Beiträge von questor | hangloose

    Ich meine, mal gelesen zu haben, dass sich Membrane auch zusetzen können und dadurch an Wirksamkeit verlieren?

    Und - so weit ich verstanden habe, funktioniert Membranstoff ja auch nur in bestimmten Temperaturbereichen bei entsprechend vorhandenem Delta zwischen innen und außen - und möglichst flächiger Auflage? Ob das dann bei einem Schlafsack zwischen Außenseite und Daunenfüllung überhaupt so funktioniert wäre dann die Frage?

    Der ein- oder andere liest ja gerüchteweise auch noch - und manchmal begegnet man vielleicht ja auch dabei Artikeln mit UL-Bezug.

    So ging es mir zumindest gerade, womit der Anfang für einen solchen Thread gemacht ist.

    Konkret ein Zeit.de Artikel zu einem Wanderprojekt aus Deutschland rund um die Welt, derzeit in Bulgarien. Dem Bild nach zu urteilen relativ UL-ig unterwegs, sicherlich finden sind irgendwo noch konkrete Infos, die übliche social Media self promo auf allerlei Kanälen darf ja auch hier nicht fehlen.

    Artikel hinter der paywall, aber vielleicht gibt's ja ein paar Abonnenten.

    Weltreise zu Fuß: Ich bin dann mal zehn Jahre weg
    Patrick Keller will zu Fuß den Erdball umrunden. In Oldenburg ist er gestartet, an Bulgariens Schwarzmeerküste haben wir ihn nach sieben Monaten eingeholt. Wie…
    www.zeit.de

    Wer den Artikel (und andere) über e.g. archive.is lesen mag, soll dies tun, ein Hinweis auf die Diskussion zu möglicherweise nachgeladenem, russischen Code und what not, die ich nicht weiter zu Ende verfolgt habe, sei aber zumindest gegeben.

    Und dann mal her mit weiteren Fundstücken! <3

    Polycro o.ä. ist wohl in der Praxis nicht so dolle, was ich so an Feedback gelesen habe. Zum einen lädt es sich statisch auf und klebt dann an den Beinen, zum anderen ist es so leicht, dass es gerne nach oben wandert.

    Aber die Hürde zum testweise mal umwickeln und selber testen ist ja niedrig, lass uns wissen, wie's dir dich funktioniert hat 👍

    Unter'm Strich bleiben als hard facts 11 Tage, 250km, 20.000+hm rauf und 19000hm runter.
    Was sagt die Ausrüstung dazu?
    So weit eigentlich alles bewährt. Bis auf die Fizans hat es auch alles unversehrt wieder nach Hause geschafft. Allerdings hatte ich auch traumhafte Bedingungen. Warm bis heiß, kein Regen tagsüber, nur eine gewittrige Nacht und erst am Abreisetag auf dem Weg zum Flughafen ein Wolkenbruch zur Verabschiedung.
    Ich habe meinen Temp. Logger mitlaufen lassen, anbei die Auswertung:

    Aber im Detail:
    Falls jemand Fragen zum ein- oder anderen Ausrüstungsgegenstand hat, gerne


    Hier die Packliste:
    https://www.geargrams.com/list?id=50502
    (Ich merke, für meine Listenansicht beim Packen sind die zahlreichen Kategorien praktisch, um die Liste zu teilen eher weniger)

    Der Reihe nach:

    Accessoires:

    • OR Echo Cap und noname Nackenschutz zum dran hängen sind ein Dreamteam gegen Sonne. In's Wasser gehalten kühlt das Cap auch angenehm lange, das Material ist luftig.
    • Fizan Stöcke: Warum auch immer die in dieser Kategorie gelandet sind. Tja...ich habe immer auf sie geschwört und gegen Skepsis verteidigt. Nun habe ich gleich beide auf ein Mal zerlegt - bei einem eher mäßigen Ausrutscher, aber eben blöd das Gewicht drauf gebracht. Gewicht...70kg. Ist allerdings auch schwer zu sagen, ob nicht vielleicht schon Vorschäden vorhanden waren - habe sie schon etliche Jahre. Eine wirkliche Alternative gibt es in der Gewichts- und Preisklasse ja nicht, von daher werde ich vermutlich wieder ein paar neue F's kaufen.

    Camp:

    • Das noch gerade so fertig gewordene Tarp hat sich gut geschlagen, on Ground wie über der Hängematte.
      Allerdings habe ich gar nicht erst versucht oberhalb der Baumgrenze mit beachtlichem Wind eine Halbpyramide zu stellen. 
      Die mangelnde Spannung von den Ecken zur Spitze ist und bleibt ein Problem der Bauform. 
      Auch die Tarp Worms und Hooks in Verbindung mit Gummiloops haben sich bewährt.
    • Die MYOG Stocktasche mit Teppichstopper Gummi für's Tarp verrutscht nicht - und das bei ordentlich Wind.
    • Die 120er Swiss Piranhas haben sich sehr gut gemacht, endlich eine zuverlässige und leichte Hering-Lösung für's Handgepäck
    • Die Sitzkissen von Dutch sind für das bekannte Noppenpattern besonders leicht. Tagsüber als Rückenpolster, nachts als Isomattenverbreiterung in der Hängematte im Schulterbereich. Kommen auf jeden Fall wieder mit. Als Sitzkissen brauche ich sie allerdings gar nicht.

    Clothing:

    • Auch die Armlinge gehören zu meinen Lieblingen. Leicht, UV Schutz, zur Kühlung nass gemacht, luftiger als ein Longsleeve. Nie ohne.Wenn ich mir Beine und Nase so ansehe, haben sie mir mal wieder einiges an Sonnenbrand erspart, die Hitze erträglicher gemacht und bei Kälte etwas Wärme geschenkt und unter der Windjacke das Kleben verhindert.
    • Die Beinlinge sind etwas wärmenderer Natur - hätte ich bis auf wenige Momente nicht vermisst, wer hätte es gedacht
    • Buff - ganz nett, aber auch meist zu viel. Die ein oder andere Nacht ganz nett, was am Hals zu haben, aber on Trail so gut wie nie getragen. Vielleicht fällt einem da für die Nacht noch was leichteres ein?
    • Windjacke wie immer Gold wert - Kapuze und full Zip sind ein echter Gewinn um das Temperaturspektrum zu maximieren
    • Isoschicht Race Smock - beim aus der Tür gehen doch noch panisch eingepackt, wäre ohne gegangen bis auf eine Nacht
    • Die Schlafsachen waren neu (Leggins&Longsleeve) war fast zu warm. Aber was gibt es leichteres, langes zum Schlafen?
    • Poncho habe ich nicht gebraucht
    • Die Schuhe sind gar nicht mit drauf gewesen merke ich. Innov8 Roclite schlagmichtot.
      Sind einigermaßen durch nach der Tour, würden vielleicht noch eine zweite überstehen, aber das Profil hat schon gut gelitten. Von den wirklich groben Stollen ist nicht mehr viel übrig, manche hat es regelrecht weg gerissen. Was ich bei der Brauereitour, wo ich sie erstmals getragen habe nicht gemerkt habe - Innov8 haben eine für meinen Geschmack viel zu enge Toebox. Auf der Tour wurden meine kleinen Zehen etwas Taub - und sie sind es noch immer! Obwohl sich der Schuh nicht unangenehm trug, waren meine Zehen einfach ungewohnt eng beieinander. Habe gerade ein paar Merrell gekauft, empfinde die Toebox auch als zu eng, aber weniger schlimm als bei Innov8. Beides kein Vergleich zu Vivo.


    Cooking:

    • Hobo - nur mit Spirituseinsatz genutzt, die Versorgung war besser als gedacht - und die Waldbrandgefahr gefühlt hoch. Zufrieden.Auch der Teelichtbrenner macht sich gut.
    • Der Cozy aus Bubble-Scheibenschutz war neu - durch wie immer zu gut gemeinten Tape-Einsatz erschreckend schwer geworden. Funktional super, vor allem für meine Ramen-Nudeln, die immer noch ein bisschen ziehen müssen. Ein Gewinn, wenn sie dann beim Essen noch ordentlich heiß sind.
    • Sawyer mini Filter: Ich habe zum ersten Mal mehr oder minder durchgehend gefitert. So unzufrieden wie viele hier bin ich mit dem Kleinen nicht. Mit sanftem Druck dauert es doch gar nicht soo lange.
    • Schabspachtel - erspart mir jede Menge Wasser beim Abspülen, respektive Abschaben.

    Food:

    • 3l waren ausreichend, weniger hätte es manchmal nicht sein sollen. Ich mag Platypus Flaschen, bei mir halten sie nun auch schon mehrere Jahre. Der Hyperflow Deckel macht das Trinken Trinkblasen-ähnlich. Leider sind mehrere meiner Hyperflow deckel leicht undicht, wenn nicht aufrecht stehend oder mit Druck auf die Flasche gelagert. On Trail kein Problem, da ich den Deckel eh immer auf die Flasche rotiert habe, die in einer der Seitentaschen zum Trinken war.
    • Ramen Nudeln: Wenn es etwas gibt, was ich mir nicht über essen kann, sind es Ramen Nudeln besserer Qualität. Vor allem die koreanischen sind spitze
    • Erbsenproteinpulver - als Müslizugabe gedacht - dickt die Flüssigkeit in den Nudeln an - eine Entdeckung in der warmen Küche.
    • Müsli - ich werde einfach kein Frühstückstyp. Habe inzwischen auf liquid meal umgestellt - VIEL besser. Nur für den Shaker muss ich mir noch was einfallen lassen.

    Hammock:

    • Erprobt und bewährt, Hängematte wie Aufhängung. Auch der Mod, einige der Schnüre zu verkürzen, um eine Überstreckung der Knie zu vermeiden wird beibehalten. Allerdings brauche ich noch ein paar haltbare Perlen dafür, die Plastikperlen hat es teilweise gesprengt.

    Pack:

    • Manchmal wünsche ich mir einen etwas längeren Rücken für den Rucksack - allerdings nur, um breitere Isomatten auch als Rückenpolster außen, nicht innen anbringen zu können. Neu waren diesmal Feinstrumpfhosen-Taschen an den Schultergurten. Für Sonnenbrille und Smartphone eine sehr schöne Ergänzung. Für kleinkram eher weniger, ich muss einen Bluetooth Kopfhörer verloren haben, höre eh meist nur mit einem.

    Personal Care:

    • Wirklich warm werde ich mit dem Azzblaster einfach nicht. Vielleicht habe ich einfach eine andere Anatomie. Meist ist er eher Ergänzung als alleiniges Reinigungsmittel.
    • Waschmittel habe ich nicht genutzt, bleibt nächstes Mal zu Hause wenn ich keinen Pausentag im Hotel plane.

    Sleep:

    • Die Isomatte ist die beste - die ich bisher gefunden habe. Die Breite ist super, im Rucksack schön versteifend. Leider durch die Hängematte nicht wirklich sinnvoll kürzbar. Die Suche geht weiter.
    • Auch der Windhard Quilt ist mittlerweile schon mehrfach erprobt. Ich steige gar nicht mehr aus dem Quilt, sondern direkt in den Mantelmodus, ehe ich die Hängematte verlasse. Bei diesen Temperaturen voll ausreichend. Ich bilde mir ein, dass er inzwischen etwas mehr Daune lässt als zu Anfang - vielleicht liegt es aber auch nur an der Leggins, die jede noch so kleine Daune festgehalten hat.
    • Auch die übergroßen Schlafsocken verhindern, dass es fußkalt wird, falls der Quilt mal durch die Hängematte etwas eingedrückt wird.
    • Was in der Liste fehlt ist mein Nackenkissen. Auch hier - erfüllt seinen Zweck bisher am Besten, aber die Suche geht weiter.

    Tech:

    • InReach: Zum Glück nicht gebraucht - außer für den Kopf in Anbetracht der vorab schwer einzuschätzenden Gegend.
    • Bindi Kopflanpe: Erster längerer Einsatz hat sich gut geschlagen, gefällt. Auch das Aufladen per USB in Verbindung mit Solarpanel.
    • Powerbank: zwei USB Ausgänge sind auf jeden Fall nice to have. Die Kapazität war auch gut. Was mir nicht gelunden ist, ist charge through mit dem Solarpanel. Das Telefon fing an zu laden, nach kurzer Zeit war es wieder vorbei, obwohl die Powerbank voll war. Es scheint also irgendwie auch von eingehenden Strom abzuhängen? Denn zu Hause an der Steckdose funktioniert es.
    • Solarpanel: Tja, Licht und Schatten. Hier hadere ich am Meisten.
      Zu Anfang begeistert, im Laufe der Tour weniger. Obwohl top Wetter, habe ich die Bank kaum noch komplett voll bekommen und musste doch anfangen, etwas mit Strom zu haushalten. Ich bin mir nie sicher, ob Winkel und Ausrichtung passen. Irgendwann kam ich mir vor wie ein Junkie - süchtig nach Sonnenlicht und ständig das Panel in die sich ändernde Sonnenrichtung haltend. Das weniger Stress durch vermeintliche Autarkheit und nicht mehr nach Lademöglichkeiten suchen zu müssen holt man durch Sonne-sammeln wieder rein.
    • Navigiert habe ich mit meinem Smartphone Xiaomi Redmi Note 5 - ein 4000mAh Akku - ein Traum. Dazu Locus, alles wunderbar.
    • Was in der Liste fehlt sind meine Bluetooth Kopfhörer QCY, bzw. VAVA. Das kabelfreie ist top, da das Fon mal in der Hosentasche, mal in der Seitentasche, mal in der Hand ist. Ich höre ausschliesslich Podcasts - mit nur einem Knopf im Ohr. Dadurch setze ich das Paar alternierend ein, wenn der eine Akku leer ist und lädt, komt der andere Knopf zum Einsatz. Setzt natürlich Strom und damit gutes Wetter voraus.


    Vermisst habe ich nichts wirklich - wirklich zu viel dabei war auch nichts, so weit, so zufrieden - fast schon beunruhigend :)

    Ein halbes Jahr später bei Dussmann. Irgendetwas sagt mir, man sollte schnell sein mit Georgien...


    Und noch etwas Nachklapp zum Mestia-Ushguli Touristenmolloch...https://ze.tt/georgien-wie-d…nd-kaputt-macht

    Noch ein bisschen Leben

    Beeindruckende Wodka-Auswahl in der Kühlung, also 'to-go'

    It's a business! 1x wiegen 20 Tetri (Kutaisi)

    Trinken? Löffeln? Sonstiges?

    Loses Gefriergut, da können wir uns eine Scheibe abschneiden

    Marktleben

    Auch Waschmittel gibt's lose

    Acharuli Khachapuri (mit Ei)

    Der 400° Ofen, aus dem das Brot kommt (in der ältesten Bäckerei Tbilisi

    Der 'Knauf' der Chinkali wird nicht mitgegessen, ist bei bestecklosem Essen nur der 'Griff'. Bei Fressewttbewerben, werden die übrigen auf dem Teller gezählt


    I have simply no idea!


    Ein bisschen Söder ist vorhanden, oder?

    Akkurat die Laufgeschwindigkeit abgebildet, mit der man manchmal Straßen queren muss

    Guess the brand

    Deutsche Einflüsse

    Viel spannender finde ich persönlich ja das unperfekte - und davon gibt es in Tbilisi durchaus noch mehr als genug - im herrlichen Architekturmix. Unglaublich viele Straßen und Gassen, die zum entdecken einladen. Zum Teil ist die Substanz allerdings derart verfallen, dass kaum noch etwas zu retten ist. Die Rekonstruktion ist zum Erhalt der Stadt also durchaus begrüßenswert, der Stil diskutabel.

    #facesinthings?

    Die folgenden 1,5 Tage bestanden aus Stadterkundung und Fresserei, ich gehe mal von Chronologie auf Kategorie über:

    Da wäre: Beeindruckende, alte Architektur verschiedenster Einflüsse. Tbilisi wurde so ziemlich von jeder Nation mal erobert, zerstört, geplündert, wieder aufgebaut, multi-kulti ist in der DNA der Stadt fest verwurzelt. Die einzige Moschee, in der Schiiten und Suniten gemeinsam beten steht in...Tbilisi. Neben Synagogen und orthodoxen Kirchen.
    Auffällig inzwischen: Der zunehmende, instandgesetzte Teil. Es werden mittlerweile von staatlicher Seite ganze Straßenzüge kernsaniert. Allerdings derart perfekt, dass keinerlei Patina und Charakter erhalten bleibt und ein leichter Disneyland-Charme entsteht.


    Ab nach Tbilisi:

    Die Marshrutka (danke @Mittagsfrost) kam tatsächlich pünktlich morgens um 7 und sammelte mich am Straßenrand ein. Von da aus ging es nach Lentheki - und von dort nach Kutaisi und dann nach Zugdidi weiter. In Kutaisi hatte ich mir für die letzte nach vor dem Flug bei Anreise bereits ein Zimmer gebucht, da ich noch nicht sicher war, wie sich das so mit Empfang in den Bergen verhält und wie knapp ich eigentlich wieder zurück sein würde. Dort schlug ich kurz auf, um einen Teil meiner Ausrüstung zu deponieren, die ich nicht mit nach Tiflis schleppen wollte und zog weiter nach Zugdidi. Der Nachtzug fuhr erst am späten Abend, ich schlug mir also noch einen halben Tag in einem eher übersichtlichen Städchen um die Ohren. Aber der Nachholbedarf an allerhand Fresserei und die üblichen Podcasts ließen die Zeit irgendwie verstreichen.
    Ich hatte im Guesthouse die Nacht zuvor eine Restaurantempfehlung bekommen, wo ich mich die letzten Stunden noch herumschlug und ein paar französische Radreisende traf, die auch auf den Nachtzug warteten, was die Zeit verkürzte. Wir teilten uns verschiedene Spezialitäten (baje, eine Soße aus Walnuss ist eine spannende Entdeckung) und tauschten Reiseerlebnisse aus.
    Der Nachtzug in der 2. Klasse, die 1. war entweder ausgebucht oder auf dieser Strecke gar nicht vorhanden, bestand aus 4 gepolsterten Pritschen. Preislich lag die Fahrt über Nacht bei unter 5€. Ich hatte noch irgendetwas für einen Lari dazugebucht, ohne verstanden zu haben, was es war - es entpuppte sich als Einweg-Bettwäsche - gott sei Dank, ansonsten wäre nichts dabei gewesen.
    Ich teilte mir das Abteil mit drei älteren einheimischen, viel Kommunikation war nicht möglich und ich legte mich bald hin.
    Es war verdammt heiß im Abteil (das Wetter im Flachen war tagsüber noch um und bei 30°), die Nacht war eine ziemliche Schwitzpartie. Ich bin in Europa ab und an mal Nachtzug gefahren, hatte das seichte Geschaukel genossen und freute mich schon auf die Fahrt. Nun ja - Georgien ist Bergig, die Schienen anscheinen nicht mehr die Neuesten - die Fahrt war mehr Bremserei als Schaukelei, Genuss ist anders.

    Tbilisi:

    Im frühen Morgengrauen angekommen, begrüßte uns der Hauptbahnhof im grauen Charme

    Mein Hostel lag einen längeren Fußmarsch entfernt, ich machte mich auf den Weg und sog einen ersten Eindruck der Stadt in mich auf.

    Mein Hostel, ich hatte irgendwo mal einen Tipp aufgeschnappt, entpuppte sich als Hipsterhölle erster Güte.
    Eine alte Nähmaschinenfabrik aus Sowjetzeiten, die zum Vergnügungsareal mit Bars, Restaurants und Geschäften ausgebaut wurde - eieiei.

    Da ich noch nicht einchecken durfte, ohne den Anteil des laufenden Tages on top zu zahlen, machte ich mich auf den Weg, die Stadt zu erkunden.

    Da ich nicht vor hatte, man-made sightseeing zu betreiben, und mich noch in irgendwelche Städte zu begeben, bin ich abgerissen, wie ich aus den Bergen kam in Tbilisi gelandet - eine interessante Erfahrung, mit Odor und Look eines latent obdachlosen durch die Stadt zu irren.

    Und der letzte Tag in den Bergen

    Tag 11: "Der A-soziale Abstieg"

    Eckpunkte:
    Ushguli -> Latpari pass -> Chvelpi
    25,5km, 1243hm up, 2237hm down, höchster Punkt 2960m

    Endlich mal wieder alle Geräte über Nacht durchgeladen, fühlt sich gut an.Zumal ich noch nicht so echt weiß, wo ich eigentlich hin will heute. Da ich gut zwei Tage schneller als gedacht unterwegs war, stellt sich die Frage, was ich bis zum Rückflug noch anstelle.

    Die Route lässt sich kaum noch verlängern, ich bin bereits meine längste Option gelaufen. Es gäbe wohl noch die Option, aus der Svaneti Region nach Racha weiter zu laufen. Nur um dort wieder in Zivilisation mit Option auf Transport Richtung Flugplatz zu landen ist der Zeitpuffer dann auch wieder nicht ausreichend.

    Also doch noch man-made Sightseeing? Batumi - also Meer und Sonne und Erholung, allerdings auch eher georgisches bling bling Las Vegas für reiche Russen und Türken - oder doch noch irgendwie nach Tblisi - sicher spannend, aber halt auch gute zehn Stunden entfernt. Na erst mal Richtung lower Svaneti raus aus den Bergen. Eventuell mache ich noch auf dem Pass Station, die Bergseen klingen interessant - und ich habe ja auch wieder einen Stock, um mein Tarp aufstellen zu können.

    Die Nacht war auch im Zimmer bereits einigermaßen kühl, obwohl ich unter einer zentnerschweren Decke begraben lag. Im Winter muss es hier wirklich frisch werden. Ich genieße die nette Aussicht aus dem Zimmer, während ich zusammenpacke.

    Ich ziehe los, auf in Richtung der Bäckerei, Puri kaufen, leider von gestern, Touris galore.

    Dann noch ein bisschen Dorf gucken, bis ich mich gegen 8:30 dann wirklich auf mache.

    Die 3l Wasser wiegen, der letzte steile Pass meiner Tour wartet, die Sonne ist schon oben. Im Anstieg gen Pass irre ich tatsächlich zum ersten Mal nach zehn Tagen auf einer Wiese wirklich umher. nach etwa einer halben Stunde wird klar, ich habe mich am falschen Fluss orientiert, vermutlich hat das Wasser die Betten gewechselt. Was noch in der Karte als größerer Bach verzeichnet ist, ist jetzt ein kaum merkliches Rinnsal - und vice versa.

    Direkt nasse Füße vom Morgentau - na was soll's, feuchtes Schuhklima war ja gestern auch ganz angenehm.

    Dann kommt mir beim Aufstieg ein übereifriges deutsches Paar auf dem Rückweg entgegen. Sind um 6:30 gestartet, waren schon "oben". Ich amüsiere mich immer, wenn ich Paare treffe. Es ist doch meist nicht schwer, zu raten, wer der beiden der wanderbegeisterte und wer der kompromissbereite eher medium motivierte Beziehungsteil ist, der gute Mine zum anstrengenden Spiel macht. In dem Fall ist es auf jeden Fall der hyperaktive, männliche Teil, der in aller Frühe zum Fotos machen hinauf musste - Gesichtsausdruck und physische Verfassung der weiblichen Begleitung sprechen Bände. Was sie mit oben meinen, bleibt unklar. Ich nehme an, das erste Plateau. Der eigentliche Latpari Pass ist eher so 4-5h one way. Es gelingt mir abermals, nicht als deutscher enttarnt und fraternisiert worden zu sein - midwest accent ftw!

    Weiter geht der Aufstieg, bis ich das erste Plateau erreiche, von woher das Paar wohl wieder abgestiegen ist. Lagerfeuer Müllverbrennungs-Taschentücher-überall-Romantik - Jikes, nichts wie weiter.

    Kurz vor dem Gorvashi Pass eröffnet sich grandiose Aussicht auf die schneebedeckten Gipfel ringsum. ich halte inne, sauge das wohl letzte majestätische Panorama auf, mache Fotos.

    Zwei Tschechen steigen auch auf, wir treffen uns kurz darauf am Pass, als sie ihr Zelt von letzter Nacht trocknen. Vater und Sohn meinen es wohl auch ernster und suchen eher die Ruhe der höheren Erhebungen und sind froh, dem Trubel unten entflohen zu sein. Sie wollen vom Pass wieder zurück in's Gebiet, ich gebe Ihnen noch den Rat, eher gen Westen zu gehen, wo doch deutlich weniger los war und ziehe weiter.


    Es folgt ein toller Gratweg, inklusive der Seen, von denen ich schon gelesen hatte.

    Ich bin fast ein bisschen wehmütig beim Blick zurück. Die Landschaft und Leute haben doch einen bleibenden Eindruck hinterlassen - das Ende kommt irgendwie immer etwas unvorbereitet. Aber der morgendliche Gedanke, hier noch Station zu machen ist schnell verflogen der Wind zieht unerbittlich über den Grat, Zeltreste einer eher ungemütlichen Nacht am Seeufer raten davon ab, es sich hier bequem zu machen. Zumal ich bereits relativ zeitig hier oben bin und eher noch Lust zu laufen verspüre. Also geht es abermals weiter Richtung Latpari und dann Chvelpi. Unterwegs suche ich nach Guesthouses und versuche per Telefon und SMS herauszufinden, ob sie wissen, wie ich von Chvelpi Richtung Kutaisi oder Zugdidi komme. Auch hier, auf etwa 3000m abermals blendender Empfang, der aber auf der anderen Pass Seite, die in's weniger touristische Tal deutet schnell verschwinden sollte.

    Gen Pass ist dann tatsächlich noch etwas mehr Gekraxel angesagt, dann bin ich oben.

    Auf der anderen Seite wird direkt die Schotterstraße sichtbar, die sich in endlosen Serpentinen über 2000hm gen Tal schlängelt.

    Ab dafür, was soll's. Die Oberschenkel machen recht schnell dicht, eine ätzende Schinderei, dazu Sonne frontal.

    Zwei Autos kommen in meine Richtung von oben, leider habe ich diesmal kein Glück. Das eine holt nur direkt unterhalb Wasser, das andere ist voll - und nicht so wirklich daran interessiert, mich noch irgendwie hinein zu quetschen.


    Es nimmt kein Ende. Ein paar schattige Fleckchen, Podcasts und die ein oder andere Brombeere machen es irgendwie erträglich, aber wäre ich gläubig, müsste ich nach der ebenso endlosen Flucherei die Strecke entlang wohl reichlich abbitte leisten. Irgendwann unten angekommen geht es Richtung Guesthouse, die Marshutka fährt angeblich direkt früh um 7 und würde für mich am Guesthouse halten. Kommt mir alles noch etwas suspekt vor, zumal die Kommunikation nicht ganz einfach war - und ich ansonsten keine verlässlichen Infos über die Verbindung aus Chvelpi finde. Campoptionen im Tal gibt es eh keine, es besteht quasi aus Fluss, daneben liegender Straße (brandneu und breit, auf den ~3km wird mir nicht ein Auto begegnen) und daneben liegenden Häusern.

    Die Häuser hier sind alle ziemlich riesig. Vermutlich mal von mehreren Generationen bewohnt - mittlerweile zieht die Jugend weg, sobald sie kann, da ist Platz für Touristen. Viele sind auch ganz verlassen.

    Ich finde nach etwas Sucherei das Guesthouse und nach etwas Gefeilsche mit Proxy über die auch nicht viel mehr dem englischen mächtigen Tochter und anfänglichen Mondpreisen sind wir uns schnell handelseinig und ich ziehe im wohl ehemaligen Jugendzimmer des Sprösslings ein. Ich genieße die Dusche, staune über die Tonnen an Staub, die ich mir von der Haut und aus den Atemwegen spüle. Die Hausherrin macht sich auf in die Küche, das Abendessen herrichten, ich recherchiere inzwischen meine Optionen für die nächsten Tage. Aus Zugdidi fährt tatsächlich ein Nachtzug nach Tiblisi - unglaublich günstig ist er auch noch. Also los. von hier geht es morgen nach Latpari, von dort kommt man nach Kutaisi, von wo aus ich ja bereits schon einmal nach Zugdidi gereist bin von wo aus der Nachtzug fährt. Den Zug kann man sogar über eine mobile App buchen, die im Gegensatz zur Webseite von Georgian Railways sogar funktioniert. Dann noch ein Hostel in Tiblisi gebucht und ich bin reisefertig. Herrlich, was mittlerweile alles möglich ist mit dieser Glasplatte in der Hosentasche.

    Mir wird ein Mahl vorgesetzt, als würde eine ganze Tafel erwartet. Katchapuri, Bohnen, Salat, Fritten, Käse, Brot, das volle Programm.

    Später trifft noch ein entfernter Verwandter aus Tiblisi ein, der mit freunden ein paar Tage in seiner alten Heimat wandern möchte. Wir tauschen Tipps aus, Svaneti gegen Tiblisi und trinken reichlich großartigen georgischen Wein. Sie sind tatsächlich die bald 400km beschwerlicher Strecke getrampt - in zwei Tagen. Probleme, mitgenommen zu werden scheint es selbst zu dritt mit Gepäck und Gitarre nicht zu geben. Sie bekommen die selbe Kombo wie ich vorgesetzt - schön zu sehen, dass man hier auch nicht anders als die eigene Sippe verköstigt wird. Später werden noch ein paar Songs zum besten gegeben (Man kann hier leider kein Audio hochladen, DL1JPH? daher hier also erstmal keine Atmo im mehrdimensionalen Reisebericht,) bis wir uns vernunfthalber gen Betten verabschieden, da es morgen für uns alle ein langer Tag werden sollte.

    Endlich wieder etwas Muße

    Tag 10: "Licht und Schatten"

    Eckpunkte
    hinter Chvabiani -> Aidishi -> South Karetta Pass -> Ushguli
    29km, 2407hm up, 1754hm down, höchster Punkt 3000m


    Um 7:40 komme ich los. Da ich direkt in der Steigung hinter Chvabiani genächtigt hatte, geht es direkt wieder steil los.

    Kurz nach starte, kommen mir zwei Riesenköter entgegen. Erst bin ich etwas besorgt, dann wird mir klar, dass auch die beiden mich schon wieder zum Auslauf nutzen wollen.

    Während der kleine Vertreter von gestern wenigstens munter vorneweg lief, sind die beiden heute nicht die hellsten Kerzen auf der Torte. Der Pfad ist schmal, was sie aber nicht davon abhält, stehen zu bleiben, sich nach vorne und nach hinten wieder und wieder an mir vorbei zu drängeln. Ich bin genervt, irgendwann verschwinden sie - endlich. Ich komme an einer ungewohnt kunterbunten Schweinefamilie vorbei. Der eine Elternteil sieht eher nach Wildschein denn nach Hausschwein aus, interessant.

    Irgendwann komme ich über eine Kuppe - und stehe plötzlich auf einer breit planierten Fläche, die sich als brachiale Schneise einer Skipiste samt Lift entpuppt.

    Damit bin ich wieder auf dem offiziellen Pfad, den ich in Chvabiani verlassen hatte. Ich stapfe eine Weile hinauf, sehe an einem Abzweig etwas in der Ferne einen Spätaufsteher beim Packen, dann geht es endlich von der Piste ab. Der Weg ist flach und ausgetreten, hat eher Spaziergangscharakter. Ich komme an einem Camp einer Gruppe vorbei, die direkt am Weg auf einer offenen Wiese auf der Erhöhung das Nachtlager aufgeschlagen hat. Schöner Suizidversuch in Anbetracht des Gewitters gestern denke ich mir noch, während ich vorbei ziehe. Es geht sehr moderat weiter, ich kann endlich mal wieder tempo machen, bin aber auch etwas baff, wie wenig fordernd der Trail auf diesem Abschnitt ist, handelt es sich doch um den berühmten Mestia-Ushguli Teil.

    Die Taschentücher allenortens und die kleinen, allerdings geschlossenen 'Bars' (Holzverschläge am Wegrand, die Getränke verkaufen) sprechen jedoch für die Popularität.

    Ich lande in Aidishi, ein durchaus hübsch anzusehendes Dörfchen.

    Dort ist eine ganze Gruppe mit Riesenrucksäcken abreisebereit, die wohl in einem der Gueshouses genächtigt hat.

    Ich shoppe mir in einem Guesthouse ein Puri 'to go', verbuche das vierfache des üblichen Preises und das ausnehmend kleine Brot mal unter der vermeintlichen Abgelegenheit des Ortes - von der Wanderautobahn, die hier durch läuft mal abgesehen.


    Weiter geht es parallel zum Fluss, den es ein paar Kilometer nach dem Ort zu queren gilt.

    Auch hier komme ich an weiteren Wanderern vorbei, die auch umm 11:30 noch nicht wirklich in die Gänge gekommen sind und es scheinbar auch nicht weiter eilig haben.


    An der Querungsstelle herrscht hochbetrieb, hier sammeln sich die Wanderer, Pferde schleppen Wanderer Samt Gepäck hinüber.

    Der Gletscher, dem der Fluss entspringt ist in Sichtweite und verspricht ein durchaus kühles Nass. Die Fließgeschwindigkeit ist definitiv hoch, aber jetzt am Morgen erscheint mir ein Furten bei noch niedrigem Pegel und um diese Jahreszeit machbar.
    Ich gehe auf- und ab, entscheide mich irgendwann für eine Stelle etwas oberhalb. Es ist machbar, aber ohne Stöcker (R.I.P) gar nicht so ohne. Das Wasser ist wahrlich arschkalt und hat ordentlich Zug. Für ein, zwei Schritte kann ich das Zerren der Strömung gut spüren, breiter Stand, und tiefer Schwerpunkt sorgen gerade noch dafür, dass ich mich halten kann. Auf der anderen Seite muss ich erst mal raus aus den Schuhen, Sand ausspülen und in mein trockenes paar Socken steigen - brrr!

    Dann geht es direkt wieder hinauf Richtung Chkhunderi Pass. im unteren Teil ergibt sich ein toller Blick auf den wirklich imposanten Gletscher, ansonsten ist der Weg wie zuvor. Ausgetreten, vielbegangen und über und über markiert mit Taschentüchern.

    Ein Mal werde ich sogar gebeten, kurz zu warten, weil da vorne noch jemand mitten dabei war, diese zu benutzen, ich kann mir nur noch ein 'disgusting' abringen. Alles etwas abstoßend, ich freue mich schon, im nächsten Tal wieder auf weniger begangene Pfade abzubiegen. Bis zum Pass werde ich 15 Leute wieder eingesammelt haben, dort oben noch mal eine Gruppe deutscher Teenies, auf dem Weg nach unten in's Tal noch mal 15.
    Zwei Briten kommen mir entgegen, sichtlich erschöpft und etwas mitgenommen. Ein bisschen Laurel&Hards in Wanderklamotten, der Hardy der Beiden mit einem ordentlich verbogenen, einzelnen Wanderstock. Es stellt sich heraus, dass sie auch über den South Karetta Pass gekommen sind, den ich anpeile. Sie raten mir ab, weglos, schwierig, keine anderen Leute etc. etc. - klingt genau richtig!
    Beim Absteigen kann ich in der Ferne noch einen Riesenrucksack mit Beinen vor mir erspähen. Es sieht derart lustig aus, dass ich mich beeile, um mir das aus der Nähe anzusehen. Ich komme leider etwas zu spät und kann leider nur noch ein Bild der kafkaesk-erschöpften Trägerin mit Ihrem am Boden liegenden Monstrum machen. Gregor Samsa wäre stolz!

    Dann verabschiede ich mich endlich wieder vom Wanderzirkus und biege in Richtung South Karetta Pass ab, während die Wanderautobahn bis Ushguli weiter im Tal verläuft. Schlagartig ruhe, nur noch Flussgeplätscher, keine Taschentücher mehr, herrlich. So schauerig, wie der Hauptweg zwischen Mestia und Ushguli, so schön die Alternative.

    Der Anstieg beginnt direkt ganz ordentlich, irgendwann zwänge ich mich dazu durch dichte Rododendron? Felder. Gen pass wird es noch mal steiler, dazu etwas rutschig auf leicht feuchtem gras. Von oben kommen drei Wanderer über den Pass. Sie entpuppen sich als Tschechen, wir plaudern etwas, sie flüchten genau wie ich in die höheren Lagen, um dem Wandertrubel im Flachen zu entgehen. Auch sie haben einen Hund im Schlepptau und amüsieren sich genau wie ich darüber, zum Auslauf benutzt zu werden.

    Am Pass ist es leider wieder etwas wolkenverhangen, nur kurz kann ich immer wieder die weißen Gipfel ringsherum erahnen.
    Der Abstieg ist ebenso steil, rutschig und wenig begangen. Nur per GPS finde ich zurück auf den Weg, der nicht immer erkennbar ist.

    Es klart noch etwas auf, die Abendsonne gibt eine schöne Stimmung. Eigentlich war der Plan, vor Ushguli mein Lager aufzuschlagen. Jedoch sind Bäume Mangelware und die Umgebung steil.

    Dann komme ich im Tal an, wieder geht es parallel zum Fluss aud einer dirt road. Hier ließe sich ein Bodencamp aufbauen - unbequem, feucht und voll einsehbar zwischen Straße und Fluss. Ich entscheide, bis Ushguli zu gehen und mir dort ein Zimmer zu nehmen - und hoffentlich etwas ordentliches zu futtern. Meine Stromversorgung ist zudem auch etwas im Keller, heute war mit dem Panel bei Wolken kein Blumentopf zu gewinnen, da kann es nicht schaden, mal alles durchzuladen.

    Als ich in Ushguli ankomme, gibt die Abendsonne gerade noch ein paar Strahlen ab - ich laufe noch etwas herum - beeindruckend, diese Menge an Türmen vor bergige Kulisse.

    Aber auch gruselig touristisch. Jedes Haus ein Guesthouse, dazwischen ein paar gar nicht mal so kleine Hotelklötze. Ein harscher Kontrast zur eigentlichen Dorfstruktur. Ich werde mehrfach angesprochen, ob ich nicht in dieses oder jenes Guesthouse möchte. Vor einem kleinen Geschäft und einem Bäcker trifft sich die Dorfjugend, Bier Fließt in Mengen, Sportzigaretten werden herumgereicht.

    Direkt daneben steht ein Polizeiauto. Ich kaufe mir die nächste Limo - Estragon. ESTRAGON! Was für eine Entdeckung! Bis ich Georgien in ein paar Tagen verlasse, werden etliche Liter dieser Grünen Plörre in mich hinein gelaufen sein.

    Ich will erfragen, wann der Laden morgen öffnet, um hier morgen aufzustocken und ein Puri zum Frühstück zu besorgen.
    Die Besitzerin pfeift ihren Sohn vom Saufgelage heran, der übersetzen muss. Ich schätze ihn auf 18,19, spricht gutes Englisch - und ist derart stoned, dass ich staune, dass er noch nicht schwebt. Wir unterhalten uns ein Weilchen, ich erfahre unter anderem, dass Gras hier gerade erst vor ein paar Wochen legalisiert wurde (https://en.wikipedia.org/wiki/Cannabis_in_Georgia_(country)) sieh an.


    Ich schaue mir zwei Guesthouses an, nehmen sich alle nicht viel. Leider ist ein eigenes Bad eher die Ausnahme, aber ich bin eh der einzige Gast. Dazu ist es inzwischen bereits spät geworden, die Küche wird für mich nicht mehr angeworfen. Na gut, dann eben wieder Ramen. Dann eine genüssliche heiße Dusche und ab in's Bett. Ich schlafe passabel, wenn auch weniger gut als in der Hängematte.

    Also zurück und seitlich runter zum Abstieg nach Lakhiri. Es ist steil, größtenteils weglos, teilweise über alte, kaum noch erkennbare trails. Der Grat teilt sich mehrmals, ohne den GPS Track wäre ich nicht nur ein Mal sonstwo gelandet.

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    Die Füße leiden abermals, rutschen in den Schuhen auf bereits seit ein paar Tagen nicht mehr wirklich angenehme Sohlenstellen. Die Wiese ist in voller Blüte - und alles möchte in meine Schuhe und mitgetragen werden. Dafür gibt es Blaubeeren ohne Ende.


    Am Auslauf des Grats wird es waldiger, erste Blicke auf Lakhiri ergeben sich.

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    Nach insgesamt 7h bin ich in Lakhiri. Was für ein Kontrast zu Mestia. Ein gottvergessenes Dorf, nur wenige Meter von der Wanderautobahn zwischen Mestia und Ushguli. Zahlreiche Türme, null Touristen, nur alte, gebückte Muttchen.

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    Habe ich eigentlich schon von den ungewohnt anzuschauenden Kühen berichtet? Da wird einem erst mal klar, mit was für eindimensionalen Züchtungen wir es zu tun haben. Tiger gefällig? Oder lieber grau und zottelig? Für jeden was dabei!

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    Dann treffe ich auch schon auf besagte Wanderautobahn im Tal. Jedes Haus ein Guesthouse, Bars, Shops. In den Vorgärten erholen sich die Teilzeitwanderer von den Flachlandstrapazen des Vormittags.

    Ich mache nur kurz Pause an einem Dorfbrunnen zum Wasser auffüllen und ziehe mir in der Bar daneben die nächsten spannenden Geschmacksrichtungen der Ostblocklimo, dann mache ich weiter. Bisheriger Favorit: Birne!

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    Immer wieder quatscht mich jemand voll, gerne auch nicht mehr ganz zurechnungsfähig: Wasser kaufen, hier schlafen, da Essen, dort Taxi - neee, madloba.

    Bedenklich, wie gewandelt die Leute hier sind. Von freudigem winken und irgendwie kommunizieren und etwas erfahren wollen weiter im Westen zu anstrengenden und auch noch schlechten Salesversuchen hier in der Gegend.


    Ich laufe schon wieder eine halbe Ewigkeit auf der ekelhaft staubigen aber optisch mit betürmten Dörfern durchaus hübschen Strecke im Tal, da trabt auf ein Mal der Köter wieder neben mir, guckt hoch, grinst wieder - als wäre nichts gewesen.

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    OK, jetzt bin ich echt baff. Mich auf dem Grat wiederzufinden, OK. Aber Nach Stunden über den weglosen Seitengrat sightseeing aka Türme anschauen kreuz und quer durch's Dorf und dann noch mal ein paar Stunden im Tal? Abgefahren, was für ein Stalker!

    Nun läuft er wieder vor und hinter mir, als wäre er nicht weg gewesen, komisches Tier! In den Dörfern kläffen andere Hunde den Fremdling auf vier Beinen an, laufen ihm nach, er interessiert sich nicht groß für sie. Ich peile langsam an, ein Nachtlager zu suchen. Es zieht sich etwas zu, der Regen, der für Nachmittag angesagt war, wird wohl am Abend kommen. Wie sich der Köter das wohl vorstellt?

    Ich - oder besser wir laufen durch Chvabiani langsam wieder bergauf, weg von der Autobahn, ich ziele auf ein Fleckchen größerer Kiefern auf einem Hügel, die Hängepotential haben dürften. Da kommt uns ein Minivan entgegen - das bekannte, neuere, asiatische Fabrikat, rechtsgelenkt, verstrahlt?

    Der Van hält, der auch nicht mehr ganz klare Beifahrer quatscht mich an. Ich erwarte den nächsten Sales pitch. Da geht die Schiebetür auf, Einsatz millennial Mädel: "Du ju spiek inglischhh? Hav Ju siehn tzree tschörmanz?"

    Ich bin von der Brilianz der Frage fast sprachlos: "Do they carry a flag? This area is full of Germans!"

    "No, wis a gitar on zhe back"

    "No girl, wrong film, sorry." Ich gehe weiter. Der Van rollt den Hügel hinunter, ich sehe ihn noch am nächsten Guesthouse stoppen und höre sie Namen rufen. Der Köter fand den Van wohl spannender als mich, jedenfalls trabt er lieber ihm in die entgegengesetzte Richtung hinterher. Komisches Tier, es sollte unsere letzte Begegnung sein.

    Herje, ganz Georgien ist ein deutscher Teenie Selbstfindungstrip! Ganz Gallien Georgien? Nein. Ganz einfach höher steigen. Dahin, wo sich das Verhältnis Schweiß zu Instastory Likes der 24/7 Foto- und Videodokumentation des grandiosen Abenteuers nicht mehr rechnet. Da ist man ganz schnell allein - und zwar völlig.

    Der Fleck Kiefern passt, Blick auf das Tal in Abendsonne ist auch vorhanden.

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    Ich baue den Tarpbunker auf und wappne mich für Regen und mehr.




    Dann kochen, etwas Körperpflege, es dunkelt - und tröpfelt auch schon just im Moment, in dem ich mattenfertig bin. Also ab unters Tarp, dem Unwetter lauschen. Ein paar Mal blitzt und donnert es recht unmittelbar und auch später weiter weg sind die Blitze in der Dunkelheit und die Donner in der Stille nicht zu ignorieren. Zu Anfang bin ich noch etwas besorgt, ob auch alles hält, kräftige Böen Drücken und zerren hier und da. Doch es macht alles einen passablen Eindruck und so halte ich noch die Gedanken des Tages fest, sehe mir die nächsten Tage an und schlafe relativ früh.

    Nachts werde ich immer mal von Böen wach, es hat aufgehört zu regnen - ich beschließe, der Eigenkonstruktion zu trauen und freue mich, dass das Tarp gleich wieder trocken gepustet wird und nickere immer wieder direkt weg.

    Tag 9: "Stalking am Höhepunkt!"

    Eckpunkte
    Ruine hinter Mestia -> Chkhuti Ridge -> Lakhiri -> hinter Chvabiani
    19km, 1800hm up, 1700hm down, höchster Punkt 3160m

    Die Wolken sind vorüber und geben einen schönen Blick auf Mestia frei.

    Ich schaue auf's Telefon und kann meinen Dusel kaum fassen. Jozef hat geantwortet, es existiert tatsächlich ein GPS Track für den seitlichen Abstieg vom Chkhuti Grat! Ich feiere den ganzen morgen über und komme voller Tatendrang um viertel vor Acht los.

    Zu beginn geht es noch seicht hinauf, die Blicke in's Tal werden sogar noch besser. Ich bewundere besonders den Flughafen im tiefen, schmalen Tal - das muss ein wahrlich spannender Anflug sein.

    Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass es nichts besseres als ein Hosentaschenvorgewärmtes Snickers an einem kühlen Morgen gibt, nachdem man ein Weilchen gegangen ist? Nun denn - Mahlzeit.

    Ich laufe und kaue so vor mich hin, da trabt plötzlich ein Köter wie selbstverständlich neben mir her, guckt dabei hoch, die Lefzen scheinen zu grinsen. Im ersten Moment denke ich noch an einen anderen Wanderer, dem die Töle zuzuordnen ist, schaue mich um, doch nichts. Habe ich schon erwähnt, dass ich Hunde nicht sonderlich leiden kann? Na was soll's. Bisher müffelt es nicht, er läuft mir nicht vor die Füße, reibt sich weder an mir, noch wird die nasse Nase in Hautkontakt gebracht oder Lärm gemacht, ich lasse ihn gewähren, finde die Kuriosität doch auch etwas unterhaltsam.

    Der Anstieg wird deutlich steiler, gut, dass das Snickers schon Intus ist und Wumms liefert. Ich habe ein Weilchen überlegt, wie man wohl anschaulich dokumentieren kann, was jeweils steil bedeutet, nachdem es mir fotografisch einfach nicht gelingen will, das Ganze adäquat abzubilden. Am ehesten fasst es in diesem Fall wohl die Kategorie 'Fersen-nicht-mehr auf-den-Boden-steil'.

    'Wir' kommen auf ein größeres Wiesenplateau. Als es durchschritten ist, kann ich am anderen Ende andere Menschen erkennen - mit Hund. Das bleibt auch von meinem aufgenötigten Begleiter nicht unbemerkt, da kann ich natürlich nicht mithalten und er trabt wieder zurück in Richtung des anderen Vierbeiners. Fast bin ich etwas Egogekränkt, mag es mir kaum eingestehen, schließlich mag ich doch keine Hunde!

    Nun geht es rauf auf den eigentlichen Anstieg des Grats. Im Angebot: Aussicht, Stille, Sonne, Blaubeeren. Die zunehmende Höhe und der schmale Grat ermöglichen mehr und mehr Rundumblick, ein wirklich großartiger Aufstieg.

    So geht es wohl gut 1-1,5 Stunden Bergauf. Als ich wieder mal innehalte, um mich nach üppigen Blaubeeren zu bücken, da plötzlich die Töle wieder lefzen ziehend-grinsend neben mir, läuft etwas vor und legt sich auf den Pfad in den Schatten. Zunächst bin ic etwas erstaunt, dass er mich wieder gefunden hat, allerdings, wenn ich so überlege - Meine Fährte nach 9 Tagen Geschufte ist wahrscheinlich für eine Hundenase in etwa so dezent wie ne Frittenbude in der Bahnhofsunterführung. Aber das Erfolgserlebnis, mich wiedergefunden zu haben scheint ihm dann auch schon genug zu sein, er bleibt liegen, ich ziehe weiter.

    Weiter bergauf, lande irgendwann recht deutlich rechts des Grats. GPS Kontrolle - der Track liegt links. Super, also Steilhang bergauf auf allen Vieren. Auf einem Grat vom Weg abkommen ist auch eine Leistung, muss man erst mal schaffen - gratuliere!

    Langsam ist mir nach Pause, aber der Grat ist derart schmal und ungeschützt, dass sich weder ein breiteres Plätzchen, geschweige denn etwas Schatten auf absehbare Zeit finden lässt.

    Die Sonne brutzelt ordentlich - das vielerorts erprobte Beduinenoutfit leistet auch hier wieder einmal exzellente Arbeit - und sieht wahrscheinlich wie immer zum Brüllen aus.

    Irgendwann lege ich mich einfach für einen Moment in die Schräge bergab, schnaufe etwas durch und genieße den Blick gen Himmel, ehe es den nächsten Höcker zu erklimmen gilt.

    Irgendwas zwickt da - ich liege mit einem Bein zielsicher quer über eine Ameisenstraße - mal schön was für die Durchblutung getan *frown

    Es geht weiter hoch, so langsam zeichnet sich der Höhepunkt des Grats ab. Drei etwa mannshohe Steintürme, ikonisch in die karge Landschaft gestapelt geben einen tollen Fixpunkt dort oben.

    Ich halte inne, lege auch noch einen Stein drauf, mache ein paar Bilder, gehe noch etwas höher um die 3100m voll zu machen. Dahinter wird der Weg weniger begangen und scheint in Richtung eines kleinen Eisfelds zu führen. Ich habe wenig Lust auf erneute Geröllfelder und Eis, zumal der Abzweig für den Abstieg über den Seitlichen Grat schon eine Weile zurück liegt.