Keine Lust auf Kälte, Regen, Zeltaufbau und schwere Rucksäcke? Dann wandere auf den Kapverdischen Inseln. Dank durchgehend angenehm warmer Temperaturen kann man auf Isokleidung und einen warmen Schlafsack verzichten. Regenkleidung und Zelt kann (abhängig von der Jahreszeit) ebenso zu Hause bleiben. So kann wirklich jeder unter die UL-Definition von 4,5kg kommen, wenn er nur Sachen weglässt. Als Wander-Anfänger einfach den Festival-Sommerschlafsack und eine Luftmatte in den Alltagsrucksack stecken, solange man damit noch 3 l Wasser transportieren kann, kann es losgehen. Essen braucht nicht viel geschleppt zu werden, da man täglich an (kleinen) Geschäften vorbeikommt. Erfahrene ULaner schaffen es hier locker, SUL unterwegs zu sein.
Dazu sind die Kapverden Afrika für Angsthasen und Arme: Man bekommt eine afrikanisch inspirierte Kultur und afrikanisch-aride Landschaften, hat aber keine teuren Nationalpark-Eintritte, Wanderführer-Zwang o.ä. Das allgemeine Preisniveau (mit Ausnahme von Lebensmitteln) ist sehr niedrig. Das Land ist eine seit 1975 politisch stabile Demokratie und an den meisten zu erwandernden Orten braucht man sich bezüglich Kriminalität keine Sorgen zu machen. Es gibt keine wirklich giftigen/gefährlichen Tiere und je nach Reisezeit keine Tropenkrankheiten. Fast überall gibt es Handyempfang und falls mal was passieren sollte, ist das nächste bewohnte Haus nie weit entfernt.
Kapverden liegt vor Westafrika. Die Zeitverschiebung von zwei Stunden erleichtert das frühe Aufstehen, sodass man entspannt Sonnenaufgänge genießen und schon in den kühleren Morgenstunden einige Kilometer zurücklegen kann.
Als Krönung sind die Kapverden sehr vielseitig: Man erwandert ständig neue Landschaftsformen, es wird nie langweilig.
Der Tourismus auf den Kapverden wächst schnell und die Wirtschaft wächst ebenfalls kräftig. Wenn man also noch ruhig wandern will und traditionell-ländliche Lebensart erleben will, empfehle ich, in den nächsten Jahren dorthin zu reisen, bevor auch auf den Wanderinseln Esel-“Karawanen“ durch Autos auf neuen Straßen ersetzt sind und Touris mit Quads und Beachbuggys durch die Vulkanlandschaften heizen.
Wo wandern?
Kapverden ist eine Inselgruppe mit 10 Inseln. Vier Inseln davon eignen sich besonders fürs Wandern.
Santo Antão ist die fürs Wandern berühmteste Insel. Spektakuläre Landschaften und trotzdem kann es sein, einen ganzen Tag lang keinem einzigen anderen Touristen zu begegnen. Es gibt gut markierte Wanderwege und ein relativ dichtes Netz an Gasthäusern. Gut mit Strand- und Kultururlaub auf der Nachbarinsel São Vicente zu verbinden, wo es einen imposanten Karneval gibt und man im Meer mit zahmen Schildkröten schwimmen kann. Ein Reisebericht kommt noch.
Santiago, siehe:
Camino de Santiago – vollständige Wanderung in 4 Tagen Ende Februar

ist meine Lieblingsinsel, womit ich allerdings recht allein bin. Ich hatte sehr angenehme Begegnungen mit den Einheimischen. Nur am höchsten Berg der Insel (Pico d'Antónia) traf ich andere Wanderer, sonst fühlte ich mich wie ein Entdecker. Der Weg, dem ich folgte, war nicht brauchbar markiert und manchmal ging es durch dichte Vegetation. Auf Santiago liegt die eher unspektakuläre Hauptstadt Praia und es gibt einige sehr schöne, teils menschleere, Strände. Santiago lässt sich gut mit Fogo verbinden.
Fogo ist ein aktiver Vulkan im Meer. Die Insel ist recht klein, einmal den Vulkan hoch und wieder runter in 1-2 Tagen. Ich war nicht da, die Leute, die die ich getroffen habe, die es gemacht haben, waren aber begeistert. Die Insel ist sehr touristisch und man muss sich auf unfreundliche Sprüche von Wanderführern gefasst machen, wenn man alleine wandert.
São Nicolau: Auch hier war ich nicht, ich finde die Fotos aber vielversprechend.
Da ich nur auf Santiago und Santo Antão wandern war, beziehen sich meine Tipps auf diese beiden Inseln, ich vermute aber, dass sie auch auf die anderen beiden Wanderinseln zutreffen.
Versorgung
Die meisten Läden unterwegs haben nur eine geringe Auswahl an Lebensmitteln.
Ich habe mich überwiegend von Keksen (kaum Zucker drin, nicht besonders lecker), Erdnüssen, und was es eben frisch gab, ernährt.
Im Verhältnis zu den Einkommen auf Kap Verde sind die Lebensmittel recht teuer, insb. frische, es werden 90% der Lebensmittel importiert. Es gibt in den größeren Dörfern aber auch Restaurants, wo man für 2-3,50€ essen gehen kann.
Ich bin ohne Kocher unterwegs gewesen, aber die beste Option für viele dürfte ein kleiner Hobo- oder ein Spirituskocher sein, mit dem man sich deutlich vielfältiger ernähren kann. Ggf. lohnt es sich, einige Lebensmittel für die ersten Tage von Deutschland mitzubringen.
Die Inseln sind recht trocken, sodass man nicht überall Wasser findet und ich bis zu 3,5l mit mir rumtrug. Ansonsten gibt es teils mitten im Berg, weit weg von der nächsten Siedlung, Wasserhähne im Fels oder kleine Löcher, in denen Wasser steht, praktischerweise mit Schöpfbehälter nebendran.
Es gibt nicht überall Kanalisation, dafür aber fast überall Viehhaltung und in der Landwirtschaft, so wurde mir von zwei Personen erzählt, würde viel gespritzt (gleichzeitig habe ich niemanden seine Felder spritzen sehen). Für diejenigen, die es abschreckt, dieses Wasser zu trinken: Der Preis für eine 1,5l-Flasche Wasser kann vom 45ct in der Stadt auf bis zu 1,10€ in entlegenen Dörfern steigen, mit 5l-Kanistern ist man auch nicht unbedingt günstiger, da beides selten nachgefragt wird und die meisten Einheimischen, wenn sie denn Wasser kaufen, zu den 10l-Mehrwegbehältern greifen. Mir wurden aber öfters in Dörfern meine Flaschen aufgefüllt, teils wurde dafür kein Geld akzeptiert. Selbst in einem Geschäft, das Wasser verkaufte, wurden mir sehr günstig meine Wasserflaschen aufgefüllt.
Ausrüstung
Bei der Ausrüstung kann man wenig falsch machen. Ich hatte zwei Dornen, die durch die Schuhsohlen durchgingen. Die haben mich aber nicht verletzt, sondern ich merkte nur, dass da was stört. Also insb. auf Santiago nicht unbedingt mit ganz dünnen, leichten Schuhsohlen losziehen.
Polycryo als Unterlage hat funktioniert, wer vorsichtig ist, insb. in Kombination mit einer Luftmatte, könnte hier aber auch etwas Stabileres einpacken.
Ich war mit meinem MYOG-100g-Apex-Schlafsack unterwegs. Etwas weniger Wärme würde auch genügen, insb. wenn man Schlafkleidung trägt.
Für die Strecke, die ich auf Santiago gelaufen bin, empfehle ich lange Hosen, weil man teils durch kratzigen/stachligen Bewuchs durch muss.
Wer ein Zelt mitnehmen will (bzw. zur Regen-/Moskitozeit auch sollte) sei gewarnt: Es gibt wenig gute Zeltmöglichkeiten und teils hat man nur Steine, keine/kaum Erde. Da Heringe reinzubekommen dürfte schwierig sein.
Ich war Ende Februar bis Anfang März da, es gab keine Moskitos und mir wurde von mehreren Personen vor Ort gesagt, es würde nur im Sommer zur Regenzeit welche geben. Im Netz habe ich etwas anderes gelesen. Ich empfehle, sich lieber noch einmal dazu zu informieren.
Da es nicht überall gute Waschmöglichkeiten gibt, würde ich lieber ein paar Socken extra mitnehmen. Ich hatte drei paar Socken, das war gut so. Und die Gamaschen waren hilfreich.
Transport
Die günstigsten Flüge von Deutschland aus gibt es nach Sal und Boa Vista, das sind die beiden Touristeninseln, auf denen man nicht besonders gut wandern kann.
Mit Tui kommt man bspw. gerade für 309€ hin und zurück, sowohl nach Sal, als auch Boa Vista.
Flüge buchen weltweit | TUI.com
Von den Touriinseln muss man dann allerdings erst mal weiter.
Die Fähren zwischen den Inseln, bis auf zwischen Santo Antão und São Vicente, gelten als unzuverlässig, wenn man auf die Verbindung angewiesen ist, empfiehlt sich ein Flug zwischen den Inseln. Von Fogo über Santiago nach São Vicente war der Flug, als ich ihn geprüft habe, nur 8€ teurer als nur von Santiago nach São Vicente, damit billiger, als Flug mit Fähre zu kombinieren.
Flüge innerhalb der Inseln empfehle ich direkt bei der Fluggesellschaft zu suchen, hier bekommt man mehr gute Optionen/Informationen als bspw. über Swoodoo. https://www.caboverdeairlines.com/
Wenn man auf die Touriinseln fliegt, dann aber noch bis zu 200€ für Inlandsflüge ausgibt, kann man sich auch für 500 -700 € einen guten Gabelflug auf die Nicht-Touri-Inseln buchen.
Achtung, ich wurde auf dem Rückweg bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen auf São Vicente gezwungen, meine faltbaren Trekkingstöcke mit abmontierter Spitze einzuchecken, also früh genug am Flughafen sein, falls man umpacken muss, und ggf. Mehrkosten einplanen.
Ich empfehle FlightConnections, um zu schauen, welche Flughäfen von welchen Fluggesellschaften angeflogen werden. Manchmal gibt es auch Direktflug-Schnäpphen von Amsterdam und Paris aus.
https://www.flightconnections.com/flights-from-s%C3%A3o-vicente-vxe
Noch mal zu den Fähren: Entgegen erster Google-Ergebnisse gibt es nicht nur CV Interilhas (https://www.cvinterilhas.cv), sondern bspw. zwischen São Vicente und Santo Antão auch Nosferry (https://nosferry.cv/) und zwischen Fogo und Santiago Polar (aktuell funktioniert die Webseite nicht https://www.polar.cv/). Es bestehen also deutlich mehr Fährverbindungen als auf den ersten Blick ersichtlich, auch bspw. https://www.rome2rio.com/ zeigt nicht alle Verbindungen an. Es lohnt sich, am Hafen nach den Verbindungen zu fragen.
Wer von euch war schon einmal auf den Kapverden wandern? Was sind eure Tipps und Erfahrungen?