platz ohne Steine finden konnte. Erst kurz vor Sonnenuntergang fand ich ein Fleckchen Gras, wo mein Zelt gerade so hineinpasste.

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    Der nächste Wandertag wäre ähnlich weitergegangen, doch ich konnte die schöne Landschaft nicht genießen, da ich ziemlich früh ein Schaf, welches sich in einem Stacheldrahtzaun eingewickelt hatte, gesehen habe. Ich versuchte das arme Tier zu befreien, doch es gelang mir nicht. Verzweifelt versuchte ich auf meinem weiteren Weg Hilfe für das Tier zu finden, doch ich fand einfach keine anderen Menschen. Erst etwas später begegnete mir eine Gruppe Motorradfahrer, denen ich die Situation mit meinen mangelhaften Italienischkenntnissen schildern konnte.

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    Die Nacht wollte ich eigentlich auf einem Campingplatz verbringen. Sicherheitshalber hatte ich vorher eine E-Mail geschrieben, doch als ich dort ankam, stand ich vor einem 2-Meter hohen Zahn. Ich fand einen Weg nach innen und suchte das Gelände ab. Dort fand ich tatsächlich jemanden, der den Chef informierte. Dieser hatte meine E-Mail nicht gelesen, doch die Übernachtung klappte. Ich konnte sogar ein eigenes kleines Zimmer beziehen!

    Der nächste Tag versprach besonders herausfordernd zu werden: Der Pfad hinauf und hinab nach Novara Sicilia sollte teilweise völlig zerstört sein. So war es im Aufstieg auch, doch es war nicht ganz so schlimm wie befürchtet. Vor einiger Zeit muss es gebrannt haben und die Vegetation war somit ausgedünnt.

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    Nachdem ich meinen Proviant aufgefüllt hatte, ging es auf einer langen Forststraße weiter, bis ich das Reservat Malabotta erreicht hatte. Auf dem Weg dahin traf ich auf zwei Fahrradreisende, mit denen ich meine Mittagspause verbrachte. In dem kleinen Waldgebiet Malabotta wachsen stattliche jahrhundertealte Eichen. Am Abend fand ich einen überaus idyllischen Zeltplatz neben einer alten Picknick-Bank zwischen drei riesigen Linden.

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    In den nächsten Tagen umrundete ich den Monte Etna, ein richtiges Highlight auf Sizilien, auf welches ich mich schon lange gefreut hatte. Nachdem ich in Mojo Alcantara erneut eingekauft habe, stieg ich 1400hm auf sehr gepflegten Wanderwegen hoch.

    Oben hatte ich irgendwann die Baumgrenze erreicht und konnte nun zum ersten Mal die unfassbar riesigen Lavafelder rund um den Ätna sehen. Auf diesen ging es weiter bis zu einem sehr großen Parkplatz. In der Nähe des Parkplatzes waren natürlich ganz besonders viele Menschen unterwegs.

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    Eigentlich hätte ich in einer Biwak-Hütte übernachten wollen, doch irgendwie muss ich an ihr vorbeigelaufen sein. Also zeltete ich mal wieder im Wald. Am nächsten Tag hatte ich nur einen kurzen Weg nach Zafferana Etnea vor, der landschaftlich aber alles bisherige überboten hat. In den frühen Morgenstunden leuchteten die gelben Blätter der Birken so richtig im Licht der Morgensonne und boten einen eindrucksvollen Kontrast zum schwarzen Lavasand. Das weiße ich Reif - es wird auf dieser Höhe nachts ziemlich kalt.

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    Zwischendurch hatte ich immer wieder tolle Blicke auf den dampfenden Monte Etna.

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    Ansonsten verlief der Weg immer wieder im Wald.

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    In Zafferana Etnea hatte ich mir eine Unterkunft gebucht und erholte ich den Rest des Tages von der Wanderung. Am Tag darauf wurde der Weg erneut nicht bloß steil, sondern auch anspruchsvoll. Diesmal war der Weg zwar gut markiert, aber teilweise musste ich mit allen Vieren hochklettern.

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    An der Passstraße bei Nicolosi, einer Touristenhochburg unterhalb vom Ätna, kam ich raus und blieb nicht allzu lange. Wie befürchtet war es dort sehr touristisch - ein Souvenirshop reihte sich an den nächsten und dazwischen liefen die Menschenmassen umher. Diesmal fand ich am späten Nachmittag die gesuchte Biwak-Hütte und wärmte mich am Abend an dem Kaminfeuer auf.

    Auch am Tag darauf, dem letzten Tag der Umrundung, zierten leuchtend gelbe Birken den Weg.

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    In der Stadt Randazzo musste ich einen ziemlichen Umweg laufen um zum Supermarkt zu kommen. Immerhin gab es dort einen Lidl! Anschließend ging es natürlich mal wieder bergauf ins Waldreservat Santa Maria del Bosco. Laut Wettervorhersage sollte die inzwischen seit drei Wochen andauernde Schönwetter-Periode nun tatsächlich ein Ende haben. In dem Waldreservat gibt es eine ganz tolle Biwak-Hütte. Die Forstarbeiter haben mich hochlaufen sehen und freundlicherweise schon mal den Ofen angeheizt. Beide waren sehr kontaktfreudig und unterhielten sich länger mit mir, während sie auf den Feierabend warteten. Einer konnte ganz gut Englisch und der andere sprach sogar etwas deutsch. Nur mit dem Ofen haben sie es etwas zu gut gemeint: es war so warm in der Hütte, dass ich nachts kaum einschlafen konnte.

    In der Nacht gewitterte und regnete es in Strömen. Am nächsten Morgen war es in den ersten Stunden noch trocken und ich konnte den wunderschönen Wald bewundern. Dieses Waldgebiet empfand ich als das schönste auf Sizilien.

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    Weiter ging es an zahlreichen Bauernhöfen mit großen Weideflächen vorbei.

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    Es ging in den Parco dei Nebrodi, dem großten Waldgebiet auf Sizilien. Noch hielt sich das Wetter, doch am Vormittag fing es an zu regnen. Es hörte kaum noch auf, erst am Abend wurde es kurzzeitig etwas besser. Laut Wetter-App sollte am nächsten Tag weiterregnen. Na super... Wenn es in Italien regnen, dann meist so richtig. Abends kam ich an einen sehr schönen See vorbei, in dessen Nähe ich mein Zelt aufstellte. Da ich Sichtschutz haben wollte, verzichtete ich auf den Ausblick. Es regnete eh die ganze Nacht...

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    Am nächsten Morgen war ich schon nach weniger als 30 Minuten durchnässt - toll, wenn der Reißverschluss der Regenjacke Wasser durchlässt. :evil: Die kleinen Rinnsäle sind in der Nacht zu größeren Bächen angeschwollen, die ich nur noch nassen Fußes furten konnte. Immerhin sahen sie schön aus. Ganz besonders dieser hier:

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    Ansonsten hatte ich an dem Tag dank des dichten Nebels keine Aussicht. Die Wege waren gut zu gehen und ich kam zwar relativ flott voran, wollte den Wandertag aber trotzdem zeitig beenden, da ich es für Pausen als zu kühl und zu nass empfand. Die einzige Pause machte ich in einem Luxushotel an einer Passstraße. Das ist die einzige Unterkunft, die in dieser Passage am Weg zu finden ist. Zum übernachten bevorzugte ich aber das Zelt, welches ich diesmal bereits um halb vier aufstellte. Es regnete durchgängig.

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    Wie am Vortag schon, sah ich im Nebrodi-Wald eine ganze Menge schwarzer Schweine. Diese Art lebt hier in großer Anzahl und wird von den Einheimischen auch als Delikatesse angesehen.

    Im Dorf Gangi, welches auf einem kleinen Berg erbaut wurde, hatte ich meinen ersten und einzigen Ruhetag auf Sizilien. Der Weg dorthin zog sich aber, denn es ging viele Kilometer an einem Windpark und an Ackerflächen vorbei.

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    Gangi empfand ich als das hübscheste Dorf, welches ich auf Sizilien besucht habe. Die Häuser sind im mittelalterlichen Stil erbaut und alles ist typisch italienisch sehr verwinkelt. Und die katholische Kirche darf natürlich auch nicht fehlen. Dort erwartete mich ein Highlight der besonderen Art: ich wurde von einer einheimischen Familie zum Essen eingeladen. Eine in vieler Hinsicht sehr angenehme Erfahrung.

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    Hinter Gangi ging es zunächst an weiteren Ackerflächen vorbei, bis ich endlich den Madonie-Nationalpark erreichte. Vor meiner Wanderung durch Sizilien hatte ich noch nie etwas von diesem Nationalpark gehört, schade eigentlich. Dieses Gebiet eignet sich super zum wandern und zudem habe ich sehr viele wilde Hirsche gesehen.

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    Insbesondere die herbstlichen Buchen gefielen mir mehr als gut:

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    Das Wetter war zwischenzeitlich auch wieder angenehmer, auch wenn auf der Höhe die Abende doch etwas frisch waren. Bergab ging es ins Dorf Scillato, in welchem ich eine Unterkunft gebucht hatte. Die meisten Nächte auf meiner Wanderung verbrachte ich im Zelt, doch das wilde Zelten wurde auf Sizilien schwieriger und bedarf einer besseren Vorausplanung als auf dem Festland. Im ersten Teil bis incl. dem Nebrodi-Park war es meistens gut möglich, einen Zeltplatz zu finden. Dahinter wurden die Waldgebiete seltener und die zivilisierten Gebiete häufiger. Zum Glück gibt es auf Sizilien in vielen Dörfen und Städten günstige Unterkünfte, sodass dies zumindest finanziell kein Problem darstellt. Und der Komfort einer warmen Dusche nach einem anstrengenden Wandertag ist auch nicht zu verachten.

    Hinter Scillato ging es teils auf Wanderwegen, teils auf Straßen bis ins Dorf Sclafani Bagni. Das Highlight erwartete mich unterhalb auf einem etwas zugewachsenen Wanderweg: Dort gibt es eine (kostenlose) heiße Quelle, direkt am Wegesrand. Natürlich verbrachte ich dort eine ausgiebige Pause von mehr als einer Stunde. Obwohl Wochenende war, blieb ich alleine.

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    Die Nacht daraufhin verbrachte ich somit halbwegs sauber in meinem Zelt, an einer Stelle, die ich mir vorher auf der Karte ausgesucht hatte. Nachts wurde ich dann noch von einem (zum Glück) harmlosen Gewitter überrascht.

    Die beiden Tage danach waren landschaftlich wenig spektakulär, es ging überwiegend an Ackerflächen vorbei. Mir persönlich gefällt dies nicht so sehr, da ich nackte Ackerflächen ziemlich unschön finde. Die Wege waren zudem abschnittsweise matschig. Mit jedem Schritt sank ich ein bisschen in den Erdboden ein.

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    Zudem musste ich unzählige Weidegatter öffnen und wieder schließend. Leider sind die Weidegatter auf Sizilien vielerorts nicht sehr benutzerfreundlich, da sie sich teilweise nur schwer oder gar nicht öffnen lassen.

    Zwischendurch wurde der Weg für ein paar Kilometer aber wieder ganz schön.

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    Bevor ich das Dorf Piana degli Albanesi erreichte, durchquerte ich den letzten größeren Wald. Dort gefiel mir das Wandern gleich viel besser als zuvor. Wenn es den halben Tag nur an Ackerflächen vorbei geht, sinkt meine Stimmung doch ein bisschen ab. Die Luft im Wald ist feucht und würzig und die Natur belebt irgendwie doch mehr als die Zivilisation.

    Hinter Piana degli Albanesi musste ich zu einem Pass hochlaufen, wo die Natur überraschend wild wirkte. In der Steinhütte hätte ich sogar schlafen können... Doch auch aufgrund der kurzen Tage in Verbindung mit der langen Siesta der Supermärkte, ging ich auf Nummer sicher und hatte in einer Unterkunft übernachtet.

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    Die ersten Stunden ging es immer mal wieder bergauf und dann wieder bergab durch schöne Natur mit kargen Bewuchs, die ich sehr genoss.

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    Im Anschluss hatte ich eine lange Passage auf Wirtschaftsstraßen bis in die Stadt Alcamo vor mir. Die Strecke war einfach und langweilig, sodass ich immerhin Strecke machen konnte und die 38,5km des Wandertages hinter mich bringen konnte.

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    In Alcamo angekommen legte ich noch einen drauf und lief noch einen Umweg zum Lidl. Der macht nämlich keine Siesta!

    Hinter der Stadt Alcamo wartete noch ein tolles Highlight auf mich, denn es gab ganz in der Nähe die heißen Quellen von Segesta, denen ich einen Besuch abstattete. Um dorthin zu gelangen musste ich einen Bach überqueren, der mir bis zu den Knien ging. Der Aufwand hatte sich aber gelohnt, denn das Becken mit dem schwefelhaltigen Wasser war richtig schön heiß und sehr angenehm. Blöderweise vergaß ich ein Foto davon zu machen...:oops:

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    Bevor ich im Dorf Calafafimi ankam, durchquerte ich ein kleines Waldgebiet. Die Ferienwohnung in Calatafimi gefiel mir extrem gut, so lieblich wie sie eingerichtet war.

    In der Nacht und am nächsten Morgen goss es in Strömen. Eigentlich hätte ich mir an dem Tag den am Wegesrand befindlichen Tempel von Segesta anschauen wollen, aber da hätte man Eintritt bezahlen müssen. Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte sich das wahrscheinlich gelohnt, aber bloß für einen Foto-Stop hatte ich keine Lust darauf. Denn an diesem Tag wollte ich meine letzte Nacht im Zelt verbringen, was aber nur mit einem gewissen Aufwand bei der Suche möglich war. Zuvor ging es erneut an zahlreichen Ackerflächen entlang. Die konnte ich inzwischen nicht mehr sehen.

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    Erst in der Nähe von Visicari wurde die Landschaft und die Natur wieder ansprechender, hier wollte ich auch meinen Zeltplatz suchen.

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    Auf dem Foto sieht das noch ziemlich einfach aus, doch der Boden ist dort uneben und zudem wachsen dort viele stachelige Pflanzen. Irgendwann fand ich dann doch noch ein geeignetes Plätzchen.

    Am nächsten Tag stand der Besuch des Zingaro-Naturreservat an. Dies ist eines der wenigen Gebiete, wo man in Italien Eintritt bezahlen muss. Der Sentiero Italia nimmt hier den Pfad, der oben am Hang entlang führt und somit viele grandiose Ausblicke ermöglicht. Auffällig ist die karge Vegetation. Mir hat dieser Abschnitt sehr gut gefallen.

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    Am Ende des Naturreservats ging es bergab in Richtung dem Dorf Macari. Dieses durchquerte ich bis zur Küste und bezog das Tiny-House in Casteluzzo, welches ich mir für die Nacht gemietet hatte. Eine sehr gute Wahl!

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    An meinem vorletzten Wandertag wurde es noch mal so richtig regnerisch und gewittrig. Mehrere Stunden lang blitzte und donnerte es immer wieder. Trotzdem genoss ich den Wandertag sehr, denn es ging durch das Naturreservat Monte Cofano, welches meiner Meinung nach genauso schön ist, wie das beliebte Zingaro-Reservat.

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    In Custonaci machte ich einen Umweg zum Supermarkt und saß einen weiteren heftigen Regenguss in einer Bar aus. Am Nachmittag stand nur noch der steile Anstieg hoch nach Erice an.

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    Bereits in der Dämmerung kam ich in dem auf einem Berg gelegenen Ort an und konnte mein Ferienhaus (ja, richtig) beziehen. Vom Fenster aus sah ich in der Ferne weitere Blitze am Himmel zucken. Und da könnte man meinen, Ende November sollte die Gewittersaison vorbei sein...

    Am letzten Tag standen mir bloß noch 10,5km bergab zur Promenade nach Trapani bevor. Schon von weitem konnte ich mein Ziel erkennen.

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    Als ich in der großen und lauten Stadt angekommen war, beeilte ich mich zum Ziel zu kommen. Doch am Ende des Trails befand sich nichts außer dem Mittelmeer. Kein Monument, keine Statue, nichts. Irgendwie enttäuschend. So setzte ich mich alleine auf eine Bank und aß eine Pizza.

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    Es war ein komisches Gefühl nach einer solch langen Wanderung am Zielort angekommen zu sein. Nun hieß es den Heimweg antreten. Mit Bahn und Fähre ging es in den nächsten Tagen zurück nach Deutschland. Zuhause vermisste ich schon sehr bald die beeindruckende Natur und die angenehm milden Temperaturen.

    Zeltplätze fand ich oft im Wald, der in Kalabrien überwiegend aus Buchen oder Esskastanien besteht.

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    Einmal fand ich einen ganz besonders tollen Platz, denn ich fand abseits vom Weg einen verlassenen Obstgarten. Da die meisten Früchte bereits reif waren, konnte ich mich an dem süßen Obst statt essen. Schmeckte auch irgendwie viel besser als die Ware aus dem Supermarkt.

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    Am Ufer vom Lago Arvo war es sehr touristisch, da fuhr doch tatsächlich eine Bimmelbahn extra für Touristen durch die Gegend. Von der Bahn aus winkte mir Minnie-Maus zu... Abends konnte ich ganz alleine einen atemberaubenden Sonnenuntergang beobachten, bevor ich mich ins Zelt verkroch.

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    Vor Tiriolo wurde der Weg zwischendurch etwas ruppiger, aber auch besonders schön. Solche Pfade am Grat entlang gefallen mir besonders gut, auch wenn ich da langsamer unterwegs bin. Aufgrund der vielen Wolken checkte ich zwischendurch die Wetterapp, doch es war kein Regen vorhergesagt.

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    Hinter Tiriolo wartete eine nervige Herausforderung auf mich: 40 Kilometer Asphaltstraße, immer in der Nähe der Zivilisation.

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    Dies war einer der blödesten Abschnitte am ganzen Trail, mag ich das Wandern in der Nähe der Zivilisation doch gar nicht. Erst Recht nicht auf Asphaltstraßen. Um mir diesen Abschnitt zu erleichtern, hatte ich die Idee von Unterkunft zu Unterkunft zu laufen. Doch der Plan scheiterte, da ich keine Unterkünfte finden konnte. Die Gegend schien nicht touristisch zu sein. Die Suche nach einem Übernachtungsplatz war sehr herausfordernd, war doch nirgends ein verstecktes Plätzchen zu finden. Zwar lief ich an ein paar kleinen Olivenhainen vorbei, doch war der Boden überall uneben. Verflixt! Doch dann fand ich doch noch was, nämlich ein altes offenes Haus. Dort legte ich mich mit meinem Quilt und Isomatte auf den Boden. Als ich den Asphalt-Abschnitt erfolgreich bewältigt hatte, war ich froh.

    Hinter dem Ort Serra San Bruno, wo ich einen weiteren Ruhetag einlegte, ging es erneut durch dichten Wald im Aspromonate Nationalpark. Der Nationalpark ist reich an Quellen, so musste ich nur wenig Wasser mitführen. Mit leichterem Rucksack lief es sich dann auch besser.

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    Auf meinem Weg führte es mich durch das laut Beschreibung verlassene Örtchen Villagio Limina. Vor Ort stellte sich heraus, dass dort inzwischen wieder jemand wohnt. Padre Damiano lebt dort zusammen mit einem Kater und lud mich zum Essen ein. Ich freute mich sehr über diese große Gastfreundschaft und wir unterhielten uns auf Italienisch und mit Händen und Füßen. Am Abend musste ich dann noch einen Hund verscheuchen, der ein Loch ins Moskitonetz von meinem Zelt gebissen hatte, um an meine Kekse zu kommen.

    Weit war es nun nicht mehr bis Reggio Calabria. Die Wege blieben schön und einfach. Ein Highlight war eine hölzerne Brücke, die über einen Bach gebaut war.

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    Erst beim Abstieg nach Reggio Calabria wurde die Landschaft wirklich mediterran. Die Vegetation war karg und niedrig, der Sonnenschein wirkte gleich eine Nummer kräftiger. In der Ferne konnte ich die Insel Sizilien erblicken.

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    Beständig ging es bergab, bis der Pfad in der großen Stadt Reggio Calabria mündete. Hier musste ich dann nur noch die restlichen Kilometer bis zum Monument an der Promenade am Mittelmeer zurücklegen. Geschafft!

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    Anschließend ging es mit der Bahn in einen anderen Stadtteil, wo ich eine Unterkunft gebucht hatte. Auf dem Weg dahin musste ich noch ein paar extra Kilometer laufen, da sich die Tür an der gewünschten Haltestelle nicht öffnen ließ. :evil:

    Am nächsten Tag ging es mit der Fähre nach Sizilien.

    Als ich durch den vergleichsweise langen Abschnitt Kalabrien lief, war es bereits Oktober und somit auch oftmals nicht mehr so warm. Die Nächte waren aber meistens angenehmer als noch in Basilikata. Anfangs war das Wetter noch sehr wechselhaft, mit viel Regen. Zum Schluss hin hatte ich das Glück eine dreiwöchige Schönwetterperiode erwischt zu haben, die mich auch noch auf Sizilien begleitete.

    Diese machte das Wandern angenehmer. Sowieso verliefen die nächsten Tage beschaulicher als bisher. Die Höhenmeter wurden etwas weniger und die Wege waren überwiegend breit und einfach zu begehen. Zwischendurch fand ich das ganz angenehm und erholsam. Durch die späte Zeit im Jahr waren die Wälder an vielen Stellen wunderschön gelb und die Sonne angenehm mild.

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    Wenn ich die Möglichkeit hatte, den Wald von außen zu überblicken, sah es ganz besonders toll aus. Etwa wenn ich Wiesenflächen überquerte, die vom Wald umschlossen waren.

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    Ganz besonders gut gefallen hat mir in dieser Hinsicht das Val di Tacina:

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    Auch kurz dahinter blieb es malerisch schön, auch wenn die Wiesen morgens noch mit Reif überzogen waren. Oft flossen am Wegesrand Bäche mit klarem Wasser.

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    Aufgrund der einfachen Wege schaffte ich auch mehr Kilometer pro Tag als zuvor. Hatte ich zuvor etwa 25-30 Kilometer pro Tag geschafft, waren es nun +- 35.

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    In den tieferen Lagen wuchsen viele Esskastanien, im Oktober lag manchmal der ganze Weg voll damit.

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    Die Berge in Kalabrien sind nicht mehr ganz so hoch, wie die in Basilikata, trotzdem lief ich im Norden noch an ein Skigebiet vorbei. Aufgrund des dichten Waldes gab es zwar weniger Ausblicke als bisher aus dem SI, aber trotzdem genügend.

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    Oftmals waren die Wege breit, manchmal auch schmal, aber immer gut erkennbar.

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    Die üblichen kurzen Brombeereinlagen dürfen natürlich nicht fehlen:

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    Die sehr gute Wegmarkierung in Kalabrien sticht positiv hervor. Manchmal war gefühlt jeder zweite Baum markiert. Da haben sich die Wegewarte richtig Mühe gegeben. Verlaufen kann man sich auf dem SI in Kalabrien kaum.

    Am Wegesrand konnte ich viele hübsche sowie außergewöhnliche Pilze bewundern.

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