Den Gedanken (digitale) Wanderführer zu schreiben hatte ich ebenfalls schon. Es scheitert bisher am Aufwand, der Angst vor Folgeaufwand (lfd. Aktualiseirungen, etc.) und der Annahme, dass der realistische "Outcome" den Aufwand nicht rechtfertigen könnte.
Ohne genauer auszuführen, einige meiner persönlichen Vorstellungen an Wander-/Trekkingführer:
- Geschichte, Kultur, etc. kann ICH absolut drauf verzichten. Ich bin der Meinung ein Wanderführer deckt das ohnehin nur sehr oberflächlich ab. Wenn mich was anderes interessiert, dann besorge ich mir diese Infos zusätzlich. Ich mag die ganzen Zusatzinfos einfach nicht. Ich kaufe einen Wanderguide wegen der spezifischen Infos. Künstliches in die Länge ziehen und verwässern brauche ich nicht.
- Gleich verhält es sich mit allgemeinen Themen. Verhalten im Notfall/bei Schlechtwetter, etc. Jeder Wanderführer hat die gleichen einleitenden Kapitel. Themen die ohnehin nur oberflächlich abgedeckt sind und bei denen es Sinn macht sich bei Interesse oder vielleicht auch notwendigerweise, anderswo schlau zu machen.
- Tabellen sind für mich die Quintesenz von Wanderguides. Das nehme ich mit auf Tour (physisch zB als Ausdruck), der Rest des Buches in Teilen als digitale Fotografien. Tabellen mit Etappen, Distanzen, Höhenmetern (Ab-/Aufstieg), inkl. wichtiger Punkte (Ortschaften, Resupply, verlässliche öffentliche Verkehrsanbindungen, Alternative Routen etc.)
- genaue Angaben zu besonders schwierigen Stellen finde ich besonders wichtig. Selbst mit einer gewissen Höhen-/Absturzangst ausgestattet, entscheidet das bei mir mit darüber ob ich eine Tour überhaupt gehe. Wo genau ist eine schwere Stelle? Was ist der Grund dafür, dass es schwer ist? Technisch, Absturzgefahr, potentielle Schneefelder, etc. - Schwierigkeit ist nicht gleich automatisch für jeden schwer. Während ich leichte Höhenangst habe, fürchte ich mich z.B. eher nicht davor in weglosem Gelände unterwegs zu sein, usw. Gibt es Umgehungen (inkl genauer Beschreibung) oder andere Möglichkeiten?
- Angaben zu wichtiger Infrastruktur finde ich besonders wichtig und kommt neben den Tabellen immer mit auf Tour als Ausdruck. Insbesondere Resupplymöglichkeiten. Öffnungszeiten, Schließung von Läden, etc machen es mitunter schwer aktuell gehalten zu werden. Aber ich teile meine Reusppliea zB in Kategorien ein 1/2/3, 1 ist sehr zuverlässig - sehr großer Supermarkt/oder mehrere in einem Ort, zB Lidl, Aldi, Migro, usw. Alles was das Herz begehrt, sehr unwahrscheinlich, dass der Laden binnen kurzer Zeit dicht macht, ausgesehnte Öffnungszeiten, mitunter auch an WE oder Feuertag. 2. Zuverlässig - kleinere Märkte wie refionaler Supermarkt, kleiner Spar, etc. - voller Resupply idR. Möglich, 3. Unklarer Resupply - Lokale Geschäfte, Alimentarios, ggf. Bäckereien oder Tankstellen, etc. Anmerkungen so gut und genau wie möglich dazu.
- Angaben die wildes Campen/biwakieren zumindest thematisieren je Etappe. Ist es möglich oder aufgrund der Topografie/Bewuchs/etc. Nicht wirklich möglich. Es müssen keine exakten Stellen angepriesen werden aber eine Einschätzung ob sich ein gewisser Abschnitt eignet oder nicht, finde ch schon hilfreich. Man mag z.B. Farout kritisieren ob der exakten CampSpot-Angabe in der App aber es ermöglicht zB deutlich länger zu gehen und später aufzustellen, da man eine Vorstellung davon hat ob man spät Abends leicht einen Platz findet oder nicht.
Das waren mal einige Gedanken dazu. Gibt sicher noch mehr aber ich denke du bekommst eh viel, teils gegensätzlichen, Input.
Wie geschrieben: für mich ist ein Wanderguide ein Wanderguide und kein Kulturführer. Übersichtlich, reduziert, kompakt. Macht den Guide nicht nur leichter sondern auch einfacher in der Erstellung und ggf. Auch kostengünstiger im Druck/Verkauf.