Moray Coast Trail – 80 km entlang der schottischen Nordseeküste
Ein Schnellbus brachte mich von Aviemore nach Inverness und nach einem kurzen Stück in einem Regionalzug konnte ich um 11:30 Uhr in Forres loswandern.
Schon die Anreise setzte den ersten gelben Akzent. Mir war überhaupt nicht bewusst, dass es in Schottland so viel Ginster gibt und dass Ginster solche riesigen Hecken bildet. Ich bin mal an der deutschen Nordsee ein paar kärglich blühenden kniehohen Büschen begegnet, das war mein Bild von Ginster. Und dann diese Farbexplosion! Ich bin auf der Stelle schockverliebt in das Gelb und den Duft.
Die Wegweiser des National Cycle Network sind sehr hübsch.
Nach der Ankunft in Forres wanderte ich bis Findhorn an der Küste. Tipp: Der Moray Coastal Trail verlässt Forres entlang der B9011, welche wohl stark befahren ist. Ich nahm eine Alternative, von der ich vorher gelesen hatte, die verläuft etwas weiter nördlich auf einer Landstraße. Man folgt bis Kinloss der Route 1 des National Cycle Network, auf meiner Karte als EV1 eingetragen. Es waren deutlich mehr Radler als Autofahrer unterwegs (2 -3 PKW). Beide Routen laufen auf Asphalt, da wird einem nichts geschenkt. Außer man nimmt den Bus. Dann am besten schon an der Ecovillage aussteigen und durch die Ecovillage und den Dünenwald zum Meer wandern. Lohnt sich!
Die Findhorn Bay war Ende April voller Vogelschwärme.
Der Trail verläuft auf der Autostraße bis nach Findhorn. Ich bin sobald es nach dem Militärgelände Kinloss Barracks ging, vom Asphalt abgezweigt. Der kurze Spaziergang durch die Ecovillage war sehr interessant und danach ging es durch den Küstenwald zum Meer. Sehr empfehlenswert!
Erster Blick aufs Meer. Mein Herz quilt über vor Glück.
Findhorn. In den Dünen zwischen dem Ginster ist eine Caravan Site mit WC-Gebäude und Trinkwasserhahn an der Außenseite.
In einer dieser Hütten habe ich übernachtet ich. Hatte ich auf AirBnB gefunden und musste ich einfach machen. Auch wenn es sich objektiv nicht von einer Übernachtung im Zelt unterscheidet. Die Hütte ist innen leer, bis auf ein kleines Regal mit einem Gaskocher und Teetassen. Als Luxus gibt es zwei Klappstühle.
Am nächsten Tag ging es bis nach Lossiemouth. Ich wollte kurz vor Lossiemouth in der Nähe des Coveseas Skerries Lighthouse zelten, aber es war mir zu viel los. Wer weniger vorsichtig ist, kann in der Nähe des Lighthouse sicherlich etwas finden. Ich zelte ungern so nah an Zivilisation. Das stresst mich zu sehr. Der direkt neben dem Lighthouse liegende Silver Sands Leisure Park nimmt keine walk-in Zeltende auf. Alternativ kann man auch kurz nach Lossiemouth in den Dünen zelten. Für mich wurde es kurzerhand ein Hotelzimmer in Lossiemouth.
Bunker und Panzersperren zieren die Küste. Alles um meinen Vorfahren eine Invasion zu erschweren. Der Weg führt entlang der Bucht, mal direkt am Wasser, meist in den Ginsterdünen oder im Wald. Am fernen Ende sieht man die Mälzerei in Burghead.
Wer nicht erst in Forres startet oder später am Tag beginnt, der kann im Roseisle Forest nach dem Militärgelände Kinloss Barracks bis kurz vor Burghead jede Menge Zeltmöglichkeiten mit traumhafter Aussicht über die langgezogene Bucht finden. Vorher Wasser bunkern! Entweder in Findhorn an der Caravan Site oder im Besucherzentrum mit Parkplatz, Toiletten, Wasser (Outdoordusche!) mitten im Wald. Ansonsten ist trinkbares Wasser rar. Es gibt einige Bäche im Wald, die aus den dahinterliegenden Agrarflächen kommen und so aussahen:
Vielleicht ist mit dem Wasser auch alles in Ordnung, aber ich möchte es nicht verwenden.
Nach Burghead wandelt sich die Küste. Es wird felsiger mit kleineren sandigen Buchten. Der Trail folgt einem Radweg und verläuft manchmal etwas versetzt zur Küste. Es gibt angeblich einen Pfad näher an der Küste, den Abzweig hatte ich leider erst am Abend auf der Karte gesehen. und der Ginster verhindert, dass man einfach mal so einen Abstecher macht.
Ein schicker Übernachtungsspot, leider ist es erst 15 Uhr.
Coveseas Skerries Lighthouse. Die grünen Flächen sind von Mini-Ginster durchsetzt. Zeltbares Gelände gibt es eher oben beim Leuchtturm.
Der dritte Tag führte mich von Lossiemouth zur Speymündung nach Buckie. Der Sandstrand nach Lossiemouth ist ein Traum! Irgendwann wird er zu einem Kiesstrand und zu meinem Alptraum. Meine Füße waren gar nicht glücklich über den Untergrund. Ich sah auf der Karte mehrere Möglichkeiten parallel zur Küste im Wald zu laufen. Das war keine gute Idee. Die Wege waren genauso schrecklich steing, hart und teilweise von Motorradfahreren zerfurcht, die dort anscheinend eine Ralleystrecke haben. Der Umweg addierte nur nutzlose Kilometer im stickigen Wald. Am Ortseingang stand an einem überwucherten Kinderspielplatz eine Bank auf der ich mich erst mal langlegte und eine Ecke weinte, weil die Fußsohlen so schmerzten. Ich habe eine Neuropathie und so ein shingle beach ist offensichtlich nicht für meine Füße geeignet.
Ein Traum von einem Strand! 3km lang purer Genuss.
Und dann kamen die Steine und überlagerten nach und nach den Sandstrand.
Die Betonklötze sind Panzersperren. Daneben der gleiche Kies. Nur flacher. Und stickig windstill. 10 km persönliche Hölle.
So guckte ich inzwischen auch!
Ein echter Tiefpunkt.
Nachdem ich mein Krönchen zurecht gerückt hatte, machte ich mich schlurfend auf den Weg. Der Umweg über die Speybrücke im Landesinneren erschien mir sehr rücksichtslos vom Trail, so richtig konnte ich die nächsten Stunden nicht mehr genießen.
Achtung, die Fußganger-/Radwegbrücke über die Spey ist im Dezember 2025 eingestürzt und kann aktuell nicht benutzt werden. Laut meiner Karte ist die nächste Brücke in Fochabers, ein ordentliches Stück Umweg.
Blick von der im Dezember 2025 eingestürzte Brücke über die Spey.
In den Wäldern entlang der Spey gibt es meiner Meinung nach genügend Möglichkeiten versteckt ein Zelt aufzubauen. Allerdings ist das Gebiet nicht so einsam wie man meint. Es wimmelte von Anglern, die auch mit dem Auto die Feldwege entlang fuhren. Wie ich Angler in einem Auto erkenne? Na, am Hut natürlich! Nee Spaß beiseite, die hatten so Magnethalter auf der Motorhaube in der die Angeln eingeklemmt werden, die dann über die Windschutzscheibe geführt werden und an einem Dachgepäckträger aufliegen.
Spey Mündung. Gerade nicht mehr im Bild ist das Wal & Delfin-Zentrum. Meine Fußsohlenschmerzen waren so ablenkend, dass ich für einen Besuch keine Kapazität hatte.
Nach Spey Bay kommt ein Wäldchen, dass laut Karte zeltgeeignet ist. Vor geschätzt 1-2 Jahren sind bei einem Sturm sehr viele Bäume umgefallen, der Großteil des Waldes wirkte auf mich nicht zeltbar, da Brombeer-/Himbeergestrüpp vieles überwucherte. Der gewiefte Wildcamper mit einem kleinen Tarp mag natürlich ein Eck finden. Oder der Dreiste, der sein Zelt nachts auf dem benachbarten Golfgreen aufbaut. Das Green sah schon sehr verlockend aus.
Auf meiner Karte ist am Ende des Walds eine Quarry (Steinbruch) eingezeichnet, olfaktorisch hing ein sehr unangenehmer und starker Müllkippen-Gestank in der Luft. Was sehr schade ist, weil in dem hinteren Bereich der Wald etwas besser zeltbar aussieht.
Im nächsten Ort Portgordon nahm ich den Bus für die letzten 3km bis nach Buckie. Meine Füße waren nicht mehr gewillt weiterzugehen. Noch dazu auf Teer. Und ich brauchte nach dem Tag ein Hotelzimmer und kein Zelt.
Peak Britishness (für mich)
Das Hotel von außen ist auch sehr schnuckelig. Und die Eigentümer sind zwei Schätzchen.