Vatersay & Barra
Es war mein erster Besuch in Schottland und die Busfahrt von Glasgow nach Oban war ein einziges Highlight. Ich wäre am liebsten überall ausgestiegen und los gestiefelt.
Blick aus dem Bus etwas südlich von Loch Awe. Man sieht das Loch im Tal in der Ferne hervorblitzen.
Der Hafen in Oban.
Die Inseln Muck, Eigg und Rum gehören zu den Inneren Hebriden.
Die Fähre bleibt bei der Fahrt durch den Sound of Mull zunächst in der Nähe der Küste. Der Blick öffnet sich etwas später und man sieht die Inneren Hebriden am Horizont vorbeiziehen. Ich sehe zum ersten Mal einen Delphin und später ein nachgebautes Wikingerschiff, dass unseren Weg kreuzt. Die zweite Hälfte der Fahrt geht über das offene Meer und da merkte man etwas den Seegang. Einigen Fahrgästen wurde übel, aber ich Landratte merkte glücklicherweise nichts.
Castlebay auf Barra mit der Fähre, auf der ich angereist bin. Die Burg im Hafen verschwindet fast neben der riesigen Fähre.
Nach 6 Stunden Fährfahrt kam ich in Castlebay auf der Insel Barra an. Ich hatte eine Übernachtung im Hostel gebucht, um mich von der langen Anreise zu erholen und dann am nächsten Tag zu starten. Doch es kam ganz anders und das setzte auch irgendwie den Ton für meinen Hebriden Aufenthalt. Der Gastgeber verkündete, dass wegen eines aufkommenden Sturms die Fähre außerplanmäßig sofort nach Oban zurückfährt und dann für zwei Tage keine Fähre mehr an- oder ablegen wird. Es wurde kurz hektisch für einige Gäste, mir brachte es den Vorteil, dass ich ein Zimmer für mich hatte.
Nachts stürmte es eindrucksvoll, ich war etwas nervös, weil ich noch nie in einem Gebäude war, dass so von Windstößen gebeutelt wurde. Ich versuchte mich zu trösten, dass das Haus schon recht alt ist und schon ganz andere Stürme überstanden hat. Ich war daher sehr froh um mein Bett im Hostel und buchte am Morgen kurzentschlossen zwei weitere Nächte. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen bei dem Wind einen erholsamen Schlaf im Zelt zu haben und ohne Fährverbindung komme ich auch nicht weiter auf die nächste Insel im Norden.
Die kleine Burg im Hafen. Die Wellen sehen gar nicht besonders eindrucksvoll aus. Aber ich muss um jeden Schritt gegen den Wind kämpfen.
Gegen Mittag hörte der Regen auf und ich fuhr mit dem Inselbus nach Vatersay. Das war auch sehr abenteuerlich mit den Windböen und die Straße verlief teilweise direkt über der Küste. Vatersay ist eine Insel südwärts, die mit einem Causeway mit Barra verbunden ist und auf der der offizielle Startpunkt des Hebridean Way liegt. Ich wanderte durch die Dünen, genoss die Sonne, sah zum ersten Mal den Atlantik und machte mich dann zu Fuß auf den Rückweg. Allerdings nicht über den Trail, der geht gleich auf 300m hoch und mich wuppte der Wind schon in den windgeschützteren Lagen bei jeden Schritt etwas von den Füßen. Ich folgte der Straße, bei besseren Wetter sicherlich gut von Touristen befahren, aber ich sah keine drei Autos auf 11 km. So eine „geschlossene“ Insel ist schon was Feines. Auf dem Rückweg war ich sehr froh um meine Entscheidung die Hinfahrt mit dem Bus zu machen, denn auf einem kleinen Stück mit Gegenwind musste ich kurze Pausen im Wind abwarten um überhaupt 1-2 Schritte zu machen. Aber auch der Rückenwind- und Seitenwind sorgten am nächsten Tag für einen deutlichen Ganzkörper-Muskelkater.
Vatersay hat ganz wunderbare Strände - die beiden oberen Bilder gen Osten in Richtung Minch und das untere zeigt die Atlantikseite.
Die Schmalseite der Start-Stehle des Hebridean Way vor dem Community Center. Es gibt öffentliche WCs und Duschen, tagsüber hat das Cafe geöffnet.
Auf dem Hebridean Way. Nachdem man diese Bucht umrundet hat, geht es über den Berg in der Ferne hinüber (aber nicht für mich).
Wer einmal mit so hübschen Ausblick abspülen möchte, quartiert sich im Hostel in Castlebay ein.
Über Nacht regnete und stürmte es wieder wild. Am nächsten Tag erkundete ich die Westseite der Insel. Auch hier zu einem Großteil auf der Straße, weil der Trail quert die Insel zum Großteil im Landesinneren auf den Hügeln und da wollte ich nicht sein bei dem Wind. Außerdem konnte ich nicht anders als dem Drang zum Meer nachzugeben. Berge und schlechtes Wetter kann ich auch zuhause haben. Der Wind am Atlantik war mega! Einmal hat es mich komplett von den Füßen gehoben und ich lag auf den Knien im Sand. Ich bin kein Leichtgewicht, sondern wiege 90kg! Das wäre wirklich kein Tag gewesen um einen schweren Rucksack durchs Gelände zu tragen. Ich passierte den Campground, den ich ursprünglich als erste Übernachtung anvisiert hatte. War ganz leer, bis auf zwei Campervans. Und ich war sehr froh, nicht auf dieser Wiese direkt am Atlantik zu zelten.
Eine typische Straße auf den Hebriden. Der Trail vermeidet, wo es geht die Straßen, aber manchmal gibt es keine Alternative. Wenn an einem Sommertag viel Verkehr ist, insbesonders mit Wohnmobilen, die fast die ganze Straßenbreite ausfüllen, ist es wahrscheinlich eher stressig als Fußgänger. Dank schlechten Wetter blieb mir das erspart. (Anmerkung: Symbolbild.
Der eigentliche Trail kommt links hinten vom Berg hinunter und verläuft dann erstmal am Strand.)
Der Strand, an dem mich der Wind auf die Knie gelegt hat. Ich habe dann gut Abstand zur Wasserkante gehalten.
Einer der beiden Campingplätze an der Westküste von Barra. Der andere ist gleich ums Eck. Man sieht die Gebäude etwas weiter hinten. Wer bei Sturm auf einem CP zelten will, den empfehle ich diesen, da gibt es die Verschläge als Windschutz. Der andere CP ist dem Wind völlig ausgesetzt.
Eine Regenfront nach der anderen zog über die Insel. Hier sieht man die nächste heranrauschen.
Hier verlässt der Trail die Westküste und geht zwischen und über die Berge im Hintergrund zum Fährhafen in Ardmhòr auf die Nord-Ostseite von Barra.
Da ich den Rückweg nicht gegen den Wind ankämpfen wollte, hatte ich mir eine Bushaltestelle als Umkehrpunkt ausgesucht. Der Bus fuhr auch, nur an mir vorbei! Was war passiert? Die Haltestellen auf den Inseln sind zum Großteils nur Haltepunkte an Straßenkreuzungen oder Hofeinfahrten. Es gibt kein Schild oder eine anderweitig erkennbare Haltestelle. Man steht am Straßenrand und der Bus hält an. Wenn man denn auf der richtigen Straßenseite steht – im Land des Linksverkehrs! ![]()
Ich guckte kurz dumm aus der Wäsche, wechselte die Straßenseite und kurze Zeit später nahm mich ein Einheimischer mit.