Der morgen ist wie erwartet klatschnass, selbst in der Hängematte, von P.'s Tropfsteinhöhle ganz zu schweigen.

Das Zelt auf der Wiese ist nun nicht nur zu sehen, sondern beim Abbauen trotz der ordentlichen Entfernung sogar auch zu hören - das Sägewerk läuft noch auf Hochtouren.
Wir machen den Absprung, noch bevor uns die Sonne erreicht und machen am nächstbesten Roadside Cafe eine kleine Morgenetappe weiter durch eher liebliches Gelände Halt, um unsere Sachen zu trocknen.

Die Preise sind eher ambitioniert (Der BigMac Index ist bei unserer Tour eher der Dose-Cola-Index als Anhaltspunkt), aber die Ecke scheint auch ziemlich vielbegangen.
Das hier schon mal gezeigte Klo mit Ausblick gibt jedoch wiederum Pluspunkte


Es ist ganz schön Betrieb am Vormittag, abermals Mitglieder der sagenumwobenen, russischen Umschnall-Silbersitzkissensekte mit den Riesenrucksäcken in großer Zahl, die dort Lager aufgeschlagen hatten und noch immer nicht vom Fleck gekommen sind. Im Folgenden kündet die schweizer-Käse-artige Durchlochung des feuchten Bodens und die vielen russichen Schilder und Trail Sticker davon, dass dieser Abschnitt rund um Kemer fest in der Hand der Sekte sein muss.


Es geht ein gefälliges Flussbett entlang und wir haben Spaß beim Felshopping, bergab Richtung Göynük. Die Sonne brutzelt ordentlich, der Schirm leistet treue Dienste.




Dem Städtchen genähert mehren sich auch die unzureichend ausgerüsteten Tageswanderer und Instagramer im Selbstüberschätzungsmodus.
Ein paar Britinnen im steten Selfiemodus, Flip-Flops, leeren Wasserfläschchen und hochroten Köpfen kommt uns entgegen mit fast schon der Aufforderung statt der Frage, dass da jetzt wohl bald gefälligst mal Trinkwasser zu kommen hat. Nee Mädels - seit Stunden nicht. Aber das Flusswasser wird man ja wohl doch trinken können? Na ja, man kann vieles - ob man auch sollte...Gn8 and good luck!
Unten angekommen wirkt der Flussausläufer eher wie ein Disneyland. Zipline Jeeps im Safaristyle, Papageien, lustige Eiscremestandclowns - und eher urban anmutende Tourigruppen das volle Programm. Wir sind froh, keine Resupply zu brauchen - und nehmen die Beine schnellstmöglich wieder in die Hand, den nächsten Flusslauf wieder rauf.

Da wird es schlagartig wieder ruhiger, nur noch ein paar Mehrtageswanderer begegnen uns.
Wie sich das eigentlich mit dem Bus aus Hisarcandir nach Antalya verhält, wissen allerdings leider weder die türkischen, noch die russischen Wanderer.
Ob man dem Google Maps Fahrplan trauen kann? Da gibt es nämlich genau einen Bus früh morgens. Ob wir es überhaupt noch in ausreichende Schlagweite schaffen?
Aber der Wald und der Fels bieten langsam endlich Schatten und Abkühlung und so tun wir, was wir am frühen Abend für gewöhnlich tun - laufen, laufen, laufen. Bilder sind dabei kaum entstanden, Vernichtung der Vorräte, hier Sesamstange mit Schokocreme aus der ULer freundlichen Tube mal außen vor.

Es ist Vollmond - und irgendwie eine ganz besondere Stimmung, in der wir da andächtig unterwegs sind.
Und so werden die Kopflampen heute mal später fällig als sonst - laufen, laufen, laufen.
Und plötzlich, am letzten Pass und vor Abstieg nach Hisarcandir, zeigt sich Antalya gegenüberliegend der Bucht mit langsam aufgehenden Lichtern.
Wir verharren eine ganze Weile und genießen den Ausblick. Manchmal ist es ja der eine Blick, der einem klar werden lässt, dass man es geschafft hat, am Ende ist, Finish!


Wir rollen noch ein ganzes Stück weiter bergab bis kurz vor Hisarcandir - und latschen fast auf einen Skorpion - vielleicht doch etwas mehr Kopflampe statt Vollmond?

Es ist schon ein ganzes Stück wärmer, so weit unten. Morgen ist früh aufstehen angesagt, um auf Nummer sicher zu gehen, dass wir den Bus auch erwischen, so er denn irgendwie um und bei der angezeigten Uhrzeit auch fährt - und so fallen wir relativ direkt in die Federn, als das schnelle Lager steht.
Endspurtmodus: 35km, 2050hm ruff - und 1880 runter. Morgen früh noch schnell drei zum Bus und das war's dann - wenn er denn kommt.