Beiträge von chummer_fc

    Ich rede hier von viel kleineren Dimensionen, aber selbst bei meiner Tourenplanung in Lappland beschäftigt mich das Thema: Nachdem ich 2022 verletzungsbedingt am Kungsleden gescheitert bin, brennt es mir unter den Nägeln, ihn nochmal vollständig zu versuchen. Leider werden es jährlich mehr Menschen auf dem Weg, insbesondere auf den nördlichsten Abschnitten. Klar, man könnte jetzt sagen: lass die nördlichsten Abschnitte, die du schon kennst, einfach weg. Aber ich bin halt einer von denen, die ausgeschriebene Wege am liebsten vollständig laufen...also werde ich den "überlaufenen" Abschnitt wohl irgendwann möglichst spät im Jahr mit etwas längeren Tagesstrecken bestreiten, bevor es südlicher deutlich ruhiger werden sollte^^

    GirlOnTrail das hast du sehr schön formuliert^^
    Hinzufügen möchte ich aber noch, dass wir das ja nicht nur freiwillig machen, tatsächlich sind es zumindest für mich die Momente des größten Glücks.^^
    Menschen, die wie wir denken wird es schon immer gegeben haben. Nur hat es früher vielleicht das Überleben gesichert/vereinfacht, während wir es machen, um händeringend dem bequemen Umfeld zu entfliehen. Paradoxer Luxus, dieses Wandern^^

    Während des Lesens hab ich immer gedacht "nett, dass er den Senior mitnimmt", bei dem Satz ist mir aufgefallen, dass dein Vater mutmaßlich ungefähr mein Alter hat 😂.

    Wenn du 30 Jahre älter als ich bist..^^

    Ich denke, ich zähle eindeutig zu den jüngeren Semestern hier im Forum..wäre eigentlich mal interessant, den Altersschnitt zu erfahren :/^^

    ULgeher

    Danke für die Tipps fürs Furten:)

    Dass ich da an der allgemeinen Vorgehensweise was ändern sollte, ist mir natürlich auch schon in den Sinn gekommen, aber einen so konträren Ansatz, wie du ihn vertrittst kam mir noch nicht in den Sinn😅

    Dexshell Bamboo kenn ich noch nicht, kannst du die empfehlen?:)
    Die Idee dünnerer Membransocken ist mir nämlich auch erst im Nachhinein gekommen, da werde ich sicher nachlegen

    WonderBär

    Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich dich missverstehe oder du mich😅

    Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch der obendrein sehr gern Dinge plant und die dann bestmöglich umsetzt. Dementsprechend sehe ich den Plan einer Wanderung als gescheitert an, wenn ich ihn nach 2 Tagen über den Haufen werfen muss. Die Gründe dafür sind, wie dargelegt, die unsichere Furtenlage und die Verlangsamung gewesen, die aus der Kombination Wetter + meine körperlichen Voraussetzungen resultiert.
    Das exkludiert ausdrücklich die Schmerzen, die ja erst später aufgetreten sind.
    Wie auch im Bericht angeschnitten kam auch das Learning an, dass 15 km/Tag nicht überall und unter allen Umständen möglich sind, das weiß ich für das nächste Mal.

    Und nun ein wenig off-topic: Ich bin relativ sicher, du hast das nicht so gemeint, aber ich finde den Satz " Soo schlimm scheint deine "versehrtheit" nich zu sein" echt daneben.
    Das mit der "Versehrtheit" ist bei mir eine mehrschichtige Sache. Muskuläre Leistung oder eben in Teilen auch Leistungsausfall sind ein Symptom meiner Beeinträchtigung, nicht die Ursache. Nun kann man Muskulatur natürlich auch versuchen aufzubauen, wofür ich sehr viel Zeit investiere. Wenn jetzt also in der Eifel, wo das Wandern technisch überhaupt nicht anspruchsvoll ist, an einigen Tagen (über 10-12h) 35km laufen konnte (was mich damals tatsächlich auch komplett überrascht hat), dann ist das nur ein Zeichen dafür, dass mein Training bestimmter Muskelgruppen wirkt.
    Wenn ich aber im Fjäll allgemein und insbesondere weglos mit ganz anderen Bewegungsmustern und Belastungen auf Sehnen, Gelenke, Muskeln, Knorpel usw. konfrontiert bin, ist mein Körper eben deutlich multidimensionaler ge- oder überfordert. Und ich weiß nicht, ob du den Versehrtenthread im Vorfeld nochmal überflogen hast, aber zu meiner Beeinträchtigung gehören eben auch Gleichgewichtsstörungen und eine Einschränkung der Feinmotorik. Was mich insbesondere in Blockfeldern und Furten stark beeinträchtigt.
    Dementsprechend sind Wanderungen in Deutschland und Lappland eben ein himmelweiter Unterschied und das Urteil "so schlimm kann deine Beeinträchtigung nicht sein" unangebracht (wobei ich solche Aussagen tbh generell nicht treffen würde, damit begibst du dich bei jedem Menschen mit jeglicher Beeinträchtigung auf dünnes Eis)

    Kruzifix, den Geartalk vergessen:rolleyes:

    Ich hatte im Laufe des letzten Jahres eine Menge neuer Ausrüstung gekauft. Das meiste wurde schon erprobt, nur eben noch nicht in Lappland. Was das Neue betrifft, war ich zufrieden mit: ZPacks Arc Haul, XMid Pro1, Neve Gear Feathertail Quilt, Exped Schnozzl, die allseits beliebte Budget-Windjacke von Decathlon, Liod Brezza & Sukoi, Lixada Regenrock, Patagonia Terrebone, Montbell Plasma 1000 Puffy, Garmin inreach mini 2, Zeiss Monokular 5x10
    Falls jemand zu einem Stück ein paar Worte mehr hören möchte, sagt einfach Bescheid

    Unzufrieden war ich mit wenigen, aber teils wichtigen Sachen. Dass sich die Liner-Handschuhe von Decathlon schon am zweiten Tag in Wohlgefallen aufgelöst haben war zwar ärgerlich, aber keine Katastrophe, werde ich mir wohl was hochwertigeres suchen.
    Mit dem Fizan compact, den ich dabei hatte, kam ich leider nicht klar, so sehr ich mir gegenteiliges wünschen würde: Den hab ich teilweise aus motorischen Gründen nicht fest genug zugedreht bekommen, und es gab mehrere Tage, an denen nicht mal mein Vater ihn lockergedreht bekommen hat. Ich werde mir also den leichtesten Stock mit Hebelverschluss suchen müssen (wer ne Ahnung hat, gerne her damit^^)
    Das größte Problem waren aber die Schuhe, sowohl Watschuhe als auch Stiefel. Die Watsandalen (Xero Aqua Cloud) haben sich dadurch disqualifiziert, dass der eine in der ersten komplizierteren Furt flöten gegangen ist. Ich werde hier definitiv als schwerere Lösung irgendwelche Sneaker mit Mesh kaufen, die fest am Fuß sitzen. Und die ich auch dann nutzen kann, sollten meine Achillessehnen in Zukunft wieder streiken.
    Das größere der beiden Probleme sind aber die Stiefel. Ich brauche leider wegen eines sehr instabilen Sprunggelenks und grob unterschiedlicher Füße(u.a. 3 Größen Unterschied) Schuhe , die über die Knöchel reichen. Wie im Bericht dargelegt, haben meine neuen, extra fürs Fjäll angefertigten Stiefel komplett versagt. Ich hab schon mit meinem Schuster telefoniert, wir schauen uns das nochmal an. Aber seine handwerklichen Fähigkeiten haben im Vergleich zu industriellen Fertigungsprozessen, mit denen frei verkäufliche Schuhe gefertigt werden halt Grenzen. Insgeheim hoffe ich ja, Trailrunner-Verschnitte die über die Knöchel reichen tragen zu können, aber ich vermute, dass mir das nicht genügend Stabilität gibt. Was die Schuh-Frage betrifft, bin ich entsprechend momentan ein wenig ratlos.

    Tag 8

    Wie ich befürchtet hatte, weckten mich die Hühner in der Nacht abermals auf. Dieses Mal jedoch, weil sie mehrmals aufgeregt und aus dem Nichts aufflogen. Vielleicht haben sich um unsere Zelte herum Jagdszenen abgespielt, aber wir hörten nichts, das auf Vielfraße oder die mindestens ebenso seltenen Polarfüchse hingedeutet hätte.


    Im Alltag findet man mich nur in schwarz, aber hier…^^

    Am achten Tag standen erneut nicht viele Kilometer auf dem Programm, am Ende waren es nur 9. Das war tatsächlich schade, denn an diesem Tag hatten wir traumhaftes Wetter, den ganzen Tag Sonne bei vielleicht 11°. Wir durchquerten also weiter das Hochtal, stets im Schneckentempo, da wir viel zu viel Zeit hatten. Mehrfach saßen wir lange herum und genossen die Sonne oder hielten an, um Beeren zu sammeln. Während mein Vater dabei weiterhin und ununterbrochen Blaubeeren in Hülle und Fülle aß, hatten es mir im Laufe der Wanderung Moltebeeren angetan. Von deren ungewöhnlichem Geschmack konnte ich schnell nicht genug bekommen, weshalb ich keine annähernd reife Beere ausließ (leider waren die meisten noch nicht so weit)...



    Blick in Laufrichtung auf den Guossjájávrre



    Auf dem Abschnitt des Nordkalottleden waren Maßnahmen zur Wegerneuerung in vollem Gange.



    Abstieg in Richtung Vaisaluokta

    Nachdem wir eine ganze Stunde Mittagspause gemacht hatten, begannen wir den Abstieg, wegen des stark schmerzenden Knies quälend langsam. Trotzdem erreichten wir gegen 14.00 eine Terrasse oberhalb von Vaisaluokta und beschlossen, dort zu bleiben. Zwar hatten wir ursprünglich in Erwägung gezogen, zum Ufer des Akkajaure hinabzusteigen, ich vermutete jedoch (zurecht, wie sich herausstellen sollte), dass dort Zeltplätze rar gesät sein würden. So saßen wir den dritten Nachmittag in Folge ab etwa 14.30 die Zeit ab, immerhin bei traumhaften Panoramen über den Akkajaure.



    Ansammlung von schwedischem Hartriegel als Farbtupfer unterhalb unserer Terrasse




    das Panorama über den Akkajaure



    unsere Zelte im Abendlicht


    Tag 9

    Der letzte Tag unserer Wanderung sollte uns etwa 7 km zur Bootsanlegestelle in Änonjálmme führen, wovon wir nach Ritsem übersetzen sollten, um am Folgetag abzureisen. Abermals offenbarte der morgendliche Blick aus dem Zelt perfektes Wetter. Der Abstieg nach Vaisaluokta im Sonnenschein war entsprechend schön.




    Vadders Blick am Morgen aus dem Zelt



    beim Abstieg nach Vaisaluokta

    Die kleine Siedlung der Sami, die wie ausgestorben war, ließen wir schnell hinter uns, und fanden uns im Nu auf einem sehr überwachsenen Pfad wieder. Wer meinen Bericht vom Padjelantaleden gelesen hat, wird sich vielleicht daran erinnern, dass ich diesem “Uferdschungel” nicht viel abgewinnen kann: die Hose war permanent nass, da wir uns den Weg durch hüfthohes Gesträuch bahnen mussten. Durch das Wetter fiel das aber Gott sei Dank kaum ins Gewicht, es war noch wärmer als am Vortag. Inmitten des feuchten Waldes trafen wir dann plötzlich auf drei Johannisbeerpflanzen, die wir dort so gar nicht erwartet hatten. Nachdem wir jeder eine Handvoll gefuttert hatten, liefen wir weiter und kamen zunehmend in etwas trockeneren Birkenwald.



    schon verrückt, dass diese Vegetation nördlich des Polarkreises anzutreffen ist



    Ein überraschender Snack



    Herrliche Badebucht, aber bei den Wassertemperaturen verzichteten wir



    Blick auf das Akkamassiv aus einem neuen Winkel

    Auch schalteten sich nun bisweilen Sümpfe ein, während der Wald zu Beginn des Abschnitts eher einem Regenwald geglichen hatte. Zur frühen Mittagszeit kamen wir dann in Änonjálmme an, wo wir 90 min auf die MS Storlule warteten, mit deren Überfahrt die Wanderung endete.



    Akkamassiv vom Wasser aus



    Vaisaluokta, dort kamen wir am Morgen runter


    Fazit

    Ganz leicht tu ich mich mit dem Fazit zugegebenermaßen nicht. Wir hatten zwar echt eine schöne Zeit, aber ich hatte mir natürlich ganz andere Anblicke und Aussichten ausgemalt. Und wenn man nach nur zwei vollen Tagen umdrehen muss, nachdem man ein halbes Jahr geplant hat, ist das schon bitter. Natürlich, gegen das Wetter und die damit einhergehende Verlangsamung kann man wenig machen. Und wir sind sicher nicht die ersten, die bei ihrer ersten Sarektour scheitern, aber man stellt sich schon die Frage, ob man es mit besseren Entscheidungen hätte verhindern können. So haben wir zumindest ne Menge für das nächste Mal gelernt, das, wie im Bericht erwähnt, kommen wird. Was das Wetter betrifft: Diese letzten drei Tage mit super Wetter sollen der Auftakt für eine gute Woche mit Topwetter in der Region gewesen sein. In der Folgewoche habe ich auf Instagram einige Beiträge gesehen, die meinten, niemals so gutes Wetter im Sarek gehabt zu haben... Naja, kannste nichts machen, wenn du eine Woche zu früh bist..:(
    Ich für meinen Teil muss mir abermals leider auch die Frage stellen, was mit meinem Körper möglich ist. Nachdem ich im Mai völlig ohne Schmerzen und bis zu 35 km/Tag die zweite Hälfte des Eifelsteigs gelaufen war, wähnte ich mich auf dem richtigen Weg. Aber offensichtlich ist die muskuläre Belastung beim Wandern in Deutschland eine ganz andere als weglos im Fjäll. Naja…während die Achillessehne jetzt vier Wochen später schon wieder fast bei 100 % ist, wird das Knie nur quälend langsam besser. Ich hoffe, das ist noch keine beginnende Arthrose, mit 28 wäre das richtig scheiße…
    Um das Fazit mit etwas Positivem zu beenden: Mein Vater hat das Fjäll ebenfalls lieben gelernt und ist Feuer und Flamme, zurückzukehren. Und letzten Endes hatten wir trotz der Planänderungen eine coole Zeit gemeinsam, in der ich mich auch echt gut erholt habe.

    Ich hoffe, euch nächstes Jahr wieder eine Geschichte aus dem Fjäll erzählen zu können, und, dass ihr Freude beim Lesen hattet :)

    Tag 7

    Am siebten Tag standen wir 7.30 auf und ließen uns viel Zeit. Bevor wir unseren Weg auf dem Nordkalottleden fortsetzten, schauten wir uns noch den etwa 1,5 km entfernten Wasserfall an. Auf dem Weg dorthin merkte ich, dass Knie und Achillessehne leider gar nicht gingen. Mühsam schleppte ich mich voran und wartete nur darauf, dass die Wirkung der Ibu, die ich seit Tag 5 zweimal täglich einwarf, einsetzte.



    der Wasserfall in der Nähe der Kutjaurestugan



    Blick vom Wasserfall in Richtung Sarek

    Zurück an der Hütte entschloss ich mich, den Stiefel am rechten Fuß auszuziehen und fortan den Watschuh meines Vaters zu tragen, einen Sneaker mit Mesh. Dies war absolut essentiell, da sich der Weg nach der Kutjaurestugan auf etwa 2-3 km einen Berg hinaufschlängelte, und die Achillessehne vor allem beim Bergauflaufen schmerzte. Der Sneaker saß jedoch deutlich lockerer an der Ferse und tat daher gut, auch wenn ich nun vermehrt darauf achten musste, wo ich hintrat. Nachdem wir am Vortag schon ein wenig Sonne abbekommen hatten, wurde es an diesem Tag nur noch besser. Zwar ging ein ziemlicher Wind, aber der Sonne-Wolken-Mix dieses Tages war bis dato das beste Wetter der Wanderung. Nach dem Aufstieg gelangten wir in ein schmales Hochtal, das uns bis zum Folgetag beherbergen sollte. Am Berg und nun auf dem Plateau zeigten sich schon einige Herbstfarben, wie ich entzückt feststellen konnte (tatsächlich war ich noch nie im Herbst in Lappland - ein Zustand, den ich hoffentlich in den nächsten Jahren ändern werde).




    An diesem Tag trafen wir vermehrt auf Herbstfarben



    Krähenbeeren schmecken zwar nicht besonders gut, aber wenn ich in der Pause neben Sträuchern saß, hab ich sie trotzdem ab und an gemampft



    Blick auf das Südufer des Gårssåjávrre

    In Anbetracht unserer geringen Reststrecke sahen wir uns schon frühzeitig nach geeigneten Zeltplätzen um, die jedoch rar gesät waren: Entlang des Gårssåjávrre war jeder ebene Fleck entweder nass oder windexponiert, weshalb wir bis zum gleichnamigen Wintershelter liefen, wo wir gegen 14.30 ankamen. Zu unserer Verwunderung war die Hütte trotz der frühen Tageszeit belegt, ein Mann saß im Eingang, seine Sachen weit verteilt. Zum Glück erspähte ich in der Nähe doch ein halbwegs windgeschütztes Fleckchen, weshalb wir problemlos unser Lager aufschlagen konnten.



    Der Gårssåjávrre-Shelter



    Unser Zeltplatz mit dem Allak im Hintergrund

    Tatsächlich schien der Mann ein ausgesprochener Spätaufsteher zu sein, denn er packte seine Sachen etwa eine Stunde später zusammen und lief weiter. Wir entschieden uns natürlich trotzdem, unser Lager beizubehalten und wollten die Hütte anderen Wanderern überlassen. Kurioserweise verschmähten jedoch alle acht Pärchen, die im Laufe des Tages noch an uns vorbeizogen den Shelter. Selbst zwei junge Typen, die sich gegen 20.00 sichtlich erschöpft vorbei schleppten, gingen nach kurzer Inspektion weiter. Da sich unser Nachmittag wegen unserer frühen Ankunft etwas zog, aßen wir bereits 17.00, bevor wir aus kargen Totholzresten ein Feuerchen machten. Das war ein heiteres Unterfangen, allerdings ohne viel Wärmeentwicklung oder Größe. Bei der Holzsuche traf ich direkt in der Nachbarschaft wieder auf eine kleine Huhn-Herde, was mein Herz mit blankem Terror füllte.
    Gegen 18.00 kam dann abermals die Sonne zum Vorschein und tauchte das Hochtal in ein goldenes Licht. Dies genossen wir noch bei einem kleinen Spaziergang, bevor wir gegen 20.00 in die Zelte gingen.



    Rette sich wer kann, Nachtmahre!



    Abendlicher Blick über den Gårssåjávrre nach Südwesten…



    ... und in Richtung Guossjájávrre nach Nordosten. Wie ihr erahnen könnt, war das Hochtal weder lang noch breit, wir waren hier etwa auf einem Drittel seiner Länge

    Bin daher auch am hadern, ob ich's noch mal hoch wage. Aber wenn die Sonne mal scheint, bist du glücklich.

    Danke für das Kompliment :).
    Ich bin da oben tatsächlich nahezu immer glücklich, es ist für mich die schönste Landschaft auf Erden. Ich weiß nicht, ob dass aus meinem Bericht so richtig gut rüberkam, aber der Hauptgrund für unseren Abbruch war nicht das Wetter per se, sondern 1) dass wir wegen des Wetters die ursprüngliche Route aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geschafft hätten, und 2) der eine Fluss auf der Ausstiegsroute nach Suorva wahrscheinlich nicht furtbar gewesen wäre (zu 2.: tatsächlich trafen wir in der Gisurisstugan auf einen Deutschen, der zur selben Seite wie unser Abbruch auf der anderen Seite exakt jenes Flusses stand und wegen des Wasserstandes umgekehrt ist, um stattdessen von Ritsem aus den Padjelantaleden zu laufen. Diesbezüglich hatte ich also den richtigen Riecher. Was mich eher noch ein paar Tage umgetrieben hat, war die Frage, ob wir die Hauptroute mit der angekündigten Wetterverbesserung doch hätten schaffen können. Wenn das aber nicht klappt, sitzt man irgendwo im Fjäll, während einem der Nachtzug wegfährt...)

    Tag 6

    Wie wir eingeschlafen waren, wachten wir auch auf: mit dem prasselnden Geräusch des Regens im Ohr. Dieser Berg schien der Berg des niemals endenden Regens zu sein, und tatsächlich war seine Flanke schon im Vorjahr auf dem Padjelantaleden der Ort gewesen, an dem mein Bruder und ich am stärksten durchnässt worden waren. Entsprechend befürchteten wir einen nassen Tag, wurden jedoch positiv überrascht, als der Regen plötzlich aufhörte. Tatsächlich blieb es den Rest der Wanderung trocken.
    Immer noch durch sumpfiges Gelände, und zwei kleinere Flüsse querend, marschierten wir strammen Schrittes bis zu dem Punkt, an dem der alte Wegverlauf des Padjelantaleden auf seine aktuelle Route trifft. Unser Tempo war dabei eigentlich unnötig, hatten wir doch viel Zeit…aber vielleicht wollten wir beide unterbewusst einfach mal die Füße auf trockene Bohlenwege setzen.



    Zusammenkunft vom alten und neuen Wegverlauf des Padjelantaleden. Durch das Flüsschen mussten wir glücklicherweise nicht

    Trockene Bohlen bekamen wir dann auch: der Padjelantaleden mit seinen Plankenautobahnen und Brücken über jedes Rinnsal fühlte sich wie Genusswandern an. So kamen wir gut voran, während wir uns abwechselnd gespielt über unnötige Brücken über kleinste Bäche aufregten, und Bohlenwege über fiese Sümpfe lobpreisten. Beim Abstieg zu den drei Brücken beim Sáluhávrre kam in einer Pause ein UL-Wanderer hinter uns her, der sich erst auf schwedisch, dann englisch, dann deutsch anerkennend zu meinem Regenrock äußerte. Sein Gesicht kam mir sofort bekannt vor, auch wenn wir uns zuvor noch nie begegnet waren, und innerhalb kürzester Zeit war ich mir sicher: es war @PositivDenken ! Nach meinem Nachfragen hielten wir einen kurzen Plausch über unsere jeweiligen Wanderungen, bevor er weiterzog und wir unsere Pause ausdehnten. Dabei machten wir unbewusst arg früh (gegen 11.30) Mittag, da wir seit der Rückkehr auf markierten Pfaden quasi ohne Uhren wanderten.



    Der Padjelantaleden, mit Blick auf den Sáluhávrre



    der Vuojatädno bei den drei Brücken

    Erholt liefen wir alsbald weiter und erreichten gegen 12.20 nach 14 km die drei Brücken. Eigentlich hatten wir hier zu zelten geplant, aber es war uns viel zu früh. Zwar war es dort echt schön, aber spätestens als wir in einer fünfminütigen Pause sofort von Mücken umschwärmt wurden, stand die Entscheidung fest: wir liefen weiter. Der Plan dabei: in Richtung Kutjaurestugan aufbrechen und auf dem Weg dorthin die Zelte aufschlagen. Allerdings entpuppten sich die 7 km dahin als überwiegend sehr sumpfig. Dies änderte sich erst auf den letzten 1,5 km vor der Hütte, die dafür sehr windexponiert waren. So näherten wir uns zunehmend der Hütte, während sich mein Körper immer mehr bemerkbar machte: sowohl Achillessehne als auch Knie rebellierten stark, die 21 km waren zu viel des Guten gewesen. So stimmte ich einer weiteren Nacht in einer Hütte zu, wenngleich zu Anfang zähneknirschend. Die Kutjaurestugan war jedoch ein sehr schönes Plätzchen, und wir ja immerhin im Urlaub. Allerdings hatten wir nach dieser Tagesetappe, die schon 14.30 beendet war, nur noch 22 km für die kommenden 2,5 Tage vor uns, was ich irgendwie als unbefriedigend empfand. So verbrachten wir einen weiteren Nachmittag in einer warmen, gemütlichen Hütte, die sich im Laufe der Stunden immer mehr mit (ausschließlich schwedischen) Neuankömmlingen füllte.



    Stillleben in der Kutjaurestugan



    Seit wir den Sarek verlassen hatten, sahen wir dort (fast) immer nur Sonne ?(

    Tag 5

    Die Hütte war nur mäßig belegt gewesen, und so hatten wir ein 4-Bettzimmer für uns gehabt. Am Morgen ließen wir uns Zeit und kamen erst gegen 9.30 los. An diesem Tag ging es auf den alten Verlauf des Padjelantaleden zwischen der Gisurisstugan und der Furt durch den Vierttjajågåsj. Etwa 12 km hatten wir uns vorgenommen und wollten somit in der Nähe des Sees Loadásjjávrásj zelten.
    Bereits wenige hundert Meter nach der Hütte galt es einen etwas breiteren Bach zu furten, ohne hilfreiche Trittsteine. Wir versuchten, uns welche zu basteln, was jedoch völlig misslang: auf dem zweiten Stein rutschte Vadder aus und stand mit einem Fuß im Wasser. Ein heiterer Start, nachdem wir vor allem deshalb die Nacht in der Hütte verbracht hatten, um unsere Sachen trocken zu kriegen. Kurz hinter dem Bach entschloss ich mich, von den Sealskinz auf dünnere Merinosocken zu wechseln: meine Achillessehne war trotz des freien Nachmittags am Vortag schmerzhaft geschwollen. Der Sockenwechsel war eine Wohltat, allerdings waren dafür schon sehr bald meine Füße nass: die Strecke dieses Tages war wieder mal sehr sumpfig, und das, obwohl wir die ersten 7 km fast ununterbrochen mehr oder minder bergauf liefen. Natürlich gab es dabei keine Bohlenwege mehr, der Weg wird ja nicht mehr instand gehalten.




    schwedischer Hartriegel, stilvoll inszeniert



    unreife Moltebeere. Ein kleines Loblied auf diese Krone der Schöpfung folgt später im Bericht



    beim anfänglichen Aufstieg, Blick auf den Kutjaure



    Regen und Sonne über dem Kutjaure

    Westlich des Sees Elliboarkajávrasj, auf einem namenlosen Hügel, hatten wir wunderschöne Ausblicke: vor unseren Augen erstreckte sich alles zwischen dem Sáluhávrre im Westen und dem Akkajaure im Nordosten. Dieses Panorama hielt jedoch nur zwei bis drei Minuten an, bis uns eine große Wolke verschluckte und so schnell auch nicht wieder ausspucken wollte. So liefen wir weiter auf den höchsten Punkt, den Njierek zu und fragten uns dabei, wie es sein kann, dass der gesamte Berg ein einziger Sumpf ist: Überall war Wasser, und nach kürzester Zeit akzeptierte ich resigniert, dass es in meinen Schuhen bei jedem Schritt gluckerte. Zum Sumpf gesellten sich stärkere Windböen, weshalb unsere Mittagspause auf einem der wenigen trockenen Flecken kurz ausfiel.



    mitunter lagen noch kurze Bretter im Sumpf herum, ehemals vermutlich zum Fundament der Bohlenwege gehörend



    Blick auf den westlichen Teil des Kutjaure…



    …auf den Sáluhávrre…



    …und zurück bis zum Akkajaure

    Als wir dann vom Njierek abstiegen, wurde das Tal vor uns in herrliches Sonnenlicht getaucht. Ein wunderschöner Anblick, auch, weil einige Pflanzen inzwischen zaghaft erste Herbstfarben aufwiesen. Gleichzeitig versprach der Blick ins Tal aber auch Sümpfe und Flussquerungen. Nachdem die Sonne unsere Gesichter nur mehrfach sehr kurz beschien, zog es endgültig zu. Immerhin war es mit ca. 7-8°C im Vergleich zu den Vortagen warm.



    sanfter Abstieg vom Njierek. Diese Weite liebe ich am meisten, mehr noch als die Gipfel des Sarek

    Den ersten von zwei Flüssen, die sich talabwärts zum Tsiekkimjågåsj vereinigen, überquerten wir ohne Schuhwechsel, da unsere Socken ja sowieso klamm waren. Den zweiten Fluss etwa 900 m später konnten wir so leider nicht bezwingen, er war zu tief. Während wir noch hoffnungsvoll nach einer flachen Furtstelle Ausschau hielten, begann es heftig zu regnen: 45 min trommelte es auf uns nieder, so stark, dass bis auf meine Unterhose nichts trocken blieb. Es half ja alles nichts, wir liefen weiter, schauten aber schon nach einem frühen Zeltplatz, da der Wind uns trotz der relativ warmen Temperaturen auskühlte. Als wir gegen 15.30 in einer Regenpause an einer Stelle zwischen mehreren flachen Hügeln ankamen, nutzten wir den mäßigen Windschutz und bauten schnell unsere Zelte auf. Keine Minute zu früh, denn plötzlich fing es wieder an, und hörte (mit schwankender Intensität) bis zum nächsten Morgen nicht mehr auf. Die nächsten Stunden verbrachte ich damit, allerlei Sachen auszuwringen und zum Trocknen aufzuhängen. Dabei zog ich aber weder meinen Merino-Baselayer noch die Alpha Direct Midlayer darüber aus, weshalb ich erst nach 3 h merke, dass selbst meine Baselayer vorne völlig durchnässt war. Da es mich bisher nicht gestört hatte, beließ ich es dabei und ließ die Klamotten am Körper trocknen. Als ich mich abends schlafen legte, waren sie trocken. Während wegen des Windes die Kondens auf mich herabregnete, schlief ich ein.

    Tag 4

    Die Nacht gestaltete sich weniger erholsam als erhofft, da Schneehühner das Konzept eines Zelts wenig überraschend nicht verstanden. Unsere Mulde lag offenbar im Territorium eines gemeingefährlichen Huhn-Geschwaders, und die Tiere liefen zwischen den Zelten hin und her. So weit, so gut. Wenn nicht ein, zwei Tiere die unangenehme Eigenart gehabt hätten, direkt am Kopfende des Zeltes plötzlich nach Minuten der völligen Stille loszugackern. Auf diese Weise wachte ich ganze acht Mal auf und war dementsprechend zerknautscht, als wir morgens bei leichtem Regen das Lager abbrachen.



    Der Sjnjuvtjudisjåhkå 20 m neben unserem Zeltplatz

    An diesem Morgen kamen wir erst gegen 9 los, was aber egal war, da wir nur die etwa 8 km bis zur Gisurisstugan vor uns hatten. Das Vorankommen auf der Sarekautobahn gestaltete sich weiterhin überwiegend leicht. Der Trampelpfad war gut gehbar, wurde aber immer wieder von Sümpfen unterbrochen, die ihre Tücken hatten, da sie jährlich von unzähligen Füßen ausgelatscht werden. Zumindest hatten wir auf den paar Kilometern schöne Panoramen.



    Bei Sonne auf der Sarekautobahn gen Gisurisstugan



    An dieser Flanke des Áhkkámassivs waren wir am ersten Tag in den Sarek vorgedrungen...



    ein paar Flüsschen gab es auch zu queren

    Leider begann sich auf dieser Strecke meine Achillessehne zu melden. Das war vermutlich einer Kombination der vorab aufgetretenen Probleme und der Fortbewegungsweise der ersten drei Tage geschuldet: das ständige Hüpfen zwischen Steinen bzw. Horsten (in Sümpfen) hatte meine Muskulatur ganz anders belastet als es sonst beim “herkömmlichen” Wandern der Fall ist. Dies hatte meine Wadenmuskulatur überlastet und die rechte Achillessehne in der Folge entzündet. Dazu gesellte sich am Folgetag auch noch eine zunehmende Überlastung im rechten Knie (wahrscheinlich eine Knorpelreizung), die ich grundsätzlich auf dasselbe Problem zurückführte.



    die Sonne verabschiedete sich leider, als wir uns langsam der Hütte näherten



    der Sjpietjavjåhkå nahe des Übergangs auf den Padjelantaleden, kurz vor der Gisurisstugan

    12.45 kamen wir an der Hütte an und entschlossen uns, die restlichen fünf Tage in Anbetracht meiner Achillessehne sehr entspannt angehen zu lassen: Unsere restliche Strecke sollte 53 km auf markierten und überwiegend instand gehaltenen Wegen betragen. Dabei würden wir auch einen Teil des Nordkalottleden laufen. Das ärgerte mich anfangs, da es mein großer Traum ist, diesen 680 - 800 km langen Weg irgendwann vollständig zu laufen. Allerdings machte ich mir klar, dass ich Teile ohnehin schon kannte (der Nordkalottleden und der mir bekannte Padjelantaleden führen eine Weile deckungsgleich) und es sich außerdem in Zukunft nicht wird vermeiden lassen, gewisse Abschnitte allseits bekannter Wege mehrfach zu laufen, um gewisse Touren realisieren zu können. Auch wenn mich unsere Pläne nicht hundert Prozent glücklich machten, waren wir zumindest noch im Fjäll unterwegs. Mit derlei Dingen im Kopf und in Erwartung der folgenden Tage mit mehr Pausen und Entspannung vergingen Nachmittag und Abend.

    Tag 3

    Am nächsten Morgen wurden wir durch Schneefall auf unsere Zelte geweckt, der zu unserer hellen Begeisterung anfangs auch liegen blieb. Dann also jeder separat frühstücken. Nachdem ich meinem Vater den Plan bezüglich der Umkehr geschildert hatte, begannen wir mit dem Abbau. Es hatte nun zwar zwischenzeitlich aufgehört zu schneien, aber die Sicht war schlecht, alles grau in grau. Passte zu meiner Stimmung.



    kurz vor Abbau der Zelte war der Schnee schon wieder zu einem Gutteil geschmolzen



    welch entzückendes Wetter wir doch hatten…


    Der Rückweg begann mit Schnee im Gesicht - klar, heute liefen wir ja mit Gegenwind. Anders als am Vortag gingen wir nun deutlich tiefer und damit näher an meinem GPS-Track. Zu unserer großen Verwunderung war der Untergrund dabei spürbar wenig sumpfig. Wir kamen dadurch etwas schneller voran als am Vortag. Das frustrierte mich aber tatsächlich, da das “hätte-wäre-wenn” in meinem Kopf natürlich schnell erkannt hatte, dass wir am Vortag besser vorangekommen wären, hätten wir uns wie geplant tiefer gehalten. Was dann möglicherweise das Scheitern verhindert hätte… Hätte-wäre-wenn….dieses Gefühl wurde auch dadurch nicht besser, dass sich hinter uns (also auf unserer eigentlich geplanten Route) das Wetter an diesem Tag durchweg vergleichsweise freundlich zeigte, während wir am Vormittag durch Schnee und Regen liefen. So blies ich gehörig Trübsal und zweifelte an allem: unseren Entscheidungen, unserer Ausrüstung und auch meiner allgemeinen Fähigkeit, überhaupt Sarekwanderungen durchführen zu können: jedes nasse Blockfeld dauerte eine Ewigkeit und zerrte gehörig an meinem Nervenkostüm. Zumindest war es ab Mittag trocken. Kurz vor der Mittagspause hatten wir noch die knöchernen Reste eines Rentiers entdeckt, und nun sahen wir in der Ferne sechs Singschwäne am Ufer des Suottasjjåhkå. Gern hätte ich sie näher betrachtet, aber nicht einmal mein Monokular reichte aus.




    wer den Kollegen wohl erlegt hat…




    talabwärts auf den tief beschneiten Niják zu



    heitere Spielerei mit der Perspektive



    Blick zurück auf den Suottasjtjåhkkå…



    …und nach vorn auf den Gisuris. Noch war es nicht wesentlich freundlicher als am Vortag

    So stiegen wir wieder talabwärts und erreichten gegen 15.45 den Nijákjågåsj (wer die Uhrzeiten vom Vortag vergleicht bemerkt: wesentlich schneller als am Vortag, als wir früher gestartet waren, waren wir nicht unterwegs. Vielleicht ist 15 km/Tag weglos für mich wirklich nur bei trockenen Bedingungen machbar). Den Nijákjågåsj hatte ich gedanklich unter “gut furtbar” abgespeichert. Das galt jedoch entweder nur (deutlich) flussaufwärts, oder solche Prädikate waren bei den herrschenden Pegelständen hinfällig. Jedenfalls zogen wir abermals die Hosen aus. Aufopferungsvoll gab mir mein Vater dabei seine Watschuhe, während er barfuß querte. Die Furt funktionierte eigentlich gut, bis wir am Ende in einem tiefen Abschnitt mit mäßiger Strömung standen, an dem selbst die größten Steine keine oberflächlichen Stromschnellen mehr verursachten. Es kam, wie es kommen musste: Ich versagte bei der Wegfindung und hing plötzlich zwischen drei großen Steinen fest. Jeder Versuch, ein Bein ausreichend weit zu heben, brachte mich aus dem Gleichgewicht. Wegen der Kälte des Wassers musste ich aber handeln, verlor das Gleichgewicht und kippte zur Seite. Es dauerte zwar nur wenige Sekunden, ehe ich mich an einem der großen Steine problemlos wieder hochdrücken konnte, aber das Kind (oder eben der chummer) war in den Brunnen gefallen. Ich Vollidiot hatte nämlich vergessen, die Elektronik aus der Hüfttasche zu nehmen, wie mir siedend heiß einfiel. Die Tasche sollte eigentlich wasserdicht sein, aber entweder war der Reißverschluss einen Spalt weit offen gewesen oder die Wasserdichtigkeit hielt sich doch in Grenzen: etwa ein Zentimeter Wasser stand drin.



    Der Nijákjågåsj sieht auf dem Bild eigentlich harmlos aus, nach hinten raus wurde er aber ein bisschen fies



    Blick grob in Richtung Westflanke des Ruohtesvágge. Ich vermute, der Berg mittig-links ist der Jålle (hier kann ich sehr gut falsch liegen)

    Am Ufer prüfte ich zuerst die Powerbank, die jedoch keinen Mucks von sich gab. Später am Abend stellte sich heraus, dass sowohl das Mikrofon meines Handys als auch meine Kopfhörer ebenfalls etwas abbekommen hatten. So entschloss ich mich, das Handy auszuschalten und das Fotografieren vollständig in die Hände meines Vaters zu geben. Wir erklommen die steile Uferböschung und trafen wie erwartet auf die sagenumwobene Sarekautobahn. Auf diesem Trampelpfad kamen wir (nun tatsächlich) schnell voran, sahen jedoch auch in wenigen Stunden ein Vielfaches an Menschen im Vergleich zu den beiden Vortagen (was bei einer vorherigen Anzahl von 1 aus einer Entfernung von mehreren Kilometern aber auch nicht schwierig war). Hätte ich meinem Vater nicht ein Abenteuer liefern wollen, hätten wir die Sarekdurchquerung auf dem Weg mit Sicherheit geschafft…
    Da wir nun nicht mehr bei jedem Schritt auf unsere Füße achten mussten, konnten wir rege darüber diskutieren, ob wir die angedachte Strecke gegebenenfalls nächstes Jahr mit besserem Gear und ein, zwei Tagen mehr vollenden könnten.
    So verging die Zeit wie im Flug, bis wir gegen 17.45 an einem herrlich windgeschützten Zeltplatz eintrafen: einer trockenen Mulde mit gräsernem Untergrund. Am Abend schaffte es die Sonne sogar durch die Wolken, was zumindest die Zelte trocknen ließ. Wir genossen noch die Lichtstimmung, schossen ein paar Fotos und gingen dann doch wieder bei leichtem Nieselregen schlafen.



    die Chefin des Zeltplatzes



    das Áhkkámassiv



    Gisuris in der Abendsonne



    Niják und Suottasjtjåhkkå in herrlichem Licht



    abendlicher Besuch