Vielleicht habe ich mich da nicht klar genug ausgedrückt: Für die optimale Verteilung der Last braucht es (nicht dicke Polster, sondern) Schultergurte, die tatsächlich möglichst weit um die Schultern herumlaufen. Diese Gurte wiederum müssen dazu eigentlich zwischen den Schulterblättern mit dem Rucksackkörper verbunden sein, und zwar in einem Winkel, der das Herumschmiegen auch erlaubt. Dann braucht es regelmäßig auch Lastenkontrollriemen, die vom Rucksackträger schräg nach oben laufen, damit der obere Teil des Rucksacks nicht bei entsprechenden Bedingungen rumschaukelt.
Ray Jardine hat zwar großartige Veränderungen angestoßen – aber seine Simpel-Rucksack-Konstruktion hat den Grundstein gelegt für Rucksackträger-Befestigungen, die heute oftmals alles andere als bequem sind, gerade für Frauen und sonstige Wesen mit schmaleren Schultern sogar schlimmer als das. Zu kompensieren versucht man das dann gern mit immer breiteren und/oder dicker gepolsterten Trägern. Ray Jardine selbst trug seinen Rucksack große Teile der Zeit nur über einer Schulter und propagierte das auch immer wieder; außerdem ging es ihm damals auch um simpelste MYOG-Anleitungen, die wirklich jeder umsetzen können sollte. (Lastenkontrollriemen hat's dafür natürlich auch nicht.) Für eine "klassische" Trageweise ist es aber nicht ideal, die Rucksackträger einfach gerade und fest mit dem Rucksack zu verbinden. Bessere Lösungen hat es schon vor Jahrzehnten, fast Jahrhunderten gegeben, z. B. durch Ringe, deutlich dünnere und flexiblere Riemen zwischen dem eigentlichen Träger und dem Rucksack – bis hin zu Gelenken (!) in den Riemen schweizerischer "Affen" vom Anfang der Vierziger Jahre. Trotzdem haben sich viele kommerzielle Hersteller von UL-Rucksäcken an der Jardine-Konstruktion orientiert. Und vor allem bei Frauen sieht das dann gern so aus:

Dieses Beispiel ist von Durston, aber nur eines von vielen – und es ist bezeichnend, das selbst hochpreisige Hersteller das nicht mal als problematisch erachten, sondern selbst mit solchen Fotos werben.