Knapp zweieinhalb Monate nach meinem Finish auf dem Pacific Crest Trail beginnt im Januar 2025 mein nächstes großes Abenteuer am Südende Neuseelands in Bluff. Ein weiteres Mal liegen mehr als zweitausend Kilometer und unzählige Abenteuer vor mir – ein weiteres Mal bin ich entgegengesetzt zum Großteil der Wanderer*innen unterwegs, dieses Mal als Nobo.
Schon bei der Planung meines Trips ist mir klar gewesen, dass mir meine wertvolle Zeit im Sabbatjahr zu schade ist, um sie auf endlosen Schotter- oder Asphaltpassagen zu verbringen. Anstatt den Trail im Gesamten zu absolvieren, habe ich meine Route also in aufwendiger Detailarbeit zusammengepuzzelt, um möglichst die (vermeintlich) schönsten Ecken Neuseelands per pedes zu Gesicht zu bekommen – auch wenn das bedeutet, Teile des Trails gar nicht zu absolvieren. Letztendlich durchquere ich somit die gesamte Süd- und circa die Hälfte der Nordinsel; die Stadt Hamilton ist mein auserkorenes Ziel.
Der Te Araroa ist ein gänzlich anderes Wandererlebnis als der Pacific Crest Trail – anders, zumeist zivilisationsnäher, aber keinesfalls weniger schön (und v.a. landschaftlich wesentlich abwechslungsreicher innerhalb weniger Tage oder sogar Stunden).
Da mir wieder einmal die Muße fehlt, den gesamten Trail zu rekapitulieren, und sich zudem haufenweise Reiseberichte im Netz finden, beleuchte ich erneut lediglich meine Abstecher abseits des Trails – vielleicht helfen sie dem ein oder anderen bei künftigen Tourenplanungen, um sich interessante Abschnitte herauszugreifen und die eigene Route nach persönlichem Gusto zu optimieren. Sollte irgendjemand in der Reiseplanung genauere Hinweise benötigen, kontaktiert mich gerne (gpx-Dateien, ausführlichere Einschätzungen zu Schwierigkeiten, Zeitaufwand und Co kann ich euch gerne zukommen lassen).
Die Auflistung der Side Quests erfolgt aufgrund der Tatsache, dass ich den TA Northbound in Angriff genommen habe, chronologisch geordnet von Süd nach Nord.
Dusky Track
In den ersten drei Tagen auf dem TA schlage ich ein Höllentempo an, da mein erster Abstecher mich auf den Dusky Track führen wird, der sich inmitten der Wildnis des Fjordlands befindet. Unzugänglich, wie der Trail ist, bin ich nämlich auf einen Bootstransfer angewiesen, den ich bereits Wochen vorher gebucht habe.
Per gechartertem Schnellboot bei Trips & Tramps geht es mit drei weiteren (und deutlich schwerer bepackten) Aspirant*innen über den Lake Hauroko.
Gestalten sich die ersten Kilometer durch einen dichten, grünen Dschungel anschließend noch spannend, weil alles neu für mich ist, stellt sich mehr und mehr Frust gepaart mit Erschöpfung ein: Ich komme zweieinhalb Tage lang nur quälend langsam voran, denn Wurzeln, Schlamm, umgestürzte Bäume, wuchernde Pflanzen, Kettensicherungen, Flussquerungen und Co machen den Weg extremst unwegsam. Ich fühle mich zeitweise wie Robinson Crusoe, der sich seinen Weg durch die subtropischen Wälder bahnt. ![]()
Highlight des Trails ist mit weitem Abstand die Pleasant Range mit ihren beeindruckenden Blicken auf den namensgebenden Fjord Dusky Sound – daneben sind Fernsichten rar gesät. Wer also nicht allzu sehr auf Selbstgeißelung steht und lieber schöne Aussichten genießen möchte, ist hier definitiv falsch. Auch ich würde nicht noch einmal wiederkommen.
Caples Track & Routeburn Track
Nachdem ich die malerischen Mavora Lakes passiert habe, verlasse ich den TA an der Greenstone Hut – der Caples Track wartet auf mich und soll mich in Verbindung mit dem Routeburn Track, einem Great Walk (Anmerkung: diese sind mitnichten die schönsten Wanderrouten Neuseelands, sondern primär eine Marketingmasche), nach Glenorchy bringen.
Das absolute Highlight auf dem Caples Track ist die Überschreitung des McKellar Saddles mit einer wunderschönen Fernsicht auf die schneebedeckten Berge des Fjordlandes.
Dieses wird noch getoppt vom Harris Saddle, den ich anschließend auf dem Routeburn Track passiere. Letzterer ist definitiv der schönste Great Walk, den ich in Neuseeland absolviere, denn das alpine Gelände sagt mir sehr zu und auch der Abstieg entlang der Routeburn Falls zu den Routeburn Flats offenbar tolle Blicke über das Tal.
Rees Track & Cascade Saddle Route (inklusive Besteigung Mount Tyndall (2.496m))
In Glenorchy verlasse ich den TA erneut, um dem Rees Track durch das gleichnamige Tal zu folgen – die kurzfristig getroffene Entscheidung, eben nicht dem Darts Track im Nachbartal zu folgen, zahlt sich aus. Rings herum türmen sich schneebedeckte Gipfel und haufenweise Gletscher prägen das Bild.
Einer der besten Tage in Neuseeland beginnt mit dem Aufstieg zum Reese Saddle. Bereits hier reißt die Wolkendecke auf und es offenbaren sich eindrucksvolle Blicke auf eine hochalpine Landschaft.
Nach einem kurzen Zwischenabstieg zur Darts Hut steht dann der Hauptanstieg zum eigentlichen Highlight des Tracks an, dem Cascade Saddle. Mit Blick auf den Dart Glacier und dessen Abbruchkante geht es bis auf knapp 1.500 Meter hinauf, dann überschreite ich den Sattel und genieße ein absolutes Bergpanorama, bei welchem der Mount Aspiring über den umliegenden Gipfeln thront.
Da es eigentlich zu früh ist, um den Abstieg zu meinem Ziel, der Aspiring Hut, anzugehen, grübele ich, ob ich den Gegenanstieg zur French Ridge Hut noch in Angriff nehmen soll oder stattdessen einfach auf den nahegelegenen Gipfel des Mount Tyndall (2.496m) ausweiche (ohne zu wissen, ob dieser überhaupt ohne Ausrüstung bezwingbar ist). Die ersten Meter des Pfades zum Berggipfel beschließe ich auszukundschaften, wobei mein schlummernder Ehrgeiz geweckt wird, diesen Gipfel einfach unvorbereitet zu bezwingen. Unschwer geht es rechterhand des Grats nach oben, bis ich irgendwann nicht mehr umhinkomme, ein Schneefeld zu passieren – ohne sichtbare Spuren, denen ich folgen könnte. Das Schneefeld schätze ich aufgrund seiner Lage und Beschaffenheit als Altschneefeld ohne größere Spalten ein, halte mich am Rand und quere somit hin zum Gipfelaufbau. Die letzten Meter Kraxelei gestalten sich dann aufgrund des bröckeligen und schieferartigen Felses etwas heikel, sind auf der richtigen Route dann aber doch einfach zu bewältigen. Die Aussicht auf unzählige Gletscher und Gipfel sucht ihresgleichen – der Abstecher zahlt sich aus.