- Ich würde nie (!) meine Ausrüstung einfach nur darauf basierend planen, "dass mich schon jemand an einer nahen Hütte aufnehmen wird", wenn meine (bewusst zu leicht geplante) Ausrüstung einen normalen Sturm in Island nicht aushält. In Island sind Stürme nunmal einfach an der Tagesordnung. Wer eine sichere Hüttenunterkunft will, der sollte sie auch vorab buchen und bezahlen. Wenn man das nicht will, dann sollte man IMHO schon auch ein ausreichend sturm- (und sand-) festes Zelt mitnehmen. Alles andere ist doch einfach nur zu unserem (vermeintlichen) eigenen (gewichts-) Vorteil gedacht und verursacht den Hüttenwirten unnötigen zusätzlichen Aufwand wegen unserem Leichtgewichts‑Spleen.
Moin Tom,
ich bin grundsätzlich ganz bei dir. Für mich liegen da ein paar spannende Fragen hinter, die pauschal vermutlich schwer zu beantworten sind:
1. Für welches Szenario muss ich auf Wanderwegen mit Infrastruktur (abseits von Infrastruktur stellen sich die folgenden Fragen anders) vorsorgen und in der Lage sein autark damit klar zu kommen?
- Mit dem durchschnittlichen Wetter für die Region und Jahreszeit?
- Mit 90% der erwartbaren Bedingungen? Mit 95%?
- Mit allen Bedingungen?
Und wo ist dann die Grenze von "bewusst zu leicht geplante" Ausrüstung?
Eine ähnliche Frage und Aussage steckt ja auch PositivDenken "möglichst allen Umständen" drin.
Nur: ist es ein Notfall, wenn ich ihn durch unzureichende Ausrüstung bewusst in Kauf genommen habe? Der allgemeine(!) Rat ist, dass man selbst für eine Hüttentour ein Zelt dabeihaben muss(!), welches einem im Notfall unter möglichst allen Umständen Schutz bietet.
Und um im einfachen Beispiel vom Laugavegur zu bleiben, dem populärsten Wanderweg auf Island, den die allermeisten hier vermutlich meinen, wenn sie von nicht-exponiertem Wandern auf Island sprechen:
Situation 1: Ich nehme ein X-Mid mit, weil es den durchschnittlich vorherrschenden Bedingungen (Annahme 1) standhalten sollte. Leider weht es in Landmannalaugar etwas stärker, ich werde weggeblasen. Muss eine elende Nacht in der Dusche ausharren. War das "zu leicht geplant"?
Situation 2: Ich nehme ein Hilleberg Soulo mit, weil es 95% aller Bedingungen, die vorkommen können standhalten dürfte (Annahme 2). Unglücklicherweise habe ich mir trotz einfachstem Weg blöd den Fuß verknackst, bin langsam vorwärts gekommen und muss schon in Hrafntinnusker spät das erste Camp aufschlagen. Alle Plätze mit Windschutz sind belegt und voll exponiert kommt nun auch noch ein stärkerer als 95% der Fälle erwartbarer Sturm, dem das Soulo nicht standhält. War das "zu leicht geplant"?
Wo zieht man die Grenze? Und ich meine das wirklich nicht polemisch. Es ist auch für mich selbst immer wieder eine spannende Überlegung im Vorfeld von Touren: Optimiere ich für die wahrscheinlichen Bedingungen, oder für den Worst Case?
Und bei der Beantwortung spielt eine Infrastruktur, die zur Not als Rettung dient, natürlich eine Rolle. Je abgelegener die Touren, desto bedingungsloser muss ich mich auf die Ausrüstung verlassen können. Aber wo liegt die Grenze? Schwierig.
- Wo ist denn dieser so sichere "Grüngürtel" in Island? Tut mir leid, aber selbst direkt an den Zeltplätzen an der Küste gibt es doch kaum ausreichend sichere Unterstellmöglichkeiten direkt an den Zeltplätzen - zumindest nicht für die Anzahl an Wanderern und Campern mit Zelt....; Und auch auf dem Laugavegur sind doch kaum Zeltplätze ohne Sandsturm-Gefahr. Selbst wenn der Stellplatz selbst meinetwegen in wenigen (!) Fällen auf Gras ist - die Umgebung und der Untergrund sind nunmal einfach Sand bzw. Vulkanasche. Da braucht es doch nun wirklich nicht viel, um viel zu kurze und instabile UL-Heringe herauszureißen und jedes Zelt mit auch nur ein klein wenig Bodenfreiheit zum Segel im (sand- / aschegefüllten) Wind werden zu lassen.
Ich habe nirgends von einem "so sicheren" Grüngürtel gesprochen. Es ging bei der Betrachtung um die Frage der Bodenbeschaffenheit für den Heringssitz. Ein Blick auf die Satellitenbilder der Insel zeigt sehr schnell, wo es zumindest etwas Vegetation gibt, und wo gar nicht. Und da ist der Laugavegur, um bei dem Beispiel zu bleiben einfach nicht vergleichbar mit dem zentralen Hochland. Sowohl was Exposition, als auch den Halt von Heringen betrifft.
Das heißt nicht, dass es auf dem LV überall Luxusstellplätze sind. Die 2-3 üblichen Camps nach dem Start (Alftavatn, Emstrur, Þórsmörk) sind jedoch allesamt auf verdichtetem, grasig-erdigem Boden, wenn mich die Erinnerung nicht trügt.
Und bezüglich Heringen war die einzige Erwähnung von wilbo , der zu deutlich stärker als üblichen Modellen geraten hat – oder habe ich etwas übersehen?
Dass man da mit Zelten ohne Innenzelt womöglich mit feinem Staub überzogen wird, ist klar. Das halte ich allerdings eher für eine Frage der Komfort-Priorisierung, als der nackten Sicherheit.
Aus den Zelten in meinem Fundus würde ich wie bereits gesagt mit dem Windsaber losziehen, weil entlegenere Touren nach meinem Dafürhalten ein Zelt der Widerstandsklasse benötigen. Und weil es mir auf einer kurzen, einfachen Tour wie dem LV einfach egal ist, ob mein Rucksack 1 kg schwerer ist, wenn ich mir darüber einen einfachen Aufbau und entspannte Nächte ertausche.
Ich habe den LV zwei mal zum Rauslaufen von längeren Touren genutzt. Das ist allerdings über 10 Jahre her. Wenn ich mich recht erinnere, waren wahrscheinlich 50% der Zelte dort von der Kategorie Decathlon bzw. Baumarkt. Vermutlich ist man aber selbst mit einem besseren UL Shelter windstabiler unterwegs, als 50% der dort versammelten Zelte. Das heißt nicht, dass ich es für sinnvoll halte.