Beiträge von Kay

    Vatersay & Barra

    Es war mein erster Besuch in Schottland und die Busfahrt von Glasgow nach Oban war ein einziges Highlight. Ich wäre am liebsten überall ausgestiegen und los gestiefelt.


    Blick aus dem Bus etwas südlich von Loch Awe. Man sieht das Loch im Tal in der Ferne hervorblitzen.


    Der Hafen in Oban.

    Die Inseln Muck, Eigg und Rum gehören zu den Inneren Hebriden.

    Die Fähre bleibt bei der Fahrt durch den Sound of Mull zunächst in der Nähe der Küste. Der Blick öffnet sich etwas später und man sieht die Inneren Hebriden am Horizont vorbeiziehen. Ich sehe zum ersten Mal einen Delphin und später ein nachgebautes Wikingerschiff, dass unseren Weg kreuzt. Die zweite Hälfte der Fahrt geht über das offene Meer und da merkte man etwas den Seegang. Einigen Fahrgästen wurde übel, aber ich Landratte merkte glücklicherweise nichts.

    Castlebay auf Barra mit der Fähre, auf der ich angereist bin. Die Burg im Hafen verschwindet fast neben der riesigen Fähre.

    Nach 6 Stunden Fährfahrt kam ich in Castlebay auf der Insel Barra an. Ich hatte eine Übernachtung im Hostel gebucht, um mich von der langen Anreise zu erholen und dann am nächsten Tag zu starten. Doch es kam ganz anders und das setzte auch irgendwie den Ton für meinen Hebriden Aufenthalt. Der Gastgeber verkündete, dass wegen eines aufkommenden Sturms die Fähre außerplanmäßig sofort nach Oban zurückfährt und dann für zwei Tage keine Fähre mehr an- oder ablegen wird. Es wurde kurz hektisch für einige Gäste, mir brachte es den Vorteil, dass ich ein Zimmer für mich hatte.

    Nachts stürmte es eindrucksvoll, ich war etwas nervös, weil ich noch nie in einem Gebäude war, dass so von Windstößen gebeutelt wurde. Ich versuchte mich zu trösten, dass das Haus schon recht alt ist und schon ganz andere Stürme überstanden hat. Ich war daher sehr froh um mein Bett im Hostel und buchte am Morgen kurzentschlossen zwei weitere Nächte. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen bei dem Wind einen erholsamen Schlaf im Zelt zu haben und ohne Fährverbindung komme ich auch nicht weiter auf die nächste Insel im Norden.

    Die kleine Burg im Hafen. Die Wellen sehen gar nicht besonders eindrucksvoll aus. Aber ich muss um jeden Schritt gegen den Wind kämpfen.

    Gegen Mittag hörte der Regen auf und ich fuhr mit dem Inselbus nach Vatersay. Das war auch sehr abenteuerlich mit den Windböen und die Straße verlief teilweise direkt über der Küste. Vatersay ist eine Insel südwärts, die mit einem Causeway mit Barra verbunden ist und auf der der offizielle Startpunkt des Hebridean Way liegt. Ich wanderte durch die Dünen, genoss die Sonne, sah zum ersten Mal den Atlantik und machte mich dann zu Fuß auf den Rückweg. Allerdings nicht über den Trail, der geht gleich auf 300m hoch und mich wuppte der Wind schon in den windgeschützteren Lagen bei jeden Schritt etwas von den Füßen. Ich folgte der Straße, bei besseren Wetter sicherlich gut von Touristen befahren, aber ich sah keine drei Autos auf 11 km. So eine „geschlossene“ Insel ist schon was Feines. Auf dem Rückweg war ich sehr froh um meine Entscheidung die Hinfahrt mit dem Bus zu machen, denn auf einem kleinen Stück mit Gegenwind musste ich kurze Pausen im Wind abwarten um überhaupt 1-2 Schritte zu machen. Aber auch der Rückenwind- und Seitenwind sorgten am nächsten Tag für einen deutlichen Ganzkörper-Muskelkater.



    Vatersay hat ganz wunderbare Strände - die beiden oberen Bilder gen Osten in Richtung Minch und das untere zeigt die Atlantikseite. 


    Die Schmalseite der Start-Stehle des Hebridean Way vor dem Community Center. Es gibt öffentliche WCs und Duschen, tagsüber hat das Cafe geöffnet.


    Auf dem Hebridean Way. Nachdem man diese Bucht umrundet hat, geht es über den Berg in der Ferne hinüber (aber nicht für mich).


    Wer einmal mit so hübschen Ausblick abspülen möchte, quartiert sich im Hostel in Castlebay ein.

    Über Nacht regnete und stürmte es wieder wild. Am nächsten Tag erkundete ich die Westseite der Insel. Auch hier zu einem Großteil auf der Straße, weil der Trail quert die Insel zum Großteil im Landesinneren auf den Hügeln und da wollte ich nicht sein bei dem Wind. Außerdem konnte ich nicht anders als dem Drang zum Meer nachzugeben. Berge und schlechtes Wetter kann ich auch zuhause haben. Der Wind am Atlantik war mega! Einmal hat es mich komplett von den Füßen gehoben und ich lag auf den Knien im Sand. Ich bin kein Leichtgewicht, sondern wiege 90kg! Das wäre wirklich kein Tag gewesen um einen schweren Rucksack durchs Gelände zu tragen. Ich passierte den Campground, den ich ursprünglich als erste Übernachtung anvisiert hatte. War ganz leer, bis auf zwei Campervans. Und ich war sehr froh, nicht auf dieser Wiese direkt am Atlantik zu zelten.

    Eine typische Straße auf den Hebriden. Der Trail vermeidet, wo es geht die Straßen, aber manchmal gibt es keine Alternative. Wenn an einem Sommertag viel Verkehr ist, insbesonders mit Wohnmobilen, die fast die ganze Straßenbreite ausfüllen, ist es wahrscheinlich eher stressig als Fußgänger. Dank schlechten Wetter blieb mir das erspart. (Anmerkung: Symbolbild. 8) Der eigentliche Trail kommt links hinten vom Berg hinunter und verläuft dann erstmal am Strand.)


    Der Strand, an dem mich der Wind auf die Knie gelegt hat. Ich habe dann gut Abstand zur Wasserkante gehalten. 


    Einer der beiden Campingplätze an der Westküste von Barra. Der andere ist gleich ums Eck. Man sieht die Gebäude etwas weiter hinten. Wer bei Sturm auf einem CP zelten will, den empfehle ich diesen, da gibt es die Verschläge als Windschutz. Der andere CP ist dem Wind völlig ausgesetzt. 


    Eine Regenfront nach der anderen zog über die Insel. Hier sieht man die nächste heranrauschen.


    Hier verlässt der Trail die Westküste und geht zwischen und über die Berge im Hintergrund zum Fährhafen in Ardmhòr auf die Nord-Ostseite von Barra.

    Da ich den Rückweg nicht gegen den Wind ankämpfen wollte, hatte ich mir eine Bushaltestelle als Umkehrpunkt ausgesucht. Der Bus fuhr auch, nur an mir vorbei! Was war passiert? Die Haltestellen auf den Inseln sind zum Großteils nur Haltepunkte an Straßenkreuzungen oder Hofeinfahrten. Es gibt kein Schild oder eine anderweitig erkennbare Haltestelle. Man steht am Straßenrand und der Bus hält an. Wenn man denn auf der richtigen Straßenseite steht – im Land des Linksverkehrs! 8|:D Ich guckte kurz dumm aus der Wäsche, wechselte die Straßenseite und kurze Zeit später nahm mich ein Einheimischer mit.

    Wandern auf den Äußeren Hebriden 

    Der Hebridean Way ist eine 250km lange Wanderroute über zehn Inseln der Äußeren Hebriden:

    • Für die Bikepacker interessant, es gibt auch eine Radlroute des Hebridean Way.
    • Durch die vorherrschende Windrichtung empfiehlt sich das Wandern von Süden nach Norden.
    • Der Weg führt über kleine Teerstraßen, mehr oder wenig moorige Pfade, entlang ewig langer Sandstrände, alte Karrenwege oder hier und da auch mal eher weglos. Im Allgemeinen ist der Weg ausgeschildert, allerdings nicht an jeder Wegkreuzung. Man braucht auf jeden Fall eine Karte (on- oder offline). Ich hatte einen GPX Track auf dem Handy und mir zuhause den Cicerone Guide eingescannt.
    • Je nach Guide wird der Weg von Vatersay im Süden nach Stornoway im Norden in 10-12 Tagesetappen aufgeteilt. Der offizielle Weg endet am Schloss in Stornoway. Man kann noch zwei Etappen dranhängen, wenn man bis zum nördlichen Punkt der Äußeren Hebriden zum Leuchturm am Butt of Lewis wandern möchte. Der Cicerone Guide teilt den Weg in 10 Etappen mit 16-35km Tagesetappen, die zwischen 150 und 880 Höhenmeter Anstieg haben.
    • Wildcampen ist zu den in Schottland geltenden Regeln erlaubt: https://www.outdooraccess-scotland.scot/

    Am Ende des Berichts schreibe ich auch noch etwas zu Anreise, Öffis, Einkaufsmöglichkeiten und Unterkünften. Aber nun zu dem, was wir alle sehen wollen, die Bilder und den Reisebericht. 8) Ich glieder den Bericht nach den drei großen Inselgruppen

    Und noch so eine mega Reisebericht aus dem Fjäll. Ein Traum! Ich denke, die Tour ist eine Nummer zu groß für mich, um so mehr freue ich mich, dass du deine Erlebnisse mit uns teilst. <3

    ... und bitte bitte bald den Cliffhanger auflösen! 8|

    Vielen Dank für deinen Bericht! Das zu Lesen war ein echtes Highlight in der letzten Woche! Mit jedem Eintrag habe ich mich gleich etwas erholter gefühlt. Deine Bilder finde ich auch super gelungen. Und so ein Wetterglück. Toll! Vielen Dank fürs Zusammenschreiben und uns Teilhaben lassen. <3

    Immer ein Monokular.

    Häufig Papierkarte: Luxus, weil meine Touren nicht wirklich ein Papier Backup benötigen. Ich mags als Zeitbeschäftigung. Wenn ich keine mitnehme, sammeln sich im Laufe der Tour meist Touri Übersichtskarten an. Da kann ich einfach nicht vorbei gehen. Bei längeren Touren schicke ich zwischendurch auch mal etwas davon nach Hause.

    Danke für den ausführlichen Bericht. Ein echtes Highlight. Für mich wären meine Reisen ohne Zero day immer nur halb so schön. Nicht nur wegen dem ausruhen, sondern dem Zeit nehmen und entdecken.

    Ungefähre Kosten:

    • 5m Stoff bestellt: 60€ (ich habe noch gut 1m übrig.) Also knapp 50€ Materialkosten
    • Reissverschluss 20€
    • Reflexband: ca. 5€
    • Seam Grip: 20€ für zwei Tuben. 2/3 Tube ist übrig. Also großzügige 15€ Kosten.
    • Elastische Kordel: 2€
    • Garn, Tanka hatte ich zuhause: ich sag mal pauschal 5€

    Das macht 97€. Der Packa in L 15 den silnylon kostet aktuell 133 USD plus Zoll. Finanziell bin ich also günstiger weggekommen. Es ist eine Maßanfertigung und ich habe vieles gelernt. Das ist nicht zu bezahlen :D8)

    Als ich vor zwei Jahren zum ersten Mal in Schottland war, hatte ich den Hoodie Pack Cover von Lightheart Gear dabei. https://www.walkonthewildside.de/rucksack-zubeh…pack-cover.html Die Abdeckung von Kopf, Nacken und Rucksack gefiel mir sehr gut. Allerdings war die Größe nicht ganz passend zu meinem Rucksack, dadurch zog sich der Stoff nach hinten und ich hatte die Schultern nur noch knapp bedeckt. Nicht so großzügig, wie auf dem Produktbild abgebildet. Und dann flatterten die Schulterabdeckungen wild im Wind in Richtung Gesicht. Nicht so schön. Als erstes dachte ich an eine Befestigung der flatternden Teile, dann an T-Shirt-Ärmel satt nur eine Schulterabdeckung, dann daran wie mich die geringe Armabdeckung bei meinem StS-Poncho stört (und das Überwerfen / Hineinschlüpfen in den Poncho) und kam so auf die Idee eine Jacke mit Regenhülle zu kombinieren. Währendessen wurde ich auf den Packa aufmerksam https://www.thepacka.com/ Das brachte mir die Idee, des Verstauens der Kleidungsteile in der Regenhülle. Und so kam alles zusammen:

    Gewicht: 233g

    • Zum Vergleich: StS Poncho: 216g; Lightheart Gear Pack Hoodie L: 196g; Packa in L und 15 den: 11oz / 311g (laut Website)
    • Einsparpotential: statt Patagonia Torrentshell mit 416g kann ich eine leichtere Regnjacke mitnehmen (z.B. montbell Versalite: 185g)


    Materialliste:


    Vorgehensweise:

    1: Regenhülle für den Rucksack:

    Ich habe meinen Rucksack maximal bepackt. Das bedeutet mit Evazote seitlich, Zelt außen oben unter dem Y-Strap. Innen mit 5 Tage Resupply und Ausrüstung, die mich auch bei feuchtnassen Wetter knapp oberhalb von 0 Grad warm & trocken hält. Dann habe ich aus einem dünnen Zeltinnen-Material, dass mal ein Fehlkauf war, eine massgeschneiderte Regenabdeckung mit Gummizug erstellt. Also nichts anderes als käufliche Regenhülle, nur halt perfekt sitzend für diesen Rucksack.

    2: Eine passende Jacke

    Ich habe das Schnittmuster verwendet, dass ich schon für eine Windjacke verwendet habe. Dieser Schnitt ist sehr geräumig und lang, weil die Jacke im Winter (Minusgerade, Alpen) über mehrere Isolagen getragen wird. Ich hatte allerdings nicht bedacht, dass die Taschen an den Rucksack-Schultergurten auch Volumen brauchen ...

    Als nächstes habe ich die Länge der Öffnung der Regenhülle ausgemessen und auf dem Jacken-Schnuttmuster-Rückenteil einzuzeichnen. Dazu hat mir das Baumwoll-Probeteil, dass ich damals für den Jacken-Grundschnitt angefertigt habe, sehr geholfen. Ich habe mir von meinem Mann die Lage der Schultergurte und die Lage der Regenhüllen-Öffnung anzeichnen lassen. Das wäre natürlich auch irgendwie an der fertigen Jacke gegangen, aber so konnten wir hemmungslos auf dem Probeteil mit einem Filzstift markieren.

    Zuerst war der Umfang der Öffnung (Regenhülle) zu groß für das Rückenteil. Ich habe dann die Regenhülle etwas angepasst. Und nach etwas hin und her, hat es irgendwann gepasst.

    3: Die Herstellung der Regenhülle

    Die Regenhülle besteht aus zwei Seitenteilen und einen Mittelstreifen. Der Mittelstreifen ist ein Rechteck. Die beiden Seitenteile haben eine Halbrunde-Form (eher halbe Ellipse?). Durch das Nähen der Rundung an den geraden Mittelstreifen entsteht eine dreidimensionale Hülle. Die Nähte habe ich mit einer üppigen Nahtzugabe versehen. Die Nahtzugabe habe ich umgeklappt und nochmal umgeklappt und wieder festgenäht mit 1cm Abstand zu ersten Naht. Ich denke, man nennt das französische Naht oder eine vereinfachte Kappnaht. Anschliessend habe ich das Reflektorband einmal quer rüber aufgenäht. Zum Schluss habe ich alles von innen und außen mit Seam Grip versiegelt.

    4: Herstellung der Jacke

    Die Jacke besteht aus einem Teil für den Körper, zwei Ärmeln und der Kapuze. Die Kapuze besteht aus zwei seitlichen Teilen, ohne einen Mittelstreifen, um Nähte zu sparen. Da ich bei Regen immer ein Cap trage (bin Brillenträger) habe ich keine Versteifung an der Stirn eingebaut. Den Gummizug habe ich diesmal außen angebracht. Ansonsten klappe ich gerne das Material nach innen um, um einen Kanal für das Gummi zu bekommen. Das fand ich hier durch den Schnitt der Kapuze mit dem hohen Kinnteil und durch den unelastischen Stoff unpraktisch. Da der Lightheart Gear Hoodie Pack Cover meine Inspiration war, habe ich deren Konstruktionsweise kopiert. Hier wird wie mit einem Beleg gerbeitet, nur verschwindet der nicht nach innen , sondern liegt außen. Auch hier wieder diese vereinfachte Kappnaht für die Naht über den Scheitel. Anschliessend alle Nähte mit Seam Grip versiegeln.

    Genauso wird die Jacke zusammengenäht. Ich nähe die Ärmel zusammen (vereinfachte Kappnaht) und versiegel die Naht. Dann die Ärmel an den Jacken-Körper. Der Jackenkörper ist aus einem Teil geschnitten um Nähte zu sparen. Es gibt also keine Nächte im Schulterbereich oder an den Seiten. Für das Ärmelloch ist eine solche Kappnaht nicht möglich durch den unelastischen Stoff und de Rundung. Ich habe die Nahtzugabe nur einmal umgeklappt und knapp zur ersten Naht (0,5cm) ein zweites Mal genäht. Die Ärmel habe ich sehr lange zugeschnitten, da ich mir noch nicht sicher war, wie ich die Abdeckung meiner Hände an den Stöcken lösen möchte.

    Kapuze an Jacke annähen. Auch hier wegen der Rundung, wie bei dem Ärmelloch keine Kappnaht, sondern zwei Nähte nebeneinander. Versiegeln. Zu dem Zeitpunkt sind Kapuze und Vorderteil noch aus einem Teil. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen an dem ich den Schnitt für den Reissverschluss mache. Es hat sich für mich einfach als praktischer herausgestellt, den Schnitt nachträglich zu setzen. Als Einzelteile zuzuschneiden und einzeln zu vernähen. Ich vermute, das ist Geschmackssache.

    5: Verbindung Rücksackhülle und Jacke

    Ich wollte den Gummizugkanal für die Regenhülle außen liegend haben mit der Verstellung durch einen Tanka seitlich unten, so dass ich im angezogenen Zustand den Gummizug verstellen kann. So kann ich einen lockeren Zustand mit mehr Bewegungsfreiheit und Durchlüftung haben bei Windstille. Und bei schottischen "Orkanwinden" kann ich alles festzurren. Ebenso kann ich den Zug lockern, um an den Inhalt der Seitentaschen des Rucksacks zu kommen.

    Daher stelle ich als nächstes einen Gummizugkanal her mit ausreichend Nahtzugaben (ich meine es waren 5 cm). Dann lege ich Jacke, Hülle und Kanal zusammen. Stecke es mit vielen Nadeln in der an allen Teilen großzügig bemessenen Nahtzugabe fest und nähe sorgfältigst die Lagen alle 2-3 cm sortierend und glättend die Teile zusammen. Das war anstrengend! Anschliessend rattere ich die Nahtzugaben durch die Overlock. So habe ich eine schön versäuberte Naht. Großzügig versiegeln auf der Oberseite und auch auf der Innenseite an beiden Seiten der Nahtzugabe.

    6: Bonusarbeit - Verbreiterung Vorderteil

    Nun schlägt die bittere Stunde der Erkenntnis, dass meine Schultergurt-Taschen auch Platz unter der Jacke brauchen. Da a) nicht mehr viel Zeit ist bis zur Reise nach Schottland und b) ich schon sehr viel Zeit in die Versiegelung gesteckt hatte war ein neuer Zuschnitt außer Frage. Mein Blick viel auf das Reflexband - Problem gelöst. Kein Zuschnitt und versäubern von Stoffstreifen nötig. Sehr knappkantig nähte ich zwei Streifen Reflexband an den Schnitt für den Reissverschluss. Dann "nur noch" den Reissverschluss einnähen. Alles versiegeln und fertig!

    Versiegelung:

    Ich habe das oben verlinkte Seam Grip mit dem mitgelieferten Pinsel aufgetragen. Zuerst sehr penibel, dann wegen Zeitknappheit und Unlust sehr viel schneller und großflächiger. Dadurch habe ich 1 und 1/3 Tube verbraucht. Ich habe keine Garage oder einen wettergeschützten Balkon. Also habe ich in einem Zimmer, dass ich gut lüften kann, immer Abends den genähten Fortschritt Stück für Stück versiegelt. So ein Kleidungsstück kann man auch nicht so einfach straff abspannen wie ein Tarp/Zelt. Das war also etwas knifflig aber mit vorhandenen Gegenständen machbar. Dann habe ich die Versiegelung rund 20-22h ausdünsten lassen, eben bis ich am nächsten Abend wieder etwas genäht habe. Nach dem Trocknen habe ich Penaten Babypuder mit einem Pinsel auf die Nähte verstrichen. Überschüssiges Puder habe ich mit einem Staubsauger entfernt und einem trockenen Microfasertuch abgewischt (es ging ja gleich wieder unter die Nähmaschine). Zum Puderauftrag habe ich eine FFP2-Maske getragen, da ich meiner Lunge den Feinstaub ersparen möchte. Die angebrochene Seam Grip Tube habe ich im Kühlschrank gelagert. Den Pinsel habe ich vor der nächsten Versiegelung mit den Fingern von angetrockneten Silikon freigerubbelt.

    Hat sich die Arbeit gelohnt?

    Ich hatte in Schottland nur 1,5 Tage mit stundenweise nieseligen bis leichten Regen, dafür mit dem üblichen stärkeren böigen Wind. Die Jacke hielt erfolgreich Regen von mir und dem Rucksack ab. Sie blockte den Wind sehr angenehm. Ich schwitze schnell, bzw. produziere auch ohne Schwitzgefühl viel Feuchtigkeit. Das hat man dann auch schon nach einer halben Stunde strammen Marsch bergauf auf der Innenseite in Form von sehr feinen Wasserperlen gesehen. Ich habe ein Polypropylen Shirt von Liod getragen, was sehr hydrophob ist. So wurde meine Kleidung nicht durchnässt von Kondensation innen. Die feinen Wasserperlen wurden nie zu größeren Tropfen. Ich vermute sie sind nach unten abgeperlt oder durch die Lüftung an den Öffnungen entwichen?

    Über den Sommer hatte ich nur an einem Wandertag die Möglichkeit den Poncho in strömenden Regen über 4,5h zu testen. Es ist alles wasserdicht. Es trat wieder diese feinperlige Kondensation auf, die sich in einer Pause in einem Unterstand einfach aus dem Material schütteln liess.

    Was mir noch fehlt als Test, ist ein ganzer durchregneter Wandertag, in dem man auch keine Pause in einem Unterstand machen kann.

    Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit dem Jacken-Poncho. Es war immer schön muckelig warm ohne zu überhitzen. Ich hasse den nassen, kalten Rücken, den ich unweigerlich bei starken Regen mit Rucksack und Regenjacke bekomme. Ich mag es, dass der Inhalt der Netztasche und der Seitentaschen des Rucksacks trockenbleiben. Ich mag den zwei Wege Reisverschluss, der erlaubt auch hohe Schritte in steilen Gelände und bietet viele Lüftungsmöglichkeiten. Ich mag die Länge bis Mitte des Oberschenkels, denn die meisten Regenjacken sind mir etwas zu kurz, da ich einen langen Oberkörper habe. Ich mag die Verstaumöglichkeit der Jacke in der Regenhülle, während ich den Rucksack trage. Gerade bei dem wechselhaften schottischen Wetter habe ich häufig davon Gebrauch gemacht. Außerdem mag ich es eine Rucksackhülle zu haben, wenn ich mit Öffis oder an Bahnhöfen etc. unterwegs bin. Der Inhalt der Aussentaschen des Rucksack erscheint mir dann geschützter vor fremden Fingern und Dreck.

    Verbesserungspotential:

    • Die vordere Weite ist auch nach der Erweiterung etwas zu eng. Ich hätte es für die Dürchlüftung gerne etwas lockerer über der Brust. Aber dafür nochmal all die Arbeit mit dem versieglen? Eher nein.
    • Ich überlege Unterarmlüftungen einzubauen (pit zips). So kann ich bei moderaten Wetter oder auf der windabgewandten Seite noch besser lüften.
    • Rot ist nicht meine Lieblingsfarbe, aber es war die beste knallbunte Farbe erhältlich. Ich wollte nicht so viel Geld für den Stoff ausgeben für ein ungewisses Projekt.

    Und Abend, bei einem Bierchen, habe ich mich halt breitschlagen lassen. :D

    Eine passende Intro zu meinem brain dump (Referenz zum angefragten Brainstorming).

    Ich bin Mitglied in der örtlichen DAV-Sektion. Vorher war ich Mitglied in einer benachbarten Sektion. Nach einem Umzug hatte ich mich entschlossen die Sektion zu wechseln, da ich in all den Jahren keinen Anschluss gefunden hatte. Jetzt bin ich 5 Jahre in der neuen Sektion und ich habe auch hier noch keinen Anschluss gefunden.

    Beide Sektionen haben (anscheinend) sehr aktive Alpin-, Kletter- Skitour- und Kinder/Jugendgruppen. Hier werden im jährlichen Hefterl auch (Nachwuchstrainer /-betreuer sowie Teilnehmer gesucht. Nichts davon ist relevant für mich. Nicht meine Sportart und Kinder/Jugendliche möchte ich auch nicht betreuen. Die Kommunikation findet vor allem durch das jährliche Hefterl mit Tourenberichten und den im neuen Jahr anstehenden Touren etc statt. Bis vor 2 Jahren war ich viel, v.a. auf Instagram, aber auch in einigen Facebook-Hobbygruppen unterwegs. Ich konnte keine Sektionsgruppen oder sonderlich viel Aktivität in den vereinseigenen Accounts feststellen. Irgendwo gibt es wahrscheinlich Kommunikation, aber sie ist nicht für mich (einfach!) zugänglich. Es gibt im Winter die Vereinsversammlung. Wenn ich die Bilder sehe, wie sich (für mich) viel zu viele Menschen in den Raum einer örtlichen Gastwirtschaft quetschen, dann ist für mich klar, dass ich nie zu einer solchen Versammlung gehen werde. Noch dazu in der Haupterkältungsaison! Finde ich eher rücksichtslos geplant. (Ich bin in einem anderen überregionalen Hobbyverein - LARP- und wir haben die Möglichkeit online teilzunehmen. Es gibt eine Agenda vorher und man kann vorher Beiträge , Vorschläge oder Fragen einbringen. Es geht als, wenn man möchte.)

    Was könnte ich mir vorstellen: Wegearbeit und Betreuung, weil ich gerne draußen bin und anpacken kann. Das wird nur nie gesucht. Zumindest auf den Kommunikationswegen, die ich kenne. Ich schlussfolgere daraus: es besteht kein Bedarf. Mir auch recht, ich brauche auch keine Wandergruppe. Ich würde nur gerne etwas beitragen, da ich den Verein und seine Tätigkeiten als wichtig für die Gesellschaft erachte.

    Ich hatte mich vor vielen Jahren auch für das örtliche THW interessiert. Als ich auf der Website las: nach den Einsätzen und Übungen sitzen wir gerne gemütlichen bei einem Bierchen zusammen, war das Interesse schlagartig erloschen. Ich war schon in Sportvereinen früher, wo das genau so lief: die Klüngelei, wer was machen darf und welche Ressourcen bekommt, lief meist über diese informelle Kommunikation. Bei der ich mich völlig falsch am Ort fühle. Ich suche kein neues soziales Leben, sondern möchte nur ein paar Stunden die Woche zur Gesellschaft beitragen,

    Gegen-Beispiel: ich bin in einer SoLaWi Mitglied. Da gibt es eine wöchentlichen Newsletter, in der auch die Hilfsmöglichkeiten aufgelistet werden. Zusätzlich werden das Forum und die Chatgruppe erwähnt. Da findet man super niedrigschwellig Anschluss und ich fühle mich willkommen.

    Und nun der Bogen zum Intro: Aus meiner Sicht kann fehlender Nachwuchs auch an der fehlenden niedrigschwelligen Kommunikation liegen. Sei es der der Nachbar / Kollegin/ Freund / Bekannte, die Abends beim Bierchen sagt "ich brauche da jemand wie dich", "komm doch mal mit wenn wir xyz machen". Oder die gleiche Kommunikation per leicht zugänglichen digitalen Kommunikationswegen. Mit konkreten, niedrigschwelligen Unterstützungsanfragen ("2h Karottenernte am Freitag nachmittag oder Sonntag mittag", oder "Den Wanderwege xyz abgehen und Schäden /Auffälligkeiten per Mail/App zurückmelden") Wenn man dann die Menschen kennen gelernt hat, und sich wohlfühlt, dann bleibt man vielleicht auch für die langfristigen Arbeiten, die in allen Vereinen im Hintergrund laufen.

    Vereine sehe ich als sehr zeitgemäss an. Sogar mehr denn je. Man hat die Möglichkeiten, Leute kennenzulernen, die wir in unserer digitalen Bubble /Freundesgruppe / Arbeitsplatz sonst nicht kennenlernen würden. Das finde ich als sehr wichtig für den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Als wenig zeitgemäss finde ich manchmal die Kommunikation und die Verteilung der Arbeit auf einzelne Menschen und die Anpassung der Ehrenamtsaufwände an die Lebensweise der heutigen Menschen.