Beiträge von lampenschirm

    Lordsburg.

    3,5 Tage, 120km

    Lordsburg, der letzte townstop vor der Grenze! Ein letztes mal Essen kaufen, Geräte laden, Dusche und Wäsche spare ich mir jetzt, und schon am Donnerstag werde ich am Grenzzaun stehen und ich werde es endlich geschafft haben.
    Inzwischen bin ich wieder weitgehend hergestellt und in der Lage, halbwegs normale Taegsetappen zu laufen. Da ich konservativ gerechnet habe, habe ich aber sowieso keine allzu langen Etaplen mehr vor mir. Und inzwischen gibt es auch eine Lösung für das Grenzproblem, auch Ausländer dürfen nun in Begleitung einer Person, die eine ID Card des Kriegsministeriums (sic!) hat, auf Antrag in die National Defense Areas. Da ich sowieso ein Shuttle von der Grenze zurück nach Lordsburg brauche – die einzige Möglichkeit, hierher zurückzukommen außer zu laufen – und mein Shuttlefahrer eine solche ID Card hat, war das zum Glück recht unkompliziert.
    Ansonsten geht das ganze nun recht unspektakulär aufs Ende zu. Den letzten Berg habe ich vorgestern erklommen, nun kommt noch weitgehend flache Hochwüste mit wenig Vegetation und vielen Rindviechern, das Wetter ist mit etwas über 20 Grad und ausschließlich blauem Himmel (habe gestern zum ersten Mal seit mindestens 10 Tagen wieder ein paar Wolken gesehen) auch sehr angenehm. Ist aber auch nicnt schlecht so, Anstrengung war es ja nun wirklich genug.
    So, ich melde mich dann wieder Ende der Woche.

    Haha :D Tatsächlich wars in NM tagsüber super angenehm, meist so etwas über 20°C.

    Ich werde, wenn ich den Bericht hier fertig habe, noch einen eigenen Gear Review Thread aufmachen. Insgesamt kann ich sagen, dass die Ausrüstung, so wie sie war, ziemlich gut funktioniert hat. Manches etwas besser, manches etwas schlechter, aber Totalausfälle gabs nicht. Probleme haben hin und wieder die Heringe gemacht, je nach Boden, und die Regenjacke war irgendwann an manchen Stellen nicht mehr ganz dicht. Außerdem musste ich die Stöcke auswechseln, weil die Spitzen in den Stock hineingedrückt wurden, das gleiche passierte dann kurz vor Ende nochmal mit dem Ersatzpaar. Sehr zufrieden war ich mit dem Tarp und der Puffy.

    Pie Town.


    3,5 Tage, 145km.

    New Mexiko ist nach wie vor sehr vielfältig. In den letzten Tagen bin ich sehr viel über Kuhweiden gelaufen, große Grasflächen mit nur wenigen Büschen und Bäumen, was zwar nicht sehr spektakulär ist, dafür kommt man sehr gut vorwärts. Aber zwischendurch bin ich zum Beispiel auch durch Canyons gelaufen oder über ein riesiges Lavafeld.
    Ich bin nun in Pie Town angekommen, einem der kleinsten Orte entlang des Weges, tatsächlich so klein, dass es hier nicht mal einen Laden gibt. Deswegen habe ich mir ein Paket mit Essen für die nächsten Tage postlagernd an die Post hier geschickt, das ich gleich abholen werde. In der nächsten Etappe kommt nun ein letztes großes Highlight, die Gila River Wilderness gilt als eine der schönsten Gegenden entlang des CDT und wird auch noch mal eine Abwechslung zu der wüstenartigen Landschaft der letzten Wochen. Teil der Abwechslung wird sein, dass es dort wieder reichlich Wasser gibt. Vor allem in der letzten Woche gab es praktisch gar keine natürlichen Wasserquellen, Wasser findet man eigentlich nur auf zwei Arten, entweder Kuhtränken, das können befestigte wannenartige Tränken sein oder auch einfach mal ein großer Traktorreifen mit einer Plane drin. Wie die Wasserqualität ist, könnt ihr euch vermutlich vorstellen. Ansonsten gibt es zum Glück immer wieder Einheimische, die an strategisch günstigen Stellen ein paar Liter Wasser hinstellen und manchmal vielleicht noch sogar ein paar Coladosen oder ähnliches.
    Ich habe nur noch ungefähr zwei Wochen, bis ich an der Grenze angelangt bin!

    WonderBär danke :)

    in NM waren die Temperaturen nachts meist um die 0°C. Mal bisschen drunter, mal bisschen drüber, auch schlafplatzabhängig: z.B. hab ich in der Gila immer unter Bäumen übernachtet und hatte dadurch nie gefrorene Schuhe, das ging anderen, die unter offenem Himmel übernachtet haben anders :D

    Wasser war in NM ein großes Thema. Glücklicherweise gab es v.a. ab etwa Grants recht viele Caches von locals, ab Lordsburg für die letzten 100km oder so gibts dann auch die offiziellen von der CDTC. Ansonsten meistens Kuhtränken, mal bessere, mal schlechtere. Aber richtig schlimmes Wasser gabs so gut wie nie, bzw. konnte man das weitgehend vermeiden. Die Tränken waren oft ziemlich veralgt, aber das Wasser war klar und hat meist gut geschmeckt. Nur einmal, interessanterweise bei einer Quelle, hats stark nach Kuhfladen geschmeckt. Ich füg in den nächsten Beiträgen ein paar entsprechende Fotos ein.

    4 Tage, 150km


    In Grants habe ich keinen Beitrag verfasst, da ich keinen richtigen Stop gemacht habe. Es ist kein Hitch nötig, dadurch konnte ich einfach kurz einkaufen, Handy laden, essen und weiterlaufen.

    Der Abschnitt von Cuba nach Grants war für mich wahrscheinlich der schönste in NM. Läuft sich angenehm, und die Ausblicke über die Wüste sind einfach cool. Auch auf Mt. Taylor hochzulaufen, hat mir gefallen, leider hatte ich ausgerechnet an diesem Tag ein bisschen Pech mit dem Wetter, aber immerhin noch ein letztes Mal über 3000m. Es zeigt sich dort auch mal wieder die faszinierende Vielfalt der Landschaft in New Mexico, abends pennt man noch in der Wüste, am nächsten Mittag steht man oben in Nadelwäldern und Espen.

    Cuba.

    240km, 6,5 Tage

    Ich hab die Ghost Ranch Alternate genommen und dort ein Resupply Packet abgeholt, aber nicht übernachtet.

    Keine Angst, ich bin nicht falsch abgebogen. Tatsächlich heißt die Kleinstadt, in der ich mich gerade befinde, Cuba.
    Wie geplant habe ich noch am Sonntagabend die Grenze zu New Mexico überschritten. Am Wochenende davor war ich mit zehn anderen Wanderern in Albuquerque bei einem Heißluftballon Festival, es war schlechtes Wetter, da hat sich das angeboten. Die ersten paar Tage in New Mexico habe ich also nun hinter mir und tatsächlich ist es hier ganz anders als in Colorado. Bisher ist die Landschaft geprägt von Mesas, es sind deutlich weniger Anstiege, oft laufe ich kilometerlang oben über die Tafelberge durch Wiesen und Wälder. Eine schöne Abwechslung, es gefällt mir, mal wieder Bäume zu sehen, zumal es auch sehr interessant ist, wie auf den verschiedenen Höhenlagen unterschiedliche Pinienarten wachsen, ganz oben gibt es dann vor allem auch Kiefern und dazwischen immer wieder auch hier noch die Espen, die zumindest teilweise immer noch herrliche Herbstfarben haben. Aber vor allem in tieferen Lagen, ich war kürzlich zum ersten Mal seit Mitte Juli über eine längere Strecke unter 2000m, ist es eine Art Hochwüste. Das ist ziemlich spektakulär für mich, wie im letzten Beitrag schon angekündigt findet man hier die vielleicht aus Filmen bekannten Landschaften mit roten Felsen, Kakteen, engen Schluchten, niedrigen Büschen und dazwischen immer wieder vereinzelt Bäume. Es ist etwas wärmer als in Colorado, für kommende Woche sind bis zu 20° angesagt, die Nächte hingegen sind teilweise nach wie vor sehr kalt, immer wieder auch mit Frost.
    Und leider ist auch das eingetreten, wovor es mich seit Beginn meiner Wanderung graust: ich bin nun in Tarantelgebiet, wie mir ein Mitwanderer per Foto auch schon bewiesen hat.

    Hallo zusammen,

    aufgrund diverser Vorkommnisse hat der Trägerverein des Forums auf unseren Antrag hin beschlossen, die Nutzungsbedingungen anzupassen. Konkret gab es Änderungen im Bezug auf politische Äußerungen.
    Aus rechtlichen Gründen müsst ihr diesen Änderungen zustimmen, um das Forum weiterhin nutzen zu können. Die Zustimmung wird automatisch abgefragt, ihr könnt dann auf Zustimmen oder Ablehnen klicken.


    Viele Grüßer, euer Modteam

    New Mexico! (Also, fast).

    3,5 Tage, 110km

    Ich habe es geschafft. Ich bin in New Mexico angekommen, also so mehr oder weniger. Diese Zeilen schreibe ich in Chama, mein erster townstop in New Mexico. Tatsächlich habe ich aber noch etwa 5 km in Colorado, die ich wandern muss. Voraussichtlich am Sonntag werde ich die Grenze überqueren und den letzten großen Abschnitt meiner Wanderung beginnen. Von hier an verläuft der Weg bis auf kleine kurze Ausnahmen unter 3000m und die Gefahr eines größeren Wintereinbruchs ist vorbei.
    Schon in den letzten Tagen habe ich bemerkt, wie sich die Landschaft ganz langsam begann zu verändern, man sieht entlang der Bergketten nicht mehr so viele große Gipfel, es gibt oft lange Hochplateaus, auch die Anstiege werden kleiner (sehr angenehm!), die Höhenunterschiede sind nicht mehr so groß. Mit dem Wetter hatte ich Glück, es war meist sonnig, und hat nur einmal ganz kurz leicht geregnet. Übers Wochenende zieht eine ziemliche Schlechtwetterfront durch, daher habe ich mit einigen anderen Wanderern beschlossen zu einem Heißluftballon Festival nach Albuquerque zu fahren. Am Sonntag fahren wir dann zurück und laufen bei hoffentlich besserem Wetter weiter.
    Ich bin nun deutlich entspannter, insbesondere die letzten beiden Wochen waren doch recht stressig und anstrengend. Auf New Mexico freue ich mich schon lange, insbesondere der Nordteil muss sehr schön sein, geprägt von Mesas und roten Felsen, wie man es aus Western kennt.
    Es sind nun noch ca. 1100 km übrig, einerseits ist das durchaus noch eine Strecke, andererseits neigt sich die Wanderung nun so langsam dem Ende zu. Ich fange schon an zu überlegen, was ich danach noch mache, wie ich wohin komme, wann genau ich zurück fliege, und ähnliche Dinge, und habe mein vermutlich letztes Paar Schuhe bekommen.
    Auch wurden wir Wanderer nun doch noch von der großen Politik eingeholt. Eine der angenehmen Nebeneffekte diese Wanderung war, von der Nachrichtenlage nur sehr wenig mitzubekommen, allerdings hat die Bundesregierung in Washington, D.C., entschieden, in der Grenzregion zwischen New Mexico und Mexiko sogenannte National Defense Areas (NDA’s) einzurichten. Das betrifft auch den offiziellen Endpunkt des CDTs, der sich nun in einem solchen Gebiet befindet. Der Zutritt in diese Gebiete ist nur für US-Bürger und nur auf Antrag möglich. Im Moment sind vor allem wir ausländischen Wanderer noch dabei, unsere Optionen zu prüfen. Es gibt noch zwei inoffizielle Endpunkte, die aber beide gewisse logistische Schwierigkeiten haben, es gibt auch tatsächlich die Möglichkeit, einfach in der Nähe des eigentlichen Endpunktes an die Grenze zu kommen, da die NDAs nur auf Bundesgebiet sind und nicht auf Landesgebiet. Der Föderalismus hat auch in den USA teilweise sehr kuriose Auswirkungen… im Moment ist die Lage diesbezüglich noch sehr unklar, ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt.

    Diesmal gibt es viele Bilder... die San Juans waren für mich das absolute Highlight des gesamten Trails. Die Schönheit von Colorado, aber genauso weit "draußen" wie Montana, das war ein unglaubliches Erlebnis. Daher auch die vielen Bilder, so viele wie hier habe ich nur in Glacier gemacht, und das war noch mit Anfangseuphorie.

    Pagosa Springs / Bayfield

    6 Tage, 200km

    An der Kürze der Beiträge bemerkt ihr vielleicht, dass die Zeit knapp ist. Sechs Tage bin ich nun durch das San Juan Gebirge gewandert, und tatsächlich hatte ich im großen und ganzen Glück mit dem Wetter. Die ersten Tage war es wunderbar sonnig und warm, und Colorado hat sich nochmal von seiner besten Seite gezeigt. Tatsächlich ist die Gegend hier landschaftlich hier bisher das absolute Highlight meiner Wanderung. Nur vorgestern kam ein mittelschwerer Schneesturm, ein erster Vorbote des Winters und eine freundliche Erinnerung, doch bitte bald Colorado zu verlassen. Es sind nun noch 110km bis zum Cumbres Pass, ab dort bewegt sich der Trail nur noch unterhalb der 3000m-Marke, und große Schneemengen, die die Wege unpassierbar machen, sind ab dort nicht mehr zu erwarten. Am Donnerstag sollte ich dort ankommen.


    Lake City.

    4 Tage, 160km

    Heute nur ein kurzer Beitrag. Die letzten vier Tage waren tatsächlich etwas entspannter, etwas weniger Höhenmeter, nicht ganz so hoch, teilweise sogar unter 3000m, und einfacheres Gelände. Sogar das Wetter hat mitgespielt und war bis auf ein paar kleine kurze Regenschauer meist sehr angenehm. Manchmal sogar ein bisschen zu warm – über irgendwas muss sich der Schwabe ja beschweren. Erst gestern gings wieder etwas höher hinaus, ein kleiner Vorgeschmack auf das kommende.
    Ich bin nun in Lake City angekommen, von hier geht es nun ins San Juan Gebirge, das letzte große Hindernis vor New Mexico. Es sind noch etwas über 300 Kilometer, komplett über 3000m, fast alles sogar über 3.500. Noch sieht die Wettervorhersage gut aus, hoffen wir, dass das so bleibt.


    Es kommt auch wieder mehr Text. Ich war in Lake City - wie oft in Städten - nur sehr kurz, mittags rein, nachmittags raus. Wie schon angesprochen war ich etwas im Stress, da es schon die letzte Oktoberwoche war und die San Juans noch bevorstanden. Bzw. genau gesagt gehören die letzten Bilder schon zu den San Juans. Was ich toll fand: Mal wieder eins der nirgendwo erwähnten Mini-Highlights, die so ein bisschen gegen die großen untergehen, nämlich der Anstieg durchs Tal des Cochetopa Creek hoch zum ersten Pass der San Juans. Die Espen dort waren die schönsten des ganzen Trails. Insgesamt war der Abschnitt nicht spektakulär, aber irgendwie auf eine unaufgeregte Art einfach wunderschön.


    Nur mal so ein kurzer Zwischenruf aus dem Hintergrund der Moderation:

    Bitte macht euch bei euren Beiträgen bewusst, dass hier seit heute morgen alle 6 Moderatoren sich ernsthafte Gedanken machen, wie dieser Thread wieder freundlich werden kann - so dass sich niemand auf den Fuß getreten fühlt. Das ist wirklich "fun No. 2". Das bedeutet "nicht mehr lustig".

    Wir haben unsere Nutzungsbedingungen mit den "no politics" und dem Verbot der persönlichen Angriffe, weil unser Focus hier auf anderem liegt, und nur deswegen schaffen wir es, dass hier doch recht unterschiedliche Menschen miteinander umgehen können.

    Über das Alter, in dem wir Grenzen - von Regeln und von anderen Menschen - bis ins letzte ausreizen müssen, sind wir eigentlich alle hinaus, oder? Und wem das Bedürfnis dazu noch immer nicht vergangen ist, der sublimiere dies doch mit dem Unterschreiten von Baseweight-Grenzen, dem Ausweiten der Kilometerhöchstleistungen, dem Kauf des nächsten Zeltes.


    so. Über Pfingsten war auch das Modteam - zumindest in Teilen - draußen, daher hat es leider recht lange gedauert, bis wir die Vorkomnisse hier im Thread aufgearbeitet haben. Wir haben nun alles, was vom Thema abweicht, deaktiviert. Wie in den Nutzungsbedingungen festgehalten, soll hier nicht über Politik diskutiert werden, solange es nicht auch einen konkreten Bezug zum Forenthema gibt. Für alles andere gibt es genug geeignete und ungeeignete Ecken im Internet.

    Dieser Beitrag bezieht sich auch die Bilder vom letzten, also alles was zu Gray's Peak und der Argentine Spine gehört, ist oben zu sehen. Die Bilder unten sind von Breckenridge bis Salida. Durch Twin Lakes bin ich zwar durchgelaufen, aber ohne Resupply, nur ne kurze Pause mit Burrito und Cola:love: Das Chaos erklärt sich dadurch, dass ich in dieser Zeit etwas gestresst war und nicht bei jedem Stopp einen Blogbeitrag verfasst habe, aber trotzdem einen neuen Bilderordner angelegt habe, enlang derer ich das hier wiederum verfasse.


    Herbst.

    6,5 Tage, 240km


    Colorado ist und bleibt eine Herausforderung. Die letzten beiden Wochen waren geprägt von ständigen Planwechseln, Alternativrouten, langsamen Vorankommen, bedingt v.a. durch Wetter, aber auch andere Faktoren wie schwieriges Gelände, die Höhe oder auch Mäuse, die mein Essen angefressen haben.
    Nach den Trail Days ging es hoch zum höchsten Berg auf dem Trail, Gray’s Peak mit 4350 Metern. Wir hatten einen sonnigen Tag erwischt, sodass wir weiter über den Grat laufen konnten, insgesamt über 20km immer oben, mit traumhaften Ausblicken auf allen Seiten. Erst am nächsten Mittag erwischte uns ein Gewitter und wir schafften es gerade noch unter die Baumgrenze. Danach verlief der Weg recht abwechslungsreich mal durch Wälder, mal oben, damit war zumindest der Umgang mit dem Wetter etwas einfacher.
    Inzwischen ist es sehr eindeutig Herbst geworden, die Temperaturen sind einstellig, nachts gibt es oft Frost, aber vor allem sind die Wälder nun in leuchtenden Herbstfarben. Grade die Espen, die hier allgegenwärtig sind, tauchen die Wälder in leuchtendes Gelb, und gelegentlich auch rot. Übrigens faszinierende Bäume: Das sind keine einzelnen Bäume, sondern unterirdisch durch Wurzelwerk verbundene Baumkolonien, mit teils vielen dutzend Stämmen. Das hat auch zur Folge, dass eine Baumkolonie ihre Farbe immer gleichzeitig wechselt, und nicht jeder Baum einzeln.
    Herbst bedeutet auch, dass es bald Winter wird, und mein Rennen gegen den Winter geht nun in die letzte Phase. Erste Schneestürme gab es schon, oben in den Bergen sieht man immer wieder kleine Schneereste, aber zum Glück sind wir noch etwas vom richtigen Wintereinbruch entfernt. Es sind noch knapp 500km bis New Mexico, nun bleibt nur noch zu hoffen, dass der Winter nicht zu früh kommt, und so schnell zu wandern wie es eben möglich ist.

    zur Packliste:

    Quilt: Daune statt Synthetik. Mit z.B. einem Cumulus Quilt 150 könntest du 60g sparen, hättest etwas mehr Temperaturreserve, und das dürfte v.a. auch einige Liter sparen.

    Isomatte: Evtl. die EVA weglassen und abends halt genauer den Boden absuchen. Bin ja großer Fan von EVAs und benutze keine Luftmatte, aber wenns ums Packmaß geht, haben letztere halt einen großen Vorteil.

    Ob Topf weglassen was bringt, weiß ich nicht so genau, die Frage stell ich mir schon länger. Einerseits hast du halt einen starren Gegenstand weniger, was das packen erleichtern könnte, andererseits kann man da ja auch was reintun, und ich hab die Vermutung, dass das Essen ohne Kocher etwas mehr Volumen braucht.

    Wie lange bist du denn normalerweise am Stück unterwegs, dass du Powerbank und Ladegerät brauchst? Ggf. eins rausschmeißen, zumindest bei kürzeren Touren

    Pumpe ggf. überdenken

    Bei den Klamotten ist mir nicht klar, was du anhast und was verstaut ist? Jedenfalls hast du ein T-Shirt und einen Sunhoody, evtl. kann eins davon weg.

    Du hast ein Taschentuch und einen kleines Handtuch

    das wird sicher keine alleinige Lösung, aber bestimmt kann man deinem Setup noch was optimieren? Du kannst ja mal eine Packliste raushauen. Fände ich auch unabhängig davon interessant, die ist ja wahrscheinlich stark auf Volumen getrimmt?

    Breckenridge.

    3,5 Tage, 70km

    Kein originaler Blogbeitrag: Ab hier war ein komischer Abschnitt, weil ich konstant umplanen musste bzw. wollte. Mehrmals haben Mäuse mein Essen angeknabbert, wodurch ich z.B. ungeplant nach Breckenrigde musste (was gar nicht schlecht war: Man kommt an einer Straße direkt an der Bushaltestelle raus, wo alle 30min ein Bus in 10min nach Breckenridge fährt), dadurch dachte ich, dass ich dann Leadville auslassen kann, das ging dann aber auch nicht, weil da schon wieder die nächste Maus kam... immerhin hab ich beides als kurzen Stopp ohne Übernachtung geschafft. Dafür hab ich dann in Twin Lakes nix gekauft, auch wenn ich durchgelaufen. Und so weiter. War alles etwas konfus und hat leider mehr Zeit gekostet, als ich dachte. Dann war noch das Wetter so eine Sache, immer wieder Gewitter, ein ziemlicher Sturm, den ich umgehen konnte, indem ich Collegiate East statt West gelaufen bin, was sehr schade war, weil ich mich darauf eigentlich sehr gefreut hatte. Aber nachdem ich gehört hatte, wie es denen erging, die West gelaufen sind, war ich doch zufrieden mit meiner Entscheidung... Aber landschaftlich ists da schon toll. Wir hatten auch echt Glück mit dem Wetter, für die Gray's Peak und Argentine Spine hatten wir genau den Tag erwischt, an dem den ganzen Tag Kaiserwetter war :)

    Colorado. Nun richtig.

    4 Tage, 130km

    „Colorado is kicking my ass“. Wohl keinen anderen Satz habe ich in den letzten knapp zwei Wochen öfters gehört. Alle uns Wanderer hat dieser Staat in den letzten Tagen vor große Herausforderungen gestellt. An die Höhe habe ich mich inzwischen weitgehend gewöhnt, das war in den ersten Tagen aber gar nicht so einfach, gerade bei den langen Aufstiegen bin ich doch schwer ins Atmen gekommen. Die eigentlich große Herausforderung gerade in den letzten Tagen war aber vor allem das Wetter kombiniert mit dem Terrain. Der Weg läuft hier viel oben auf Graten oder Bergrücken, oft über lange Strecken von 10 km oder mehr, ohne Abstieg unter die Baumgrenze. Dazu hatten wir vor allem in den letzten Tagen oft schlechtes Wetter mit viel Regen, vor allem auch Hagel, und vielen Gewittern. Gewitter sind hier um diese Jahreszeit nicht unüblich, allerdings kommen sie normalerweise erst nachmittags und dauern nur kurz. Das war letzte Woche nicht der Fall, es war völlig unberechenbar, was die ganze Strecke manchmal zu einem großen Glücksspiel gemacht hat. Einmal bin ich auch 3 km und 500 Höhenmeter einfach wieder zurück abgestiegen, um nicht oben dem Gewitter ausgesetzt zu sein. Wie ich inzwischen gelernt hatte, ist es nämlich sehr unangenehm, in offenem Gelände mitten im Gewitter zu sitzen. Auch jetzt mache ich gerade einen zusätzlichen Tag Pause, um Stürme abzuwarten. Wenn dann aber mal die Sonne scheint, oder es zumindest soweit aufklart, dass man Ausblick hat, dann ist die Gegend hier wirklich beeindruckend. Oft sieht man dann Dutzende Kilometer über die Bergwelt der Colorado Rockies (siehe Fotogallerie).
    Da ich durch meinen Pausentag etwas Zeit habe, wollte ich, auch aus anderem Anlass, etwas über die sogenannte Trail Culture schreiben. Wie ich ja schon hier und dort erwähnt habe, treffe ich immer wieder andere Wanderer. Es dürfte eine niedrige dreistellige Zahl vom Wanderern sein, die mehr oder weniger gemeinsam Richtung Mexiko läuft. Es ist tatsächlich sehr faszinierend zu sehen, wen man wo trifft. Manche Wanderer sehe ich über Wochen sehr regelmäßig, manchmal passiert es auch, dass ich jemanden treffe, den ich schon seit wortwörtlich Monaten nicht mehr gesehen habe, wieder andere habe ich erst in der letzten Woche kennengelernt. Nichtsdestotrotz kennt man sich sozusagen, oft hat man auch schon zumindest mal die Namen gehört, es ist durchaus so, dass es hier eine Art Gemeinschafts- oder Gruppengefühl gibt zwischen den Wanderern. Das passiert natürlich jedes Jahr, und hat dazu geführt, dass es auf diesen großen Wanderwegen hier in den USA wie eine Art Subkultur gibt. Beispielsweise ist es hier üblich, sich nicht mit den eigentlichen Namen, sondern mit sogenannten trail-namen an zu reden, die man von anderen Wanderern bekommt. Die meisten basieren auf irgendeiner Episode oder Geschichte oder ähnliches, die auf dem Trail passiert sind, wobei der Großteil aller Wanderer ja schon mal einen ähnlich langen Weg gelaufen ist, und dadurch schon einen Trailnamen hat. Mein eigener trailname ist Yukon, wer mag möge „Cornelius Yukon“ googeln. Ein anderer Teil der Trail culture ist sogenannte Trail magic. Meist bedeutet das in etwa, dass irgendwelche wildfremden Leute irgendetwas für uns Wanderer machen, teilweise geplant, manchmal auch völlig zufällig. Beispielsweise gibt es manchmal an Stellen, wo es wenig Wasser gibt, Leute aus umliegenden Dörfern, die einfach eine Kühltasche mit Wasser an den Weg stellen, manchmal sogar noch mit Keksen, Süßigkeiten oder ähnlichem. Was ich auch schon erlebt habe, als ich mit einer anderen Wandererin an einer Straße entlang gelaufen bin, hat jemand angehalten, und uns gefragt ob wir etwas von McDonald’s wollen. Er ist dann tatsächlich 20 km in die nächste Stadt zurückgefahren und hat uns etwas von McDonald’s gebracht. Solche Sachen passieren immer wieder, die Leute gerade in den ländlichen Gegenden hier sind wirklich hilfsbereit und freundlich.
    Gestern war ich in Leadville in Colorado, wo die CDT Coalition, das ist die Organisation, die diesen Weg hier organisiert und betreut, die sogenannten Traildays veranstaltet hat. Das ist ein eintägiges Event für alle sogenannten „Sobos“, so werden die Wanderer bezeichnet, die southbound, also südwärts, laufen, es gab Vorträge, Stände von Ausrüstungsherstellern, und diverse andere Workshops und ähnliches, vor allem aber war es eine Möglichkeit, für alle Wanderer, sich mal an einem Ort ohne Wamderstress zu treffen. Das war wirklich schön, auch wieder Leute zu sehen, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte, aber auch viele neue Leute kennenzulernen, die ich noch nicht getroffen hatte.
    Die Wanderer hier auf dem Trail sind äußerst unterschiedlich, es ist wirklich faszinierend, wen man hier alles so trifft. Den Großteil der Wanderers sind natürlich US-Amerikaner, die zweitgrößte Gruppe machen wir Deutschen aus, aber ich habe schon Wanderer aus Tschechien, Frankreich, Dänemark, Brasilien, Japan, China, Kanada, Österreich, und der Schweiz getroffen. Ebenso divers ist es beruflich, es gibt Ingenieure, Lehrer, ITler, ich habe einen freiberuflichen Musikproduzenten getroffen, eine Kunstprofessorin, Krankenpfleger, Biologen, Entwicklungshelfer, Beamte, und eine große Gruppe sind auch Saisonarbeiter, die im Winter einige Monate arbeiten, beispielsweise in der Gastro, und dann im Sommer 6 bis 8 Monate wandern gehen. Auch altersmäßig ist hier alles vertreten, der Großteil ist zwischen Anfang 20 und Ende 30, aber ich treffe auch nicht wenige Wanderer jenseits der 50 oder 60. Der überwiegende Teil der der Wanderer ist grundsätzlich allein unterwegs, einige wenige Paare laufen den Weg zusammen aber es ist nicht unüblich, dass sich Wanderer in kleineren, manchmal auch etwas größeren, Gruppen zusammenschließen. Das heißt nicht zwangsläufig, dass man den ganzen Tag zusammen läuft, sondern eher, dass man gemeinsam Pausen macht, gemeinsam zeltet, und gemeinsam Zeit in den Städten verbringt. Ich bin nach wie vor alleine unterwegs, laufe immer wieder mit anderen, beispielsweise bin ich kurz vor Wyoming vielleicht eine Woche lang mit einem Brasilianer zusammen unterwegs gewesen, in den letzten Tagen war ich oft mit einem Amerikaner zusammen, und diese Abwechslung gefällt mir eigentlich gut. Es ist sehr angenehm und oft auch hilfreich, nicht alleine unterwegs zu sein, trotzdem gefällt es mir auch immer wieder gut, eine Weile alleine zu sein, und eine grundsätzliche Unabhängigkeit zu haben. Auf jeden Fall ist das soziale Element ein wichtiger Teil dieses Wegs und macht das Ganze durchaus noch einmal interessanter.
    Nun werde ich mich gleich auf den Weg machen, als nächstes steht der sozusagen Höhepunkt des Weges an, Gray’s Peak mit 4350m.